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Karlsruhe Ein neuer Pächter war schon gefunden - doch der ist abgesprungen: Stadt übernimmt Campingplatz und Bäderbetriebe steigen ein

Seit dem Ende der Saison 2017 hat Karlsruhe keinen Campingplatz mehr, seit fast zwei Jahren fahren die Camper einfach an der Fächerstadt vorbei. Denn es gibt auch kaum Stellplätze für die Ferienwohnungen auf Rädern - ein Dilemma, das weiß auch die Stadtverwaltung. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat will jetzt etwas gegen die Campingplatznot unternehmen: Die Stadt soll den Betrieb übernehmen. Ein guter Plan?

Man kann eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn es um das Thema Campingplatz und Stellflächen für Wohnmobile geht. Seit fast zwei Jahren hat der Campingplatz in Durlach nun schon geschlossen, weil der Vertrag mit dem Pächter nicht verlängert wurde.

Ein neuer wurde noch 2018 gefunden, doch mit der geplanten Eröffnung 2019 wurde es nichts mehr. Die Gebäude auf dem Areal waren marode, mussten teilweise abgerissen werden. Dann nahm sich die Natur zurück, was ihr einst gehört: Eidechsen wurden auf dem Gelände gefunden.

So sah es im März 2018 auf dem geschlossenen Campingplatz aus. | Bild: Thomas Riedel

Viele Widrigkeiten, mit denen der neue Pächter zu kämpfen hatte - waren es am Ende zu viele? Denn der künftige Betreiber ist mittlerweile wieder abgesprungen. Das bestätigt das Presseamt der Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, finanzieller Natur sollen sie gewesen sein. Weil der Investor nun fehlt, fordert die SPD-Fraktion von der Stadt, den Campingplatz nun zu übernehmen, selbst ein Gebäude zu errichten und dann einen geeigneten Pächter zu finden. 

"Wir werden ausgelacht"

"Bei der nun schon seit Jahren äußerst positiven Entwicklung der Branche geht es längst nicht mehr darum, dass die Stadt auch ein Stück vom Kuchen holt", echauffiert sich Hans Pfalzgraf. "Nein, die Stadt steht in der Pflicht, ein entsprechendes Angebot vorzuhalten", so der der SPD-Mann in einem Antrag an die Stadt weiter und legt nach: "Alles andere wäre nicht nachvollziehbar und jede zögerliche Zurückhaltung würde nur noch als peinliche Unfähigkeit der Verwaltung und des Gemeinderates wahrgenommen!" 

Hans Pfalzgraf (SPD)
Hans Pfalzgraf (SPD) |

Bei der Juni-Sitzung des Gemeinderates zeigt sich, dass die Stadträte hinter der Idee stehen. "In der Camperszene werden wir verlacht", so Thomas Hock von der FDP. "Das geht gar nicht, was wir da abliefern. Daher können wir das nur unterstützen - aber bitte tun sie es jetzt. Wenn wir die Sympathien in der Szene nicht verschenken wollen, muss das schnell umgesetzt werden!"

Campingplatz Durlach geschlossen
Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dem stimmt auch Michael Haug von der Kult-Fraktion zu. "Wichtig ist, dass wir vorankommen. Bis zur Saison 2020 soll es wieder losgehen - hoffentlich verlieren wir dieses Ziel nicht aus den Augen!" Doch Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz beruhigt. "Diese neue Entwicklung hat uns in Atem gehalten", sagt die Finanzbürgermeisterin bei der Juni-Sitzung des Gemeinderates. Man stehe der Übernahme des Platzes jedoch offen gegenüber. 

2020 können Camper wieder ihr Lager aufschlagen

"Wir hatten das Problem mit den Echsen, umwelttechnische Gutachten haben Zeit gekostet und der Betreiber hat es sich anders überlegt - aber wir als städtischer Betrieb müssen das nun machen! Wir brauchen aber weitere Mittel für die Nebenwege und die Infrastruktur", so Luczak-Schwarz. Ihr erklärtes Ziel: "Den Platz Anfang 2020 wieder zu eröffnen!" 

Blick auf Bürgermeisterbank im Karlsruher Gemeinderat. | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Damit ist der Zeitrahmen nun gesetzt und es liegt an der Stadt, tätig zu werden. "Wir bauen da jetzt auf dem Campingplatz, dann muss es erneut in den Gemeinderat zur Vorlage und zeitgleich hat Bäder-Chef Oliver Sternagel den Auftrag, ein Konzept zu erstellen, wie man Campingplatz und das benachbarte Turmbergbad in Kombination betreiben kann", heißt es aus dem Presseamt der Stadt auf Nachfrage von ka-news.de. Doch um überhaupt die neue Infrastruktur aufbauen zu können, so Luczak-Schwarz, brauche man "viel Geld". 

Campingplatz Durlach geschlossen
Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Aktuell wird geprüft, in welcher Form das möglich ist. Sobald dieses Ergebnis vorliegt und das Investitionsvolumen bekannt ist. wird ein entsprechender Zeit- und Kostenplan erstellt und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. 

Die Camper müssen ins Umland ausweichen:

 

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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    01.07.2019 17:42 Uhr
    Wenn es lukrativ wäre und Bedarf bestünde,
    warum springt dann bitte kein privater Investor darauf an? Das ist doch unlogisch, oder? Und wie kann ein "gefundener Pächter" einfach wieder abspringen - wurde mit diesem kein Vertrag abgeschlossen, an den er sich zu halten hat?

    Ein einfacher Stellplatz mit Campingtoiletten-Station und ordentlichen Gebühren ist m.E. sachgerecht und vollauf ausreichend. Dass andere Kommunen dieser Klientel hinterherlaufen, die zwar locker 70.000 EUR für ihr Mobil ausgeben, dann aber jeden Cent dreimal herumdrehen und häufig am Rande der Leglität schöne Plätze vermüllen und belagern, das haben nur drittklassige Kommunen nötig.
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  •   andip
    (9814 Beiträge)

    02.07.2019 15:53 Uhr
    Ob ein Vertrag vorlag
    oder ob man noch in der Verhandlungsphase war, weiss ich nicht.
    Aber auch bestehende Verträge kann man kündigen.
    Und ein einfacher Stellplatz reicht heutzutage nicht mehr aus. Alle wollen nur Luxusklasse, aber nichts dafür bezahlen.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3151 Beiträge)

    01.07.2019 13:07 Uhr
    Natur holt sich zurück und Wirtschaftlichkeit
    1. Eidechsen sind Natur - und der Mensch nicht? Beides gehört zur Natur, nur wie üblich kommt es darauf an wie man miteinander umgeht.
    2. Schaut euch doch mal die Campingplätze von Plittersdorf und Rheinmünster FCO an. Betrachtet dabei besonders die Entstehung des FCO auf damals kommunalem Gelände der Gemeinde Stollhofen. Vergleichbares wäre in den Niederungen bei Neureut oder Knielingen mit Sicherheit auch möglich. Der FCO ist heute mit Dauercamper nicht nur aus ganz Baden-Württemberg belegt.
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    01.07.2019 17:48 Uhr
    Äh, in den Niederungen von
    Knielingen und Neureut ist aber schon die Raffinerie mitsamt Verbrennungsanlage, die Kläranlage, Papierfabrik etc., mitsamt Lärm, Abgasen, Gestank, etc. Willst Du den Auwald abholzen oder ein Naturschutzgebiet für die Wohnmobilisten "opfern" und zubetonieren?
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  •   Laetschebachschorsch
    (3151 Beiträge)

    01.07.2019 19:50 Uhr
    Äh...
    Gebiet beim Knielinger See oder hinter dem Burgau e. V.? Wo um Karlsruhe ist kein Landschaftsschutzgebiet? Es geht doch um ein verträgliches Nebeneinander das zu gestalten ist. Auf der anderen Seite vom Rhein funktioniert das doch auch. Außerdem könnten mit einer solchen Anlage endlich auch Stellplätze für die Wohnmobile in der Stadt angeboten und der Parkraum entlastet werden. Außerdem wären das weitere Einnahmen für diese Stellplätze. Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Wer aber keinen Wille hat, der ist ( wie üblich) gegen Alles.
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  •   Holzbierebub
    (295 Beiträge)

    01.07.2019 22:01 Uhr
    Verzehl koi Ferz....
    bleibet jo fort von Knielinge.

    Erstens wird man dort von Schnacken geplagt, zweitens riecht man Miro und Klärwerk.
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    01.07.2019 20:56 Uhr
    Also doch, die Grünflächen am Rhein versiegeln,
    eine ganz "tolle" Idee. Merke: Die meisten Karlsruher sind für den Erhalt der verbliebenen Grünflächen. Dafür! Nicht dagegen. Außerdem: Meinst Du im Ernst die Karlsruher Womofreunde stellen ihr heiligs XXL-Blechle irgendo in the middle of nowhere ab und zahlen auch noch brav dafür? Wenn sich das rechnen würde, dann komm doch bitte mit einem Investor und einem Konzept, das die Naturschutzbelange beinhaltet, dann reden wir weiter.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3151 Beiträge)

    02.07.2019 23:25 Uhr
    Schau mal mit offenen Augen
    wie viele ihr Wohnmobil oder ihren Wohnwagen bei einem Bauer oder einer Firma mit Freifläche gegen Bezahlung unterstellen und rede dann weiter. Campingplätze müssen keine Versiegelung der Grünflächen sein, es kommt auf die Gestaltung an. Im Naturpark Schwarzwald gibt es dafür viele Beispiele. Erst sich umschauen und informieren, dann sich äußern.
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  •   DonHasi
    (1000 Beiträge)

    01.07.2019 12:53 Uhr
    Jeder ein bisschen...
    Jeder "Camingjünger" bringt zum Erstbesuch etwas "Kleingeld" vorbei und "Sache ist geritzt".
    Warum soll die Stadt was vorhalten, was offensichtlich zu wenig nachgefragt wird um für einen privaten Investor rentabel zu sein.
    Und was bis jetzt auch so sehr offenbar keiner vermissst hat.
    Wenn es schon an einfachen "Toilettenanlagen" auf den "Marktplatz" und anderen zentralen Stellen in Karlsruhe wie "Umsteigepunkte" und "Endhaltestellen" scheitert, kann man absehen, was dabei rauskommt, wenn man sich an Dinge heran wagt, von denen man wenig bis keine Ahnung hat.
    Das Bäderpersonal fehlt hinten und vorne und jetzt soll man sich auch noch um so eine alte Bestandsanlage kümmern - Ob das mal gut geht?
    Und eines sei gesagt. Das Durlacher "Turmbergbad" hat sich echt gemausert. Es wäre schade, wenn sich das wieder drehen würde.
    Das "Rappele" ist ja schon in einem bemitleidenswerten Zustand und jetzt geht bald noch eine "Mauer" mitten durch´s Bad.
    DDR wir kommen
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  •   andip
    (9814 Beiträge)

    01.07.2019 08:38 Uhr
    Warum braucht es überhaupt einen Campingplatz?
    Diejenigen, die sich da aufhalten, sind doch in erster Linie solche, die da auf dem Weg irgendwohin nur kurz übernachten wollen und gleich wieder abreisen.
    Den Urlaub verbringt da keiner.
    Und wenn mit dem Platz was zu verdienen wäre, hätte sich auch bestimmt ein Pächter gefunden.
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