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Karlsruhe Das Dilemma mit der Sanierung: Stadthalle erst Ende 2021 fertig - und was es schlussendlich kostet, weiß keiner

Seit Mitte 2017 ist in der Karlsruher Stadthalle der letzte Vorhang gefallen, gab es keine Veranstaltungen mehr in dem Haus, denn die große Sanierung stand an. Der Plan: Anfang 2020 öffnet die Stadthalle wieder ihre Pforten. Und nun ist alles hinfällig. Wie die Stadt nun mitteilt, werden die Umbauarbeiten erst Ende 2021 fertig - "nach aktueller Prognose".

Streit mit dem Ingenieurbüro oder Pläne, die nicht das zeigen, was sie sollten - das sind nur zwei der Probleme, die es bei der Sanierung der Stadthalle Karlsruhe gibt. Und die sorgen laut einer Pressemeldung der Stadt für weitere Verzögerungen.

Am Dienstagabend wurde der Gemeinderat entsprechend informiert, eine Anfrage der Linken-Fraktion brachte das Thema ebenfalls auf den öffentlichen Gemeinderatstisch. Diese wollten wissen, ob eine "Krise" bei der Stadthallensanierung vorliege und fragten nach konkreten Mängeln in Bestandsplänen und möglichen Fehlern in der Planung.

Baustellenbegehung in der Stadthalle
Baupläne der Stadthalle (Archiv). | Bild: Paul Needham

Für Verzögerungen sorgen weiterhin begrenzte Einbauhöhen im Bestand in Verbindung mit den Anforderungen der modernen Technik, Bestandsdefizite vor allem beim Brandschutz und die Auslastung des Tragwerks, die nur sehr begrenzt zusätzliche Eingriffe in Form von Öffnungen oder Durchbrüchen zulasse, so die Stadt. 

Baustellenbegehung in der Stadthalle
Baustelle Stadthalle 2018. | Bild: Paul Needham

"Um die Qualität der Planung zu sichern, wird diese nicht an die Firmen zur Werk- und Montageplanung freigegeben, bevor nicht die Freigabe von allen Sachverständigen vorliegt", schreibt die Stadt am Dienstagabend in ihrer Mitteilung an die Presse. Die Planung erfolgt in Teilschritten: Für die oberen Geschosse 0 bis 5 sind die Planungen fast fertig.

Entwürfe aus 2016: So soll die neue Stadthalle aussehen. | Bild: Stadt Karlsruhe

"In den Untergeschossen mit den großen Technikzentralen gibt es noch Koordinationsbedarf. Aktuell können die Firmen der Technikgewerke Lüftung und Elektro in Teilbereichen aber bereits arbeiten", so die Stadtverwaltung weiter. "Ziel ist es, bis Ende Juni 2019 die abgestimmte Ausführungsplanung des Ingenieurbüros für Haustechnik abgeschlossen zu haben und im Anschluss in allen Bereichen mit voller Kraft durchzustarten."

Baustellenbegehung in der Stadthalle
Baustelle Stadthalle 2018. | Bild: Paul Needham

Von einem "Geldgrab Stadthalle" will die Stadt nicht sprechen: Die Variante eines Abbruchs und Neubaus der Halle an gleicher Stelle wurde bei Projektbeginn untersucht und aus  Unwirtschaftlichkeit zugunsten einer Modernisierung verworfen , schreibt die Stadt in entsprechender Stellungnahme. Ein Abriss und Neubau hätte neben den höheren Kosten auch eine deutlich längere Bauzeit und somit Ausfallzeit für die KMK zur Folge gehabt.

Höhe Mehrkosten offen

Ursprünglich sollte die Sanierung der Stadthalle 58 Millionen Euro kosten, dann standen 78 Millionen Euro im Raum. Ob noch mehr Kosten auf die Stadt zukommen, wissen laut Pressemeldung die Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz und Baubürgermeister Daniel Fluhrer nicht.

Baustellenbegehung in der Stadthalle
Baustelle Stadthalle 2018. | Bild: Paul Needham

"In welchem Umfang Mehrkosten zu erwarten sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden, da die Kosten für die erforderlichen Mehrleistungen erst nach Abschluss der Planung genau ermittelt werden können", schreibt die Stadt in entsprechender Pressemitteilung.

Auch aufgrund der erhebliche längeren Bauzeit werden Kostensteigerungen erwartet. "Die können ebenfalls erst ermittelt werden, wenn die Dauer der Bauzeit verlässlich feststeht und die Forderungen der Firmen bewertet sind", so die offizielle Stellungnahme. Bislang hat die Stadt den Fertigstellungstermin für die Modernisierung der Stadthalle wird sich nach aktueller Prognose auf Ende 2021 verschieben!"

Aktualisierung: 11. April

Die Karlsruher CDU-Fraktion drängt in einer entsprechenden Pressemitteilung von Donnerstag auf "rasche Ergebnisse des Planungsprozesses". Die Christdemokraten möchten die Planung der Stadthalle zur "Chefsache" erklären und wollen Oberbürgermeister Frank Mentrup mehr in die Pflicht nehmen.

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Detlef Hofmann, zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der Karlsruher Messe-und Kongress GmbH (KMK), äußert sich wie folgt: "Wie lange soll denn noch geprüft werden? Der Oberbürgermeister muss die Stadthalle jetzt zur Chefsache erklären. Wir wollen keine neuen Überraschungen mehr."

Und weiter: "Spätestens mit der Freigabe der Sachverständigen zu Beginn der Sommerpause im Juli müssen dem Gemeinderat der Zeitplan der vorzunehmenden Arbeiten und eine abschließende Kostenaufstellung vorliegen.Seit Monaten ziehen sich die Verhandlungen mit den maßgeblichen Akteuren hin. Jetzt brauchen wir zielführende Vorschlägeund nicht immer nur neue Wasserstandsmeldungen, gerade dies muss jetzt Sache des Oberbürgermeisters sein."

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  •   ALFPFIN
    (6802 Beiträge)

    11.04.2019 19:26 Uhr
    Man hätte ja
    auch vor dem endgültigen Sanierungsbeschluss eine genaue Prüfung des Gebäudes vornehmen können, auch wenn das Vorkosten verursacht hätte und dann endgültig eine Entscheidung treffen. Möglicherweise wäre ein Neubau die bessere Lösung gewesen. Allerdings sollte man unseren Gemeinderäten einen knallharten Finanzfachmann und Baumfachmann zur Seite stellen, das wäre dringend notwendig. grinsen
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  •   andip
    (9795 Beiträge)

    12.04.2019 08:35 Uhr
    Hat man ja
    zumindestens teilweise.
    Aber bei den Vorprüfungen war da alles noch im Betrieb, da konnte man nicht schon alle Wände, Decken und Böden aufreissen und nachsehen, was sich dahinter alles verbirgt, was gemacht werden muss.
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  •   FG1961
    (264 Beiträge)

    11.04.2019 06:19 Uhr
    Und in ein paar Wochen können wir
    als mündige Wähler die gesamte Laienspielgruppe austauschen.
    Auf den Zetteln stehen durchaus Profis, die gilt es zu finden und zu wählen.
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  •   andip
    (9795 Beiträge)

    11.04.2019 08:25 Uhr
    Und welche sollen das sein?
    ??
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  •   nichtsowichtig
    (80 Beiträge)

    10.04.2019 16:39 Uhr
    Ohje... hier sind wieder die verkappten Experten...
    ... IM FORUM wieder aktiv.

    Schließlich habt ihr alle schon mal ein IKEA-Regal aufgebaut! Da wisst ihr doch genau, wie Planen und Bauen geht! Könnt alles vorhersehen und wisst natürlich auch immer schon vorher, wer Scheiße gebaut hat und das man doch wissen muss, was wieviel kostet. In eurem IKEA-Katalog steht das ja schließlich auch! Kann doch nicht so schwer sein!

    Ich halte euch zugute, dass ihr die Komplexität einer solchen Planungs- und Bauaufgabe IM BESTAND nicht mal im Ansatz abschätzen und erhahnen könnt und auch niemals könntet.

    Eure Unwissenheit und Ahnungslosigkeit sollte eigentlich ausreichen hier überhaupt nicht zu kommentieren - die wird nämlich mit jedem eurer Worte deutlich. Aber die gnadenlose Hybris, die hier herrscht, mit der man sich ein Urteil erlaubt über Dinge, von denen man keinen Schimmer hat, macht mich manchmal doch fassungslos.
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    11.04.2019 13:11 Uhr
    Eines hat sich schon immer bewahrheitet:
    Getroffene Hunde bellen. Wau-
    Gott sei Dank gibt es Menschen wie Sie. Dann mal ran an die Arbeit und den Rechenschieber ausgepackt.
    Wenn einer eine Ahnung davon hat, dann soll er sie auch preisgeben.
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  •   dipfele
    (5535 Beiträge)

    10.04.2019 21:09 Uhr
    Na Ja...
    .... es ist schon schwierig im Bestand zu arbeiten, vor allem wenn zusätzlicher Abbruch mit enormen Entsorgungskosten dazu kommt.
    Was störend ist, ist die Selbstgefälligkeit mit der die Projekte angekündigt werden, die sich dann als finanzieller Flop erweisen. Bestes Beispiel ist die "Kombi", die 2002 dem einfältigen Wahlvolk für 500 Mio zur Entscheidung angepriesen wurde. Und dann kommt eine SPD Frau Baitinger daher und behauptet, die Bürger haben das ja so entschieden, wir Politiker setzen nur den Bürgerwillen um. Wenn aber die Kosten explodieren, weil schlecht kalkuliert, ist das dann höhere Gewalt.
    Einigermassen zuverlässig Baukosten zu benennen, geht nur, wenn ein Projekt zu 90% als Leistungsverzeichnis mit realen Massen und Einheitspreisen erfasst ist. Leider aber wird von der Politik gelegentlich verlangt, absichtlich zu niedrig zu kalkulieren, um wiederum dem einfältigen Bürger ein Projekt schmackhaft zu machen. Und dann wären wir wieder bei der Kombi.....
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  •   nichtsowichtig
    (80 Beiträge)

    11.04.2019 08:42 Uhr
    Es ist besonders...
    schwierig im Bestand zu arbeiten, wenn man überhaupt nicht weiß, was einen erwartet! Das ist nicht nur bei Hochbauprojekten so, sondern natürlich auch bei Tiefbauprojekten. Es gehört zur Natur der Sache, dass viele Umstände erst erkannt werden, wenn diese real zu sehen sind. Logischerweise ist die Planung aber bereits vorher abgeschlossen.
    Um vielleicht mal mit Halbwissen aufzuräumen:
    Kostenschätzungen, die zur Genehmigung von Projekten erstellt werden, geschehen in der Regel so früh, dass noch keine präzise Planung vorliegt. Je weiter die Planung fortgeschritten, desto präziser können auch Kosten ermittelt werden. Leistungsverzeichnisse werden erst nach Abschluss der Planung erstellt (und natürlich nicht nur zu 90%!). Diese müssen auch durch Planer verpreist werden.
    Je länger jedoch Projektlaufzeiten sind, desto größer ist das Risiko und die Einflüsse konjunktureller Entwicklungen.
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  •   Mondgesicht
    (2122 Beiträge)

    11.04.2019 14:30 Uhr
    Zwei Anmerkungen:
    1. Deutliche Mehkosten sollen in diesem Fall unter anderem deswegen entstehen, weil die Bestandspläne falsch oder unvollständig waren. Nun stammt ja dieses Gebäude nicht etwa aus dem 19. jahrhundert (dann könnte man das mit den unvollständigen Plänen ja noch verstehen), sondern aus den 80er-Jahren. Fragt sich also: wer hat damals geschlafen oder versagt?

    2. Natürlich lassen sich nicht alle Entwicklungen vorhersehen. Richtig ist, dass auf dem Bausektor in letzter Zeit die Kosten überall deutlich gestiegen sind. Aber eines ist auch klar: bei den "ersten Kostenschätzungen" für öffentliche Bauten ist man oft sehr bemüht, ein Projekt "schönzurechnen", um die Zustimmung der politischen Gremien zu erhalten. Und wenn man dann erst mal begonnen hat, gibt es ja üblicherweise kein Zurück mehr.
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  •   silberahorn
    (9935 Beiträge)

    12.04.2019 06:46 Uhr
    Wer hat damals geschlafen oder versagt?
    Es könnte die in der damaligen Zeit übliche Nervosität bei bestimmten Nachnamen gewesen sein. Immerhin hat der Architekt einen Namen, der auch der zweite Familienname von Beate Uhse ist. - Ironie aus-

    Und das Problem im vorliegenden Fall scheint tatsächlich zu sein, dass es Abweichungen im Baubestand von den vorhandenen Plänen gibt. Das kam und kommt aber häufig vor. Deswegen könnte es nichts schaden, wenn man vor Renovierungen eine Bauaufnahme vornimmt.
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