Karlsruhe Einzige Feuerwehr-Frau der Fächerstadt: "Ich fühle mich hier ungemein wohl"

Die Karlsruher Berufsfeuerwehr hat insgesamt über mehrere hundert Männer im Dienst - unter all diesen tummelt sich aber auch eine Frau: Brandmeisterin Maike Laub. Wie es sich als einzige Frau bei der Berufsfeuerwehr im Einsatzdienst arbeitet, verriet die 28-Jährige im Gespräch mit ka-news.

Retten, Löschen, Bergen, Schützen - das sind die Aufgaben einer Feuerwehr. Das bedeutet: Menschen in Lebensgefahr retten, Brände löschen, Personen oder auch Tiere bergen und das Einsatzgebiet vor möglichen Gefahren wie einer Überschwemmung schützen.

Auch in Karlsruhe folgt die Berufsfeuerwehr diesen Aufgaben. Denn wie man so schön sagt: Auf Feuerwehrmänner ist im Notfall immer Verlass. Doch auf Feuerwehrfrauen auch? Natürlich, sagt die Stadt Karlsruhe und macht deshalb auch in diesem Beruf keinerlei Unterschiede bei der Einstellung der Mitarbeiter.

28-Jährige ist einzige Frau bei Berufsfeuerwehr

Die 28-jährige Maike Laub, die einzige Frau, die bei Karlsruher Berufsfeuerwehr im Einsatzdienst ist, ist dafür der beste Beweis. Sie ist seit 2013 - und damit schon fast fünf Jahre - bei der Berufsfeuerwehr in Karlsruhe. Das sie dort arbeitet, ist kein Zufall: "Es war schon immer mein Wunsch zur Berufsfeuerwehr zu gehen", so Laub im Gespräch mit ka-news.

Bereits im Kindesalter ging die gebürtige Landauerin zur Jugendfeuerwehr - später während ihrer Ausbildung zur Metallbauerin zur freiwilligen Feuerwehr. Dort ist sie - trotz ihres jetzigen Berufes oder eben genau deshalb - auch heute noch Mitglied und engagiert sich ehrenamtlich.

Für den Beruf muss einiges mitgebracht werden

Doch damit sie bei der Berufsfeuerwehr ihre Grundausbildung beginnen und jetzt auf der Feuerwache West in der Karlsruher Honsellstraße im Dienst sein kann, musste sie wie jeder andere Bewerber - egal ob männlich oder weiblich - den Einstellungstest bestehen. "Hier wird neben der dem Feuerwehrdienst dienlichen Berufsausbildung, die körperliche Fitness und das handwerkliche Interesse abgefragt", erklärt Markus Pulm, der Pressesprecher der Feuerwehr Karlsruhe gegenüber ka-news.

Nicht einfach für eine Frau, so die Brandmeisterin: "Gerade die körperliche Fitness, das Laufen und das Schwimmen, muss sowohl vor der Bewerbung als auch natürlich im täglichen Dienst im Auge behalten werden." Außerdem müsse man auch als Frau das technische Interesse mitbringen, sonst wäre der Beruf der Brandmeisterin nichts für einen.

Eine Feuerwehr-Frau zu sein, kann auch Vorteile haben

Die Karlsruher Berufsfeuerwehr arbeitet in insgesamt drei Wachabteilungen mit insgesamt je 22 "Männern" - und eben in Laubs Abteilung einer Frau. Doch besondere Vorkommnisse habe Laub auf ihrer Arbeit noch nie erlebt: "Ich habe noch nie negative Erfahrungen wegen meines Geschlechtes gemacht. Im Gegenteil: Bei Einsätzen kommt es schon mal vor, dass ich hilfesuchenden Frauen einfach besser zur Seite stehen kann."

So erzählt die 28-Jährige beispielsweise von einem Einsatz, bei dem eine Mutter mit ihrem Kind in einen Autounfall verwickelt war. "Hier habe ich mich in die Situation gut hinein versetzen können und der Frau ein offenes Ohr bieten können."

Berufsfeuerwehr Karlsruhe
Kommt es zu einem Einsatz, handelt jeder gleich: Egal ob Frau oder Mann: Alle müssen so schnell wie möglich in das Einsatzfahrzeug kommen. | Bild: Julia Wessinger

Keine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Auch auf der Wache spiele die Tatsache, dass die Brandmeisterin eine Rarität in Karlsruhe ist nur selten ein Rolle: Natürlich gibt es unterschiedliche Duschräume für Mann und Frau und ab und zu werden auch "typische Frauen-Witze gemacht", aber dazu müsse man eben stehen, sagt Laub selbstbewusst. "Ich fühle mich hier ungemein wohl, weil ich weiß, dass wir als Team funktionieren, in dem jeder weißt, was zu tun ist."

Klaus Bohrer, der Leiter der "Wachabteilung Zwei" und damit auch der direkte Vorgesetzte Laubs, kann dies nur bestätigen: "Sie wird bei uns gleichwertig wie ein Mann behandelt - da werden keine Unterschiede gemacht." Anfangs sah Bohrer die Einstellung einer Frau aber kritisch, doch nachdem er merkte, dass die Brandmeisterin "nicht auf den Mund gefallen ist" und "sehr gute handwerkliche Fähigkeiten mit sich bringt", schätzt er sie sehr in seinem Team.

Berufsausbildung und körperliche Fitness schrecken ab 

Doch warum entscheiden sich allgemein weniger Frauen für eine berufliche Karriere bei der Berufsfeuerwehr? Pulm zählt gegenüber ka-news als Antwort drei mögliche Faktoren auf: So sei ein Beruf bei der Feuerwehr für Jungen in vielen Fällen ein Traumberuf - schon im Sandkasten werde mit Feuerwehrautos gespielt. Dem gegenüber übt die Tätigkeit auf viele Mädchen oder auch Frauen eine deutliche geringere Reizwirkung aus. "Damit ist das Potenzial an Interessenten schon mal unausgeglichen", erläutert Pulm.

Insgesamt erwartet die Feuerwehr als Vorkenntnis "eine dem Feuerwehrdienst dienliche Berufsausbildung". Ein weiterer Grund für den Pressesprecher, da es sich dabei mit Maurern oder Schlossern nicht unbedingt um klassische Frauenberufe handelt. Außerdem sieht Pulm das dritte Problem in der hohen Anforderung an die körperliche Fitness, die viele Bewerber sowohl Frauen, als auch Männer abschrecke: "Damit haben viele Bewerber massive Probleme."

Berufsfeuerwehr Karlsruhe
Die Bekleidung der Brandmeisterin hängt neben den Sachen der Männer: Hier werden keine Unterschiede gemacht. | Bild: Julia Wessinger

Mehr Frauen sind herzlich willkommen

Aber natürlich sollen all die Erwartungen keine Hindernisse sein: Pulm ist sich im Gespräch mit ka-news sicher: "Frau Laub ist der lebende Beweis, das eine Frau bei der Feuerwehr funktioniert" und will damit weitere Frauen animieren, sich dem Beruf der Brandmeisterin zu widmen und sich für den Einstellungstest zu bewerben.

Denn insgesamt wünsche man sich schon allein wegen der bisherigen positiven Erfahrung mehr Frauen bei der Berufsfeuerwehr in Karlsruhe. Darum versuche man laut Pulm durch Veranstaltungen wie der "Girls Day" jungen Mädchen den Beruf der Brandmeisterin näher zu bringen.

Brandmeisterin Laub sagt abschließend im Gespräch mit ka-news, dass vor allem die Abwechslung im Beruf gepaart mit der Tatsache, dass man Menschen helfen kann, genau das sei, was sie so sehr am Beruf der Feuerwehrfrau schätze. Alle Frauen, die so etwas gerne in ihrem Berufsalltag erleben würden, Spaß am Sport und technischen Interesse mit sich bringen, seien also genau richtig bei der Berufsfeuerwehr Karlsruhe.

Informationen rund um die Karlsruher Feuerwehr sowie zu den Stellenausschreibungen gibt es unter www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/feuerwehr.de

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Alles zur Feuerwehr in Karlsruhe: Die Berufs­feu­er­wehr der Stadt Karlsruhe verfügt über etwa 210 Einsatz­be­amte, die ihren Dienst auf 2 Feuer­wa­chen versehen. Zusätzlich verfügt die Stadt über eine leistungsfähige Freiwillige Feuerwehr, die 16 Abteilungen umfasst. Hier versehen rund 650 ehrenamtliche Helfer ihren Dienst. Hier gibt es eine Übersicht über Berichte rund um die Karlsruher Feuerwehr.
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