Karlsruhe "Eiertanz zum Hasenfest" - so lief die Tanzdemo am Karfreitag

Gestern Nachmittag wurde auf dem Platz der Grundrechte in der Karlsruher Innenstadt eine Tanzdemo von der Giordano-Bruno-Stiftung Karlsruhe (GBS) gegen das Tanzverbot veranstaltet. Mit Tanz, Spaß und Musik sollte auf die Einschränkung der Weltanschauungsfreiheit aufmerksam gemacht werden.

"Jeder sollte den Karfreitag so verbringen können wie er es persönlich möchte, ob das nun in Ruhe oder beim Tanzen sei. Alles Andere schränkt unsere Grundrechte ein!", so positioniert sich Janosch Rydzy, Mitglied des gemeinnützigen Vereins GBS Karlsruhe, deutlich gegen das gesetzlich vorgeschriebene Tanzverbot am Osterwochenende.

Die GBS geht laut eigener Aussage nach dem Prinzip "gleiches Recht für alle" und spricht sich somit gegen die Diskriminierung konfessionsfreier Menschen aus - dazu zähle auch der getaufte Christ, der trotz Tanzverbot gerne feiern gehen würde, aber auch Menschen, die anderen Religionen als dem Christentum angehören.

Unter dem Motto "Eiertanz zum Hasenfest" haben sich am Karfreitag laut Veranstalter rund 100 Personen aus Protest gegen das Tanzverbot an den so genannten "stillen Feiertagen" auf dem Platz der Grundrechte versammelt. | Bild: Thomas Riedel

Nun hat der Verein diesen Karfreitag als erste von der Stadt genehmigte Ausnahmeveranstaltung eine Tanzdemo unter dem Motto "Eiertanz zum Hasenfest" veranstaltet. Den Auftakt um 16 Uhr machte ein klassischer Walzer, nach einer kurzen Kundgebung wurde ausgelassen getanzt.

"Vereinzelte Passanten waren verärgert"

Janosch Rydzy zog im Anschluss eine positive Bilanz: "Die Stimmung war sehr gut und die anwesenden Leute haben viel Spaß gehabt - auch Dank des warmen und sonnigen Wetters", berichtete er zufrieden auf Anfrage von ka-news. Vereinzelt hätten Passanten jedoch auch ihren Unmut über die angekündigte Tanzdemo geäußert, so Rydzy. "Mit manchen sind wir deshalb ins Gespräch gekommen und haben unsere Beweggründe erklärt."

Bis zu 100 Personen sollen laut Schätzungen des Veranstalters vor Ort gewesen sein - von denen rund die Hälfte während der 2-stündigen Demo auch das Tanzbein schwang.

Weitere Demonstrationen nicht ausgeschlossen

Ab 18 Uhr zog die tanzende Meute schließlich weiter Richtung KIT-Campus. Im Arbeitskreis Kultur und Kommunikation (AKK) wurde bei Barbetrieb und Live-DJ ausgelassen weitergefeiert.

Weitere Demonstrationen im Rahmen der "stillen Feiertage" sind bislang nicht geplant. "Ähnliche Veranstaltungen möchten wir aber nicht ausschließen", so Rydzy abschließend.

ka-news Hintergrund:

Ein Tanzverbot gilt an allen stillen Feiertagen. Dazu gehören unter anderem Allerheiligen, der Volkstrauertag, der Totensonntag und auch der Karfreitag. Gesetzlich ist festgelegt, dass es an diesen Tagen keine öffentlichen Tanz- und Sportveranstaltungen geben darf. In Baden-Württemberg bestimmt dies das Feiertagsgesetz. Über Ostern darf am Gründonnerstag ab 18 Uhr, am Karfreitag ganztägig und am Karsamstag bis 20 Uhr nicht getanzt werden.

2016 gab es im Bundesverfassungsgericht eine Lockerung bezüglich des Tanzverbotes: Veranstalter haben seitdem die Möglichkeit einen Antrag zur Sondergenehmigung für geplante Events bei der Stadt zu stellen.

Stille Feiertage an sich - und somit auch das Tanzverbot - werden laut Gesetz jedoch erhalten bleiben. "Das Christentum ist immer noch Teil unserer Kultur und prägt unser Zusammenleben", so die beiden Dekane der Evangelischen und Katholischen Kirche Karlsruhe.

 

Liebe Leser, Sie können unter dem Artikel "Tag der Trauer und der Erinnerung": Warum an Karfreitag das Tanzverbot gilt und die Frage, ob das noch zeitgemäß ist zum Thema kommentieren.

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