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Karlsruhe "Eine einzige Katastrophe": Baustellen legen Verkehr im Karlsruher Norden lahm

Als Autofahrer hat man es nahe Karlsruhe nicht leicht. Vor allem auf der A5 legen Baustellen den Verkehr lahm. Seit Anfang Oktober kommt auch noch eine Baustelle auf der L560 erschwerend hinzu. Die Auswirkungen bekommen Autofahrer täglich im Karlsruher Norden zu spüren - darunter auch zwei ka-Reporter. Eine Frage drängt sich genervten Pendlern dabei auf: Wer ist für die Planung verantwortlich?

"Die Fahrt ins Büro wird aktuell zum Glücksspiel." Jeden Morgen pendelt ein ka-Reporter von Waghäusel 35 Kilometer in die Fächerstadt. Eine Zeit lang ließ sich der Arbeitsweg gut planen. Rund 30 Minuten benötigte er für die Strecke, berichtet er in einer Mail an die ka-news-Redaktion. Das hat sich in den vergangenen Wochen aber geändert. Inzwischen braucht er für die Strecke nach eigener Aussage auch mal zwischen 90 und 120 Minuten.

"Jeden Morgen ist es das Gleiche"

Schuld daran ist vor allem die A5. Seit Mai wird hier zwischen Bruchsal und Karlsruhe-Nord auf einer Länge von rund 3,5 Kilometer gebaut. Bis Anfang Dezember stehen in jede Fahrrichtung nur noch zwei Fahrstreifen zur Verfügung - und diese auch nur verengt. "Seit Beginn der Baustelle auf der A5 hat sich die Lage deutlich verschärft", beobachtet der ka-Reporter, "der Zeitverlust beträgt auf dieser Strecke schon fast 30 Minuten."

Wer morgens nicht auf der A5 im Stau stehen möchte, hat nun zwei Möglichkeiten: "Ein Ausweg war es, vor 6.30 Uhr die kritische Stelle zwischen Graben-Neudorf und Leopoldshafen zu passieren", so der genervte ka-Reporter. Alternativ können Autofahrer auch auf die B36 ausweichen. Das Problem: "Meist läuft der Verkehr in südliche Richtung bereits ab der Abfahrt Linkenheim-Hochstetten sehr stockend und löst sich erst ab Höhe Leopoldshafen auf, da dort die B36 zweispurig und die Kapazität der Straße erhöht wird", beschreibt der Pendler. 

Sanierungsarbeiten auf der L560 zwischen der Karlsruher Waldstadt und Stutensee bringen den Verkehr im Karlsruher Norden seit Oktober nun endgültig zum Erliegen. "Ab der Abfahrt Graben-Neudorf Mitte oder spätestens ab der Abfahrt zur L560 Höhe Friedrichstal ist seit Beginn der Sperrung nur noch 'Stop and Go' angesagt", so der ka-Reporter. Mit dieser Beobachtung ist er nicht allein. "Jeden Morgen ab 8 Uhr ist es das Gleiche", bestätigt eine weitere ka-Reporterin. Seit der Baustelle benötige sie täglich 30 bis 45 Minuten mehr auf ihrem Weg. "Es ist eine einzige Katastrophe!"

Koordinatoren entscheiden über Baustellen

Verantwortlich für die Planung der Baustellen sind Tiefbauamt-Baustellenkoordinator Jürgen Lohmeyer und seine Kollegen. Bevor mit den Arbeiten für eine Baustellen begonnen werden kann, haben die Mitarbeiter des Tiefbauamts ein Auge auf andere Baustellen und die Auswirkungen für Autofahrer. "Alle Baumaßnahmen werden zunächst in einer großen Datensammlung erfasst", beschreibt er das Verfahren.

Ob Karlsruher Verkehrsbetriebe, Stadtwerke, Privatleute oder das Regierungspräsidium - alle angemeldeten Baumaßnahmen würden hier gesammelt. Experten für Baustellenmanagement würden im nächsten Schritt dann die Auswirkungen auf den Verkehr untersuchen. "Wir stellen uns die Frage: Vertragen sich die verkehrlichen Baumaßnahmen?", so der Koordinator. Tun sie dies nicht, müsse ein Bauherr sein Vorhaben zurückziehen.

Bei der Beurteilung werde auch betrachtet, wie wichtig die Straße für den Verkehrsfluss sei. "Es ist ein Unterschied, ob nur Anlieger betroffen sind, oder eine Hauptverkehrsachse", erklärt er. Theoretisch hätten Bauvorhaben des Regierungspräsidiums als übergeordnete Verkehrsbehörde Vorrang. Lohmeyer setzt nach eigener Aussage aber vor allem auf Absprachen mit den Bauherren. "Wir sind hier aber in sehr guten Gesprächen."

"Wir können nicht alles vorhersehen"

Die Beschwerden der Autofahrer über die aktuelle Situation im Karlsruher Norden sind Lohmeyer bekannt. Eines stellt er im Gespräch mit ka-news klar: "Aus Freude am Bauen werden diese Straßenbaustellen nicht abgewickelt." Sowohl die Arbeiten auf der A5 als auch auf der L560 seien notwendig gewesen. Man habe die Auswirkungen der A5-Baustelle im Vorfeld gewissenhaft analysiert, so Lohmeyer, und eine Bedarfsumleitung eingerichtet.

Und die Baustelle auf der L560? "Das Regierungspräsidium war der Auffassung, dass das Verkehrsnetz eine Baustelle auf der Autobahn und einer Landstraße verkraftet." Dieser Einschätzung schließt sich der Baustellenkoordinator an. Gleichzeitig verweist er darauf, dass bei aller Planung nicht jede Eventualität vorgesehen werden kann. "Dass es einmal zeitgleich zu einem Unfall auf der A5 und der B36 kommen könnte, war nicht abzusehen", erklärt Lohmeyer. Auch andere Verkehrsstörungen wie beschädigte Ampeln oder liegen gebliebene Fahrzeuge könnten von den Baustellenkoordinatoren nicht beeinflusst werden.

Die Stadt werde aber weiter ein Auge auf die Verkehrsführung haben - und gegebenenfalls optimierend eingreifen. Für die beiden ka-Reporter bedeutet das aber vorerst weiter: Sie werden bei ihrem täglichen Arbeitsweg mehr Zeit einplanen müssen - und zwar mindestens bis Ende Oktober. Bis dahin sollen zumindest die Bauarbeiten auf der L560 abgeschlossen sein. Die Bauarbeiten auf der A5 allerdings werden sich noch bis Dezember ziehen.

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Kommentare (66)
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  •   itubbe
    (1 Beiträge)

    22.10.2016 15:01 Uhr
    Ausreden der Planer sind untragbar Köpfe müssen da rollen.
    Eine Planung könnte auch sein, nicht alles auf einmal richten zu wollen.
    Diese Art der Entscheidung zeigt doch nur das es gegen Jahresende zugeht und Gelder weg müssen.
    Zudem sieht man kaum jemand der etwas baut wäre es wichtig, würden da die Bauarbeiter wusseln und zwar nicht nur 8 Std Täglich.
    Bereits letztes Jahr K3539/K3579 Staffort war es ebenfalls eine Katastrophe. Selbst Radwege wurden von den Schwach... en gesperrt.
    Ebenso Absperrungen lagen auf der Fahrban ... unglaublich was hier als Planug verkauft wird. Hier spricht die Stadt KA wohl nicht mit dem Land und von Planung kann keine Rede sein. Das ist einfach nur Borniertheit und Bestraffung für diejenigen die auch noch arbeiten gehen. Ein Ökologischer Umgang ist das auch nicht mit Arbeitszeit Sprit u. Verschleiß.
    Zudm Steigt die Unfallgefahr rasant und man sieht man des öfteren krachen ... nicht wie sonst. Denkt auch darüber mal nach ihr Superhirne wie zahlen dafür ... Arch.... mit Leib u. Leben. Ihr nervt einfach nur noch.
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  •   ralf
    (3669 Beiträge)

    21.10.2016 18:18 Uhr
    Bahn als Alternative?
    Vom Bahnhof Graben-Neudorf benötigt man mit der Bahn 12 bis 19 Minuten bis zum Karlsruher Hauptbahnhof. Kommt natürlich noch drauf an, wo der Schreiberling in Graben-Neudorf wohnt und wo er in Karlsruhe arbeitet. An die 90 bis 120 Minuten mit dem Auto wird er aber kaum dran kommen.
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  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    21.10.2016 16:33 Uhr
    Ich finde
    einige Kommentare hier extrem arrogant. Sollen alle in der Stadt wohnen oder fussläufig zu ihrem Arbeitsplatz? Geht wohl kaum. Wir haben immer noch die freie Wohnortwahl, da kann sich jeder im Rahmen seiner Mittel aussuchen wo er hinzieht. Ob Innenstadt, äussere Stadtteile, Randlage oder aufs Land, das hat alles seine Vor- und Nachteile.
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  •   Freigeist1
    (794 Beiträge)

    21.10.2016 18:24 Uhr
    Das gehört eben untrennbar zur freien
    Wohnortwahl dazu, dass man vom frei gewählten Wohnort zum frei gewählten Arbeitsplatz auf der frei gewählten Strecke eben so lange braucht wie es dauert. Viele möchten die freie Wohnortwahl gerne mit einem Anspruch auf eine leere Direktautobahn zur Arbeitsstelle verknüpfen - einen solchen gibt es aber nicht. Merke: jeder der betreffenden Pendler IST der Stau und IST die Überlastung. Ich stand auch schon, habe dann Bahn + Rad ausprobiert. Wenn die jenigen, bei denen sich das Bahnfahren von der Strecke her anbietet, umsteigen würden, wäre allen geholfen. Werben Sie in Ihrem Bekanntenkreis. Alle Pendler mit dem eigenen Auto alleine zur Rush-Hours in die City ohne Staus - das ist weltweit eher die Ausnahme als die Regel. Da kann man noch so viel bauen. Rückbau heißt die heutige Devise, siehe Paris.
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    21.10.2016 17:05 Uhr
    dann darf man aber nicht jammern
    raus ziehen und dann heulen das man im Stau steht... mimimi....
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  •   101xy000
    (29 Beiträge)

    21.10.2016 16:30 Uhr
    Baustellen in Karlsruhe
    Warum die Aufregung?
    Der jetzige OB Herr D. Mentrup hat vor seiner Wahl versprochen
    "die Anzahl der Baustellen in Karlsruhe zu erhöhen" -
    dies ist ihm offensichtlich gelungen und sollte dankbar von seinen
    Wählern zur Kenntnis genommen werden--
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  •   Kritiker
    (113 Beiträge)

    21.10.2016 15:01 Uhr
    Die B3 zwischen Grötzingen und Bruchsal wurde vergessen.
    Dieses Strecke ist sowieso im Berufsverkehr bei Weingarten überlastet. Und die Baustelle in Bruchsal ist auch nicht förderlich für den Abfluss, sollte es mal auf der A5 stocken und die ausgeschilderte Ausweichstrecke B3 genommen werden.
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  •   Bahnnutzer100
    (216 Beiträge)

    21.10.2016 13:46 Uhr
    Karlsruhe war einmal Vorzeigeregion für guten ÖPNV
    Ich frage mich, ist unser ÖPNV inzwischen so schlecht, dass man keine Alternative zum Stauaussitzen im Auto hat?
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  •   armeshundele
    (523 Beiträge)

    21.10.2016 22:43 Uhr
    Der KVV
    ist immer noch sehr leistungfähig.
    Mit dem eigenen PKW aber, ist man trotz der Baustellen eben schneller und vor allem bequemer, direkt von Haus zu Haus.
    Unsere Vorfahren um 1900 hatten es viel schwerer.
    Die mußten z.B. von den Bergdörfern nach Durlach und Karlsruhe und wieder zurück laufen.
    Und das bei 12 Std Arbeitszeit
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  •   taschentuch
    (394 Beiträge)

    21.10.2016 17:34 Uhr
    Leider ja.
    Die ständigen Baustellen und das scheinbar allgemeine Chaos in Karlsruhe machen den ÖPNV zum russischen Roulette, was Zuverlässigkeit betrifft. Unfälle, Zugausfälle, Verspätungen, Bahnenstau, Umleitungen, ständig wechselnde Fahrpläne... je nach Fahrkarte kostet das dann gut und gerne 50 EUR aufwärts. Attraktiv geht anders. Glücklicherweise habe ich eine regelmäßig staufreie Route - mit dem Auto 15 Minuten, mit der Bahn 45 Minuten... ob nun Sprit für 50 EUR im Monat oder eine Abofix-Karte für den gleichen Preis, dafür benötige ich aber nur 1/3 der Zeit des ÖPNV? Schade, KVV. Natürlich nicht gänzlich eure Schuld, aber die Dinge sind wohl, wie sie sind.
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