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Karlsruhe "Die große Sanierung ist das einzig sinnvolle": Das sagen die Stadträte über die Sanierung der Europahalle

Vereinssport oder doch Großveranstaltungen? Diese Frage beschäftigt die Stadtpolitik seit fast über fünf Jahren - nämlich seit dem Sommer 2014, als die Europahalle aufgrund mangelnder Brandschutzmaßnahmen für Großveranstaltungen mit mehr als 200 Personen geschlossen worden ist. Seitdem wird über die Ertüchtigung der Halle diskutiert: Wie viele Millionen Euro sollen investiert werden - und für was soll die Europahalle künftig genutzt werden? Die Entscheidung ist nun gefallen.

Große oder kleine Sanierung, 30 oder 15 Millionen Euro für die Europahalle - das ist hier die Frage. Die Stadt hatte im Vorfeld den Gemeinderäten die Empfehlung gegeben, für die große und teurere Sanierung zu stimmen. Denn: Wenn der Brandschutz und die Rettungswege sowie Entrauchung wieder den Vorschriften entsprechen, dürfen in der Europahalle, die seit 2014 quasi geschlossen ist, wieder Sportevents durchgeführt werden. So soll etwa das Indoor Meeting, das ab 2024 nicht mehr in der Messe Karlsruhe seine Heimat hat, wieder zurückkehren. Aber auch Ballsport in der ersten Liga soll möglich sein. 

Europahalle
Bild: Lukas Hiegle

Doch bis die Gemeinderäte am Dienstagabend abstimmen konnten, gab es nochmals eine emotionale Debatte die Sanierung der Halle. Fast eine Stunde haben die Stadträte diskutiert. Doch am Ende haben sich alle Fraktionen für die Sanierung der Europahalle, die 30 Millionen Euro kosten soll, ausgesprochen. "Wer hätte das gedacht, das wir die Zukunft der Europahalle einstimmig beschließen", freute sich Frank Mentrup über das Ergebnis. 

Detlef Hofmann, CDU

Es ist in der Tat komplexes Thema, jeder hat da seine Meinung dazu. Mit den Dreifeldhallen sind wir auf einem guten Weg, wenn alles sukzessive von 2021 bis 2023 fertig gestellt wird. Also ist auch der Sportentwicklungsplan auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass wir die Hallen in Oberreut und an der Elisabeth-Selbert-Schule haben. Aber in Oberreut muss man schauen, ob das nicht beschleunigt werden kann, denn da ist die Not sehr groß.

Detlef Hofmann (CDU)
Detlef Hofmann von der CDU. | Bild: ps

In Sachen Europahalle: Es gibt es kein Projekt, das wir so ausführlich geprüft haben. Seit das Brandschutzgutachten nun vorlag, das ist jetzt ein Jahr her, wurde die große Sanierung schon vorgeschlagen. Nur weil wir eine Prüfung der kleinen Variante gemacht haben, haben wir deswegen keine Zeit verloren.

Und wir hatten recht, denn es würde nicht bei 21 Millionen bleiben, wie es schon letzten Sommer hieß, und es kam dann auch so. Wichtig ist: Das Indoor Meeting kann zurück in seine Geburtsstätte! Uns von der CDU ist es außerdem wichtig, dass die Leichtathletik entsprechend untergebracht wird und wir sind trotz der langen Zeit auf einem guten Weg und haben viel richtig gemacht.

Wir müssen den Bürgern aber reinen Wein einschenken: Wir bauen eine alte Halle um wir bekommen dann keine Top-Lösung als Ballsport- und Eventhalle. Wir sehen aber auch, dass das die einzige realistische und kurzfristig durchführbare Lösung ist. 

Michael Zeh, SPD

Hat die Europahalle eine Zukunft als Großsporthalle? Es wird die große Lösung empfohlen um Brandschutzmängel zu beheben um die Halle wieder für Zuschauer zu öffnen.

Zunächst zum Bericht über Sporthallen: Da wurde schon viel in Bewegung gebracht. Bekanntermaßen will die SPD alle Entscheidungen mittragen, die die Fertigstellung in Oberreut beschleunigen. Punkt zwei, die Machbarkeitsstudie zeigt, wie teuer neue Hallen sind. Ein Neubau der Europahalle würde verschiedenes verändern: Catering, die Lage, den Innenraum. Aber es wäre Ende der Leichtathletik dort.

Michael Zeh Gemeinderat Karlsruhe SPD
Michael Zeh von der SPD. | Bild: Michael Zeh

Die Entscheidung ist eine richtige Entscheidung und das Indoor Meeting kann zurück kommen, das war bisher als nicht möglich bezeichnet worden. Das Meeting in der Messe Rheinstetten ist schwierig durch lange Auf- und Abbauzeiten. In der neuen Europahalle entfällt das und das spart Zeit und Kosten.

Die neuen Zelt müsste man berücksichtigen. Im Sinne von Nachhaltigkeit wird es aber immer wichtiger, bestehende Bausubstanz zu erhalten aber für Veränderungen offen zu sein.

Ekkehard Hodapp, Grüne

Der Sportentwicklungsplan und die Sperrung der Europahalle - beides 2014 - liegen nah beieinander, also das Positive aber auch die negative Überraschung. Wir haben die für den Schul- und Vereinssport dringend notwendigen Hallen auf den Weg gebracht, jetzt geht es um Entscheidung für die Europahalle.

12. Ekkehard Hodapp
Ekkehard Hodapp von den Grünen. | Bild: (ps)

Die große Sanierung erscheint uns die einzig sinnvolle Variante. 15 Millionen Euro für kleine Variante auszugeben, damit später, wie es aktuell der Fall ist, nur 200 Menschen in die Halle dürfen, ist aus unserer Sicht in keiner Weise angemessen. Also jetzt machen wir die große Variante und fangen nach der Fertigstellung der Halle an der Selbert-Schule 2021 damit an. Dann steht 2023 die Europahalle wieder zu Verfügung.

Dass das Indoor Meeting mit seinen hohen Kosten, die es an der Messe hat, wieder einziehen könnte, macht die große Sanierung attraktiver. Was uns nicht gefällt ist, dass es keine energetische Sanierung geben wird. Wir können nicht die Jugend loben für ihre Demos bei "Fridays for Future" aber dann die Konsequenzen beim Klimaschutz außen vor lassen. Da wünschen wir uns Nachbesserung - sofern das den Zeitplan für die Europahalle nicht gefährdet. 

Lüppo Cramer, Kult

Ich möchte den letzten, inhaltlichen Punkt von meinem Vorredner aufnehmen: die energetische Sanierung. Wir denken, dass das zu den realen kosten dazugehört und wir das nicht beiseite schieben können, Wenn wir jetzt die 30 Millionen Euro beschließen uns aber nicht an die realen Kosten heranwagen, damit haben wir große Probleme.

Trotzdem werden wir der großen Variante zustimmen, denn es wird möglich, das Indoor Meeting auch mit vier Bahnen dort durchzuführen. Leichtathletik und Ballsport – zusammen in der Europahalle! Das ist für uns das Entscheidende, warum wir der Variante zustimmen. 

Lüppo Cramer
Stadtrat Lüppo Cramer (Karlsruher Liste). | Bild: www.kult-fraktion.de

Thomas Hock, FDP

Manchmal biegt man falsch ab und stellt das zwei Jahre später fest, so könnte man es hier heute sagen! Aber Gott sei dank laufen manche den Weg wieder zurück und finden die Orientierung wieder.

Heute wird der Entschluss endlich herbeigeführt. Unsere Fraktion ist dankbar, dass die Prüfungen so schnell gingen. Wenn ich sehe, wie andere Sachen - etwa die Stadthalle - laufen, dann können wir froh sein, dass wir den Beschluss nun fassen.

Thomas H. Hock (FDP) | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Für uns stand schon damals fest, dass eine Halle an diesem Standort mit der Anbindung und nur mit 200 Besuchern bespielbar - das wäre ein Skandal gewesen, wenn wir die kleine Sanierung durchgesetzt hätten. Wir werden den Entschluss gerne mittragen.

Wir sehen aber auch, dass es nicht der Fall sein kann, dass, wenn das Indoor Meeting zurück kommt, wir mit Zelten vor der Halle für das Catering anfangen. Wenn wir die Sanierung machen, dann machen wir es richtig! Es sieht ja nicht gut aus, wenn wir Zelte aufstellen. 

Paul Schmidt, AfD

Die Europahalle ist offiziell kein Denkmal, aber für viele Karlsruher ist es das, sie ist ein Teil ihrer Heimat. Daher begrüßen wir es, dass sie auf diese Art und Weise erhalten bleibt und die große Variante der Sanierung die Nutzung fast wie früher wieder herstellt.

Paul Schmidt (AfD) | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Wärmedämmung geht heutzutage nicht, ohne das Aussehen zu verändern. Die Halle ist schön, so wie sie ist. Wenn man den Vorschlag der Grünen ernst nimmt, dann prüfen wir erneut, das wäre dann die dritte Prüfung, das kann nicht sein. Wir haben Bedarf an Hallen, das ist der Hauptgrund warum wir jetzt zustimmen. Wir tragen es gerne mit, sind froh, dass die Europahalle zu dem wird, was sie früher war.

Friedemann Kalmbach, Für Karlsruhe

Friedemann Kalmbach (Für Karlsruhe) | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Europa hat eine Zukunft, die Europahalle auch. Die Frage, die ich hier stelle: Wie kommen wir zu der Entscheidung? Ich bin enttäuscht über den Weg, dass wir alles drei mal prüfen müssen und deswegen haben wir viel Geld versenkt. Wir könnten uns das Leben ein bisschen einfacher machen.

Jürgen Wenzel, Freie Wähler

Heute hatten wir schon das Thema Europa, und was wäre Karlsruhe ohne die Europahalle: Deswegen mein Bekenntnis zur großen Lösung, denn ich sehe keine Alternative zum Standort. Es ist stadtnah und gut an den ÖPNV angebunden. Sie hat Charakter, die Halle ist eine Landmarke und es wird Zeit, alles zu tun, was im Rahmen der Zeit und Kosten möglich ist.

Jürgen Wenzel (Freie Wähler) | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie
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Kommentare (7)
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  •   malerdoerfler
    (5680 Beiträge)

    28.03.2019 19:04 Uhr
    Zustimmung von allen Seiten
    und das so kurz vor der Wahl.

    Wollte da etwa keiner negativ auffallen?
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  •   elisuS
    (180 Beiträge)

    27.03.2019 15:39 Uhr
    Die Halle würde 2014 geschlossen..
    Und 2018 lag schon ein Brandschutz Gutachten vor . Wow, das sind ja Rekordzeiten in denen sowas erstellt wird.

    Eine bessere Lösung wäre gewesen , die Halle so umzubauen , dass es eine reine Ballsporthalle wäre. Interessant wäre auch zu erfahren ob die Toiletten und es Catering umgebaut werden. Denn das war vor der Schließung schon nicht zeitgemäß für einen optimalen Ablauf. Beim Catering gab es zum Beispiel ein riesen Durcheinander in den Halbzeiten oder sonstigen Pausen. Das sieht man in modernen Sporthallen bereits jetzt wie es besser funktioniert. Mehrere dezentrale Versorgungsinseln und Toilettenanlagen sind bei starkem Zuschauerandrang vonnöten.
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  •   freigeist
    (519 Beiträge)

    27.03.2019 15:27 Uhr
    Es geht ja Hauptsächlich um den Brandschutz
    wo bitte werden 30 Millionen für den Brandschutz benötigt bei einer Halle welche sich aus den 3 Teilen Glas,Stahl und Beton zusammensetzt, Will man da goldene Böden einziehen. §= Millionen sind ein schöner Batzen Kohle.
    Wie immer ist in Karlsruhe alles doppelt so teuer wie in anderen Städten,egal ob Stadion,Festhalle oder jetzt auch die Kosten für die Sanierung der Halle.
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  •   enzkreisler
    (17 Beiträge)

    27.03.2019 14:31 Uhr
    Europahalle
    Die Entscheidung ist gefallen-jetzt würde mich interessieren wie die Halle nach Fertigstellung aussieht!
    Gibt es 6 Laufbahnen,wie ist das Platzkonzept (Sitzplätze nah am Spielfeld bei Basketball)?Wie hoch die Zuschauerkapazität?Vielleicht gelingt es durch die dauerhafte Bahn in Ka den Leichtatlethiksport zu pushen,wäre auch schön die Jugend dafür zu mobilisieren.
    Auch die Parkplatzsituation (erweiterbar?da doch grosser Bedarf auch wegen Europabad)
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    26.03.2019 21:56 Uhr
    PS:
    Man könnte es auch anders formulieren: Keiner der Stadträte hat den Arsch, jetzt "nein" zu sagen. Denn es ist schlichtweg ein Vakkum da, keine alternative Planung. Nur irgendwelche Gutachten der Stadtverwaltung mit einer Anhäufung von Punkten, die besagen, dass es nicht geht. Dieser Standort geht nicht, dieser Standort geht nicht, das ist zu teuer, dort fehlt die Infrastruktur. Irgendwie riecht das nach "alternativlos" und nach merkelanischem Führungsstil. Zugegebnermaßen muss ich einräumen, wie will ein Stadtrat auch Alternativen prüfen? Da muss man sich schon auf die Stadtverwaltung verlassen können. Ich bleibe aber dabei. Zu lange hat man da viel zu wenig gemacht. Nun muss die Stadt 31 Mio in die Sanierung stecken, um das Schlimmste zu verhindern. Andere Städte bauen dafür neu, multifunktionsal und für 10.000 Zuschauer. Hier läuft irgendwas schief und es bleibt ein G'schmäckle zurück. Aber bloß nichts sagen...Augen zu und durch.
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    26.03.2019 21:38 Uhr
    Trauerspiel!
    Der OB rühmt sich noch, dass hier einstimmig entschieden wurde. Wenn man sich mal die Argumente anschaut, stellt man schnell eines fest: DIE EUROPAHALLE bleibt vor allen wegen des Leichtathletik-Meetings. Allein deshalb - nun ja.

    Was bleibt ungelöst: JA - eine EVENTHALLE und Sporthalle für Ballsportarten. Besser gesagt eine Multi-Funktionshalle, die andere (viel kleinere Städte) innerhalb einer Bauzeit von zwei Jahren für 20-30 Mio komplett neu bauen. Nun ja, ich nehme es sportlich, finde aber die Einstimmigkeit dieser Entscheidung kein gutes Signal für eine funktionierende Demokratie, zumal man hier sehr locker auch anderer Meinung sein kann. Aber die Gelder fliegen gerade so aus dem Stadtsäckl - hat man das Gefühl. Wenn man an Hotels denkt und deren Nutzung, braucht man auch mal eine Eventhalle. Ulm, Würzburg, LB usw. machen es vor. Aber KA investiert in die marode Halle. Wenn ich dann noch "Landmarke" lese, kommen mir die Tränen. Schwache Argumente.
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  •   teflon
    (2681 Beiträge)

    27.03.2019 08:57 Uhr
    Deinem Beitrag kann ich nur
    zu 100% zustimmen. Im Rathaus scheint König Midas eingezogen zu sein und produziert Geld nach Belieben. Das Geseiere von einigen der Protagonisten ist an Naivität kaum zu Überbieten und der finale Kostensatz wird so ausfallen, dass man nach einem Modellentwurf, wie er zB in Würzburg steht, 2 komplett neue Hallen hätte bauen können. Die 30 Mios gehen - nach besten Vorbild der völlig daneben gegangenen Stadthallensanierung- ganz schnell den Bach runter und dann wird mindestens nochmals das Gleiche hinterhergeschmissen.

    Schilda gibt's halt nicht nur in der Literatur- deshalb sollten sich es die Karlsruher sehr gut überlegen, wen sie nochmals wählen - sowohl im Mai in den Stadtrat wie auch nächstes Jahr bei der OB-Wahl
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