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Karlsruhe Der badische Dialekt, eine bedrohte Art? Die große Mobilität könnte der regionalen Sprache zum Verhängnis werden, meint Rüdiger Homberg

Die Karlsruher sprechen oft nicht nur deutsch, sondern oft auch badisch - noch zumindest. Sprachforscher halten es nämlich für möglich, dass der Dialekt stirbt, auf Landesebene wurde zur Stärkung des Dialekts gar eine Tagung abgehalten. ka-news hat sich mit badischen Experten unterhalten und kann eine vorsichtige Entwarnung geben.

"Lappeduddel" oder "Du kannsch mer mol de Buggl nunner rudsche!" Badener wissen gleich was gemeint ist. Und schon in den frühen Kindesjahren hat bestimmt das ein oder andere Kind gehört: "Kerle, wenn d' net schpuursch, kriegsch e paar hinner d' Leffel!". Doch Dialekte sind eine bedrohte Art, so bedroht sogar, dass sich die Landesregierung ihrer Rettung verschrieben hat.

"Dialekt ist eine Chance"

Im Dezember trafen sich Experten zu einer entsprechenden Tagung mit dem Titel "Daheim schwätzen die Leut". Die Eröffnung der Tagung nahm Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor, seines Zeichens selbst ein Verfechter der "sprachlichen Diversität".

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Dialekttagung des Staatsministeriums | Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg

"Für mich ist der Dialekt kein unentrinnbares Schicksal, sondern eine Option und eine Chance. Er erweitert die Möglichkeiten des standardsprachlichen Sagbaren und schafft ein Gefühl gemeinschaftlicher Verbundenheit", so der Ministerpräsident. "Um die reiche Dialektlandschaft Baden-Württembergs zu erhalten, stellt sich die daher die Frage, ob und wie man Dialekte fördern kann."

"Das ist einfach ein Teil der eigenen Identifikation"

Was der Ministerpräsident andeutet bestätigt auch Rüdiger Homberg, nach eigenen Angaben ein Urbadener, im Gespräch mit ka-news. Beim Treffen hört man ihm einen leichten badischen Einschlag in der Sprache an, doch eine Deutlichkeit, wie man es beispielsweise von einer älteren Generation kennt, ist nicht zu hören. "Aber wenn ich will, kann ich schon sehr deutlich 'badisch schwätze' ".

Homberg ist der Vizepräsident des "Bund Freiheit statt Baden-Württemberg", einer Vereinigung die sich mit einem Augenzwinkern für die badische Identität einsetzt. Dazu zählt unter anderem die jährliche Prämierung des "Badners des Jahres", also einer Person, die sich besonders um den Erhalt der eigenen Identität eingesetzt hat. Und zum unabhängigen Baden zählt nun mal auch die eigene Sprache, das Badisch.

"Das ist einfach ein Teil der eigenen Identifikation", so Homberg. Und das sei gerade in der heutigen Zeit wichtig: "Die Gesellschaft ist sehr beweglich, mobil, und ist jeden Tag mit anderen Sprachen konfrontiert." Mit der eigenen Sprache bleibe man aber hingegen mit seinem Ursprungsort verbunden. Doch genau diese Mobilität könnte dem Dialekt nun zum Verhängnis werden.

Rüdiger Homberg vom "Bund Freiheit statt Baden-Württemberg"
Rüdiger Homberg vom "Bund Freiheit statt Baden-Württemberg" in der Kunstfigur des "Brigand". | Bild: Tim Carmele

Weniger Ortsbindung, also auch weniger Dialekt?

Das ist es, was auch bei der Tagung zu Sprache kam: Durch die sinkende Ortsbindung der Badener, Wohnort und Arbeitsstätte liegen in immer mehr Fällen nicht mehr dicht beieinander, gewöhnen sich die Sprecher unwillkürlich ihre "Muttersprache" ab. Auch ein Umzug in eine ganz andere sprachliche Gegend trägt unwillkürlich dazu bei. "Man kann nur hoffen, dass der badische Dialekt nicht ausstirbt", sagt Homberg ein wenig wehmütig.

Dabei kann er theoretisch gar nicht aussterben, sagt Dr. Monika Hanauska. Die Entwicklung der Sprache ist einer ihrer Schwerpunkte, die sie am Karlsruher Institut für Technologie für das Institut der Germanistik auch an ihre Studenten weitergibt. "Den badischen Dialekt als solchen gibt es eigentlich nicht", so die Linguistin.

Dr. Monika Hanauska vom Institut für Germanistik am KIT | Bild: Florian Kaute

Das liegt daran, dass das Badisch eine Mischung aus vielen verschiedenen Sprachformen ist. Zu finden seien in der Sprache Teile aus dem allemanischen Raum, ein wenig fränkisch und eine Prise pfälzisch. "Der Dialekt ist eine regional gebundene Redeform", mit einem Blick auf die Standardsprache, so Hanauska in ihrer Definition.

Jede Region, jede Gemeinde hat ihr eigenes "badisch"

Der Schlüssel hierbei, das betont auch sie, sei die regionale Gebundenheit. Die heutige Mischform ist dann durch den Zusammenschluss zum Großherzogtum Baden entstanden. Doch auch wenn es damit zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch einen souveränen Staat gab, die Sprache der einzelnen Regionen blieb erhalten.

"Daher kann man an sich auch nicht von dem einen badischen Dialekt sprechen", erklärt Hanauska. Vielmehr unterscheide sich die Sprache, auch heute, zwischen Karlsruhe zu Pforzheim oder zwischen Bruchsal zu Freiburg. Jede Region, jede Gemeinde habe ihre eigene sprachliche Ausprägung - eben der Bezug auf die eigene regionale Identität. Deswegen haben sich diese regionalen Eigenarten auch bis heute so erhalten.

Die Tendenz geht Richtung Mehrsprachigkeit

Auch wenn sie die These der hohen Mobilität und damit des sprachlichen Wandels stützt, ganz so schwarzmalerisch zum Aussterben der einzelnen Dialekte und Sprachen zeigt sich die Expertin nicht - auch wenn sie bei der Frage nach der Zukunft dieser sprachlichen Ausprägung kurz innehält: "Ich glaube nicht, dass es irgendwann mal nur noch eine Weltsprache gibt. Es wird immer regionale Einflüsse geben. Die Tendenz ist eher, dass die Menschen in einer Mehrsprachigkeit leben."

Eine Tendenz, die im Übrigen förderlich ist, wenn man einer Studie des Sprachforschers Napoleon Katasos glauben will. So heißt es bei "Focus Online" (externer Link), die über die Studie berichten: "Wer mehrere Dialekte spricht, trainiert sein Gehirn. Genau wie jemand, der mehrere Sprachen beherrscht. Beides trägt offenbar gleichermaßen dazu bei, sich besser erinnern und konzentrieren zu können und geistig flexibel zu sein." Wenn das kein Grund ist, sich seines Dialektes bewusst zu sein und ihn bewusst zu sprechen.

Badische Führungen durch Karlsruhe kommen

Rüdiger Homberg will auf seine Weise dazu beitragen, dass der badische Dialekt nicht ausstirbt. Ab dem kommenden Jahr bietet er in Karlsruhe auf badisch Stadtführungen an. "Erste Testführungen habe ich schon gemacht, und die Besucher waren begeistert", zieht er ein erstes Fazit. Auch wenn nicht alle seiner auswärtigen Gäste auch alles verstanden - der Dialekt war für einige Teilnehmer nicht Teil ihrer Identität.

Rüdiger Homberg in seiner Rolle als "Brigand":

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Kommentare (57)
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  •   Weichei
    (297 Beiträge)

    21.12.2018 16:38 Uhr
    Mundart bleibt auch im Bunden Deutschland erhalten.
    Leider nur in schwaebisch.
    Der Dialekt
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  •   Beobachter
    (86 Beiträge)

    21.12.2018 14:41 Uhr
    recht und schön
    Machen wir uns nichts vor, obwohl unser Dialekt von den meisten verstanden wird, einer der attraktivsten ist er nicht. Schon mal aufgefallen, dass fast alle deutschen „Ethnien“ außer ihrem Dialekt auch unfallfrei Hochdeutsch sprechen? Aber wir können ja alles, außer ………. Deshalb ist sprechen je nach Bedarf bei uns
    gar nicht möglich. Ein echtes Handicap. Hochdeutsch sprechen heißt denken und sprechen aus einem Guss. Muss ein nur Dialektler sich doch einmal seiner Muttersprache bedienen bedeutet das, erst mal denken was will sagen. Dann, wie will ich es sagen. Bis das Ergebnis dann mühsam und schwer verständlich gestammelt ist, sind die Anderen drei Sätze weiter.
    Damit kein Irrtum entsteht: Auch ich spreche gern in unserer Mundart, aber da wo´s passt.
    Überall wird heute tagtäglich für alles und jedes „Barrierefreiheit“ reklamiert. Nur Dialekt zusprechen
    (und dann noch stolz darauf zu sein) stellt eindeutig eine Barriere dar. Aber dafür ist jeder selbst verantwortlich.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    21.12.2018 15:31 Uhr
    Es ist
    ja wirklich nicht schwer den eigenen Dialekt so weit abzuschwächen, dass man auch in den hochdeutschen Ländern gut verstanden wird. Es ist ja nicht so, dass die Norddeutschen vom Süden nichts mitkriegen würden.Wobei ich mich schon manchmal frage wie oder inwieweit die bestimmten Filmen im TV folgen können. grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11245 Beiträge)

    21.12.2018 15:38 Uhr
    dabei fallen mir recht wenige Filme ein,
    in denen irgend ein Brigand in seinem Dialekt spricht.
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  •   Mili
    (1262 Beiträge)

    21.12.2018 14:35 Uhr
    Gehsch mol zu de Schlaucher
    odda zu de Holzbiere, die babble glei no ganz anaschder. Des saag i Dir, des glaabsch Du mir.
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  • unbekannt
    (22 Beiträge)

    21.12.2018 13:45 Uhr
    Einfach mal einen Blick in die Schulen werfen.
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Route66
    (1758 Beiträge)

    21.12.2018 15:08 Uhr
    also ich war
    sogar in einer Dorfschule vor zig Jahren und selbst da wurde in Hochdeutsch unterrichtet. Hauptsach dumm gebabbelt.
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  • unbekannt
    (22 Beiträge)

    21.12.2018 17:09 Uhr
    Dorfschule hin oder her...
    ...die zukünftigen 60-90% Fachkräfte und Rentenerwirtschafter sprechen selbstverständlich alle "Hochdeutsch". Wie konnte ich auch so dumm sein! Badischen Dialekt babbeln sie nur dahom...
    Frei nach Pipi Langstrumpf: " Ich mach mir die Welt [...] wie sie mir gefällt. Eure Kinder und Enkel werden euch sicher bald eines Besseren belehren. Und selbst da ist der Badische Dialekt nur noch Nebensache.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    21.12.2018 19:33 Uhr
    Dorfschule
    Dorfschule, wie im 18. Jahrhundert, in der der Pfarrer das sagen hatte, ist vorüber. Heute haben wir Schulpflicht, damit alle Kids richtig lesen und schreiben lernen und es dann jeder versteht. Was und wie zu hause gesprochen wird, bleibt jedem selbst überlassen, dort kann auch eine Urwaldsprache verwendet werden, oder auch Esperanto. Ebenso der Badische Dialekt der zweifelsohne ausstirbt, man beobachte nur sprechende Menschen auf der Kaiserstraße. Da ist alles vorhanden Englisch, Französische und sehr oft Sprachen, die man kaum noch zuordnen kann. Insofern möchte ich Ihren Kommentar nur bestätigen.
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  •   Route66
    (1758 Beiträge)

    21.12.2018 17:11 Uhr
    Ja ja
    ...
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