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Karlsruhe "Dach gesucht": Tausende Karlsruher Studenten sind zum Semesterbeginn ohne Wohnung

Wohnraum ist ein knappes Gut in Karlsruhe - das bekommen vor allem die tausenden Studenten und Azubis zu spüren, die Jahr für Jahr in die Fächerstadt ziehen wollen. Die Kampagne "Dach gesucht!", die noch bis zum 28. September auf dem Kirchplatz St. Stephan stattfindet, will Wohnungssuchenden hier unter die Arme greifen.

Am Freitagnachmittag wurde der Kirchplatz St. Stephan Schauplatz einer ungewöhnlichen Aktion: Menschen liegen auf Feldbetten, im Hintergrund tönen die Klänge des Kinderlieds "Lalelu" - was ist da los?

Aktion "Dach gesucht"
Mit einem Flashmob machen Studenten am Freitag auf dem Kirchplatz St. Stephan auf den Wohnraummangel in Karlsruhe aufmerksam. | Bild: Melissa Betsch

Es ist eine Studenten-Aktion: Sie wollen auf den akuten Wohnraummangel in Karlsruhe zum Semesterbeginn aufmerksam machen. Zugleich markiert sie den Auftakt der Wohnraumkampagne "Dach gesucht!", die seit 2012 das Ziel verfolgt, die Wohnungssituation für Studierende und Auszubildende zu verbessern.

5.000 Wohnungssuchende stehen auf der Warteliste

Das ist auch dringend nötig, denn: Maximal 8.400 Wohngelegenheiten im Wohnheim oder über die private Zimmervermittlung des Studierendenwerks stehen für alle Studenten zur Verfügung. Im letzten Wintersemester waren das laut "Dach gesucht" fast 43.000 Personen. Eine prekäre Situation.

"Vor allem zu Beginn des Wintersemesters ist es dramatisch", erläutert Michael Postert, Geschäftsführer des Studierendenwerks Karlsruhe, auf der Pressekonferenz nach dem Flashmob am Freitag. "Dann beginnen die meisten Studiengänge." Laut Postert stehen momentan rund 5.000 Wohnungssuchende auf der Warteliste für einen Wohnplatz.

Aktion "Dach gesucht"
Bürgermeister Martin Lenz (l.) und Michael Postert, Geschäftsführer des Karlsruher Studierendenwerks ,(m.) über die Kampagne "Dach gesucht". | Bild: Melissa Betsch

"Jeder Student kennt das Problem"

Auch Studentin Charlott Jakob nimmt an dem Flashmob teil und weiß um die angespannte Wohnsituation in der Fächerstadt. Vor ein paar Monaten hat sie selbst noch vergeblich nach einem WG-Platz gesucht. "Jeder Student kennt das Problem", meint sie im Gespräch mit ka-news. Was sie dann berichtet, klingt unglaublich: "Ich habe mal einen Erstsemestler bei mir in der Abstellkammer wohnen lassen, weil er einfach keine Wohnung gefunden hat." 

Aktion "Dach gesucht"
Von links: Die Studenten Charlott Jakob, Raji Sarhi, Aakesh Shetty und Fabian Uicker. | Bild: Melissa Betsch

Besonders hart traf der Wohnungsmangel auch den Inder Aakash Shetty. Er studiert Intercultural Management an der Karlshochschule und suchte, bevor er für sein Studium nach Deutschland kam, nach eigenen Angaben drei Monate lang vergeblich nach einer Unterkunft in Karlsruhe. Hier angekommen, hat er übergangsweise für einen Monat in einem Hostel übernachtet, bevor er schließlich doch noch einen WG-Platz in Stutensee bekam.

Start-Up "Nestyu" soll Vermieter und Wohnungssuchende zusammenbringen

Mit zwei weiteren Studenten haben die beiden vor acht Monaten deshalb das Start-Up "Nestyu" gegründet, erzählen sie im Gespäch mit ka-news. Damit wollen sie - ähnlich wie Online-Vermietungsportale von Ferienwohnungen - Vermieter und Wohnungssuchende gezielt zusammenbringen. 65 Anmeldungen konnten sie nach eigenen Angaben seit ihrem Website-Start vor einem Monat schon verzeichnen.

Kampagne "Dach gesucht" noch bis zum 28. September 

Auch die Kampagne "Dach gesucht" will - unter anderem mit einem Informationspavillon, der noch bis zum 28. September auf dem Kirchplatz St. Stephan zu finden ist - zentrale Anlaufstelle und Kontaktbörse für Wohnungssuchende und potentielle Vermieter sein.

Vor allem für letztere sieht Bürgermeister Martin Lenz in der Aktion einen symbolischen Appell, ihre letzten Wohnressourcen für wohnungssuchende Studenten  zu mobilisieren. "Schließlich", so macht Lenz noch einmal deutlich, "ist Wohnen eines der großen Zukunftsthemen in Karlsruhe."

Wer auch ein Zimmer oder eine Wohnung vermieten möchte, kann sich unter 0721/6909192 und per E-Mail unter info@dach-gesucht.de melden. Zudem kann man sich an den "Dach gesucht"-Pavillon wenden, der noch bis zum 28. September auf dem Kirchplatz St. Stephan zu finden ist.

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Kommentare (23)
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  •   nurdiewahrheit
    (95 Beiträge)

    17.09.2018 20:14 Uhr
    Zusammenfassend
    ist also die ganze Welt böse. Vermieter, Arbeitgeber...noch jemand?
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (921 Beiträge)

    17.09.2018 20:24 Uhr
    Weiße Männer,
    die reinsten Teufel.
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  •   betablocker
    (3116 Beiträge)

    17.09.2018 22:42 Uhr
    Aber nur
    mittelalte!
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  •   alpinium
    (5563 Beiträge)

    15.09.2018 15:01 Uhr
    Wieso baut die Uni nicht selbst
    Studentenunterkünfte? Der Wohnraum wird mit der Zugehörigkeit zur Uni verknüpft, d.h. Studium beendet und nach max 6 Monaten muss man raus.
    Aber ich denke das wird in Doitscheinigdeppenland wieder nicht gehen, weil Reichsbedenkenträger im Beamtenapparat und Politiker, besonders aus C- und F-Parteien, dann die freie Marktwirtschaft gefährdet sehen.
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  •   Skudder
    (244 Beiträge)

    15.09.2018 14:03 Uhr
    Ein neuer Kollege
    hatte auch Probleme mit der Wohnungsfindung, hat aber dann ein Gesuch in der Zeitung (BNN oder Kurier, weiß ich nicht) inseriert und sehr schnell etwas in der Innenstadt gefunden. Das betrifft dann auch ältere Vermieter, die oft nicht so Internet-affin sind.
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  •   Robert1959
    (1845 Beiträge)

    15.09.2018 10:42 Uhr
    Pendeln könnte auch eine Entlastung sein!
    Als ich in den 80er Jahren an der Uni Mannheim studierte pendelte ich täglich zwischen Mannheim und Karlsruhe. Dazu brauchte ich weniger Zeit, als mit der Strassenbahn vom HBF zur Nordweststadt.Damals benutzte ich das Trampermonatsticket, mit der man bundesweit zuschlagsfrei alle Züge ohne Zuschläge benutzen konnte! Diese Möglichkeit fehlt heute total, nicht nur für Studenten. Immer wieder wird Flexibilität gefordert, aber die Politik verschläft alles! Heute ist die Bahn teuer und ständig überfüllt!
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  •   Icaro2000
    (20 Beiträge)

    15.09.2018 08:50 Uhr
    ich hab noch
    3 Zimmer in einer 5er Frauen WG frei. Ist Ernst gemeint.
    Kontaktadresse wäre toll gewesen. Werd versuchen in die Stadt zu radeln heute...
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  •   Badner
    (2 Beiträge)

    15.09.2018 08:41 Uhr
    Und jetzt?
    Jedes Semester das Gleiche: Bürgermeister suchen für Studierende Wohnungen!
    Allerdings für Karlsruher Familien stehen die nie da!! Wie schon geschrieben, nehmen durch WG- Bildung Studenten auch noch die wenigen Wohnungen weg, da hier nach Zimmer bezahlt wird. Und wo bleiben die Familien die eben keine 1600.-€ Kaltmiete zahlen können?? Da ich Geld verdienen muß, um diesen Irrsinn irgendwie zu bezahlen habe ich keine Zeit tagsüber im Liegestuhl zu Ruhen! Aber seit Jahren tut auch unsere SPD Regierte Stadt (wofür steht "S"??) nichts für bezahlbaren Wohnraum-im Gegenteil: Auf der Kriegsstrasse wird ein ehem. Volkswohnungshaus zum Hotel!! Jede Freie Fläche an Invstoren oder sonstige Heuschrecken verkauft, wo wohnen denn all die Menschen die in den neuen Büro´s an der Ludwig Erhardt Allee, Gerwigstrasse oder hinterm Bahnhof Arbeiten? Sind das alles hochbezahlte Akademiker? Wo dürfen denn die normalen Angstellten und Arbeitnehmer in Zukunft wohnen? Familien will ja kein Vermieter mehr haben!
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  •   Suedweschter
    (319 Beiträge)

    18.09.2018 00:13 Uhr
    Das ist gewollt.
    Deshalb wird das Kit ja auch dauernd vergrößert und noch mehr Firmen dürfen sich hier ansiedeln. Je mehr Leute herziehen wollen, je teurer kann man vermieten. So geht Kapitalismus.

    Im Saarland, in der Eifel oder im Osten gibt's jede Menge Platz für Unis und Firmen. Klar sind die normalen Familien, Rentner, die Azubis, Studenten aus Normalverdienerelternhäusern, usw. die Gelackmeierten in Karlsruhe. Keine Partei hat den Arsch in der Hose und sagt: Die Wanne ist voll!

    Weil Vermieter und Bauunternehmen sich eine goldene Nase verdienen.
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  •   Anonymous
    (13 Beiträge)

    14.09.2018 22:54 Uhr
    WOHNUNGSMANGEL?
    Die Regierung ist ja immer noch der Meinung wir hätten genug davon, und gestaltet doch seit 2015 die entsprechende Politik! Mir wird auch schon schlecht wenn ich an meine baldige Wohnungssuche denke.
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