14  

Karlsruhe Eine kleine Pflanze tyrannisiert eine ganze Stadt – wieso Karlsruhe die Ambrosie so intensiv bekämpft (mit Video)

Ein kleines Pflänzchen mit leider großer Wirkung: Die eingeschleppte "Ambrosie" breitet sich in Karlsruhe aus – zum Leidwesen vieler Allergiker. Schon vier bis fünf Pollen in einem Kubikmeter Luft können die Schleimhäute reizen. Die Stadt Karlsruhe hat sich daher die Bekämpfung der Pflanze zur Aufgabe gemacht – mit dem simpelsten Mittel, das man sich vorstellen kann: Wasser.

Die Ambrosie sieht unscheinbar aus: Keine auffälligen Blüten, keine großen Blätter – also wie jedes andere Unkraut, das in Hülle und Fülle an den Karlsruher Straßen wächst. So leicht sie auch übersehen werden kann, so groß ist das Problem, das sie mit sich bringt. Denn: Ihre Pollen sind hochallergen, um rund ein 15-faches stärker, als andere Gräser.

Mit dem WAVE-System geht die Stadt gegen die Ambrosie vor.
Die Pollen der Ambrosie sind hochallergen. Hautkontakt ist allerdings weitgehend ungefährlich. | Bild: ka-news

Noch hat sich die Pflanze nicht über die gesamte Stadt ausgebreitet, sondern kommt bislang nur an einzelnen Stellen vor. "Zum einen im Karlsruher Norden, an der Linkenheimer Allee", sagt Anke Kelber vom Umwelt- und Arbeitsschutz Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.de. "Zum anderen gibt es ein kleineres Vorkommen der Ambrosie in Daxlanden."

Um die Ausbreitung der Pflanze zu verhindern, ist die Stadt mit einem speziellen Gerät an der Linkenheimer Landstraße im Einsatz – dem WAVE-System. Es lässt sich wie ein "mobiler Wasserkocher" beschreiben. "Das heiße Wasser zerstört das Eiweiß in der Pflanze und dringt bis zu den Wurzeln vor, damit wird die gesamte Pflanze unschädlich gemacht", erklärt Kelber. Die Vorgehensweise ist komplett chemiefrei. "Es ist, als würde man Salat kochen."

Mit dem WAVE-System geht die Stadt gegen die Ambrosie vor.
Kochend heißes Wasser: Mit dem WAVE-System geht die Stadt gegen die Ambrosie vor. | Bild: ka-news

Auf einem Anhänger wird das Wasser erwärmt, anschließend entlang der Straße jede Pflanze einzeln bespritzt und damit unschädlich gemacht. Dieses Vorgehen soll die Auswirkungen auf die restliche Vegetation möglichst gering halten. Es ist eine Sisyphusarbeit, denn: Am Straßenrand der Linkenheimer Landstraße wachsen Ambrosien dicht an dicht.

Die Pollen verbreiten sich rund zwei bis drei Kilometer um den Wachstumsort der Pflanze. "Schon vier bis fünf Pollen in einem Kubikmeter Luft können eine allergische Reaktion hervorrufen – bei anderen Gräsern ist die 15-fache Menge dafür erforderlich", sagt Anke Kelber vom Umwelt und Arbeitsschutz. 

Im Video: Wie gefährlich ist die Pflanze für die Gesundheit?

 

Sogar bei Nicht-Allergikern könnten die Pollen eine Reaktion auslösen. "Die Symptome sind vor allem die Reizung der Schleimhäute, es kann allerdings auch bis hin zum Asthma führen", sagt Susanne Gerner, Fachbereichsleiterin für Umweltpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit im Amt für Umwelt, im Gespräch mit ka-news.de.

Ab Juni sind die Pollen in der Luft. Erst die ersten Nächte mit Frost lassen die einjährige Pflanze absterben, vereinzelt wurden in Karlsruhe allerdings bis in den Dezember hinein noch Ambrosien gefunden. Doch auch mit dem ersten Frost ist es nicht getan. Denn die Samen können bis zu 35 Jahre im Boden überleben. Sobald die Fläche offen ist und wenig Konkurrenzvegetation vorhanden ist, kommt die Ambrosie wieder zum Vorschein. 

Mit dem WAVE-System geht die Stadt gegen die Ambrosie vor.
Der Tank, der das Wasser für das WAVE-System auf 98 Grad erhitzt. | Bild: ka-news

Um das Vorkommen der Ambrosie einzudämmen, ist die Stadt neben dem Einsatz des WAVE-Systems auch auf die Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher angewiesen. Auch heute, am Samstag, 14. September, ist entlang der Linkenheimer Landstraße ein "Zupf-Trupp" unterwegs. Alle Ambrosien, die dort noch am Wegesrand stehen, werden dabei von den Freiwilligen per Hand entfernt.

ka-news.de-Hintergrund:

Die Ambrosie ist nicht in Deutschland heimisch, sondern wurde vor über 100 Jahren mit Getreideimporten aus Nordamerika eingeschleppt. Die ersten Funde wurden in Hamburg gemacht, in der Nähe des Hafens.

"Es gibt drei verschiedene Arten der Ambrosie, die sich in Deutschland festgesetzt haben. Zwei davon kommen in Karlsruhe vor", erklärt Anke Kelber vom Arbeits- und Umweltschutz. Das sei zum einen die "Hohe Ambrosie", die an der Linkenheimer Landstraße vermehrt wächst, zum anderen die sogennnte "Staudenambrosie".

Die verstärkte Ausbreitung der Ambrosie wird durch den Klimawandel begünstigt. "Gäbe es nachts Frost, bevor die Samen im Oktober reif werden, könnte sich die Pflanze nicht ausbreiten", so Anke Kelber. Deshalb kommt die Pflanze in Deutschland vor allem in den Regionen vor, in denen es wärmer ist.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (14)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Kiwi
    (293 Beiträge)

    14.09.2019 14:17 Uhr
    Dann muss man ja erwarten
    Wenn !! dann wird am Freitag die Arbeit ausfallen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    15.09.2019 00:37 Uhr
    Was genau ist so schlimm an der Pflanze?
    Ich hab kein Problem damit
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    15.09.2019 00:38 Uhr
    Andere Pollen können auch zu einer Pollenallergie führen
    WErden deshalb alle Birken rausgerissen?

    Oder gar alle Gräser zerstört?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (356 Beiträge)

    15.09.2019 12:15 Uhr
    Ambrosia ist hoch allergen
    Das heißt viele Leute entwickeln eine Allergie, das muss nicht beim ersten Kontakt sein so dass man beim zweiten Kontakt sagt ich bin immun. Unter dem Astmatikern ist ein sehr hoher Anteil durch Ambrosia hervorgerufen und welches nach einer Weile auch ganzjährig auftaucht.
    Die volle wucht der Auswirkung wird 10-20 Jahre nach der etablierung der Pflanze erwartet, in Ungarn sind beispielsweise 60% der Atemwegspatienten gegen Ambrosia sensibilisiert.
    Aus einer Ambrosia allergie entsteht dann auch häufig eine Nahrungsmittel Allergie gegen Sellerie und einige Gewürze.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kiwi
    (293 Beiträge)

    14.09.2019 14:15 Uhr
    Multi - Kulti
    Warum dieser Aufstand wegen einer Pflanze das ist eine Neubürgerin und gut isses.

    Gruß Kiwi und ein sonniges Wochenende
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   pearly1465
    (84 Beiträge)

    14.09.2019 12:18 Uhr
    Dann muss man ja erwarten
    dass jetzt die Artenschützer mobil machen. Denen ist die Pflanze mit Sicherheit wichtiger als die Gesundheit der Menschen. Was in letzter Zeit da aus dem Boden sprießt ist und die Leute nervt ist schon nicht mehr schön. Evtl. könnte man ja montags die Arbeit ausfallen lassen und für die Ambrosia demonstrieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    16.09.2019 22:07 Uhr
    Wie wäre es mit
    Abends Anti Ambrosia?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   obacht
    (90 Beiträge)

    16.09.2019 21:27 Uhr
    Als Artenschützer
    könnte man eher gegen die mit der Methode einhergehende Verbrühung womöglich geschützter Insekten intervenieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    15.09.2019 00:40 Uhr
    Arme Ambrosia
    Ist die denn für irgendetwas gut?

    Ambrosiasalat?

    Ziegenfutter?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Berty87
    (609 Beiträge)

    14.09.2019 07:32 Uhr
    Und
    Wer Zahlt mir dann das Heise Wasser im Garten
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.