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Karlsruhe Das Konzept ist in Arbeit, doch "es kann noch ein paar Jahre dauern, bis die Kita in Karlsruhe gebührenfrei ist"

Wer sein Kind in Karlsruhe in einer Betreuungseinrichtung unterbringen will, muss zum Teil mehrere hundert Euro pro Monat zahlen. Doch diese Kita-Gebühr steht gerade in der Diskussion. In Karlsruhe soll ein zu erstellendes Konzept die Frage klären, ob das in der Fächerstadt finanziell und organisatorisch umsetzbar wäre.

Bis zu 349 Euro kostet es in Karlsruhe, sein Kind in einer städtischen Kindertageseinrichtung unterzubringen. Diese Summe zum Beispiel wird pro Monat fällig für eine Ganztagesbetreuung eines Kindes bis drei Jahren. Von drei Jahren bis zu Einschulung sind es für die Betreuung den ganzen Tag immerhin noch 244 Euro im Monat. Summen, die in Zukunft vielleicht der Vergangenheit angehören könnten. Derzeit wird an einem Konzept für gebührenfreie Kitas in Karlsruhe gearbeitet.

Die Diskussion um die Gebührenfreiheit ist mittlerweile im ganzen Bundesland entbrannt. Die baden-württembergische SPD möchte dieses Ziel mit einem Volksbegehren erreichen und so dem Vorbild anderer Länder folgen. Unter anderem in Rheinland-Pfalz, Hessen oder Berlin sind die Kitas bereits gebührenfrei. Immerhin fast 23.000 Menschen aus Baden-Württemberg haben sich diesem Wunsch bei einer Online-Petition angeschlossen, die nun dem Parlament vorgelegt wurde.

Erzieherin
Kindergarten in Baden-Württemberg: Je nach Wohnort müssen Eltern jeden Monat mehrere hundert Euro mehr für die Kita-Betreuung ihrer Kinder zahlen. | Bild: Jan-Philipp Strobel

Budget für das Erarbeiten eines Konzepts ist da

Unabhängig von der Entscheidung des Landes treiben auch lokale Politiker die Debatte voran: So entschied der Karlsruher Gemeinderat bereits im vergangenen November, dass die Stadt ein Konzept für gebührenfreie Kitas erarbeiten soll. Ein entsprechendes Budget zur Erstellung des Konzepts wurde im Doppelhaushalt 2019/2020 eingestellt.

Ihre Befürwortung drücken die Parteien auch in Meldungen an die Presse aus: "Gebührenfreie Kinderbetreuung muss eine reelle Option sein", so die familienpolitische Sprecherin der Karlsruher CDU, Bettina Meier-Augenstein. Mit der bereits bestehenden Beitragsfreiheit für Geschwisterkinder gehe die Stadt ihrer Einschätzung nach bereits einen guten Weg - ein Weg, der weiter verfolgt werden soll.

Ein Kind spielt im Kindergarten
(Symbolbild) | Bild: pixabay @ LRCL

Erst Gebühr nach Einkommen, dann komplett frei?

Ähnliche Aussagen kommen auch von den Karlsruher Grünen: "Perspektivisch wollen wir mit einem Stufenplan die Beitragsfreiheit für Kitas erreichen, den Weg dorthin aber sozial gerecht gestalten", so die Stadträtin Renate Rastätter, Fachsprecherin für Bildung. Sie schlägt eine "soziale Staffelung der Elternbeiträge nach dem Einkommen vor", bis eine komplette Gebührenfreiheit umgesetzt werden kann.

Doch beide Fraktionen sehen gleichzeitig an anderer Stelle Investitionsbedarf: Es gebe bereits jetzt viele Familien, die keinen Kindergartenplatz finden können, die Grünen sprechen von rund 1.000 zusätzlichen Plätzen, die in Karlsruhe benötigt werden. Plätze, die auch betreut werden müssen, um ein weiteres Problem zu nennen: Es mangelt nämlich auch an Erziehern.

Kind malt mit Farben
(Symbolbild) | Bild: pixabay @ EvgeniT

Gebührenfreiheit und Personalmangel stehen nicht im Verhältnis

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass bis 2025 in Deutschland etwa 300.000 Erzieher fehlen - eigentlich sogar 500.000, wenn die Qualität der Erziehung steigen solle. Der erhebliche Fachkräftemangel ist auch in Karlsruhe zu spüren. Doch können Senkung der Gebühren und gleichzeitiges Aufstocken von Personal und Plätzen überhaupt funktionieren?

"Das ist eine Frage, die bei der Erarbeitung eines Kita-Konzepts für Karlsruhe beantwortet werden muss", so Karina Langeneckert, Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde, im Gespräch mit ka-news. Gleichzeitig betont sie, dass es keinen direkten Bezug gibt zwischen den Themen.

Kindergarten
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com @ freestocks-photos

Karlsruhe fördert Ausbildung zum Erzieher

Denn selbst wenn die Gebühren für Kitas abgeschafft werden, Personal könne und solle aus Kostengründen deswegen nicht reduziert werden. "Es gibt eine Mindestpersonalzahl des Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, die vorgibt, wie viele Erzieher eine Gruppe betreuen sollen", so Langeneckert weiter. An diese Zahl halte man sich.

"Der Fachkräftemangel ist aber schon immer eine Herausforderung", sagt die Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde. Diesen Mangel gebe es aber in allen sozialen Berufen, nicht nur in den Kitas. Karlsruhe reagiert hier mit einer Förderung der Ausbildung - zuletzt wurden sogar die Plätze für die künftigen Erzieher erhöht. Gefördert werden 150 Ausbildungsplätze, die allen fast 200 Kitas in Karlsruhe zugute kommen.

Gebühr bleibt wohl noch ein paar Jahre bestehen

Auch künftig solle der Fokus auf der Gewinnung von Mitarbeitern liegen - einen Qualitätsverlust in der Erziehung solle es laut Karina Langeneckert nicht geben. "Das Ziel ist eine Gebührenfreiheit, keine Kostensenkung." Wie genau das umgesetzt werden soll, ist Bestandteil des zu erarbeitenden Konzepts.

Daran ist dann nicht nur die Stadtverwaltung beteiligt. Laut Langeneckert können sich auch die freien Träger an der Erarbeitung beteiligen. Mit einem ersten Ergebnis wird in rund vier Monaten gerechnet. "Es kann aber noch ein paar Jahre gehen, bis die Kita in Karlsruhe gebührenfrei ist", so Langeneckert.

Einen Schritt weiter sind da beispielsweise die Städte Heilbronn, Mannheim oder Künzelsau. Dort kostet der Kita-Besuch bereits keine Gebühr mehr. "Aber jede Stadt hat eine andere Struktur in der Kita-Landschaft", daher sei eine Übertragung auf die Fächerstadt nicht ohne Weiteres möglich. Ein Vergleich aber schon und der zeigt, dass es durchaus möglich ist, das Karlsruher Eltern bald jährlich tausende von Euros sparen können.

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  •   moggy
    (73 Beiträge)

    29.01.2019 12:44 Uhr
    Man könnte ja
    damit anfangen die Flexible (Nachmittags)Betreuung im Ganztagsschulbereich für "jeden" flexibel zu machen und nicht auf zwei(!) Monaten Kündigungsfrist zu beharren.
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  •   SteMoe
    (28 Beiträge)

    29.01.2019 11:33 Uhr
    Für alles Ist sofort Geld da nur für unsere Kinder nicht !
    Für alles und jeden ( Ich schreibe es nicht aus weil.....) ist Geld sofort da, aber für unsere Kinder wird mal wieder auf die Geldbremse getretten.
    Mann könnte z.B. doch das Kindergeld was der Deutsche Staat ins Ausland verschenkt einstellen.
    Dann könnte man in ganz Deutschland, also in jedem Bundesland gleich, die kostenlose Kita anbieten.
    Ist das schon wieder zuviel "NS" oder doch freie Meinungsäusserung zu einem Thema was eigentlich selbstvertändlich sein sollte !
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  •   schmidmi
    (1544 Beiträge)

    29.01.2019 13:49 Uhr
    Wo wird denn deutsche kindergeld verschenkt?
    Das gezahlte Kindergeld wird meines Wissens nach durch die hier arbeitenden Leute aus dem jeweiligen Empfängerland erwirtschaftet. Was soll daran nicht korrekt sein?
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    29.01.2019 15:33 Uhr
    Kindergeld ist nun mal de facto ein Transferleistung
    und nicht eine Steuerermäßigung.
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    30.01.2019 13:15 Uhr
    Transferleistung
    Richtig, genau so wie die Subventionen von Kindergärten-oder tagesstätten. Deshalb darf es auch keine Unterschiede geben.
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    29.01.2019 08:44 Uhr
    Für Wirtschaftsflüchtlinge läuft es
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   hajmo
    (4159 Beiträge)

    29.01.2019 08:34 Uhr
    In Berlin sind Kita kostenfrei
    Zahlen tun das wir durch den Länderfinanzausgleich. Deshalb ist hier kein Geld dafür vorhanden.
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    29.01.2019 07:50 Uhr
    bei de Pfälzer koschds
    nix... in Rheinland-Pfalz sind die Kitas kostenlos...
    isch au besser so weil die Eldern tun ja da ganze Tag Schorle trinke tun..
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  •   Rambazamba
    (345 Beiträge)

    29.01.2019 13:54 Uhr
    Ja aber
    hier werden die KiTa-Plätze zunächst an die Kinder von arbeitenden Eltern verteilt. Die Eltern müssen die Beschäftigung nachweisen und bekommen einen entsprechenden Platz. Auch ob TZ oder VZ gearbeitet wird, wird hier berücksichtigt. Von daher finde ich diese Lösung am Fairsten. Wenn jemand eh den ganzen Tag daheim ist, muss das Kind ja auch nicht den ganzen Tag in die KiTa. Gut, ich persönlich halte nicht viel davon, Säugline in die KiTa zu geben, aber jedem seins.
    Schlimm finde ich die immer größere Anspruchshaltung von manchen Eltern was die "Flexibilität" der ErzieherInnen angeht: Kommen zu früh und meckern, dass noch keiner da ist, kommen zu spät und wundern sich, dass die Erzieher genervt sind, weil sie - unglaublich aber wahr - auch mal Feierabend haben möchten, müssen beim Mittagstisch 10000 Allergien, Intoleranzen, Vegetarier- und Veganertum und koscher beachten und ggfs. am WE arbeiten, damit die Eltern einen Deutschkurs besuchen können.
    Und das soll alles kostenfrei werden?
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  •   Chris23
    (251 Beiträge)

    29.01.2019 20:21 Uhr
    Naja
    Wir haben bis zum Kindergarten warten müssen bei unser großen, und das obwohl beide Elternteile einen Job hatten.
    Die Plätze gehen an diejenigen die am lautesten schreien, und ständig bei der Wunschkita vorbeischauen.

    Davon ab ist es imho auch gut für die Entwicklung des Kindes, die schauen sich eine menge voneinander ab und für manche Kinder ist es auch wichtig um Deutsch zu lernen oder zu vertiefen. Gerade bei ein paar der Sozialabgehängte ist die Kita auch ein baustein der Bildungsgerechtigkeit.
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