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Karlsruhe Der Grat zwischen dem Ausprobieren und der Abhängigkeit ist schmal: Cordula Sailer will Menschen aus der Drogensucht retten

Ob einfach nur rauchen oder doch Kokain, Heroin und Co: Aus "nur mal probieren" wird schnell Abhängigkeit und der Weg hinaus ist wesentlich schwieriger als hinein. ka-news hat mit der Drogenbeauftragten der Stadt Karlsruhe über dieses Thema gesprochen.

Große Städte haben durch ihre Ballung oft mit Drogenproblemen zu kämpfen. Auch in Karlsruhe ist das der Fall. Gerade der Werderplatz ist dabei in der Vergangenheit in Verruf geraten. "Hier ist es so, dass sich aber allgemein viele Menschen dort treffen, weil der Werderplatz eben sehr bekannt ist und seit vielen Jahren ein beliebter Treffpunkt von verschiedensten Gruppen ist. Außerdem befinden sich in der Nähe einige der Praxen der substituierenden Ärzte", erklärt Cordula Sailer, Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe.

Insgesamt ist die Drogensituation in Karlsruhe jedoch nicht schlimmer als in anderen Städten, erklärt Sailer: "Karlsruhe ist da nicht außergewöhnlich betroffen." Die Situation am Werderplatz ist aber deshalb besonders, weil es hier vor allem um harte, illegale Drogen geht. Von harten, illegalen Drogen spricht man laut Sailer bei Opiaten und Kokain. "Das sind sicher die Mittel mit dem größten Suchtpotenzial und der größten Mortalitätsrate", so die Diplompsychologin.

Drogen
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com

Deshalb ist dort seit einiger Zeit die Schaffung eines Drogenkonsumraums geplant, der bereits Anfang des Jahres eröffnet werden sollte. Doch dafür bedarf es gemäß Betäubungsmittelgesetz einer Rechtsverordnung des Landes Baden-Württemberg. "Wir warten täglich darauf, dass diese Rechtsverordnung entschieden wird", berichtet die Drogenbeauftragte.

Neugierde als Ausgangspunkt

Doch warum rutschen Menschen in die Drogenszene ab? Der Ausgangspunkt liegt dabei aus Sailers Sicht oft in der menschlichen Neugier begründet: "Jugendliche wollen wissen, was das Leben zu bieten hat. Die sehen: 'Die Leuten trinken Alkohol. Okay, das will ich auch probieren. Die Leute rauchen. Okay, das will ich auch probieren.' Das ist menschlich", so Sailer. Doch der Grat zwischen ausprobieren und Abhängigkeit ist schmal: "Wenn ich etwas nehme und habe positive Effekte davon, dann ist die Gefahr groß, dass ich das wieder mache. Wenn ich dann anfange es regelmäßig zu machen, gewöhne ich mich daran und es entsteht schnell ein Automatismus", so Sailer weiter.

Drogensucht
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com

Eine Abhängigkeit liegt nach Sailers Aussage – anhand festgesetzter Kriterien – vor, wenn die Betroffenen unter Kontrollverlust leiden, eine Dosissteigerung vorliegt und andere Lebensbereiche wie Arbeit, Schule oder Freunde in den Hintergrund getreten sind. "Risikofaktoren eine Sucht zu entwickeln sind zum Beispiel Traumatisierungen, der Verlust wichtiger Bezugspersonen oder das Vorliegen einer Suchterkrankung oder einer anderen psychischen Erkrankung bei den Eltern", erklärt Sailer im Gespräch mit ka-news.

Der Schritt zur Drogenberatung

Für Betroffene, aber auch Angehörige, gibt es in Karlsruhe mit der Jugend- und Drogenberatung der Stadt in der Kaiserstraße eine wichtige Anlaufstelle (siehe ka-news Hintergrund)."Lieber früh einen Rat geholt, als zu lange zu warten", betont Sailer. Zu Beginn findet ein allgemeines Beratungsgespräch statt, um sich ein Bild zu machen und das weitere Vorgehen individuell zu planen.

"Wir haben zum Beispiel eine große Gruppe von Betroffenen, die ein Problem haben mit Cannabis. Da kann es einerseits um den Konsum von Cannabis gehen. Manche kommen aber auch zu uns, weil sie auffällig geworden sind und Probleme mit der Justiz haben", so Sailer weiter. Für polizeilich erstauffällige Drogenkonsumenten wiederum wird der Informations- und Beratungskurs "RESET-Cannabis" angeboten.

Drogen
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com

Gerade bei Jugendlichen geht es in den Gesprächen zunächst um eine Reflexion, wie Sailer schildert: "Wir klären dann auf über Gefahren und Risiken von Drogen und die Vorteile eines suchtmittelfreien Lebens. Wir klären in diesen Gesprächen auch, was die Motive für den Konsum der Suchtmittel sind. Also wenn jemand nur "mal ausprobiert", ist es eine andere Beratung als bei jemandem, wo wir feststellen: Da gibt es noch andere Problembereiche." Die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle vermitteln nach den Gesprächen Therapieplätze und Selbsthilfegruppen, stehen aber auch über die stationäre Therapie hinaus beratend zur Seite.

Ausstieg ist ein langer Prozess

Wie genau der Ausstieg funktioniert, ist individuell: "Der Ausstieg ist genauso ein Prozess wie der Einstieg", so Sailer. Wer für sich entscheidet, clean zu werden, hat einen langen Weg vor sich. Gerade bei härteren Drogen ist die Entgiftung sehr kräftezehrend. "Wir raten zunächst einmal zu einer körperlichen Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus", erzählt Sailer. Nach der körperlichen Entgiftung kommt jedoch der schwierigste Part, die psychische Abhängigkeit.

Drogensucht
(Symbolbild) | Bild: fotolia/lovegtr35

"Psychisch abhängig bedeutet, dass bei jedem Anlass der Gedanke und das Verlangen nach der Droge in den Kopf kommt", erläutert die Diplompsychologin. Um dem vorzubeugen, wird bereits vor der Therapie gemeinsam mit den Betroffenen ein sogenannter "Rückfallkoffer" erarbeitet. Jeder soll sich selbst Strategien für Gefährdungssituationen zurechtlegen.

"Gut ist es zum Beispiel jemanden zu haben, den man anrufen kann, zum Beispiel jemanden aus der Selbsthilfegruppe, so eine Art Pate", empfiehlt Sailer. Zusätzlich zum Rückfallkoffer erfolgt nach der körperlichen Entgiftung ein mehrere Monate dauernder Aufenthalt in einer stationären Rehabilitationseinrichtung.

Kein Detektivspiel

Sailer hält den radikalen Ausstieg grundsätzlich für den besten Weg. Es gibt aber auch Ausnahmen: "Bei schwer abhängig erkrankten Menschen liegen oft noch weitere psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen vor", so Sailer. Hier kommt die Substitutionsbehandlung ins Spiel. "Das Suchtmittel muss nun nicht mehr illegal besorgt werden, sondern das Substitut wird vom Arzt verordnet. Im Rahmen dieser Behandlung kann dann über ein langsames Herunterdosieren ein allmählicher Ausstieg aus der Sucht gelingen", so die Drogenbeauftragte.

Drogenberatung
Cordula Sailer ist Diplompsychologin und Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe. | Bild: Felix Haberkorn

Wer als Angehöriger oder Freund etwas von der Sucht bemerkt, also zum Beispiel eine Persönlichkeitsveränderung wahrnimmt, sollte das Ganze immer offen ansprechen, so die Empfehlung der Diplompsychologin. Selbst wenn die Person es leugnet, so "hat er zumindest das Signal bekommen, dass seine Umwelt eine Veränderung wahrnimmt", meint Sailer. Dabei sollte man auch hartnäckig bleiben: "Wenn man sich weiterhin Sorgen macht, sollte man dranbleiben und wieder nachfragen", betont Sailer.

Von einem Detektivspiel mit Taschen durchwühlen und nachspionieren rät Sailer strikt ab: "Es kommen immer wieder Leute zu uns, mit Pillen oder ähnlichem, die sie uns zeigen und meinen: 'Wir haben da was gefunden'. Wir sagen denen dann: Wir sind hier kein Drogenlabor. Es sieht aus, als wäre es etwas Illegales, aber wenn sie jetzt damit erwischt werden, machen sie sich gerade selber strafbar."

ka-news-Hintergrund

Die Jugend- und Drogenberatung der Stadt Karlsruhe findet sich in der Kaiserstraße 64. Alle Menschen aus Karlsruhe, die Probleme mit illegalen Drogen haben, können hier Unterstützung finden. Für Jugendliche bis zum Alter von 27 Jahren ist die Jugend- und Drogenberatung auch Ansprechpartner bei vielen anderen Problemen wie Essstörungen, Alkoholproblemen, selbstverletzendes Verhalten, Konflikten in der Familie oder im Freundeskreis. Wer über 27 ist und mit Alkoholproblemen dorthin kommt, wird an entsprechende Beratungsstellen weiterverwiesen.

Dienstags, mittwochs und donnerstags gibt es zwischen 13 und 14 Uhr eine offene Sprechstunde. Andernfalls kann telefonisch unter 0721/1335391 ein Termin vereinbart werden.

Die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle vermitteln nach den Gesprächen Therapieplätze und Selbsthilfegruppen. Um die Menschen auch nach der Therapie ins alltägliche Leben zurückzuführen, gibt es eine Übergangseinrichtung, wo Betroffene wohnen können, Selbsthilfegruppen sowie Rückfallprophylaxegruppen.

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Kommentare (18)
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  •   Dobermann
    (45 Beiträge)

    18.02.2019 14:55 Uhr
    Nicht immer gleich auf die NA zi-Schiene gehen
    wenn mal was geschrieben wird, was vielleicht nicht jedem seiner Meinung ist....
    Ich akzeptiere gerne andere Sichtweisen und lasse auch andere Meinungen an mich heran. kein Thema. Aber gleich die %% keule rausholen ist zu einfach.... und in eurer sogenannte Demokratie darf man doch seine Meinung frei äußern, oder ? So was wird doch nur von den Braunen untersagt... und da seid ihr doch nicht ? Ihr seid doch die Guten oder ? ?
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  •   Denkfehler
    (82 Beiträge)

    20.02.2019 14:56 Uhr
    Aaaahh...
    ....genau, wie ich vermutet habe:
    Die klassische rechte Diskussionsmethode:
    Erst eine provokant radikale Eigenmeinung äußern und statt sich dann argumentativ mit Andersmeinenden darüber auszutauschen, wird diesen dann mangelndes Demokratieverständnis unterstellt, weil sie angeblich die freie Meinungsäußerung nicht akzeptieren.
    ....und sich damit dann selbst als "echten Demokraten" darzustellen.
    Billig - aber wirksam. Das muss man euch lassen.
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  •   patrickkk
    (1222 Beiträge)

    18.02.2019 16:56 Uhr
    Was
    Was heisst hier "in eurer sogenannte Demokratie"?
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  •   Dobermann
    (45 Beiträge)

    18.02.2019 14:49 Uhr
    Es Ging um Drogen wie...
    Heroin, Kokain etc. in diesem Beitrag. Nicht um Alkohol, wo der Staat ja immerhin mitverdient.
    Radfahren ohne Helm.... Veganer... ??? Kenne diese Drogenverstöße in diesen Bereichen jetzt nicht so genau... aber okey.
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  •   zahlenbeutler
    (1194 Beiträge)

    18.02.2019 11:34 Uhr
    Zucht und Ordnung
    das sollte aber dann aber wohl für Alkoholiker, die in der Gesamtheit das zigfache an Geld kosten auch gelten. Schluss mit den Entziehungskuren für Alkoholiker, sie sind nicht krank, sondern nur faul, ab in Arbeitslager, von Dobermännern mit Peitschen bewacht, statt hier sich als starker Mann hinzustellen, geh doch mal hin zu denen am Werderplatz und sag ihnen deine Meinung
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  •   andip
    (9586 Beiträge)

    20.02.2019 15:52 Uhr
    Tja
    Vor 50 Jahren wollte man schon deswegen Männer ins Arbeitslager schicken, nur weil manche anfingen mit langen Haaren rumzulaufen.
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  •   hajmo
    (4151 Beiträge)

    18.02.2019 11:43 Uhr
    Raucher, Dicke und und und
    Du hast die Raucher und die Übergewichtigen vergessen, auch Radfahrer ohne Helm sind Risikogruppen.
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  •   Denkfehler
    (82 Beiträge)

    20.02.2019 12:30 Uhr
    Nicht zu vergessen...
    ....die dicken, rauchenden Autosüchtigen. Deren Versorgungszentren für Suchtmittel (Tankstellen = Chips, Kippen, Sprit) gehören dann auch geschlossen.... zwinkern
    Nimm' so 'nem eingefleischten Smartfon- oder Auto-süchtigen mal das Teil weg - der läuft nach 10 Min genauso hektisch nach Suchtbefriedigung suchend durch die Gegend wie ein "echter" Junkie.

    Im Ernst: Was durch legale Suchtmittel an Kosten für die Allgemeinheit entsteht, da sind die "paar echten Drogenabhängigen" nicht mal ein Nasenwasser dagegen. Nur weil es nicht verboten ist, sich mit "legalen Suchtmitteln" wie fettiges Essen, Süßigkeiten, Zigaretten, Bier, Auto, Smartfon, etc. im Unverstand zu versauen und das die Allgemeinheit zahlen zu lassen (durch massiv steigende Kosten im Gesundheitswesen!), ist es nicht "sozialer" oder gesellschaftsverträglicher. Die 3-stelligen Mrd-Summen, die für diese Sucht-Folgekosten jährlich aufgewandt werden, sind die "guten" Kosten, die paar Tausend €ros für Junkies sind die "bösen" Kosten.
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  •   schmidmi
    (1503 Beiträge)

    18.02.2019 12:54 Uhr
    und die ganzen Freizeitsportler
    nicht zu vergessen!
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  •   Route66
    (1732 Beiträge)

    18.02.2019 13:32 Uhr
    und
    die Fleischesser und die Veganer.
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