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Karlsruhe Ellen Esen: "Karlsruhe hat eine ausgeprägte rechte Szene"

Die Karlsruher Politikwissenschaftlerin Ellen Esen beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist Aufklärung an Schulen, außerdem arbeitet sie mit Aussteigern aus der rechtsradikalen Szene. Im ka-news-Interview spricht sie über die rechte Szene in Karlsruhe und erklärt, warum gerade Jugendliche gefährdet sind.

Frau Esen, Sie beschäftigen sich schon seit über 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus. Wurde die Gefahr in den vergangenen Jahren unterschätzt?

Ganz eindeutig: Ja. Ich beobachte, dass Rechtsextremismus immer - und nur dann - zum öffentlich diskutierten Thema wird, wenn es spektakuläre Gewalttaten gibt. Es ist ein Irrglaube, dass solche Gewalttaten urplötzlich aus dem heiteren Himmel fallen.

In den vergangenen Tagen war in Anlehnung an die linksextreme RAF immer wieder von einer "Braunen Armee Fraktion" die Rede - was halten Sie von diesem Vergleich?

Es gibt Terror von rechts. Dieser Terror ist zielgerichtet und wendet sich gegen alle, die nicht in das rechtsextreme Weltbild passen. Der Kernbegriff Rechtsextremer ist die "Volksgemeinschaft". Das ist ein willkürlich definierter Begriff, der Menschen ein- oder ausschließt. "Volksschädlinge" nannte man das unter Adolf Hitler. Damit sind gemeint: Menschen mit Migrationshintergrund, Schwule und Lesben, Juden, Muslime, politisch Andersdenkende, Obdachlose, sozial Schwache. Letztendlich läuft es nach dem Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!". Ausgegrenzt werden auch all jene, die als "asozial" gelten und mit ihrer Arbeitskraft keinen Beitrag leisten können zur "Volksgemeinschaft". Die Zielobjekte rechtsextremer Gewalt sind somit sehr viel breiter angelegt als die einer RAF. 

Man wird nicht mit einer extremen Einstellung geboren - was bringt einen Menschen dazu, sich rechtsextremistischen Ideen zuzuwenden?

Das Einstiegsalter liegt bei 12, 13, 14 Jahren. Mitten in der Pubertät also. Diese Kinder sind auf der Suche nach Sinn, stellen sich Fragen und haben auch ein Gefühl dafür, was so alles in ihrem Umfeld geschieht und schief läuft. In dieser Phase suchen Jugendliche nach Halt und Geborgenheit. Finden sie diesen nicht bei ihren Eltern, ihrer Schule und ihrem Freundeskreis, dann ist die Verlockung groß, dass sie sich Gruppen anschließen, die Zusammenhalt und Kameradschaft anbieten.

Gibt es in Karlsruhe oder der Region eine rechtsextreme Szene? Wie muss man sich diese Szene vorstellen - und wie gefährlich ist sie?

In Karlsruhe gibt es eine ausgeprägte rechtsextreme Szene, die jenseits der NPD in losen Netzwerken organisiert ist. Die Führungsfiguren der Gruppierung sehen aus wie Punks und skandieren vermeintlich linke Parolen. Für ihre Website haben sie einen Namen gewählt, der auf ein demokratisches Bündnis schließen lässt. Solche Mimikry-Aktionen verschleiern die menschenfeindliche Ideologie der Rechtsextremisten.

Die Karlsruher Gruppe setzt auf Freizeit-Events zur Gewinnung von weiteren Anhängern. Dazu gehört auch die Ausrichtung von Fußballturnieren. Jährlich wird ein Svastika-Cup ausgelobt, will heißen, ein Hakenkreuz-Pokal geht an den Gewinner.

Was kann auf lokaler und regionaler Ebene gegen Rechtsextremismus unternommen werden?

Es wird immer eine Kombination aus staatlicher Repression, Engagement der Zivilgesellschaft, Pressearbeit und politischer Bildung sein müssen.

Einer der Schwerpunkte Ihrer Arbeit ist die Aufklärung über das Erscheinen, Symbole und das Auftreten von rechtsextremen Gruppen, unter anderem an Schulen. Warum ist das wichtig? Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Zeichen und Symbole der rechtsextremen Szene wandeln sich permanent. Für das pädagogische Personal ist es wichtig, auf einem aktuellen Stand zu sein. Mit Jugendlichen kann nur auf Augenhöhe überzeugend und ernsthaft diskutiert werden, wenn Kenntnisse über aktuelle Entwicklungen vorliegen.

Derzeit wird wieder ein Verbot der NPD diskutiert - wie stehen Sie zu dem Vorstoß?

Grundsätzlich befürworte ich ein Verbot der NPD. Haupteinnahmequelle der NPD sind staatliche Zuwendungen. Insofern würde ich die Partei als ein staatlich subventioniertes Ärgernis bezeichnen, das es auszuschalten gilt. Ein Parteiverbot bedeutet aber nicht, dass rechtsextreme Einstellungen damit dann auch verwinden.

Fragen: Felix Neubüser

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1211 Beiträge)

    18.12.2014 18:38 Uhr
    oh je, bin zu schwach, um mich dazu zu äußern
    einje politiktante von der uni, um himmels willen, die weiß ja nicht mal, wo rechts und links ist
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    18.11.2011 16:46 Uhr
    Schon
    interessant. Jetzt weiß ich, was Politikwissenschaftler so alles machen und wozu man sowas studieren kann.

    Ein richtiger Karriere-schub wäre natürlich als Nazi-Experte in einer Talkshow berichten zu dürfen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    18.11.2011 09:21 Uhr
    5 Kommentare
    nach jokas 150. Kommentar und der Zähler steht auf 151 **grübelüberleg**
    Wer hat denn da schon wieder Unanständiges geschrieben? zwinkern
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  •   silberahorn
    (10999 Beiträge)

    18.11.2011 09:45 Uhr
    hallo daisyy
    Ich tippe das waren die Bemerkungen zum Aussehen, bin aber zu faul nachzuschauen.
    Nur eine Vermutung, weil da was über gefärbte Haare stand ...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    18.11.2011 10:05 Uhr
    Die gefärbten Haare
    sind noch da. Sind noch nicht "rausgefallen" grinsen
    Nur die persönlichen Eindrücke, die Frau Esens Foto auf verschiedene Kommentatoren hinterlassen hat, die wurden "rausgewaschen" zwinkern
    Aber mein Gott der Gerechte zwinkern... keiner kann was für sein Aussehen, zumal die Gschmäcker auch noch verschieden sind.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.11.2011 12:38 Uhr
    Stimmt,
    und der Rest hängt schön in der Luft. grinsen

    Aber man kann ja nicht davon ausgehen, dass sich 'Fremdleser' durch die Kommentare arbeiten. So gesehen ist es eigentlich egal.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2030 Beiträge)

    18.11.2011 05:39 Uhr
    Wann steigt die Gewaltbereitschaft ?
    Wenn man gerecht oder ungerecht behandelt wird
    Wenn man benachteiligtwird
    Wenn es einem finanziell gut oder schlecht geht
    BeiSozialer Ungerechtigkeit
    Angeblich sind wir doch ein Rechtsstaat
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.11.2011 15:40 Uhr
    Gewaltbereitschaft
    Ob die "deutschen" Neonazitäter so benachteiligt waren wage ich mal zu bezweifeln.

    Die Gesellschaft bringt leider auch Mörder hervor, ob das nun Amokläufer, Dönermörder oder Ehrenmörder sind interessiert das Opfer recht wenig.

    Man sollte diese Tat als das betrachten was es ist, ein neunfacher Mord, begangen von drei Komplizen.

    Keine mildernden Umstände für Neonazis, keine mildernde Umstände für Schariagläubige, Mord ist Mord! Und vor Gericht ist die politische Einstellung zweitrangig.

    Diese ist nur interessant um solche Morde in zukunft zu "verhindern" - und das funktioniert wiederum nicht indem man eine NPD verbietet oder sonstwas dieser Art tut.

    Mein Standpunkt zu dem Thema ist ansonsten eigentlich bekannt.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.11.2011 15:43 Uhr
    Ansonsten
    Ist "soziale Benachteiligung" für mich kein Grund zu morden, und schon garnicht Unschuldige.

    Was ich allerdings sehr dubios finde, es sollten ja auch Politiker ermordet werden, stattdessen ermorden sie erstmal 9 Dönerbesitzer völlig ohne Zusammenhang, warten fünf Jahre und bringen ein "Manifest" heraus? Da stinkt doch was gewaltig zum Himmel...
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    17.11.2011 23:17 Uhr
    150...
    und gute Nacht schuschammen.
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