15  

Karlsruhe "Egon" fegt über Karlsruhe: Zahlreiche Einsätze, Bahn-Ausfälle, Märkte abgesagt

Aktuell zieht Sturmtief "Egon" über Deutschland. Mit im Gepäck: Regen, Schnee und Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern. Die Feuerwehr ist in Karlsruhe und der Region im Dauereinsatz, im Bahnverkehr kommt es zu Verspätungen und Ausfällen.

Auf ihrer Homepage warnt die Stadt vor schweren Sturmböen. Es muss nach Aussage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Laufe des Freitags mit Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 100 Stundenkilometern gerechnet werden. In exponierten Lagen seien sogar orkanartige Böen bis zu 110 Stundenkilometern möglich. Die Wetterwarnung gilt noch den gesamten Vormittag bis 12 Uhr. 

Das Karlsruher Marktamt hat bereits Konsequenzen wegen des Wetters gezogen. Wie Armin Baumbusch, Leiter des Marktamts, im Gespräch mit ka-news erklärt, wurden die Wochenmärkte an diesem Freitag aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Unfallgefahr sei aufgrund der aktuellen Wetterverhältnisse zu hoch. 

Feuerwehr in Karlsruhe im Dauereinsatz

Erste Schäden gab es bereits in den frühen Morgenstunden in der Region. In einer Pressemitteilung meldet die Branddirektion der Stadt Karlsruhe, dass ab 0.15 Uhr in der gemeinsamen Feuerwehrleitstelle von Stadt- und Landkreis Karlsruhe bis Freitagmorgen 68 sturmbedingte Schadensmeldungen eingegangen wären.

Die Anrufer meldeten umgestürzte Bäume, Bauzäune, Straßenbeschilderungen, abgerissene Gerüstverkleidungen und beschädigte Dächer. "Im gesamten Stadtgebiet Karlsruhe waren bis heute morgen 20 Einsätze zu verzeichnen", meldet die Branddirektion. Da das Sturmtief bis zum Nachmittag anhalten soll, ist nach Einschätzung der Branddirektion mit weiteren sturmbedingten Einsätzen heute zu rechnen.

Sturm über Karlsruhe
Aktuell können noch Gegenstände auf der Straße liegen wie hier in der Ettlinger Straße. | Bild: ka-Reporter

Sturm deckt Dach über Containersiedlung für Flüchtlinge ab 

Über einer Containersiedlung für Flüchtlinge in Waghäusel im Kreis Karlsruhe hat ein Sturm am Freitagmorgen ein Dach abgedeckt. Die rund 150 Bewohner der Container mussten in ein Haus umziehen, teilte die Polizei mit. Starker Wind hatte das Dach oberhalb der Container beschädigt.

Weil Reste des Dachs herunterfallen könnten, wurden die Bewohner aus der Siedlung gebracht. Sie konnten in einem unbelegtes Haus in der direkten Nachbarschaft untergebracht werden, wo laut Polizei Feldbetten und Matratzen bereitgestellt wurden. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 80.000 Euro. Wann die Container wieder bewohnbar sind, konnte die Polizei noch nicht sagen.

Aktualisierung, 8.30 Uhr:

In einer aktuellen Pressemitteilung informiert die Karlsruher Polizei über Einsätze in ihrem Zuständigkeitsbereich. Bislang etwa 130 sturmbedingte Ereignisse musste das Polizeipräsidium Karlsruhe nach eigenen Angaben in der Nacht zum Freitag ab Mitternacht in seinem Zuständigkeitsbereich verzeichnen. Über Personenschäden liegen derzeit noch keine Erkenntnisse vor.

Besonders betroffen waren vorwiegend durch umgestürzte Bäume, oft mit blockierten Fahrbahnen, der Raum Pforzheim und der Enzkreis sowie der Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Weitere Gefahren waren durch umherfliegende Müllsäcke, durch verschobene Müllcontainer und umgestürzte oder verschobene Bauzäune zu verzeichnen.

In einer Asylunterkunft der Marie-Curie-Straße in Waghäusel wurde gegen 2.30 Uhr das Zusatzdach von 60 doppelstöckigen Wohncontainern abgerissen. Das obere Containerstockwerk mit rund 150 Menschen musste vorsorglich geräumt werden. Sie kamen allesamt in einem angrenzenden freien Gebäude unter. Hilfskräfte des DRK und die Freiwillige Feuerwehr aus Philippsburg organisierten Feldbetten und stellten die Versorgung der Personen sicher.

Zu einem Verkehrsunfall beim Karlsruher Autobahndreieck kam es auf der A8 gegen 2.20 Uhr. Ein Pkw und ein Lastzug waren gegen einen auf der Fahrbahn liegenden größeren Ast gefahren. Insgesamt liegt der entstandene Sachschaden bei zirka 8.500 Euro.

Gegen 0.50 Uhr kam es im Ortsbereich von Walzbachtal-Wössingen zu einem Stromausfall. In Neulingen-Bauschlott stürzte gegen 0.55 Uhr sturmbedingt ein Baugerüst um und beschädigte das Nachbarhaus. Der Schaden wird auf etwa 1.000 Euro geschätzt.

In Pforzheim in der Straße Im Baumbusch beschädigte gegen 3.50 Uhr eine abgerissene Lkw-Plane einen geparkten Pkw. Hier liegt der Schaden bei 3.000 Euro. Gegen 5.50 Uhr fuhr auf der Bahnstrecke Pforzheim in Richtung Horb eine Diesellok gegen Baum. Dabei wurde der Tank aufgerissen und Diesel ist ausgetreten. Die Bahnstrecke musste gesperrt werden. Die Bahn mit vier Fahrgästen wurde von der Bundespolizei evakuiert. Gleichfalls in Pforzheim in der Erbprinzenstraße flogen gegen 7.05 Uhr Dachziegel auf einen Pkw und verursachten einen Schaden von etwa 5.000 Euro. 

In Karlsruhe-Durlach in der Weiherstraße stürzte um 6.05 Uhr ein Baum und beschädigte fünf Fahrzeuge im Hinterhof eines Privatgrundstücks. Die Schadenshöhe ist hier noch nicht bekannt. Weiterer Schaden von 8.000 Euro war um 6.35 Uhr in der Karlsruher Moltkestraße entstanden, als ein Bauzaun auf parkende Fahrzeuge stürzte.

Aktualisierung, 9.20 Uhr:

Welche Auswirkungen hat Sturmtief "Egon" auf den Karlsruher Bahnverkehr? Wie ein Pressesprecher der Karlsruher Verkehrsbetriebe im Gespräch mit ka-news mitteilt, müssen Pendler heute mit Behinderungen im Bus- und Bahnverkehr gerechnet werden. Augenzeugen berichten, dass in den Bahnen vorsorglich Verspätungen bis zu 30 Minuten angekündigt wurden. 

Aktuell kommt es zu Behinderungen auf der Linie S9. Wegen Sturmschäden wird laut Homepage des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) der Verkehr zwischen Bretten Bahnhof und Maulbronn Westbahnhof eingleisig betrieben. Es kann zu Verspätungen und Ausfällen kommen.

Die Störung auf der Linie S51 und S52 im Bereich Germersheim konnte inzwischen nach Aussage des KVV beendet werden. Aber auch hier müssen die Fahrgäste sich noch auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. 

Aktualisierung, 9.25 Uhr:

Nicht nur das Karlsruher Marktamt, sondern auch der Zoologische Stadtgarten hat auf das Wetter reagiert. Auf seiner Facebookseite teilt der Karlsruher Zoo mit, dass aufgrund der Sturmwarnung der der Stadtgarten vorsorglich bis voraussichtlich 13 Uhr geschlossen bleibt. 

 

Aktualisierung, 10.15 Uhr

"Nachdem die Sturmwarnung herabgestuft wurde und es bei uns im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe keine nennenswerten Schäden gibt, sind die Kassen ab sofort wieder für Besucher geöffnet", teilt der Zoo nun mit. Damit ist er ab sofort wieder geöffnet, nicht erst wie zuvor angekündigt ab 13 Uhr.

Aktualisierung, 10.45 Uhr

Auch in der Region um Karlsruhe hat der Sturm in der vergangenen Nacht für erhebliche Schäden gesorgt. So berichtet die Polizei in Offenburg, dass es in deren Zuständigkeitsbereich zu insgesamt 48 witterungsbedingten Einsätzen kam.

Umgestürzte Bäume und abgerissene Äste unter anderem in den Bereichen Hornberg, Durmersheim, Gernsbach, Rheinau und Bühl sowie ein abgerissenes Werbebanner in Lahr mussten von den Feuerwehren beseitigt werden.

In Rastatt wurde ein geparkter Pkw von einem durch die Luft fliegenden Trampolin beschädigt, in Bühl löste sich ein Bauzaun aus der Verankerung. Auf der A5 zwischen den Anschlussstellen Rust und Herbolzheim wurde am Fahrbahnrand gelagertes Gehölz auf die Fahrbahn geweht. Bis die Autobahnmeisterei die Fahrbahn gereinigt hatte, musste die Gefahrenstelle durch die Polizei abgesichert werden. Insgesamt kam es zu keinen größeren Verkehrsstörungen und Schäden.

Aktualisierung, 11 Uhr

Die Feuerwehren in Pforzheim und im Enzkreis mussten in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar zu insgesamt 49 Einsätzen ausrücken, davon waren 39 Einsätze durch den Sturm verursacht. Bei diesen Einsätzen mussten Gefahren durch umgestürzte Bäume und Zäune sowie durch herabfallende Dachziegel von den Feuerwehren beseitigt werden.

Die weiteren zehn Einsätze verteilen sich auf kleinere Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen, Türöffnungen für den Rettungsdienst und Brandmeldungen von automatischen Brandmeldeanlagen, bei denen nach der Erkundung durch die Feuerwehr allerdings keine weiteren Maßnahmen mehr erforderlich waren.

Die Feuerwehr Pforzheim wurde zu 13 Unwettereinsätzen alarmiert. Hervorzuheben ist ein Einsatz auf der Bahnstrecke zwischen Pforzheim und Dillweißenstein. Dort lag um 5:30 Uhr ein umgestürzter rund 50 Zentimeter dicker Baum quer auf den Gleisen. Der Zugführer konnte nicht mehr rechtzeitig stoppen und durchbrach den Baum. Dabei wurde der Dieseltank der Lok aufgerissen und rund 150 Diesel liefen aus. Die vier unverletzten Fahrgäste wurden von der Feuerwehr zum Bahnhof Weißenstein transportiert, der Tank wurde vorläufig abgedichtet und abgepumpt.

Bei den Unwettereinsätzen in der Stadt Pforzheim waren die Berufsfeuerwehr und die Abteilungen Brötzingen-Weststadt und Dillweißenstein im Einsatz. Die Beseitigung weiterer Sturmschäden wird die Feuerwehr Pforzheim noch einige Stunden beschäftigen.

Wie sehen die Vorhersagen für die kommenden Tage aus? Hier geht's zum Wetter!

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (15)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    13.01.2017 08:14 Uhr
    Da lässt man also
    Menschen in Containern wohnen, wenn man direkt nebenan ein Haus frei hat. Interessant.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HarryPotter
    (443 Beiträge)

    13.01.2017 11:20 Uhr
    Es soll sogar Menschen geben,
    die gar keine Unterkunft haben und und auf der Straße leben müssen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HarryPotter
    (443 Beiträge)

    13.01.2017 16:40 Uhr
    Egon sofort festnehmen
    wegen Sachbeschädigung grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6816 Beiträge)

    13.01.2017 09:51 Uhr
    Man muss davon ausgehen,
    dass dieses Haus einen privaten Besitzer hat, der auch zustimmen muss, dass die Flüchtlinge vorübergehend da einziehen können. Noch ist es nicht soweit, das der Staat/Land sich einfach Privatbesitz
    "unter den Nagel" reißen kann.
    Zynisch gesagt, was hätten Sie jetzt geschrieben, wenn die Flüchtlinge in einem Haus gewohnt hätten, wo der Sturm das gesamte Dach abgedeckt hätte.

    Ruppsche Formulierung: "Da lässt man die Flüchtlinge in einem Haus wohnen, wo ein Sturm locker ein ganzes Dach abdecken kann."

    Gut, dass man den Flüchtlingen schnell wieder ein Dach über dem Kopf vermitteln konnte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (9954 Beiträge)

    13.01.2017 09:05 Uhr
    Container
    sind gut. In den USA bauen sich sogar Privatleute Luxusvillen mit Containern.

    Und außerdem steht hier nichts über die bauliche Substanz des Hauses nebenan. Es gibt einige Häusle mit sehr schädlichem Schimmelbefall aus Wasserschäden, etc.
    Übrigens: die neue Erstaufnahmestelle in Tübingen hat 11 Millionen Euro gekostet, bietet 500 Flüchtlingen Platz und steht jetzt komplett leer.
    Wahrscheinlich kommt das später Studenten zugute.

    Aber wie man sich über Container aufregen kann, das ist mir ein Rätsel. Es gibt gute Wohn- oder Bürocontainer und nicht nur Schiffs-und Frachtcontainer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6816 Beiträge)

    13.01.2017 09:43 Uhr
    Sofern,
    nicht wieder eine größere Zahl von Flüchtlingen kommt. Das Abkommen mit der Türkei steht auf sehr wackligen Füßen bei der Unberechenbarkeit von Herrn Erdogan. Dann werden die Unterkünfte wieder gebraucht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2128 Beiträge)

    13.01.2017 09:11 Uhr
    Tübingen
    Beispiel für eine grandiose Fehlplanung des Landes: Die Räume haben nicht mal Steckdosen. Deswegen ist auch eine Übergangsnutzung oder andere Verwendung derzeit nicht möglich.

    Manchmal sind Container eben der bessere Weg.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   redaktion
    (1179 Beiträge)

    13.01.2017 09:33 Uhr
    Liebe Kommentatoren,
    in diesem Artikel geht es um die Sturmschäden und die Auswirkungen, die diese heute noch für Karlsruhe haben. Eine Grundsatzdebatte zum Thema Flüchtlingsunterbringung geht etwas am Thema vorbei. Wir möchten Sie daher bitten, zum Thema zu diskutieren. Wir behalten uns vor, themenfremde Beiträge aus der Diskussion zu entfernen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ka-lex
    (1644 Beiträge)

    13.01.2017 10:08 Uhr
    @redaktion
    Wenn man großartig über einen heftigen Sturmschaden an einer Flüchtlingsunterkunft berichtet, ist es selbstverständlich, dass sich die Wohnsituation von Flüchtlingen im Allgemeinen in der Debatte widerspiegelt.
    Wozu sind Diskussionen denn sonst da?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6816 Beiträge)

    13.01.2017 09:57 Uhr
    Es geht natürlich auch um die Folgen dieses Sturmes.
    Da ist nun einmal auch eine Unterkunft von Flüchtlingen betroffen. Natürlich kann daraus jetzt nicht eine Debatte über die Flüchtlinge entstehen. Aber man hat ja auf den Kommentar von H. Rupp reagiert. Der mit dem Sturm nur indirekt zu tun hat. Aus diesem Grund habe ich darauf geantwortet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.