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Karlsruhe Eine Französin in Karlsruhe: Wie ich auszog, um guten Käse zu finden

Das französische Lebensgefühl mit "Savoir vivre" und "Laissez-faire" ist in Karlsruhe kein Fremdwort - oder doch? Frankreich ist keine 20 Kilometer entfernt und so rühmt man sich in der grenznahen Fächerstadt, dass die schönen Seiten des französischen Lebensstils auch in Karlsruhe deutlich spürbar seien. "Vraiment?", fragte sich Anne Picot, unsere französische Mitarbeiterin und machte sich auf Spurensuche. In ihrer Serie nimmt sie augenzwinkernd Lebensart, Feinkost und Organisationen unter die Lupe - und spart auch keine Klischees aus. Die Suche nach der französischen Lebensart im badischen Karlsruhe startet - natürlich - im Käsegeschäft!

Karlsruhe liegt weniger als 20 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Die Karlsruhe Tourismus GmbH beschreibt die Fächerstadt als der Ort, "wo der Wein von der Sonne verwöhnt wird und das feinschmeckerisch gesinnte Frankreich nicht weit entfernt liegt". Ich selbst war vorher noch nicht in Karlsruhe - wohl aber für mein Studium in Münster. Ich war daher gespannt auf Karlsruhe: Hier, so nah an Frankreich, müssten sich doch französische Einflüsse, Köstlichkeiten und Flair entdecken lassen?

Ich dachte, ich würde mich wie in Frankreich fühlen

Als ich, kleine Französin, in Karlsruhe ankam, dachte ich also, dass ich mich wie in der Heimat fühlen würde. Ich stellt mir vor, dass sich die Leute sowohl auf Deutsch als auf Französisch in der Straße unterhalten würden, dass es einige französische Geschäfte geben oder dass in jeder Bäckerei schöne Baguettes auf der Theke stehen würden. Karikaturartig zusammengefasst, hatte ich mich vorgestellt, dass mir meine Reise kein größeres Gefühl von Fremdheit als eine Reise in der Elsass geben würde. 

Frankreich-Serie Shooting
Anne Picot begibt sich für ka-news auf französische Spurensuche. | Bild: Tim Carmele

Ich wurde schnell eines Besseren belehrt: Was ich entdeckte, war eine typische, deutsche Stadt. Die Nähe zur französische Grenze habe ich schnell vergessen und mir wurde klar: Ich bin definitiv im Ausland! Auf der Straße fahren viele Fahrräder, die Fußgänger halten sich an den roten Ampeln an, Grünanlagen sind überall: nicht wie in den typischen französischen Großstädten die ich kenne, sowie Lille und Paris. Ich hörte kein Französisch auf der Straße und französische Feinkost war weit und breit nichts zu sehen. 

Gibt es denn trotz der räumlichen Nähe gar keine Spuren der französischen Kultur? Des Austausches zwischen beiden Ländern, deren Freundschaft immer gelobt wird? Das kann ich nicht glauben und begebe mich auf Spurensuche. Als Erstes schnappte ich mir das, wofür Frankreich mitunter wohl am berühmtesten ist: Käse.

Auf der Suche nach Frankreich: Was gibt es denn hier an Käse, Monsieur?

Aber wo beginne ich meine Suche? Ich beschloss, mich von Käsedüften führen zu lassen - also ab in den Supermarkt. Hier stellte ich schnell fest: In den Supermärkten ist das Käseregal unglaublich klein und voller Goudas. Emmentalern und anderer abgepackter Sorten. Nein, das ist nichts. An der Käsetheke gab es dann schon etwas mehr Auswahl: Ich entdecke die klassischen Camemberts und Comtés! Es ist schon besser, aber alles unglaublich teuer und nichts Originales. Schade. Vielleicht, denke ich mir, habe ich in einem ausgewählten Käsegeschäft mehr Glück.

Käsehütte Fassade
Der Käsehändler der Käsehütte holt seinen Käse direkt in die Schweiz und in Tirol. | Bild: Anne Picot

Nächster Halt: die Käsehütte in der Karlstraße. Der Verkäufer zeigt mir mit einem breiten Lächeln seine Auswahl an französischen Käsen. Seine Hartkäsesorten erhält er hauptsächlich von der Schweiz und von Tirol. Nur ein riesiges Stück Comté und ein Savoier liegen neben dem Appenzeller und dem Tête de moine. Aber wenn man zu den Weichkäsen ankommt, ist nur "französisch" auf den Etiketten zu lesen.

Nicht jeder französische Käse schmeckt den Deutschen

"Französische Weichkäse bevorzugen wir sehr. Sie sind einfach die besten!"sagt mir der Käsehändler im Gespräch. Er zeigt im Real auf die bekanntesten Käsesorten Frankreichs: Roquefort, frischer Ziegenkäse, Munster, und Originalbrie, den der Verkäufer direkt aus Meaux liefern lässt. Sogar Époisses, ein starker Käse aus der Bourgogne, der in Frankreich nicht besonders bekannt ist, findet sich im Sortiment.

Die Käsehütte
In der Käsehütte werden fast alle Weichkäse direkt aus Frankreich geliefert, denn "sie sind einfach die besten!" | Bild: Anne Picot

Aber dennoch - ein wichtiger Käse fehlt: Der Camembert. Der Käsehändler erklärt mir, dass er keinen mehr verkauft, weil die Deutschen lieber Brie essen. Warum? "Das liegt wohl am weichen Geschmackk." Es sei auch der Grund für die niedrige Auswahl an Käsen im Supermarkt: "Die Supermärkte verkaufen jüngere, mildere Käse - ohne starken Geschmack, sodass sie der Mehrheit der Kunden gefallen", so der Verkäufer, "Sie haben einfach nichts verstanden!" Er lacht. Käse ohne starken Geschmack - ich bin definitiv im Ausland, denke ich wieder.

Französischer Käse ja, französische Sprache nein

Ich beschließe, den Käse mal beiseite zu legen - schließlich gibt es ja noch andere Faktoren. Ich möchte wissen, ob es etwas an seiner Arbeit ändert, so nah an Frankreich zu wohnen? "Es ist praktischer und schneller, weil wir die Grenze überfahren können, um die Käsereien zu besuchen. Aber es passiert eher selten, weil unsere französische Käse direkt ins Geschäft geliefert werden", erzählt mir der Käseverkäufer.

Den Käse aus Tirol und der Schweiz hingegen hole er selbst ab: "Da wir die selbe Sprache sprechen, ist es einfacher." Also doch eine Sprachbarriere - offensichtlich heißt grenznah leben nicht auch automatisch die Sprache des Nachbarlandes zu sprechen. Wieso eigentlich nicht, würde sich doch anbieten, schießt mir durch den Kopf und ich beschließe, diese Frage für eine weitere Recherche zurückzustellen.

Als ich mich verabschiede, fällt mein Blick erneut auf die Käsetheke - dort stehen die einzigen elsässischen Käsesorten: der Munster und der Winzer-Käse. Die "grenznahen Sorten" finden allerdings nur wenige Abnehmer, erfahre ich auf Nachfrage. Muss wohl am starken Geschmack liegen...

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Kommentare (30)
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  •   dipfele
    (4899 Beiträge)

    18.09.2018 00:50 Uhr
    Irgend wie....
    … hat Frau Picot historische Defizite und weis daher nicht, dass im Elsass seit Jahrhunderten Deutsch geredet wird und das es sogar ein elsässisches Sprachamt gibt, dass das Elsässer -Deutsch fördert. Amtssprache ist halt französisch. Durch den unsäglichen Naziterror und die Germanisierungswut haben viele Elsässer nach WK II sich ihre deutsch Zunge "abgeschnitten", weil sie nicht mehr mit den deutschen Nazis indentifiziert werden wollten, die ihnen viel Übles angetan hatten. Das Elsass war nie ein einheitliches Staatsgebiet, viele Ländereien waren im Besitz deutscher Fürsten. Wie die freien Reichstädte, z. B.
    Weißenburg, gehörten zum Römischen Reich Deutscher Nation. Erst Napoleon störte die Staatsordnung und gliederte das Elsass, wie auch die deutschen linksrheinischen Ländereien an Frankreich an.
    Insofern dürfte es lediglich mit in das Elsass zugezogenen Innlandsfranzosen Sprachprobleme geben.
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  •   Weichei
    (102 Beiträge)

    17.09.2018 19:31 Uhr
    Deutscher Kaese
    Mein Geschmack ist wohl etwas daneben. Was gaebe ich fuer einen Limburger, Romadur oder auch Mainzer Handkaese. Wenn man in Suedafrika weit von einer Grossstadt lebt und in meinem Fall sind das 180km bis Durban, dann gibts hier halt hauptsaechlich Gouda, Mozarella oder Cheddar. Schmecken tun sie Alle gleich naehmlich wie Pappendeckel. Gestern habe ich doch tatsaechlich einen Edamer entdeckt. Nix wars Geschmack exakt wie die bereits genannten. Camembert geht so, vorrausgesetzt man lagerd ihn eine gute Woche nach Verfalldatum, dann bekommt er etwas Geschmack. Also freut euch, bei euch gibts Kaese.
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  •   Weichei
    (102 Beiträge)

    17.09.2018 19:36 Uhr
    Der Edamer
    haette mich sowieso stutzig machen sollen. Keine Loecher grinsen
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  •   TobiKA
    (19 Beiträge)

    17.09.2018 12:58 Uhr
    Ä saubere Sach
    französisch find ich immer gut zwinkern
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  •   andip
    (9136 Beiträge)

    17.09.2018 12:06 Uhr
    Aus welchem Teil von Frankreich
    stammt denn Frau Picot?
    Die Elsässer gelten/galten bei den restlichen Franzosen auch als ein eigenes Völkchen, das eben nicht typisch französisch ist.
    Zur französischen Kultur gehört eigentlich auch mehr als nur deren Käse.
    Oder kommt noch mehr zu diesem Thema?
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (987 Beiträge)

    17.09.2018 19:37 Uhr
    Rotwein gehört dazu.
    Bier definitiv nicht. Das können die nicht.
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  •   Malaika
    (167 Beiträge)

    17.09.2018 06:53 Uhr
    Enttäuscht...
    Der Carrefour in Scheibenhard hat umfirmiert und heißt jetzt anders. Warensortiment wurde ausgedünnt, scheinbar wird jetzt mehr auf Billigmarken gesetzt. Auswahl an typisch französischen Marken stark zurückgegangen. Schade, Warenangebot immer mehr austauschbar mit deutschen Billigheimern. Vllt. haben die vielen "Dütschen" die gewohnten Angebote von Aldi und Penny reklamiert.
    Immer mehr Franzosen lehnen diese Riesenmärkte ab und kaufen ihr (frisches) Baquette beim Bäcker um die Ecke. Gut so!
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  • unbekannt
    (6 Beiträge)

    18.09.2018 03:00 Uhr
    französich
    +++ Das Posting enthält themenfremde Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   betablocker
    (3486 Beiträge)

    17.09.2018 11:36 Uhr
    Wiewaswann?
    Also vor vier Wochen wars noch ein Carrefour. Jetzt grade?

    Insgesamt ist zu beobachten, dass das allgemein drüben so ist. Läuft praktisch genau umgekehrt wie bei uns. Während die beiden grossen Marktbeherrscher Edeka und Rewe in den letzten Jahren konsequent auf immer schönere Läden (Stichwort Einkaufserlebnis) mit immer besserer Warenpräsentation und grossen Frischtheken setzen läuft das in frankreich seit längerer Zeit genauso konsequent andersrum. Man sollte grundsätzlich sowieso nicht den Fehler machen zu glauben, dass die Franzosen essen wie der sprichwörtliche Gott in Frankreich, das ist ein Märchen. Deren Warenangebot an Convenience ist eher grösser als bei uns und wenn du in die Einkaufswagen schaust wird das gut angenommen. Nur an Festtagen, da hauen sie rein ohne Rücksicht auf Verluste.
    Dass man nach Frankreich zum Einkaufen fährt hat im Prinzip eher nostalgische Gründe, hat was von Urlaubsfeeling und es gibt ein paar Produkte die bei uns nicht so leicht verfügbar oder
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  • unbekannt
    (6 Beiträge)

    18.09.2018 03:08 Uhr
    gramatik
    +++ Das Posting enthält themenfremde Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++

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