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Karlsruhe Dichter, reißfester, stabiler: Was hinter dem Beton steckt, der auf die Rheinbrücke kommen soll

Das hohe Verkehrsaufkommen belastet die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth. Bis zu 90.000 Fahrzeuge rollen an Werktagen über die Brücke, darunter auch viele Schwerlastfahrzeuge. Die Belastung durch viele tausend Autos und Lastwagen täglich haben ihre Spuren hinterlassen. Ein neuer Straßenbelag aus hochfestem Beton soll der hohen Verkehrsbelastung besser gewachsen sein.

Die Rheinbrücke Maxau ist im Umkreis von 25 Kilometern die einzige Verbindung zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Doch seit dem Bau Mitte der 1960er Jahre, als das Bauwerk auf eine tägliche Verkehrslast von knapp 30.000 Fahrzeugen ausgelegt war, hat sich der Verkehr auf der Brücke mittlerweile verdreifacht. Entsprechend belastet ist die knapp 300 Meter lange Brücke, die dringend saniert werden muss. Ein neuer Fahrbahnbelag aus hochfestem Spezialbeton soll die Fahrbahn fit machen für viele Jahre.

Untersuchungen einer Machbarkeitsstudie hatten gezeigt, dass die Fahrbahnplatte der Rheinbrücke durch die Verkehrsbelastung Ermüdungsprobleme aufweist. Diese Probleme führten in der Vergangenheit zu feinen Rissen an einzelnen Bauteilen oder bauteilverbindenden Schweißnähten.

Durch eine Verstärkung der Fahrbahnplatte mit sogenanntem ultra-hochfestem Faserbeton sollen die bestehenden Defizite wirkungsvoll und dauerhaft beseitigt werden. Demnach soll die Fahrbahnplatte großflächig durch Aufbringen einer dünnen Schicht des hochfesten Faserbetons versteift werden.

Rheinbrücke
Zehntausende Autos rollen tagtäglich über die Rheinbrücke Maxau. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Die Verantwortlichen sprechen von einem "Super-Beton", der speziell für den Brückenbau konzipiert wurde. "Es kommt ein hochfester Beton zum Einsatz, der speziell entwickelt wurde, um Brückenfahrbahnplatten aus Stahl zu ertüchtigen", erklärt das Regierungspräsidium (RP) auf ka-news-Nachfrage. In Deutschland handelt es sich um ein neuartiges Verfahren, in den Niederlanden wurden bereits mehrere Brücken mit dem Spezialbeton saniert. 

Probeplatte muss betontechnologische Anforderungen erfüllen

Die Festigkeit des Betons soll dreimal so hoch sein, als bei herkömmlichem Straßenbeton. Stahlfasern, die in das Material gemischt werden, stabilisieren ihn zusätzlich. Dadurch wird der Straßenbelag widerstandsfähig und dicht. Mit einem herkömmlichen Standardbeton könne laut RP nicht die gewünschte Festigkeit, Dichtigkeit und der gewünschte Haftverbund erreicht werden.

Rheinbrücken-Beton
Mit einem solchen Förderband soll der Beton an die jeweilige Einbaustelle transportiert werden, denn anders als herkömmlicher Beton kann der ultra-hochfeste Beton nicht gegossen werden. | Bild: Lukas Hiegle

In Karlsruhe hakt es allerdings bereits bei der Vorbereitung, deswegen verzögerte sich die Sanierung der Rheinbrücke. Schon zwei Versuche, eine Probeplatte zu gießen um die auf ihre Haltbarkeit zu testen, scheiterten. Vor kurzem wurde in einem dritten Anlauf von dem beauftragten Unternehmen ein weiterer Versuch unternommen. In einigen Tagen soll sich zeigen, ob die Werte den erforderlichen Bedingungen des Regierungspräsidiums entsprechen.

"Nach wie vor die beste Methode zur Ertüchtigung!"

Die in den Niederlanden mit diesem Bauverfahren verstärkten Brücken bestätigen den Verantwortlichen aber, dass das Verfahren erfolgreich realisiert werden kann. Einige der dort ertüchtigten Brücken seien deutlich länger und weisen auch eine höhere Verkehrsbelastung auf als die Rheinbrücke Maxau, erklärt das Verkehrsministerium in einer Anfrage der Ettlinger Landtagsabgeordenten Christina Neumann-Martin zum Thema Sanierung der wichtigen Verbindung zwischen Karlsruhe und der benachbarten Pfalz. 

Am Super-Beton für Brückenbauwerke soll aber in jedem Fall festgehalten werden, einen 'Plan B' gibt es daher nicht. "Sollte die Probeplatte die erforderlichen Materialeigenschaften nicht aufweisen, ist durch die Baufirma auf eigene Kosten eine weitere Probeplatte herzustellen", erklärt das Regierungspräsidium. Nach Auffassung aller am Projekt Beteiligten steht keine bessere alternative und erprobte Methode zur Ertüchtigung der Rheinbrücke zur Verfügung.

Rheinbrücken-Beton
Der ultra-hochfeste Beton wurde speziell für Brückenbauwerke konzipiert. | Bild: Lukas Hiegle

Zelt soll Arbeiten von Wettereinflüsse unabhängig machen

Für das sichere Gelingen der Baumaßnahme sind Mindest- und Höchsttemperaturen sowie vorgegebene klimatische Bedingungen bei den Beschichtungs- und Betonierarbeiten notwendig. Schon im Sommer betonte das Regierungspräsidium, Sicherheit gehe vor Schnelligkeit, um die Stärken und Qualitäten des Betons optimal zu nutzen. "Um möglichst unabhängig von äußeren Einflüssen zu sein, wird die gesamte Baustelle für einen wesentlichen Teil der Arbeiten mit einem Zelt eingehaust sein", so das RP.

Rheinbrücke bei Maxau
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Durch das Zelt sollen wettertechnische Einflüsse wie Regen, Schnee aber auch Hitze im Sommer und frostige Temperaturen im Winter ausgeschlossen werden. Der Einfluss ungünstiger Temperaturen kann dadurch deutlich vermindert werden. So soll eine höhere Planungssicherheit für das Sanierungsprojekt erreicht werden.

Trotz der Verzögerungen im Baubeginn - immerhin war der für August 2018 anberaumt - ist die Fertigstellung der Sanierung weiterhin wie ursprünglich geplant für Dezember 2019 vorgesehen.

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Kommentare (30)
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  •   Vollbürger
    (49 Beiträge)

    12.10.2018 13:19 Uhr
    Jugend forscht!
    Den Entscheider gehört mal links und rechts paar hinter die Ohren!

    Jedem Buben würde man aufgrund einer solchen Argumentation die Ohren langziehen, und hier steht man mit stolz geschwellter Brust zu solchen Dummheiten!

    Man kann es nicht anders beschreiben.
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  •   betablocker
    (3301 Beiträge)

    11.10.2018 18:43 Uhr
    Grundsätzlich
    sollte man ja bei Projekten dieser Grössenordnung und Bedeutung im Rahmen eines Brainstormings ALLE möglichen Lösungen betrachten. Also hier in diesem Fall auch einen Tunnel unter dem Rhein hindurch. Natürlich ist das vom Anschluss her auch nicht gerade einfach, aber das wären in der Grundbetrachtung eher nachgeschaltete Problematiken. Mich würde einfach mal interessieren ob man sich darüber mal Gedanken gemacht und die Kosten für so etwas abgeschätzt hat.
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  •   BMWFahrer
    (137 Beiträge)

    11.10.2018 19:39 Uhr
    Tunnel
    Zum Glück hatte niemand diese Idee. Siehe Tunnelbau in Rastatt.
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  •   betablocker
    (3301 Beiträge)

    11.10.2018 21:00 Uhr
    Ja gut,
    also dann darfst du nie mehr einen Tunnel bauen. Oder ne Brücke, siehe Genua.
    Sofern man die Zeit hat (und die war wirklich lang genug) muss man auch die abstrusesten Möglichkeiten zumindest diskutieren um die beste Lösung zu erhalten. Nur so gehts.
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  •   betablocker
    (3301 Beiträge)

    12.10.2018 01:40 Uhr
    Unbestritten,
    dass die Havarie in Rastatt und deren Folgen schon hart am GAU waren. Andererseits ist es auch klar, dass sowas immer wieder irgendwo passieren wird. Wir reden ja gerne darüber, dass sie in China Millionenstädte hochziehen, in einer Zeit die wir für zwei Kilometer neue Autobahn brauchen. Nur was in China dabei alles schiefgeht, das kriegen wir überhaupt nicht mit. Wenn da so ein Tunnel einstürzt und 100 Leute in den Tod reisst wird obendrauf zusammengefegt und nebendran das nächste Loch gebohrt. Das kriegt kein Mensch mit, dafür sorgen sie dann schon. Und die 50-stöckigen Wohnsilos bauen sie gleich so, dass sie sich in 30 Jahren leicht sprengen lassen falls sie nicht ohnehin schon umgefallen sind.

    Ich bin auch der Meinung, dass bei uns zu lang gequatscht und zu langsam geschafft wird, aber so ein Mittelweg wär schon nicht schlecht. Aus der Zeit des 100-jährigen Kathedralenbaus sind wir dann doch raus.
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  •   LJ_Skinny
    (193 Beiträge)

    11.10.2018 16:45 Uhr
    Erinnert...
    ...irgendwie an Jugend forscht. Wir probieren solange bis es klappt.

    Der Verweis, dass das Unternehmen dann die weiteren "Testplatten" bezahlen muss hilft ja auch nur bedingt. Das macht er 10mal und ist dann pleite. Und wer übernimmt dann die Arbeit? Finden sich dann überhaupt noch Firmen, die sich an dieses Experiment heranwagen, wenn schon davor Leute daran gescheitert sind? Und wenn dann nicht mit entsprechendem "Risikozuschlag".
    Was dann aber wieder zu Verzögerungen führen dürfte. Die Unternehmer wissen ja auch, dass die Zeit für sie spielt.
    Es unbefriedigende Situation und das Management. Sollte die Brücke tatsächlich gesperrt werden, weil dann noch ein kritischer Riss unerwartet dazukommt, dann hat man sich in eine Sackgasse manöviert.
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  •   art5gg
    (483 Beiträge)

    12.10.2018 19:34 Uhr
    Dann wird die Sackgasse zum Ziel erklärt.....
    ....und schon läuft wieder "alles nach Plan!".
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  •   Bundesadler
    (290 Beiträge)

    12.10.2018 11:01 Uhr
    10 x Testplatte
    kann schon sein, die Firma muss aber nur bis zum Baubeginn durchhalten, dann gibt es "unerwartete Kostensteigerungen" und der Aufwand der Testplatten wird durch den Steuerzahler beglichen.....
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  •   freigeist
    (457 Beiträge)

    11.10.2018 15:24 Uhr
    Wie soll am Ende der Beton
    eigentlich vernünftig aushärten,da werden die geplanten 4-5 Vollsperrungen über das Wochenende nicht genügen.Schon jetzt dauert es ja Wochen nur um fstzustellen ob der Probeguß etwas gebracht hat und der kann in Ruhe aushärten.Leider schwingt aber die Rheinbrücke um einige Zentimeter dazu noch Klimaschwankungen trotz geplanten Zelt darüber.
    Vielleicht sollte man mal lieber Anfangen mit den Tunnelbohrungen. Bei einer Einsturzgefährtung oder auch nur längren Vollsperrung der Brücke herrsch hier dann das vollkommene Chaos.
    Dank der Planer kann man sich nur noch an den Kopf fassen und über soviel Ignoranz nur noch ungläubig staunen.
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  •   teflon
    (2535 Beiträge)

    11.10.2018 14:34 Uhr
    Wir sollten mit dem
    Fundraising für einen Fährbetrieb anfangen - das wird sicher ein lohnendes Investment. So "toll" wie die Planung gerade läuft, wird ein verheerendes 0-Ergebnis mit einer nicht mehr einsatzfähigen Brücke herauskommen - der Tunnel lässt grüssen . Auf so ein Ergebnis ist bei Projekten von Stadt/Land/Bund nahezu immer Verlass - die beteiligten Firmen reiben sich sicher jetzt schon die Hände und werden die fette Steuerkuh ordentlich melken
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