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Karlsruhe Ende des illegalen Gehwegparkens in Karlsruhe naht: "Es hat einfach überhandgenommen!"

Lange Zeit war es in Karlsruhe geduldet, obwohl es laut Straßenverkehrsordnung verboten ist: das Gehwegparken. Damit ist zum Jahreswechsel endgültig Schluss. Ab dann darf nämlich nur dort auf dem Gehweg geparkten werden, wo es entsprechende Markierungen erlauben. Wo dies nicht der Fall ist, müssen die Autofahrer jetzt mit Strafzetteln rechnen. Kurz vor der Abschluss des Projekts werfen die Verantwortlichen einen Blick nach vorne, aber auch zurück.

Jahrelang war es in Karlsruhe gang und gäbe, bei engeren Straßen das eigene Auto mit zwei oder mehr Rädern auf dem Gehweg abzustellen. Das hatte vor allem für Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen unangenehme Folgen: War dann der Durchgang auf dem Gehweg zu schmal, blieb nur das Ausweichen auf die Straße übrig.

Diese Begebenheit und der Fakt, dass sich Karlsruhe mit dem tolerierten Gehwegparken ohnehin in einer Grauzone bewegt, veranlasste die Verantwortlichen der Stadt zum Handeln: Im Sommer 2016 wurde das Projekt "Faires Parken in Karlsruhe" gestartet.

Freie Fahrt für Kinder- und Rettungswagen

Das Ziel dabei ist es, wie der Name schon sagt, eine faire Parksituation für alle Verkehrsteilnehmer zu erreichen. Parkende Fahrzeuge sollen keine Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen behindern. Gleichzeitig, insbesondere bei beidseitigem Parken, eine so breite Gasse freibleiben, damit auch Rettungsfahrzeuge problemlos passieren können. Doch auch die Autofahrer selbst sollen von einem klar definierten Parkraum profitieren.

Die Eisenloher Straße ist ein Beispiel für die "Karlsruher Kreativität", was die Umsetzung des Gehwegparkens angeht.
Die Eisenlohr Straße ist ein Beispiel für die "Karlsruher Kreativität", was die Umsetzung des Gehwegparkens angeht. | Bild: Florian Kaute

Seit 2016 wurde nun nach und nach alle Stadtteile unter die Lupe genommen, die Bürger informiert und schlussendlich auch an vielen Stellen die weißen Markierungen aufgebracht - wenn auch nicht immer zum Verständnis der Autofahrer.

Teilweise Kritik der Anwohner

Ein Beispiel aus Knielingen: Dort wurde in der Neufeldstraße das Parken nur noch auf eine Straßenseite begrenzt. "Das Chaos ist natürlich perfekt", kritisiert Anfang 2017 eine Anwohnerin gegenüber ka-news, "ich habe jetzt das Problem, dass ich gar nicht mehr vor dem Haus, in dem ich wohne, parken darf."

Diese Vorwürfe lässt Günter Cranz, Leiter der Abteilung Straßenverkehr beim Ordnungs- und Bürgeramt, nicht gelten. Man habe die Knielinger über die geplanten Maßnahmen informiert. Das halbseitige Parkverbot sei notwendig. "Die ohnehin schmale Straße wurde zu eng und dicht beparkt", erklärt er damals. Sein Appell: Einfahrten und Garagen müssten künftig wieder zum Parken genutzt werden.

Nur Durlach fehlt noch

Jetzt, rund zwei Jahre nach Start des Projekts, ziehen die Verantwortlichen ein Zwischenfazit. Die Zahl der Beschwerden sei nicht so hoch, wie man es vielleicht anfangs erwartet habe, so Oberbürgermeister Mentrup bei einem Pressetermin in der Weststadt.

Björn Weiße (Leiter Ordnungs- und Bürgeramt), Ulrich Wagner (Stadtplanungsamt), Oberbürgermeister Frank Mentrup, Gunther Lott, (Leiter der Abteilung für Verkehrslenkung) und Dietmar Schaber (Tiefbauamt).
Björn Weiße (Leiter Ordnungs- und Bürgeramt), Ulrich Wagner (Stadtplanungsamt), Oberbürgermeister Frank Mentrup, Gunther Lott, (Leiter der Abteilung für Verkehrslenkung) und Dietmar Schaber (Tiefbauamt). | Bild: Florian Kaute

Mittlerweile sei die Maßnahme in 26 von 27 Stadtteilen abgeschlossen, so Oberbürgermeister Mentrup weiter. Nur Durlach fehlt noch. Heißt: Dort, wo auf dem Gehweg künftig das Parken erlaubt ist, sind Markierungen und Beschilderungen angebracht. Dort wo es keine solchen Markierungen gibt, ist das Parken auf dem Gehweg nicht mehr erlaubt.

Drei Mann waren rein rechnerisch zwölf Monate mit Markieren beschäftigt

Für die Markierungsarbeiten waren in den vergangenen Jahren immer mal wieder zwei Trupps des Tiefbauamts unterwegs. "Wenn man es zusammenrechnet, waren drei Männer 12 Monate am Stück damit beschäftigt, die weißen Striche auf den Fahrbahnen anzubringen und teilweise die Straßen 'anzukeilen'", so Dietmar Schaber vom Karlsruher Tiefbauamt. Mit "Ankeilen" ist das Anbringen von Asphalt vor Bordsteinkanten gemeint, damit die Autos, dort wo es erlaubt ist, leichter die Kante überqueren können. Eine Summe an Gesamtkosten kann Schaber nicht nennen.

Bild: Thomas Riedel

Ab Mitte Januar wird es dann ernst, so Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes. Ab dann wird die Einhaltung der Markierungen kontrolliert. Während das Ordnungsamt bislang nur Hinweiszettel an die Falschparker verteilt hat, wird dann ein Knöllchen über 20 Euro hinter dem Scheibenwischer klemmen. Ist das Auto gar so auf dem Gehweg abgestellt, dass es eine Behinderung für Fußgänger oder andere Fahrzeuge ist, werden 30 Euro fällig, erklärt Weiße.

Land hat Änderung eingefordert

Die Neuordnung ist aus Sicht von Weiße überfällig, "Es hat einfach überhandgenommen", so der Chef des Karlsruher Ordnungsamtes. Die Zahl der Fahrzeuge sei in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Beschwerden von Fußgängern hätten sich gemehrt und es habe sich nicht abgezeichnet, dass sich die Parksituation ohne das Eingreifen wieder bessert. Zudem sei das Eingreifen deswegen nötig gewesen, weil Karlsruhe eine entsprechende Anweisung von der Landesregierung erhalten habe.

Bild: Thomas Riedel

Doch das Handeln bringe für Fußgänger ein "deutliches Mehr an Lebensqualität mit sich", so Oberbürgermeister Frank Mentrup weiter. Für die Autofahrer selbst bedeute es zwar einen Eingriff in den Parkraum, aber es seien nicht mehr Parkplätze verringert wurden, als für die Maßnahme selbst nötig wurde. "Teilweise konnten wir auch Parkplätze gewinnen", so Ulrich Wagner vom Stadtplanungsamt.

Karlsruhe dient als Vorbild

Dort nämlich, wo durch die Neuordnung Fläche frei wurden, wie in der Weinbrennerstraße beispielsweise. Dort wurde ein Radweg aufgelöst, dafür wurden Parkflächen eingezeichnet. "Der Radweg war in der 30er-Zone gar nicht mehr nötig", so Wagner. Grundsätzlich habe man beim Stadtplanungsamt "nicht mit der Keule zuschlagen" wollen, was die neue Ordnung angeht.

Bild: Thomas Riedel

Mit seinem Vorgehen könnte Karlsruhe nun Nachahmer finden: Eine Delegation aus Mannheim hat sich angekündigt, die sich das "Karlsruher Modell beim Gehwegparken", was die Umsetzung und die begleitende Bürgerbeteiligung angeht, anschauen möchte. In der Quadratstadt steht das Verbot des Gehwegparkens nämlich jetzt auch bevor.

Alle Änderungen im Überblick:

  • Gehwegparken ist künftig nur noch in Zonen erlaubt, die klar gekennzeichnet sind.
  • In nicht angespannten Parkbereichen ohne Markierung wird das Gehwegparken künftig tabu sein.
  • Das gilt auch für Straßen, in denen kein beidseitiges Parken möglich ist.
  • Als absolutes Minimum für die zulässige Gehwegbreite gelten künftig 1,60 Meter.
  • Bei Neubauten müssen die Gehwege künftig an die neuen Regeln angepasst werden.
Alle Informationen zum Thema Gehwegparken (externer Link) finden Interessierte auf einer neuen Internetseite der Stadt Karlsruhe. Die Seite ist aber bei der Beschreibung der Stadtteile, die in Prüfung, Bearbeitung oder die abgeschlossen sind, nicht aktuell!

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Parken in Karlsruhe | ka-news.de: Parkstreifen oder Parkhaus? Wo ist Parken noch erlaubt und wo wird es verboten? Ab 2018 ist das Gehwegparken in Karlsruhe Vergangenheit. Alle aktuellen Infos rund um das Thema Parkraum und -regeln in Karlsruhe gibt es hier in unserem Dossier.
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  •   schmidmi
    (2802 Beiträge)

    19.12.2018 09:59 Uhr
    So ein Quatsch
    !
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  •   Beiertheimer
    (1275 Beiträge)

    18.12.2018 22:43 Uhr
    Wieviele Garagen
    werden zweckentfremdet verwendet?
    Wieviele im Bauplan angegebene Stellplätze gibt es wirklich noch?
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  •   likeka
    (605 Beiträge)

    18.12.2018 21:38 Uhr
    Aha.
    Wie bitte soll die Stadt die Anzahl der PKW verringern?
    Man kann ja niemandem sein Eigentum wegnehmen.
    Man kann höchstens Alternativen attraktiver machen. Dazu gehören neben ÖPNV und Radverkehr eben auch, dass man mit einem Kinderwagen auf dem Gehweg durchkommt.
    In Summe dürfte sich jetzt die Anzahl der Parkmöglichkeiten verringern. Das man allerdings das Bestmögliche für alle rausholt, finde ich gut!
    Da wo nötig, wurde das Parken verboten, da wo möglich, legalisiert.
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  •   schmidmi
    (2802 Beiträge)

    19.12.2018 18:18 Uhr
    ...oder den Parkraum verknappen
    zwinkern
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  •   Chris23
    (619 Beiträge)

    18.12.2018 22:06 Uhr
    Das wollte ich auch gerade schreiben
    ... und wenn es nur um die Knöllchen gehen würde, in meiner Wohngegend könnte man schon jetzt eine goldene Nase verdienen. Aber kontrolliert wird nicht, und selbst Feuerwehrzufahrten mit von der Stadt durchgestrichenen Flächen als legale Parkplätze definiert.
    Und es gibt durchaus genug freie Parkflächen, knapp 100m weiter ist meist eine Reihe Parkplätze(30-40) stück mit ausnahme 2-3 Dauerparkender Fahrzeuge frei. Die wird eher zwischen 8-16 Uhr genutzt, in der Zeit in dem das "Wohngebiet" leer ist.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    18.12.2018 21:49 Uhr
    aha
    ja, alternativen, die für JEDEN möglich und erschwinglich sind, z.b. kostenloser ÖPNV anbieten.
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  •   likeka
    (605 Beiträge)

    18.12.2018 22:53 Uhr
    Argument
    das wiederum ist ja fast schon ein Argument für Knöllchen (irgendwie muss ein kostenloser ÖPNV ja finanziert werden) zwinkern Das gerade macht die Stadt ja nicht. Sie hat ja extra Flächen gekennzeichnet, damit Rechtssicherheit besteht.
    Aber im Ernst: Für die meisten derjenigen, die jetzt ein Auto haben, dürte bei Verzicht auf ein Auto die Jahreskarte billiger sein.
    Wichtiger ist mir persönlich da die Qualität des ÖPNV massiv auszubauen.
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  •   Elim_Garak
    (314 Beiträge)

    19.12.2018 08:33 Uhr
    Autos sind teurer für die Stadt
    https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/veroeffentlichung-von-ergebnissen-ueber-die-kosten
    Einfach Geld mal gerechter verteilen, dann löst sich das Problem Auto von alleine.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    18.12.2018 20:09 Uhr
    So ein Aufriss
    wegen ein bisschen Parken.
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  •   linkesocke
    (98 Beiträge)

    18.12.2018 20:04 Uhr
    In der Südstadt
    wurden die Markierungen sogar zweimal aufgemalt, das nennt man wohl Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
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