Karlsruhe "Einfach nur hier sein und Bier trinken": A hoch 3 am Werderplatz hilft Menschen vor Ort mit Respekt, Reden, Ruhe - und Alkohol

Am Werderplatz findet sich der "Alkoholakzeptierende Aufenthaltsraum" - kurz "A hoch 3". Er ist eine Maßnahme, um den Werderplatz wieder attraktiver und sicherer zu machen - aber auch, um den Menschen die Hilfe brauchen eine Anlaufstelle zu geben. Und die wird gut angenommen: "Hier gibt es etwas Warmes zu essen, unsere Besucher können Wäsche waschen oder einfach nur hier sein, ihr Bier trinken", sagt Sozialarbeiterin Anita Beneta.

Lange wurde in Karlsruhe überlegt, wie sich die Situation auf dem Werderplatz entspannen lässt, wie es friedlicher wird und der Platz wieder mehr Lebensqualität bekommt. Eine von vielen Maßnahme: ein Alkoholkonsumraum in der Schützenstraße 2. Er ist seit September geöffnet und findet regen Anklang.

"Im Schnitt kommen 32 Personen pro Tag in das A3, das sind mittlerweile 3.000 Besucher seit September 2018 gewesen", sagt Anita Beneta im Gespräch mit ka-news. Sie ist Bereichsleiterin Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie Karlsruhe und im Alkholkonsumraum tätig.

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Anita Beneta, Sozialarbeiterin und Fachbereichsleiterin für den A hoch 3. Der wird von der Diakonie betrieben. | Bild: Anya Barros

Ebenfalls beim Gespräch anwesend, ist ihre Kollegin Gabriela Burdeti: "Schon bevor wir morgens um 11 Uhr aufmachen, warten die Besucher vor der Tür!" Das A3 ist beliebt, bietet es doch eine Alternative zum benachbarten Werderplatz. 

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Gabriela Burdeti ist Streetworkerin bei der Diakonie und im A hoch 3 tätig. | Bild: Anya Barros

"Hier gibt es etwas warmes zu essen, unsere Besucher können Wäsche waschen oder einfach nur hier sein, ihr Bier trinken", sagt Anita Beneta. "Aber wir bieten ihnen eine Struktur, das hat auch Rainer geholfen. Und wir geben ihnen Regeln, das wollen viele Besucher auch", sagt die Sozialarbeiterin gegenüber ka-news. Wer sich aber nicht an die Hausregeln hält, fliegt raus.

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Bild: Anya Barros

"Da müssen wir auch durchgreifen, dann gibt es eben Hausverbot", sagen die beiden Sozialarbeiterinnen Beneta und Burdeti. "Doch sie merken schnell, dass ihnen das nicht gut tut und nach einer Woche stehen sie wieder hier und entschuldigen sich!" Denn im A3 haben die Gäste Ansprache, erfahren Respekt, haben ihre Ruhe. "Außerdem passen wir auf unsere Gäste auf!" 

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Bild: Anya Barros

Das machen Anita Beneta und ihr Team so gut, dass nun schon drei Besucher dem Alkohol abgeschworen haben. "Wir sind so stolz! Wir mussten sie nicht belehren und ihnen sagen, dass Alkohol nicht gut für sie ist, das war ihre eigene Motivation!"

So wie bei Rainer. Seit Weihnachten ist der 54-Jährige trockener Alkoholiker, hat im A3 sogar einen Job gefunden. "Dafür habe ich mit dem Saufen aufgehört. Es macht mich stärker, wenn ich sehe, dass mein Leben vorangeht", sagt er gegenüber ka-news. 

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Bild: Anya Barros

Nach anfänglicher Skepsis sind nun auch die Nachbarn auf der Seite des Alkoholkonsumraumes. "Da steckt viel Arbeit dahinter, dass wir mit den Anwohnern ein gutes Verhältnis haben und mittlerweile kommen sie und fragen uns, ob sie helfen können", erzählt Gabriela Burdeti. "Das gute Verhältnis freut uns sehr!" 

A hoch 3 Alkoholakzeptiernder Aufenthaltsraum
Bild: Anya Barros

Auch, dass die Gäste das A3 so gut annehmen, macht die beiden Sozialarbeiterinnen sehr stolz. "Wir wussten nicht, wie das Angebot ankommt - obwohl wir vorher viele Umfragen unter den Besuchern des Werderplatzes gemacht haben", sagt Burdeti im Gespräch mit ka-news. Und Anita Beneta ergänzt: "Für uns ist das hier jetzt der Werderplatz", sagt sie und schaut sich im A3 um. "Das ist Arbeit hier und auch wenn es manchmal traurig ist, es macht viel Spaß!"

Bild: Thomas Riedel
ka-news-Hintergrund

Der Alkohol Akzeptierende Aufenthaltsraum (A3) wurde im April 2018 durch den Gemeinderat beschlossen und im September 2018 eröffnet. Ziel von A3 sei es nicht, Menschen von anderen Plätzen und aus anderen Stadtteilen in der Südstadt zu versammeln, sondern denjenigen, die sich dort bereits aufhalten, eine Perspektive zur aktiven Gestaltung ihres Alltags zu geben.

Er wird von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen vom Diakonischen Werk Karlsruhe begleitet. Im Rahmen der Öffnungszeiten - sechs Stunden - können die Besucher Freizeitangebote wahrnehmen. Zudem wird niedrigschwellige Beratung angeboten und wird eine ausführliche Beratung gewünscht, erfolgt eine Weitervermittlung an Streetworker oder andere Beratungsstellen.

Die Besucher können selbstmitgebrachten Alkohol konsumieren. Zudem können die Besucher an der Theke alkoholfreie Getränke wie Cola, Fanta, Wasser, Kaffee und Tee für eine kleine Spende oder ganz umsonst bekommen.  

 

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