33  

Karlsruhe Eine Französin in Karlsruhe: Wie viel französische Kultur ist in der Fächerstadt zu finden?

Das französische Lebensgefühl mit "Savoir vivre" und "Laissez-faire" ist in Karlsruhe kein Fremdwort - oder doch? Frankreich ist keine 20 Kilometer entfernt und so rühmt man sich in der grenznahen Fächerstadt, dass die schönen Seiten des französischen Lebensstils auch in Karlsruhe deutlich spürbar seien. "Vraiment?", fragte sich Anne Picot, unsere französische Mitarbeiterin und machte sich auf Spurensuche. In ihrer Serie nimmt sie augenzwinkernd Lebensart, Feinkost und Organisationen unter die Lupe - und spart auch keine Klischees aus. Dazu gehören natürlich nicht nur die klassischen Produkte, sondern auch die Menschen, die etwas französische Kultur nach Karlsruhe bringen.

Französische Produkte - die gibt es in Karlsruhe. Das konnte ich bereits zum Beispiel beim Käse oder den Backwaren feststellen. Aber gibt es auch Menschen, die nicht nur das französische Essen lieben, sondern auch die Lebensart in sich tragen?

So viele Vereine und Programme...

Ich nehme mir für einen weiteren Teil meiner Mini-Reportage vor, der französischen Gemeinschaft in Karlsruhe auf die Spur zu kommen. Wie sieht sie aus? Engagieren sich viele Franzosen aktiv für die Förderung der französischen Kultur oder für den Austausch zwischen beiden Ländern?

Frankreich-Serie Shooting
Anne Picot begibt sich für ka-news auf französische Spurensuche. | Bild: Tim Carmele

Schon nach kurzer Recherche stelle ich fest: Der Austausch zwischen Karlsruhe und dem Nachbarland scheint ziemlich eng und intensiv. Es gibt sogar eine französische Partnerstadt: Nancy. Allein hier findet offensichtlich regelmäßiger Austausch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene statt.

Karlsruhes Oberbürgemeister Frank Mentrup hält im im Rathaus von Nancy einen Vortrag im Rahmen der dortigen deutsch-französischen Gespräche (Februar 2018). | Bild: Stadt Karlsruhe

In Karlsruhe gibt es viele Vereine, die sich mit dem Austausch beschäftigen: Beispielsweise der deutsch-französische Freundeskreis, das deutsch-französische Forum, der Eurodistrikt Pamina und viele mehr. Hinzu kommen Schüler-, Auszubildenden- und Studentenaustauschprogramme. So viele Vereine und Programme... da findet sich schon ganz schön viel französische Kultur. Ich beschließe, mich auf den künstlerischen Aspekt zu konzentrieren: Wo findet sich Frankreich im kulturellen Alltag der Karlsruherinnen und Karlsruher?

Zu Besuch im Deutsch-Französischen Kulturzentrum

Schnell habe ich einen Anlaufpunkt gefunden, wo ich glaube, Antworten auf meine Fragen zu finden: In der Postgalerie in der Kaiserstraße sitzt die Stiftung "Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe"- also frei übersetzt das "Deutsch-Französische Kulturzentrum Karlsruhe".

Centre culturel franco-allemand
Das französische Kulturzentrum findet sich in der Postgalerie. | Bild: Anne Picot

Der Eingang zu diesem Kulturzentrum ist eher unscheinbar: Nur ein Schild neben der Tür, auf dem auch für andere Firmen geworben wird, weist auf die Stiftung hin. Über eine Treppe gelange ich in die dritte Etage und werde schon von Marlène Rigler empfangen. Sie ist die Stiftungsvorständin. Sie führt mich durch einen engen Flur voller Regale mit französischen Büchern - soweit so gut - in ihr Büro.

Marlène Rigler - deutsch französischer Tag
Marlène Rigler bei der Eröffnung des deutsch-französischen Tages 2018. | Bild: Centre culturel franco-allemand

"En français ou en allemand?" fragt sie mich sofort und augenblicklich freue ich mich noch mehr auf das anstehende Gespräch. Natürlich unterhalten wir uns auf französisch. In einem perfekten Französisch erzählt sie mir von ihrer Laufbahn: Sie ist in Österreich mit einem französischen Vater aufgewachsen. Von Anfang an hat sie mit zwei Sprachen und Kulturen gelebt. Nach Karlsruhe kam sie erst im März 2017. Davor hat sie in mehreren Kulturinstitutionen und -stiftungen in Paris, München, Wien und Brüssel gearbeitet.

Ein deutsch-französisch-europäisches Projekt

Nun steht sie dem Centre Culturel Franco-Allemand vor. Dort werden auf unter anderem Französisch-Kurse angeboten. Zusätzlich werden kulturelle Veranstaltungen organisiert. Dabei steht ein Bezug zu Frankreich im Mittelpunkt.

Dabei soll es inhaltlich nicht nur um das nahe Ostfrankreich gehen: Marlène Rigler will Karlsruhe mit allen französischsprachigen Ländern verknüpfen, "nicht nur mit dem Elsass, wie es früher war". Gerade beschäftigt sie sich zum Beispiel damit, einen Austausch mit Künstler aus Marokko und Algerien herzustellen. Sie will ein europäisches Projekt auf die Beine stellen: "Die EU ist vor allem eine wirtschaftliche Kooperation, ihr fehlt ein kulturelles Projekt. Da möchte ich ansetzen."

"Die Schwierigkeit: Deutsche und Franzosen anzusprechen"

Ein entsprechendes Publikum gibt es in der Stadt: "Die Bürgerinnen und Bürger sind über Frankreich gut informiert und sehr aktiv", so Rigler. Die Veranstaltungen selbst finden oft nicht nur in den Räumen der Stiftung statt, "sondern in anderen kulturellen Niederlassungen wie zum Beispiel beim Zentrum für Kunst und Medien (ZKM)." Dort vermischt sich das deutsch-französische Publikum dann oft mit anderen Interessierten. "Eigentlich weiß oft ein Großteil des Publikums nicht, dass es bei einem Event des Centre Culturel ist", sagt mir Rigler und schmunzelt.

Centre culturel fra-all - Parade
Von links: Jan Linders (badisches Staatstheater), Marlène Rigler, Angelika Hartmann-Eckstein (Kulturamt), und Susannen Asche (Leiterin des Kulturamts) an dem Marsch für JA und NEIN im April. | Bild: Centre culturel franco-allemand

Die größte Herausforderung für die Stiftungsvorständin ist es, "Programme zu finden, die sowohl Franzosen als auch Deutschen ansprechen." Dabei achte sie auf ein Gleichgewicht zwischen Veranstaltungen auf deutscher und französischer Sprache, so Rigler. Im Zweifelsfall wird ein Übersetzer mit ins Boot geholt.

Was macht die Arbeit in Karlsruhe so schön?

Was macht die Arbeit in Karlsruhe so schön? "Es ist nicht so schwer, die Leute hier für Frankreich zu begeistern. Wenn wir Finanzierungen suchen, zum Beispiel: Unternehmen und Banken lassen sich einfacher als in anderen Orten überzeugen, Geld für die französische Kultur zu spenden. Außerdem war jeder Karlsruher Jugendliche schon mal in Frankreich - wenn auch nur zum Einkaufen. Da sie alle schon in Frankreich waren, können wir die Neugierde schnell wecken." 

Aber die Nähe zur französischen Grenze ist nicht der einzige Grund, welcher Marlène Rigler begeistert: Karlsruhe sei auch eine sehr gute Kulturstadt, in der die Arbeit ganz angenehm sei. "Das Zentrum für Kunst und Medien ist ein weltweit bekanntes Museum. Und abgesehen davon ist die Zusammenarbeit mit allen Vereinen, Museen und Theatern besonders motivierend."

Hintergrund
Die Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe ist eine kommunale Stiftung des bürgerlichen Rechts, die in Karlsruhe ein französisches Kulturzentrum in der Postgalerie unterhält. Dort finden Französisch-Sprachkurse, Kulturveranstaltungen und regelmäßige Ausstellungen statt. Die Stiftung möchte die deutsch-französischen Beziehungen vertiefen und die Beziehungen zwischen deutschen und französischen Wissenschaftlern, Künstlern, Wirtschaftsleuten und Bildungsinstitutionen fördern.

Die kommende Veranstaltung des Kulturzentrums findet vom 28. September bis 26. Oktober statt: In den Räumen des Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe stellt die französische Künstlerin Pola Sperber ihre Skulpturen aus.

Mehr zum Thema

Wie steht es um den guten, französischen Käse in der Fächerstadt? Das hat Anne Picot im ersten Teil ihrer Mini-Serie "Eine Französin in Karlsruhe" getestet: Eine Französin in Karlsruhe: Wie ich auszog, um guten Käse zu finden

Im zweiten Teil der Miniserie hat sich Anne Picot auf die Suche nach der französischen Lebensart in einer Pâtisserie gemacht: Eine Französin in Karlsruhe: Wo ich in Karlsruhe Croissants mit echter Butter, cremige Éclairs und gute Baguettes gefunden habe

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (33)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   357.Magnum
    (62 Beiträge)

    02.10.2018 09:58 Uhr
    "Wes Brot ich esse, des Lied ich singe"
    aber nicht bei den Elsässern, die arbeiten gerne in Deutschland und verdienen gutes Geld bei Mercedes usw. zahlen in Frankreich weniger Steuern und wenn sie Abends zuhause in ihrem Dorf sind können sie wieder über die Deutschen lästern.
    1946 sprachen noch gut 90 Prozent der Bewohner des Elsass Deutsch und den elsässischen Dialekt. Bei einer Erhebung vor zwei Jahren behaupteten das nur noch 43 Prozent der 1,8 Millionen Elsässer von sich. Bei Kindern und Jugendlichen sind es noch drei Prozent.
    Dazu hat auch der Französische Staat fleissig beigetragen und hundertausende Süd-und Nordfranzosen in das Ländchen hineingepresst um die Elsässische Urbevölkerung in ihrem Sinne aufzumischen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   reinhardo48
    (8 Beiträge)

    01.10.2018 12:52 Uhr
    Mercy
    Mercy, liebe Anne Picot ..., für diese drei charmanten Artikel ...! Ich habe sie wirklich gern gelesen ...!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nando
    (7 Beiträge)

    30.09.2018 16:47 Uhr
    Was soll das ganze ... ?
    Was hat Sie für ein Problem? Ich will gar kein französischen Einfluss hier in KA. Warum bleibt Sie nicht einfach in Ihrem Frankreich, wenn Sie so viel Frankreich bei uns sucht? Ich liebe meine deutsche Kultur und da besondets die badische oder auch die unserer Pfälzer Nachbarn. Wenn ich die französische Kultur / Sprache/Mentalität/ Flair wollte ginge ich ins Elsass ... . Will ich aber überhaupt nicht !!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (1356 Beiträge)

    01.10.2018 17:14 Uhr
    Im Elsass findest Du aber keine
    französische Kultur!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   sodbrenner59
    (168 Beiträge)

    30.09.2018 19:44 Uhr
    Alter Falter..
    ...Dummschwätzer!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    30.09.2018 19:08 Uhr
    Und
    genausowenig wie du dahin musst musst du den Artikel lesen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (206 Beiträge)

    30.09.2018 14:07 Uhr
    Frankreich und Deutschland
    Als ich noch Deutscher war habe ich als 21jaehriger 6 Monate in Montpellier, wo in der Naehe die Eltern meiner Freundin ein Pferdehotel hatten und dann 6 Monate in Paris, wo die Eltern meiner Freundin ein Hotel, Hotel de Flandre in der Rue Maubeuge hatten.
    Heimweh nach Deutschland gleich null. Hien und dann ein bischen Wehmut fuer Frankreich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Hartz4Bomber
    (582 Beiträge)

    30.09.2018 12:57 Uhr
    Wichtigtuer
    machen einen auf Frankreichkenner, weil sie gelegentlich mal ins Elsaß fahren zum Einkaufen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5101 Beiträge)

    30.09.2018 14:40 Uhr
    Und das Elsass.....
    ….. ist nicht Frankreich ! Französisches Staatsgebiet ja, aber die Mentalität der Elsässer und deren Sprache gleicht eher dem Badischen. Leider haben zwei leidvolle Weltkriege in die die Elsässer von den Deutschen Nationalisten hineingezogen worden sind, dazu gebracht, ihre Identität gegenüber den Schwowe aufzugeben. Frau Picot sollte endlich begreifen, dass es um regionale Badisch-Pfälzer-Elsässische Lebensart geht und nicht um nationale Deutsch-Französische.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   elisuS
    (163 Beiträge)

    30.09.2018 21:59 Uhr
    und daher gibt es in der badischen Grenzregion
    keine bis wenige Französich Kenntnisse. Vor allem bei denen, die das nicht in der Schule gelernt haben. Für Ausflüge ins Elsass war das auch Jahrzehnte lang nicht nötig. Denn Badener und Elsässer schwätzen fast den selben Dialekt.
    Bei manchen kann das weder als Deutsch oder Französich interpretiert werden. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: