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Karlsruhe Dinner in Weiß: Karlsruher Picknicker auf den Spuren der Pariser Bourgeoisie

Bitte nicht kleckern: Was war denn da am Samstag auf der Hirschbrücke los - eine Hochzeit mit rund 150 Bräuten? Nein, ganz in Weiß picknickten hier Groß und Klein im Rahmen des ersten "Dîner en blanc" in der Fächerstadt. Das Fest mit Pariser Wurzeln brachten vier Freundinnen nach Karlsruhe - auch die Fächerstadt sollte einmal im französischen Chic strahlen. Salat aus Gläsern, Crema Catalana, 3-Gänge-Menüs: Für das Essen waren die Teilnehmer selbst verantwortlich - die Hauptsache: Mondän und ohne Plastikverpackung.

Ganz in Weiß und auf dem Tisch ein Gaumenschmaus: Am Samstag blieben einige Passanten verwundert stehen, als ihnen die speisende Gesellschaft auf der Hirschbrücke ins Auge fiel.

Dinner mit Regeln: 3-Gänge-Menü, Plastik tabu und schick in Weiß

Farbige T-Shirts und Hosen mit Grasflecken suchte man vergebens: Die Spielregeln des sogenannten Dîner en blanc schrieben Tische, Stühle und ausschließlich weiße Kleidung vor - ein Picknik in hohen Schuhen und Kerzenschein. Aber was hat es mit dem Brücken-Dinner auf sich?

Das Dîner en blanc stammt, wie der Name schon verrät, aus Frankreich - genauer gesagt aus der Metropole Paris. "Seinen Ursprung hat das Picknik in Weiß in den 1980ern", beginnt Veranstalterin Silvia Teschner zu erzählen - "damals feierte ein Pariser eine edle Gartenparty in Weiß, die am Ende so gut besucht war, dass sie sich in den benachbarten Park verlegte." Aus dem Zufall wurde Programm: Zunächst als regelmäßige Dinner-Feier im Freien für betuchte Franzosen gedacht, verbreitete sich die Idee in ganz Europa. Mittlerweile werde das Dîner en blanc laut Teschner auch in deutschen Städten von Leuten aus allen Gesellschaftsschichten gefeiert. "Uns hat gewundert, dass es noch nicht in Karlsruhe angekommen war - deshalb beschlossen wir, die Organisation hier selbst in die Hand zu nehmen und beantragten die Veranstaltung bei der Stadt", so Teschner weiter.

150 Karlsruher hatten sich zuvor für das Spektakel angemeldet - die Plätze waren begrenzt. "Es durfte nicht wie bei diesen Facebook-Partys enden, bei denen am Ende tausende Leute erscheinen und randalieren", so Teschner. Um eben dies zu verhindern, ließen sich die Veranstalterinnen eine etwas ungewöhnliche Organisations-Methode einfallen: "Die angemeldeten Gäste bekamen erst am Vorabend per SMS Bescheid, wo und wann genau das Dinner stattfinden wird" - dieses Geheimnis bis kurz vor knapp sollte dem Fest das gewisse Etwas verleihen. Das Ziel habe sich laut Teschner erfüllt: "Das Dîner en blanc hat allen Spaß gemacht und ein paar schöne Stunden bei gutem Essen beschert."

Dennoch gab es neben der Kleiderordnung auch ein paar andere Regeln, an die sich die Gäste zu halten hatten: Bei dem mitgebrachten Essen sollte es sich idealerweise um saisonale und regionale Produkte handeln und mindestens drei Gänge beinhalten - Plastik- und Papierverpackungen waren hingegen untersagt. "Wir wollten keinen Müll hinterlassen", so die Veranstalterin weiter. Von frischem Salat in Gläsern bis zur vor Ort flambierten Crema Catalana: Auf den Tisch mit weißer Decke kamen laut Teschner edle und einfallsreiche Gerichte - Kleckern tabu. "Das Feedback war super" - Teschner und ihre Freundinnen scheinen beflügelt, sie wollen eigenen Aussagen nach an die Veranstaltung am Wochenende anknüpfen und das Picknik in Weiß in Karlsruhe nächstes Jahr wieder aufleben lassen - wo und wann bleibt bis dahin strikt geheim.

Mehr zum Thema und weitere Bilder gibt es auf der Hompage des Dîner en blanc in Karlsruhe und auf Facebook.

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