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Karlsruhe "Die Kombilösung wird uns noch in zwei Generationen beschäftigen" - Kritiker der ersten Stunde Jürgen Wenzel über das Karlsruher Großprojekt

Die Karlsruher Kombilösung feiert zehnjähriges Jubiläum: Am 21. Januar 2010 gab es den Spatenstich zum Großprojekt in der Fächerstadt. Die Bauarbeiten sollten bereits schon abgeschlossen sein, doch Zeit- und auch Kostenplan wurden bereits mehrfach nach hinten beziehungsweise oben korrigiert. Ein Gegner der Kombilösung damals wie heute: Stadtrat Jürgen Wenzel. ka-news.de hat mit ihm gesprochen.

Noch vor Baubeginn gab es Widerstand gegen das Jahrhundertprojekt, das mittlerweile über 1,3 Milliarden Euro verschlingt. Ein Politiker, der vor zehn Jahren wie heute im Karlsruher Gemeinderat sitzt und sich gegen das Großprojekt ausgesprochen hat, ist Jürgen Wenzel von den Freien Wählern.

Was wären damals die Alternativen gewesen, Herr Wenzel?

Doch nun ist der Spatenstich schon ein Jahrzehnt her. Damals gab es nicht nur "den einen" Grund, der in den Augen des 57-Jährigen gegen die Kombilösung sprach, sondern "ein Sammelsurium von Gründen", so Wenzel im Gespräch mit ka-news.de. Nachdem der Bürgerentscheid die damalige "U-Strab" abgelehnt hat, wollte die Stadtverwaltung das Bauwerk einfach so auf den Weg bringen - ohne die Bürger abermals zu fragen. "Das war für mich im demokratischen Sinne ein Unding", sagt Jürgen Wenzel.

Zeitrahmen war "utopisch"

Für den Stadtrat der Freien Wähler war schon vor Beginn des Baus klar, dass der Kostenrahmen nicht eingehalten werden könne. "Fachleute haben bereits vor dem Spatenstich bestätigt, dass der ganze Bau nicht unter einer Milliarde Euro machbar sei", so der 57-Jährige. Zudem war der Zeitrahmen "utopisch". Außerdem ist er der Meinung, dass nach Beendigung der Bauarbeiten noch lange kein Ende der Kosten in Sicht ist. 

Herr Wenzel, wie lange wird die Kombilösung die Karlsruher noch beschäftigen?

Doch es gibt auch Positives aus dem größten Bauprojekt der Fächerstadt zu gewinnen. "Wir haben eine politische Änderung. Diejenigen, die damals so entschieden haben, wurden von den Wählern bestraft. Der Gemeinderat sieht nicht mehr so aus wie damals", sagt Jürgen Wenzel im Gespräch mit ka-news.de. 

Trotz seiner Kritik glaubt der Stadtrat der Freien Wähle daran, dass Karlsruhe im Nachhinein von der Kombilösung profitieren wird. "Vorausgesetzt die Infrastruktur klappt", betont Wenzel. "Karlsruhe wächst - vielleicht ist die Kombilösung irgendwann uns als großer Stadt würdig."

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Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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  •   udoh
    (1861 Beiträge)

    27.01.2020 17:22 Uhr
    Na ja, irgendjemand hat anscheinend suggeriert, dass
    man Bier unbedingt mitten auf der Kaiserstr. trinken muss.
    War mir nicht klar, dass Bier und Eis die Attraktivität einer Einkaufsstraße ausmachen grinsen ich dachte immer, das hat was mit den Geschäften jenseits 1 EUR, Döner und Gebrauchthandys zu tun.
    Ob man gegen Gemütlichkeit heute mehr Bahnen (mit Fernzielen) durch die Innenstadt schleusen muss als nachher durch den Tunnel passen sehe ich ebenso so fraglich.
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  •   andi79
    (2954 Beiträge)

    25.01.2020 16:59 Uhr
    das beste daraus machen
    Der Tunnel kann noch nützlich sein.... nur schienen brauchen wir keine sondern Straßen. Meine Meinung habe ich ja oft genug kund getan... eine öffentliches autonomes Taxisystem wäre das System der Wahl, mit Sonderspur auf den jetzigen Bahntrassen als Wettbewerbsvorteil vor den privaten. Das System Straßenbahn ist kein system dieses Jahrhunderts und in den nächsten 15 jahren obsolet.

    Ein Abzweig vom Marktplatz zum Schlossgartenparkplat wäre noch sinnvoll wenn die Bahn mal raus ist.
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  •   udoh
    (1861 Beiträge)

    27.01.2020 17:32 Uhr
    Wahrscheinlich ist das tatsächlich die Zukunft
    Aber zuerst dürfen die Konzerne noch sauteuere Schienentechnik verkaufen.
    So wie man erst Straßen verbreitert um sie dann wieder zu verschmälern. Ampelkreuzungen baut um sie dann später in modische Kreisverkehre um zu bauen.
    Dass die Fahrzeuge auf den langsamen Kurz- / Innenstadtverkehr mit vielen Haltepunkten bei größtmöglicher Schonung von Fußgängern bei Unfällen optimiert sind sehe ich nebenbei auch weniger.
    Eher, dass man für die gelobte Wollmichsau die Nachteile der spezialisierten Arten zusammen gelegt hat.
    Extrem schwere große Züge die ich leider allzu oft praktisch leer alles auf Rot schalten sehe bevor sie überhaupt in die Haltestelle fahren. Verbesserungspotential ohne Ende.
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  •   Freigeist1
    (1412 Beiträge)

    26.01.2020 16:05 Uhr
    warum werden Trams denn dann
    momentan und verstärkt in vielen Städten weltweit ausgebaut? Warst Du schon einmal in der Schweiz? Künftig werden sich die Investitionen in den Schienenverkehr vervielfachen. Autos in jeder derzeit existierenden Form sind nicht Großstadt kompatibel. Sorry, jeder kann behaupten was er will, aber das ist schon arg vorbei an der Realität.
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    25.01.2020 17:13 Uhr
    !
    In einer Innenstadt einer Großstadt braucht man leistungsfähige Massentransportmittel mit möglichst wenig Flächenbedarf pro Fahrgast. Das leisten Trams auch in mehreren Jahrzehnten perfekt, individuelle Gefäße mit viel drumrum pro Fahrgast aber gerade nicht, egal ob autonom oder nicht
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  •   andi79
    (2954 Beiträge)

    26.01.2020 13:30 Uhr
    autonome kleinbusse
    brauchen nicht mehr platz, die technik passt in den boden.
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  •   lenkdreiachser
    (411 Beiträge)

    27.01.2020 15:05 Uhr
    Autonomer Kleinbus
    Es ist natürlich super effizient, wenn man die in zwei Antrieben gebündelte Kapazität einer einzigen Straßenbahn auf sagen wir 30 autonome Kleinbusse verteilt, jeder natürlich mit eigenem Antrieb und dem horrenden dynamischen Raumbedarf eines Kraftfahrzeuges. Mit solchen Gefäßgrößen kann man gerne auch autonom abgelegene Schwarzwaldtäler erschließen (sollte es dort jemals Mobilfunkempfang geben), in den stark gebündelten Verkehrsströmen einer Großstadt fährt man damit geradewegs gegen die Wand (was bei den bislang am Markt erhältlichen autonomen Kleinbusmodellen optisch nicht einmal auffallen dürfte).
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  •   andi79
    (2954 Beiträge)

    27.01.2020 16:24 Uhr
    nein
    zum einen macht es technisch nicht so viel unterschied ob man jetzt einen großen motor hat für einen zug, oder mehrere kleinere, zum anderen brauchen sie für die gleiche menge an transportkapazität nur ein kleines bischen mehr Platz. Subtrahiert man da jetzt die gesparten Kapazitäten wieder raus von leuten die z.B. gar nicht zum Marktplatz sondern als Beispiel vom Albtalbahnhof nach Neureut wollen hat man sogar mehr platz. Dazu spricht nichts gegen 50er E-Taxis für die Rushhour... z.B. für den Schülertransport. Durch diese Bedarfsanpassung spart man nochmal Kapazität
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  •   lenkdreiachser
    (411 Beiträge)

    27.01.2020 20:10 Uhr
    Doch
    Es macht nun einmal einen wirtschaftlichen und ökologischen Unterschied, wenn bündelfähige Verkehrsströme anstatt mit wenigen großen mit vielen kleinen Einheiten transportiert werden. Und mögliche Direktverbindungen ohne Durchqueren der Kaiserstraße verstopfen dann halt die Straßen an anderer Stelle. Das ist kein nenbenswerter Unterschied zum motorisierten Individualverkehr, also kann man es auch gleich sein lassen.
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  •   BMWFahrer
    (295 Beiträge)

    25.01.2020 15:14 Uhr
    In zwei Generationen
    also in sechzig Jahren wird man sicherlich mit der Kombilösung beschäftigen müssen. Dann dürfte für beide Tunnel (also Bahntunnel in der Kaiserstraße und Autotunnel in der Kriegsstraße) die Sanierung anstehen.

    Man wird sich fragen, warum anfangs des dritten Jahrtausends diese aufwändigen Tunnel gebaut wurden. Denn in der Kaiserstraße wird es keine Geschäfte mehr geben und auch keine Autos mehr, die durch den Kriegsstraßentunnel fahren.
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