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Karlsruhe Denkmalschutz versus Neubau: Schloss Augustenburg erhitzt die Gemüter - und weckt Erinnerungen an ähnliche Bauvorhaben in der Fächerstadt

Das Schloss Augustenburg im badischen Malerdorf Grötzingen liegt derzeit verwaist am Kirchberg da. Das soll sich bald ändern: Ein Anbau soll abgerissen, ein Neubau dafür errichtet werden. Die bereits von zwei Baustellen belasteten Nachbarn gehen nun auf die Barrikaden.

Das Schloss Augustenburg in Karlsruhe-Grötzingen blickt auf eine lange Geschichte zurück: Es wurde bereits im 10. Jahrhundert erbaut. Früher war es unter anderem der Wohnsitz des Markgrafen von Baden-Durlach. Den heutigen Namen hat es durch die Bewohnerin Augusta Maria von Schleswig-Holstein-Gottorf - der Mutter des späteren Karlsruher Stadtgründers Karl Wilhelm.

Nach den fürstlichen Bewohnern kamen die gestalterischen: Der deutsche Maler Otto Fikentscher machte aus dem Schloss ein Treffpunkt für Kreative. Dieser Zeit verdankt die ehemals eigenständige Gemeinde Grötzingen den Beinamen "badisches Malerdorf". Nach Fikentscher wechselte das Gebäude später mehrmals den Besitzer - zuletzt war es die "Haus Edelberg"-Gruppe, die im Schloss und den Anbauten ein Seniorenpflegeheim betrieb.

"Vernichtung des Kirchviertels"

Doch die dortigen Standards entsprachen zuletzt nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Das Schloss wurde nach und nach geräumt und ist nun verwaist. Demnächst sollen Bagger anrollen und Teile des Komplexes abreißen. Verschont bleiben soll das Schloss selbst, das steht unter Denkmalschutz. Doch gegen die Pläne laufen jetzt Nachbarn und Politik Sturm, es wird gar von der "Vernichtung des Kirchviertels" gesprochen.

Die Situation erinnert an die Diskussionen um das ebenfalls denkmalgeschützte Franz-Rohde-Haus in der Karlsruher Weststadt. Auch das dortige Pflegeheim musste erneuert werden, neue Plätze für Senioren sollen entstehen. Proteste wurden laut, dass Gebäude von Otto Bartning gerettet werden soll.

Franz-Rhode-Haus
Das Franz-Rohde-Haus. | Bild: Copyright MH

Doch schlussendlich verzichtete die Stadt nach einer Abstimmung im Gemeinderat auf ihr Vorkaufsrecht. Das Gebäude ist im Besitz eines Investors. "Durch die denkmalschutzrechtlichen Rahmenbedingungen und den notwendigen Erhalt einiger wertvoller Bäume auf dem Grundstück lasse sich der Erhalt des Ensembles hinreichend absichern", hieß es damals in der Begründung.

Anbau soll höher werden als das Schloss selbst

In Grötzingen ist man derweil noch weit von einer Lösung entfernt. Das konkrete Problem hier: Der neue Anbau soll in der Höhe über das historische Schloss ragen und zudem deutlich mehr Raum einnehmen, als der alte Anbau. Die neuen "massiven" Flügel am Schloss würden zudem das Erscheinungsbild stark verändern.

Bild: ka-Reporter Carl Classen

Es sind Veränderungen, deren Sorgen Ortsvorsteherin Karen Eßrich nachvollziehen kann: "Der jetzt dritte Neubau innerhalb drei Jahren bedeutet derzeit eine weitere enorme Belastung der Anwohner des Kirchviertels." Zuletzt wurde an der Augustenburgstraße in direkter Nachbarschaft ein Teil der Schule neu gebaut und eine Reihe von Mehrfamilienhäusern errichtet. Das Gebiet werde derzeit sehr verdichtet und bekomme ein neues Gesicht, welches sich "nicht ohne weiteres in den Bestand" einfügt, so Eßrich weiter.

Unterschriften werden an den Oberbürgermeister überreicht

Carl Classen wohnt in unmittelbarer Nähe zum Schloss Augustenburg und führt die "Kirchviertel-Initiative in Karlsruhe-Grötzingen" an. "Das 'Schloss Augustenburg' ist eines der ältesten Schlösser der Stadt", schreibt er in einer Meldung an die Presse. "Es ist akut bedroht durch ein drei Meter höheren und ungleich voluminöseren Neubau". Er hat nach eigenen Angaben mittlerweile rund 700 Unterschriften gegen den geplanten Neubau gesammelt, die er am Donnerstag an Oberbürgermeister Frank Mentrup überreichen will.

Carl Classen
Carl Classen wohnt direkt neben dem Schloss Augustenburg und versucht nun mit Unterschriftenaktion und Schreiben an die Politik den Neubau in der geplanten Form zu verhindern. | Bild: Privat

Dieser habe nach sich Angaben der Stadtverwaltung bereits selbst ein persönliches Bild vor Ort gemacht. Weiter betont Mathias Tröndle vom Presseamt Karlsruhe: "Das Denkmalamt war sowohl in die Auslobung des Wettbewerbs als auch während der Planungsphase immer wieder eingebunden und ist auch in das Genehmigungsverfahren eingebunden. Die bauplanungsrechtliche Grundlage bildet der §34 BauGB, nach welchem sich das Bauvorhaben nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Umgebungsbebauung einfügen muss."

Stadt sind die Hände gebunden

Damit sei der Einflussbereich der Stadt auch schon erschöpft: "Ein Grundstückseigentümer darf im Rahmen des geltenden Baurechts sein Grundstück bebauen, soweit das Vorhaben nachbarschützende Belange nicht beeinträchtigt", erklärt Tröndle gegenüber ka-news.

"Die Stadtverwaltung hat hier keine Handhabe, sollte das Bauordnungsamt zu dem Schluss kommen, dass der Bauantrag alle rechtlichen Vorgaben erfüllt. In dem Fall könnte nur eine direkte Einigung zwischen Anwohnern und Eigentümern beziehungsweise Betreiber des Pflegeheims Abhilfe schaffen", so Tröndle abschließend.

Und der Investor, die Orpea Deutschland Gesellschaft? Die lässt die Frage nach der Kritik von ka-news unbeantwortet, stellt dafür die Notwendigkeit der Sanierung in den Vordergrund: "Im Jahr 2017 wurde klar, dass die Brandschutzbestimmungen nur durch eine zeitweise Schließung und einen umfassenden Um- und Neubau erfüllt werden konnten. Die Haus Edelberg-Gruppe hat sich dieser Verantwortung gestellt und aufgrund der historischen Bedeutung einen Architektenwettbewerb aufgerufen, der von der Architektenkammer Baden-Württemberg begleitet wurde", heißt es hier auf eine Anfrage.

Es fehlen Pflegeplätze

Nach dem Umbau, der im Jahr 2022 fertig sein soll, wird die Karlsruher Haus Edelberg-Gruppe im Schloss wieder ein Seniorenzentrum betreiben. Es bietet dann 100 vollstationäre Pflegeplätze, 19 Servicewohn-Appartements und eine Tagespflegeeinrichtung mit 15 Plätzen. Entwürfe zum Aussehen der Schlossanlage nach den Bauarbeiten sendete Orpea auf Anfrage von ka-news nicht zu.

Plätze, die in Karlsruhe und Grötzingen benötigt werden, wie Ortsvorsteherin Eßrich betont: "Das neue Altenpflegeheim mit betreuten Wohnangeboten und Tagespflege ist hier für die Senioren im Ort sehr wichtig. Wir verfügen laut den Bedarfszahlen derzeit nicht über genügend Pflegeplätze. Für die Senioren, die hier in Grötzingen ihre Heimat haben, aber auch für Familien, die ihre pflegebedürftigen Angehörige gerne hier vor Ort haben möchten, ist ein gutes Altenpflegeheim wichtig."

Die Grötzinger Ortsvorsteherin Karen Eßrich.
Die Grötzinger Ortsvorsteherin Karen Eßrich | Bild: Ortsverwaltung Grötzingen

Kann das Schloss "gerettet" werden?

Carl Classen hat unterdessen auch Unterstützung aus der Politik bekommen. Die FDP-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat wünscht sich, dass zum einen das Denkmalamt ausgewogen entscheiden möge und auch die Bedenken der Bevölkerung einbezieht und zum anderen ein offenes Gesprächsforum zwischen Verwaltung, Investor, Architekt und Bevölkerung geplant wird.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild hofft auf eine "Rettung in letzter Minute". "Durch Um- und Neubaupläne eines französischen Großinvestors sind Schloss Augustenburg und seine Umgebung im Grötzinger Kirchviertel akut bedroht", heißt es auch aus deren Richtung. Das Ziel: Ein Anbau, der die früheren Schlossflügel nachzeichnet. Diese kleineren Neubauten hätten dann aber zur Folge, dass sich auch die Nutzungsfläche verkleinert. Ob dieser Einwurf und die gesammelten Unterschriften von Carl Classen ausreichen, um den Investor zum Umdenken zu bringen, bleibt abzuwarten.

Diese Skizze fertige Carl Classen an, um die Dimensionen des Neubaus darzustellen. | Bild: Skizze Carl Classen
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Kommentare (29)
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  •   malerdoerfler
    (5090 Beiträge)

    15.03.2019 17:56 Uhr
    Hierzu gibt es neue Entwicklungen
    Wäre nicht ganz uninteressant auch mal darüber zu berichten.
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  •   malerdoerfler
    (5090 Beiträge)

    25.02.2019 22:23 Uhr
    Unterschriften
    gegen den Neubau wurden jetzt an die Verantwortlichen Politiker übergeben. Hoffentlich nützt es etwas.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3127 Beiträge)

    21.02.2019 20:01 Uhr
    Ergänzung
    Und der Verkauf des Grundstückes hinter dem Hauptbahnhof und die dortige Baumaßnahme ist ja auch seltsam abgelaufen.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3127 Beiträge)

    21.02.2019 19:51 Uhr
    Städtisches Handeln in Karlsruhe
    „Das Denkmalamt war sowohl in die Auslobung des Wettbewerbs als auch während der Planungsphase immer wieder eingebunden und ist auch in das Genehmigungsverfahren eingebunden. Die bauplanungsrechtliche Grundlage bildet der §34 BauGB, nach welchem sich das Bauvorhaben nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Umgebungsbebauung einfügen muss."
    Ist das Denkmalamt eine selbständige Behörde? Ich glaube nicht. Es gehört zur Stadtverwaltung. Und diese hält es also für richtig, dass das Bauvorhaben nach Art und Maß in die Umgebungsbebauung einfügt. Erst baut man die erforderlichen Wohnblocks und dann, dann passt das schon. Was soll das? Wieso erinnert mich das an die Schmieder-Villa auf dem Turmberg?
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  •   Gedankenpolizei
    (136 Beiträge)

    22.02.2019 02:07 Uhr
    Die Karlsruher Denkmalschützer unterstehen dem
    Landesamt für Denkmalschutz. Frage beantwortet?
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  •   dipfele
    (5155 Beiträge)

    26.02.2019 14:59 Uhr
    Die Untere Denkmalschutzbehörde.......
    ist dem Juristischen Dienst der Stadt KA angegliedert und untersteht damit direkt dem OB.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3127 Beiträge)

    22.02.2019 09:28 Uhr
    Stimmt nicht ganz
    Organisation der Denkmalpflege in Baden-Württemberg
    Die Denkmalschutzverwaltung in Baden-Württemberg ist in drei Ebenen gegliedert: untere Denkmalschutzbehörden, höhere Denkmalschutzbehörden und eine oberste Denkmalschutzbehörde. Die unteren Denkmalschutzbehörden sind mit den unteren Baurechtsbehörden identisch. Das Landesamt ist nur Rechtsaufsichtsbehörde. Sind im Bauamt der Stadt Landesbedienstete beschäftigt oder sind die Mitarbeiter zunächst an die Entscheidungen der Stadt gebunden? „Dessen Brot ich esse, dessen Mehl ich mahle“ - oder mein Werdegang ist vorgezeichnet. So wie sie es darstellen wird es den nicht nachdenkenden Bürgern verkauft – halt großherzoglich und nicht demokratisch. Leider sind in der städtischen Verwaltung bis auf die Bürgermeister zu viele auf Lebenszeit beschäftigt. Leitende Funktionen sollen deshalb ja auch nur auf Zeit übertragen werden
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  •   IchKA
    (718 Beiträge)

    21.02.2019 01:44 Uhr
    Grundsätzlich läuft in der Badischen Residenz einiges schief
    der Ausverkauf historischer Bausubstanz ist unerträglich geworden. Das Stadtbild geht vielerorts verloren.
    Investoren machen Rendite und die Stadtgesellschaft verliert zusehends Identität und Heimat. Überall Wut, Proteste, Enttäuschung über Behördenversagen. Dabei geht es nicht nur um die Frage warum so viele geschützte Baudenkmäler trotzdem abgerissen werden, sondern auch darum, was danach gebaut wird, denn das ist meist ziemlich erbärmlich und selten ein Gewinn für das Stadtbild. Das Problem setzt sich fort in sinnloser aktionistischer fast hilfloser Innenverdichtung, die gewachsene Wohnviertel und deren Grünflächen zerstört mit allen Folgen für die Klimapolitik. Die Grünen schauen dabei auch noch zu. Als Bürger ist man fassungslos, was hier vor sich geht, denn zugleich blockiert eine unfähige lahm operierende Stadtverwaltung die Bebauung z.B. das C-Areal in der Nordstadt, was dazu führt, dass der Investor abspringt. Diese Zustände sind schon lange nicht mehr haltbar
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  •   chris
    (634 Beiträge)

    20.02.2019 19:04 Uhr
    Artikel abgebrochen zu lesen!
    Sorry, nicht einmal ein Foto des geplanten Neubaus. Wie soll man dann vernünftig drüber diskutieren können. Aber viele sind schon mal pauschal dagegen. Typisch KARLSRUHE. Bäh, meine eigenen Landsleute sind mit teilweise echt zuwider.
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  •   dipfele
    (5155 Beiträge)

    21.02.2019 13:14 Uhr
    Also ich wäre mit solchen Äusserungen....
    …. etwas vorsichtig. Am 17.04.2018 berichteten die BNN von "drei Klötzen" die an das Renaissance-Schlössle angebaut werden sollen, am 27.04.2018 berichtete die StadtZeitung darüber. In den BNN sagte alt- Bgm Obert eine "intensive Prüfung" hinsichtlich des als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung ausgewiesenen Baues zu. Unter Orpea und Wittfoht Architekten kann man ein Modell der Klötze sehen. Das Denkmalschutzgesetz verbietet "eigentlich" derartige Anbauten an Baudenkmale.
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