Karlsruhe Drogenhandel im Netz: Ist das Darknet ein Problem für die Karlsruher Polizei?

Schnell, anonym und direkt: Der Drogenhandel verlagert sich zunehmend von der Straße in das heimische Wohnzimmer. Die Rede ist vom "Darknet" - der digitalen Hinterhofgasse des Internets. In dieser Woche ist ein 19-Jähriger aufgeflogen, der in Offenburg Drogen aus Kanada bestellte. Ein Einzelfall oder eine bekannte Masche? Und wie geht die Polizei gegen den illegalen Handel im dunklen Netz vor?

Wer heutzutage Drogen kaufen will, der muss nicht mehr mit zwielichtigen Gestalten im Stadtpark feilschen, sondern kann bequem von zu Hause aus bestellen. In den vergangenen Jahren ist in den schattigen Ritzen des Internets ein vitaler Handel mit allerlei Verbotenem herangewachsen: Das Darknet ("dunkles Netz") oder Deep Net ("tiefes Netz") beschreibt ein anonymes Netzwerk, bei welchem die Verbindungen manuell hergestellt werden. Der Zugriff auf das Netzwerk beziehungsweise die Netzwerke ist nicht ohne weiteres möglich, man muss von dessen Teilnehmer eingeladen werden.

"Ermittler wissen, wann sie aktiv werden müssen"

Die Anwendung des Darknet ist vielfältig: Vom Datenaustausch zwischen Privatpersonen bis hin zu Tauschbörsen für Filme und Musik. Oder eben verbotenen Substanzen wie Drogen. Zwar ist der Drogenmarkt im Internet gegenüber dem Straßenhandel (mit einem geschätzten Umsatz von 320 Milliarden Dollar pro Jahr weltweit) unterlegen, aber in Zukunft könnte sich das Geschäft verlagern.

"Den Handel auf der Straßen wird es immer geben", so ein Sprecher der Karlsruher Polizei. Hier seien Drogen schnell, anonym und direkt zu bekommen. Konkrete Zahlen für den Verkauf im Netz liegen der Polizei Karlsruhe nicht vor.

"Generell spielt die Anonymisierung im Darknet ein problematische Rolle", so Inka Buckmiller, Sprecherin des Landeskriminalamt (LKA) gegenüber ka-news. "Aber ab einem gewissen Stadium müssen die Täter den Schritt in die 'Realität' machen, dies geschieht beispielsweise beim Versand von Rauschgift", erklärt Buckmiller. Es sei schwierig das komplette Netz im Blick zu behalten "Es ist natürlich unmöglich, das Netz leer zu surfen, aber unsere Ermittler wissen wo, wann und wie aktiv werden müssen."

"Das Darknet wird immer mehr zum Thema"

Da der Handel mit Drogen im Netz über den Versand läuft, hat die Karlsruher Polizei reagiert und seit 1992 die "Gemeinsame Ermittlungsgruppe" bestehend aus 14 Zoll- und 14 Polizeibeamten ins Leben gerufen. "Das Darknet ist für uns ein Thema und wird immer mehr zum Thema werden", erklärt der stellvertretende Leiter Bernd Hagen auf Anfrage von ka-news.

Ein großes Problem sei bei Aktivitäten im Darknet, dass die Täter häufig im Ausland sitzen. "Deswegen arbeiten wir länderübergreifend mit den Kollegen in Nachbarländern wie den Niederlanden, Spanien oder Frankreich zusammen", so Hagen weiter.

Doch diese übergreifenden Ermittlungen sind nicht einfach, heißt es vonseiten der zuständigen Inspektion für Drogen, Rauschgift und organisierte Kriminalität in Karlsruhe. Die Zuständigkeit seien manchmal problematisch, die Täter wüssten oftmals genau wie sie vorgehen müssen.

So hat es in der Vergangenheit laut Inspektion öfter den Fall gegeben, dass Drogenpakte bei falschen Adressaten aufgetaucht sind und dann der Polizei zur Ermittlung übergeben wurden. "Die Polizei nähert sich dem Phänomen mit all seinen Schwierigkeiten", so ein Sprecher gegenüber ka-news.

Können sich Täter im Netz in Sicherheit wägen?

Vor allem mit der bundesweiten Bildung des Kommissariat 5 (K5) in jedem Präsidium habe die Polizei auf die Entwicklungen im Netz reagiert, so Kriminalhauptkommissar Michael Cordier im Gespräch mit ka-news. K5 deckt den Aufgabenbereich Cyberkriminalität und digitale Beweismittel ab. Lokal tätig werde man im Darknet jedoch erst nach Hinweisen auf Straftaten eingeleitet, so Cordier.

Bundesweit sind die Behörden hingegen "durchgehend" aktiv: Bundeskriminalamtes (BKA) und Landespolizeibehörden konnten beispielsweise bei konzertierten Ermittlungsmaßnahmen im In- und Ausland ein Schlag gegen die deutschsprachige Underground-Economy-Szene - dem sogenannten Handel im Darknet - gelingen.

Die sei ein erneuter Beweis dafür, dass es im Internet keine vollständige Anonymität gibt, auch nicht im sogenannten Darknet, so das BKA in einer Pressemitteilung. "Wir sind da gut aufgestellt für die Zukunft", unterstreicht auch Bernd Hagen, Leiter der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe in Karlsruhe.

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