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Der Bürgerwille hat gesiegt: Die Stadt kauft das Durlacher "Torwächterhaus" und rettet es so vor dem Abriss

Die Petitionen, Unterschriftenaktionen und der massive Protest der Durlacher haben sich gelohnt: Am Mittwoch gab die Stadt Karlsruhe bekannt, dass der Gemeinderat den Kauf des "Torwächterhauses" an der Ochsentorstraße beschlossen hat. Für 399.000 Euro soll das Gebäude bald in städtischen Besitz übergehen.

Das umgangssprachlich als "Torwächterhaus" bezeichnete Gebäude in der Durlacher Ochsentorstraße 32 soll nun durch einen Neubau erhalten und erweitert, sowie künftig für gemeinnützige und stadthistorische Zwecke genutzt werden. Dazu hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen, das Anwesen für 399.000 Euro zu kaufen.

Das Durlacher Torwächterhaus heute
Das Durlacher Torwächterhaus heute | Bild: Heike Schwitalla

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Spenden aus der Bürgerschaft in aktueller Höhe von 118.000 Euro gesichert sind. Mit dem Beschluss wurde die Verwaltung gleichzeitig beauftragt, ein Nutzungskonzept zu entwickeln und die Planung zur Sanierung und Erweiterung auf den Weg zu bringen.

Sanierung und Erweiterung statt Abriss

Ursprünglich wollte das "Zefie" (Zentrum für individuelle Erziehungshilfen) dort einen Neubau für zusätzliche Wohngruppen errichten. Da es sich bei dem auf die Zeit um 1800 zu datierenden Gebäude nicht um ein Kulturdenkmal handelt, hatte die Denkmalschutzbehörde einer Baugenehmigung zugestimmt und den Abriss genehmigt.

Gleichzeitig wurde einer Neubebauung mit einem Wohn- und Geschäftshaus auf den Grundstücken mit einer Vielzahl von Auflagen - insbesondere zur äußeren Gestaltung der Gebäude - zugestimmt. Somit war das Bauvorhaben mit den Zielen der Gesamtanlagensatzung eigentlich vereinbar und fügte sich in die bauliche Struktur der Altstadt Durlachs verträglich ein.

Eigentümer verkauft wegen Druck der Bürger

Das Vorhaben des Eigentümers wurde jedoch besonders in Durlach trotz offizieller Baugenehmigung weiter sehr emotional diskutiert - unter anderem wurde eine Petition im Landtag von Baden-Württemberg eingereicht mit dem Ziel des Erhalts des historischen Hauses - diese wurde jedoch abgelehnt.

Das Durlacher Torwächterhaus heute
Das Durlacher Torwächterhaus heute | Bild: Heike Schwitalla

Eine Gruppe Durlacher Bürger hat daraufhin Spenden für den Erhalt des Gebäudes zusammengetragen. Der Eigentümer hat dann, aufgrund der Stimmungslage und des Drucks der Öffentlichkeit beschlossen, das geplante Bauvorhaben nicht umzusetzen und das Objekt zu verkaufen.

Architekt liefert erste Ideen

Besonders der Verein Stadtbild Deutschland hat sich vehement für die Erhaltung des historischen Häuschens eingesetzt. Dementsprechend glücklich und zufrieden zeigt sich der Vorsitzende des Regionalverbandes Nordbaden des Vereins, Robin Cordier: "Selbstverständlich begrüßt sowohl der Arbeitskreis Durlacher Stadtbild wie auch der Verein Stadtbild Deutschland die Entscheidung des Gemeinderates, das Torwächterhaus nun anzukaufen für die vorgesehenen kulturellen oder stadthistorischen Zwecke."

Entwurf für Torwächterhaus von Architekt Mirko Felber
Entwurf für Torwächterhaus von Architekt Mirko Felber. | Bild: Stadtbild Deutschland/Mirko Felber

Doch noch hegt der Verein auch Zweifel: "Da uns jedoch noch keine Details der genauen Bauabsichten, gerade im Hinblick auf einen erwähnten möglichen Anbau, des Aussehens oder die endgültige Nutzung bekannt sind, können wir uns noch nicht abschließend dazu äußern. Jedoch befürworten wir den Kauf und die damit verbundene weitere Erforschung und den Erhalt des Gebäudes, was das eigentliche Ziel der Petition war", so Cordier gegenüber ka-news weiter.

Auch eine Gestaltungsidee für das Gebäude in der Ochsentorstraße 32 hat der Verein bereits vorgelegt. Architekt und Vereinsmitglied Mirko Felber hat einen Plan erstellt, mit dem historische Elemente des Hauses wiederbelebt und die Nutzungsräume vergrößert werden können. Mit den neu hinzugefügten Dachgauben könnte etwa das Dachgeschoss besser genutzt werden.

Lokalhistoriker kennt die Geschichte des Hauses

Außerdem konnte der Verein einiges über die bewegte Geschichte des Häuschens in Erfahrung bringen. Der Lokalhistoriker Robert Gültling berichtete dem Arbeitskreis Stadtbild Durlach über seine Familiengeschichte und die damit verbundene langjährige Nutzung des "Torhauses" am ehemaligen Ochsentor. "Das Torhaus kann als ehemaliger Stammsitz der Familie Gültling bezeichnet werden", sagt er im Gespräch mit ka-news. 

Durlach Altstadt
Bild: Peter Eich

"Bereits der Ur-Ur-Großvater von mir, Johann Nepomuk Gültling, hatte das Haus bewohnt. Das geht aus einem Geburtseintrag hervor, nachdem eine seiner Töchter, Friderike, 1836 in der Adlerstraße 32 - heute Ochsentorstraße 32 - geboren wurde", sagt der Geschichtsinteressierte, dessen Familie das Haus über mehrere Generationen bis in die Nachkriegszeit bewohnte.

"Der auf alten Fotos ersichtliche Torbogen diente in späteren Jahren als Einfahrt für die Handkarren, der dahinter befindliche Raum wurde zur Lagerung des eingefahrenen Erntegutes genutzt. Früher soll sich nach Aussage meines Großvaters hinter dem Torbogen statt des Lagerraumes jedoch eine Arrestzelle aus Zeiten der Torwächter befunden haben", berichtet Gültling.

In dem Entwurf von Mirko felbert wird auch dieser Torbogen wieder aufgenommen: Der Architekt habe sich Gedanken darüber gemacht, wie man den Torbogen freilegen könnte und die Nordmauer als erhaltenes Teilstück des Vortores des ehemaligen Durlacher Ochsentors visuell erlebbar machen kann, sagt Robin Cordier vom Verein Stadtbild Deutschland.

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Kommentare (17)
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  •   Rino
    (275 Beiträge)

    14.04.2019 04:46 Uhr
    Ramsch III
    Da haben wir es wieder!
    Schon wieder so eine Bruchbude, die nur durch Abriss in alter Schönheit neu erblühen kann.
    Ich glaube da gibt es jemand der vor Lachen nicht mehr in den Schlafsack kommt.
    400.000 € für so eine Hasenstall, nicht zu fassen, aber die Kleingeister und ewig Gestrigen freud es.
    Immer wieter so und alles bleibt beim ALTEN.
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  •   dipfele
    (5209 Beiträge)

    14.04.2019 11:56 Uhr
    natürlich bleibt alles.....
    ….. beim Alten. Wenn ich mir die bis jetzt aufgehängten Plakatsprüche und die Gesichter an seh ist alles geschwätzt. Was wir bräuchten wären Veränderungen im Hirn.
    Bei historischen Gebäuden geht es um die Erinnerung an unsere steingewordene Geschichte. In Durlach haben die Denkmalschützer Gebäude als erhaltenswert eingestuft, wo der Aussenstehende nur den Kopfschütteln kann. Es geht eben nicht nur um Äusserlichkeiten.
    Das gleiche Gebäude steht am Basler Tor und ist als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingestuft.
    Wenn das Torwärterhaus am ehemaligen Ochsentor so aufgehübscht wird, wie im Artikel gezeigt, dann ist das wieder ein Schmuckstück.
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  •   malerdoerfler
    (5136 Beiträge)

    13.04.2019 23:34 Uhr
    schönes Luftbild von Durlach, aber
    kann es sein, dass da das Torhaus gar nicht mit drauf ist?
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  •   malerdoerfler
    (5136 Beiträge)

    13.04.2019 23:29 Uhr
    Dann hoffen wir mal, dass
    in dieses Gebäude eine gute Sache einziehen wird.
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  •   Nico1966
    (204 Beiträge)

    13.04.2019 15:11 Uhr
    Torwächterhaus
    Frage: Wer , der sich jetzt über den Erhalt des Hauses so echauffiert ,wohnt in Durlach oder ist Durlacher ? Steuergelder?Nun , da zahlen die Durlacher ja auch für U-Strab,Staatstheater,Stadion usw..Wobei der „Nutzen“ dann auch für den Einen oder Anderen fraglich ist.Viel wichtiger ist nun die Annahme der Satzung des Stadtamt Durlach durch die Stadt Karlsruhe.
    Es ist nun wie es ist,es brauch jetzt keiner endlosen Diskussion.
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  •   Peacemaker
    (401 Beiträge)

    12.04.2019 17:24 Uhr
    Bis auf die Steinmauer
    sieht das wie ein Billigbau aus vergangenen Zeiten aus. Potthässlich (bis auf die Steinmauer). Düster, trüb, hässlich. Ein armer Tropf war es, den man verdonnert hat, darin wohnen zu müssen.
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  •   dipfele
    (5209 Beiträge)

    14.04.2019 12:11 Uhr
    Wenn man von einer Sache....
    … absolut keine Ahnung hat, sollte man besser schweigen !!!!!!!!!!!
    Im Wochenjuenal Durlach vom 12. April kann man nachlesen, das das Haus seit etwa 1800 von der Familie Johann Nepomuk von Gültlingen jahrzehntelang bewohnt war. Derin Durlach lebende Vorfahre Karl August von Gültlingen zog 1812 mit badischen Truppen unter Napoleon bis nach Moskau.
    Von Hausbesichtigungen kann man erfahren, dass es sofort bezugsbereit sei. Wenn es so renoviert wird, wie im Artikel dargestellt, dann wird es ein Schmuckstück.
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  •   Peacemaker
    (401 Beiträge)

    14.04.2019 14:55 Uhr
    Deswegen ist es trotzdem hässlich.
    Und mit den kleinen Fenstern und niedrigen Decken dunkel und beklemmend.
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  •   bergdoerfler
    (1624 Beiträge)

    12.04.2019 15:49 Uhr
    Ich frage mich, wo da die historische Bausubstanz versteckt ist.
    Da sin in Durlach echtere "Altbauten" zu sehen.
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  •   barheine
    (41 Beiträge)

    12.04.2019 14:01 Uhr
    Ich...
    ...bin ja sonst auch immer sehr für den Erhalt alter Bausubstanz, aber bei dem Ding hätte ich auch erhebliche Zweifel.
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