64  

Karlsruhe Corona-Verbote: Das kommt diese Woche auf Karlsruhe zu - "Ausgangssperre wäre fatal"

Kita- und Schulschließungen sowie von vielen Freizeit- und Kultureinrichtungen - das steht bereits fest. Am Montag fielen weitere Entscheidungen, um das Infektionsgeschehen des Corona-Virus zu verlangsamen. Es sind außerordentliche Maßnahmen in der Geschichte von Deutschland. Dieser Artikel wurde stetig aktualisiert.

Oberbürgermeister Frank Mentrup zieht am Sonntagabend Bilanz zum vergangenen Wochenende: Die Stimmung sei überwiegend positiv und ruhig. Nach den Ankündigungen und Umsetzungen umfangreicher Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus, erreichte die städtische Hotline Nachfragen von fast 2.000 Bürgern.

"Insgesamt ist die Stimmung in der Stadt, Gott sei Dank, eher - sonnenbedingt - positiv und auch ruhig geblieben", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup in einem Video.

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Behörden funktioniert gut: Für das Callcenter der Stadt Karlsruhe hat das Landratsamt beispielsweise Mitarbeiter bereit gestellt. 

1. Schul- und Kitaschließungen

Mit Ausnahme von drei Schulen, treten am Dienstag die Kita- und Schulschließungen in Kraft. Das Engelbert-Bohn-Schulzentrum,  die Friedrich-Realschule in Durlach und das Helmholtz-Gymnasium sind bereits am Montag geschlossen. Eventuell kommt noch eine weitere hinzu, heißt es am Sonntagabend.

An allen anderen Schulen findet am Montag ein Übergabebetrieb statt, "sodass man die Schülerinnen und Schüler auch noch mit Material versorgen kann", so Mentrup. "Wichtig ist, dass die Eltern sich jetzt auf eventuelle Betreuungsangebote einlassen können." Diese betrifft berufstätige Eltern bei Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Co.  

Für die ein- bis sechsjährigen Kinder kann das entsprechende Formular bei der städtischen Hotline 0721/133 33 33 angefragt werden, für die Klassen 1 bis 6 kann das entsprechende Formular auf der Homepage heruntergeladen werden.

2. Karlsruher Zoo geschlossen

Die Stadt Karlsruhe wollte den Zoo geöffnet lassen und lediglich die Tierhäuser und das Exotenhaus  ab Montag schließen, da sich hier zu viele Menschen in engem Raum einfinden.

Seit Montagabend steht allerdings fest: Auch für Karlsruhe gibt es keine Ausnahme - der Karlsruher Zoo ist ab Dienstag geschlossen. Das gibt die Einrichtung auf seiner Facebook-Seite bekannt. 

3. Fitness-Studios und Vereinssport schließen 

Ab Dienstag trifft das Corona-Verbot auch Fitnessstudios und Sportvereine.  Einige Vereine wie der SSC Karlsruhe haben ihre Aktivitäten bereits eingestellt.

"Wir müssen uns auf eine neue Phase einstellen", so Mentrup am Montag, die Fallzahlen seien signifikant gestiegen. Am Morgen hat das Land Baden-Württemberg seine Verordnungen verschickt und Schließungen verschärft: 

  • Bars und Kultureinrichtungen in privater Trägerschaft wie beispielsweise Musikschulen, die bisher vom Verbot ausgenommen waren
  • Fitnessclubs und Sportstätten

4. Strengere Auflagen für Restaurants

In der neuen Landesverordnung von Montag, 16. März, ereilen auch die Gastwirte strenge Auflagen: Restrauants müssen ab Dienstag, 17. März, bestimmte Abstände zwischen den Tischen und Sitzen eingehalten werden. Der Betrieb ist unter den folgenden Auflagen erlaubt:

  • Die Plätze für die Gäste müssen so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist,
  • Stehplätze müssen so gestaltet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist und
  • in geeigneter Weise muss sichergestellt werden, dass im Falle von Infektionen für einen Zeitraum von jeweils einem Monat mögliche Kontaktpersonen nachverfolgbar bleiben.

Ein Biergartenbetrieb wie am vergangenen Wochenende wird damit auch vorerst der Vergangenheit angehören. 

Die Bundesregierung hat am Montagabend weitere Auflagen angekündigt: Restaurants dürfen nur zwischen 6 und 18 Uhr geöffnet sein. Eine entsprechende Länderverordnung wird vermutlich am Mittwoch folgen.

5. Bürgerdienste auf Notbetrieb

Viele Mitarbeiter der Stadt sollen aufgrund ihrer Gesundheitslage nicht im direkten Kontakt mit weiteren Menschen stehen. Daher muss in der kommenden Woche mit Einschränkungen gerechnet werden. 

Bürger müssen damit rechnen, dass ab Montag, 16. März, trotz Terminzusage in den Bürgerbüros erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. "Es ist auch nicht auszuschließen, dass Kunden abgewiesen werden müssen und kleine Bürgerbüros schließen", informiert die Stadt.

Absolut notwendige und unaufschiebbare Angelegenheiten sollen weiterhin erledigt oder zumindest geklärt werden können. Zum Schutz von Bürger und Angestellten sollen Plexiglasscheiben an den Service- und Beratungsplätzen installiert werden.

Man will den direkten Kontakt minimieren, der telefonische Austausch mit den Dienststellen sei weiter möglich, so der Oberbürgermeister bei einem Pressetermin am Dienstag. Die Stadtverwaltung bittet darum, von aktuell nicht zwingend notwendigen Behördengängen abzusehen.

6. Bahnlinien ausgedünnt, kein Ticketkauf im Bus

Bereits seit Montag fahren die Bahnlinien 5 und 6 ab 10 Uhr - nach der Hauptverkehrszeit -  nur noch alle 20 Minuten. Ab Dienstag, 17. März, verlängert sich die Taktung auch bei weiteren Linien sowie bei Bussen.

Die Bahnen verkehren im Takt des Sonntagsfahrplans. Montags bis freitags setzt der 20-Minuten-Takt bereits schon um zirka 5 Uhr auf diesen Linien ein, samstags gegen 6.45 Uhr. Die Busse fahren nach Ferienplan.

In Bussen bleibt die erste Tür geschlossen: Die erste Sitzreihe hinter dem Fahrer wird mit Flatterband abgesperrt, Fahrgäste können beim Fahrer keine Fahrkarten mehr kaufen. 

Sie werden gebeten, vor Fahrtantritt an den Automaten einen Fahrschein zu lösen oder auf den mobilen Fahrkartenkauf mithilfe der KVV-Apps zurückzugreifen. 

7. Keine Urlaubsreisen - Grenzkontrollen 

Seit Sonntag sind die deutschen Grenzen teilweise geschlossen. Die Bundesregierung hat den grenzüberschreitenden Verkehr aus Frankreich, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Dänemark eingestellt. Der Warenverkehr bleibt möglich, auch Berufspendler können einreisen. Durch Kontrollen ist mit langen Staus zu rechnen.

Am Montagabend gab die Bundeskanzlerin bekannt, dass die Binnengrenzen der Europäischen Union künftig kontrolliert werden sollen. Die Länderchefs stimmen sich derzeit über Maßnahmen ab.

In Deutschland gilt seit Montag ein Reiseverbot für 30 Tage - für Reisen im In- und Ausland. Hotels und andere Unterkünfte dürfen nur noch Übernachtungen zu "notwendigen Zwecken" anbieten - aber nicht für Touristen. Die Umsetzung diese Maßnahme erarbeiten derzeit die Länder - eine Landesverordnung wird Touristenübernachtungen zeitnah in Karlsruhe untersagen.

8. Geschäfte schließen, Supermärkte bleiben offen

Die Geschäfte in Deutschland sollen geschlossen werden. Das haben Bund und Länder am Montag vereinbart. Die neue Landesverordnung wurde am Mittwochmorgen verkündet und tritt ab Donnerstag in Kraft.

Die neuen Leitlinien zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich soll die Verbreitung des Corona-Virus verlangsamen. Ausdrücklich nicht geschlossen werden: 

  • Einzelhandel für Lebensmittel
  • Wochenmärkte
  • Abhol- und Lieferdienste
  • Getränkemärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien
  • Tankstellen
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Friseure
  • Reinigungen
  • Waschsalons
  • Zeitungsverkauf
  • Bau- und Tierbedarfsmärkte
  • Großhandel

Diese Geschäfte dürfen auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Entsprechende Auflagen des Wirtschaftsministeriums sollen folgen.

9. Weitere Einschränkungen - Outdoor und Gottesdienste

Die Bundesregierung hat am Montagabend verbindliche Leitlinien für alle Bundesländer verkündet. In einigen Bundesländern - wie Baden-Württemberg - haben die Länder, oder auch die Städte selbst, bereits weitreichende Entscheidungen zu Schließungen getroffen.

Auch Karlsruhe kam dem Beschluss der Bundesregierung zuvor - viele in den Leitlinien geforderten Maßnahmen sind bereits umgesetzt. Das Land Baden-Württemberg hat am Mittwochmorgen die Leitlinien in Form einer Verordnung umsetzt.

Folgendes ist ab Donnerstag untersagt oder geschlossen: 

  • Freizeit- und Tierparks und Anbieten von Freizeitaktivitäten sowohl Innen als auch Außen
  • Spezialmärkte, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen und ähnliche Einrichtungen
  • Einzelhandelsstellen, die nicht oben genannt sind - insbesondere Outlet-Center 
  • Spielplätze werden gesperrt
  • Keine Zusammenkünfte in Vereinen oder sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen
  • keine Wahrnehmung von Angeboten  in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich
  • keine Reisebus-Reisen
  • keine Gottesdienste und Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und anderer Glaubensgemeinschaften
  • keine sonstigen Versammlungen oder sonstige Veranstaltungen

"Das sind Maßnahmen, die es so noch nicht gegeben hat", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Pressekonferenz am Montagabend. "Die Maßnahmen sind zum großen Teil und überwiegend durch die Bundesländer umzusetzen. Sie werden das in Kürze tun, sofern sie das nicht schon getan haben", so die Regierungschefin. "Uns war allen sehr wichtig, dass wir ein - im Großen und Ganzen -einheitliches Handeln in Deutschland haben."

10. Ausgangssperre wäre "fatal" - aber nicht undenkbar

Der Karlsruher Bürger habe sein Schicksal jetzt auch ein bisschen selbst in der Hand, so Mentrup. "Ob wir dann doch irgendwann auf eine Ausgangssperre zusteuern, was ich katastrophal fände oder ob wir es nicht durch eigenes Verhalten stärker in den Griff kriegen", sagt der Oberbürgermeister in einem Video der Stadtverwaltung. 

Dazu gehört, das Infektionsrisiko beispielsweise beim Einkauf im Supermarkt zu reduzieren: "Indem ich mich selber auch durchaus als verdächtig erkläre, eventuell das Virus zu übertragen und deshalb nicht nur vom anderen zu verlangen, dass er sich schützt,  sondern auch ich mich selber so verhalte, dass ich den anderen vor mir schützen kann."

Das heißt vor allem: Abstand halten!

Dieser Artikel wurde stetig aktualisiert.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (64)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    16.03.2020 19:59 Uhr
    Link
    hat wohl nicht funktioniert[url=https://taz.de/Corona-in-Italien/!5668464/]Corona[/url]
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (566 Beiträge)

    16.03.2020 19:51 Uhr
    Wenn wir da so agieren,
    gibt es nicht mehr viele von uns, auch Junge
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Avatar
    (831 Beiträge)

    16.03.2020 19:38 Uhr
    Du hast so richtig Ahnung
    NICHT
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (566 Beiträge)

    16.03.2020 18:51 Uhr
    Ein Volk von Egoisten.
    Wer sich mal die Bilder aus München angeschaut hat, schüttelt nur noch den Kopf. Es ist leider so, dass harte Maßnahmen angeordnet werden müssen, damit die befolgt werden. Ich arbeite gegenüber von einem Aldi, was sich da für Szenen abgespielt haben, unglaublich.
    Wenn ein Jeder sein bisschen Hirn einschalten würde, wäre die Auswirkungen der Coronakrise wahrscheinlich gar nicht so gravierend. Aber spätestens jetzt sieht man, dass es uns die ganzen Jahre viel zu gut gegangen ist. Ein winziger Virus hält uns den Spiegel vor.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (566 Beiträge)

    16.03.2020 19:01 Uhr
    Nachtrag
    Wir werden in den nächsten beiden Tagen mit Sicherheit die Infektionszahhlen von Südkorea überholen. Die waren weit vor uns. Japan ist schon weit hinter uns, und China schaffen wir auch noch.
    Warum? Weil die Asiaten wesentlich disziplinierter sind als die Europäer. Deswegen kommen sie nicht nur mit dieser Krise besser zurecht, sondern sind auch sonst uns voraus.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Beiertheimer
    (1300 Beiträge)

    16.03.2020 19:34 Uhr
    Wobei man aber auch sagen muß
    das die von Ihnen angeführten Länder wesentlich entschlossener gehandelt haben und nicht wie bei uns jeder Landesfürst seine eigene Suppe gekocht hat. Die Bundesregierung war auch nicht handlungsfähig weil man immer auf eine europäische Lösung gewartet hat. Somit war man nicht auf der Höhe der Zeit und hinkt nun zwei Schritte hinterher.
    In so einer Situation ist der Förderalismus leider kontraproduktiv und im Nachgang sollte man über Verbesserungen nachdenken. Schneller Entscheidungen und vor allem einheitliches Agieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   nurdiewahrheit
    (351 Beiträge)

    16.03.2020 18:45 Uhr
    So lange
    der Großteil der Bevölkerung einen IQ analog einer Amöbe besitzt, ist eh alles sinnlos. Kitas und Schulen zu...Spielplätze rappelvoll. Bars und Clubs zu...Schlossgarten und die Klotze randvoll. Die Dummheit der Menschen kennt keine Grenzen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kiwi
    (508 Beiträge)

    17.03.2020 09:55 Uhr
    IQ analog einer Amöbe besitzt
    Amöben gibt es schon länger als die Menschen und werden noch da sein wenn es uns nicht mehr gibt wer hat also den größeren IQ - außer Dir
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Vika
    (261 Beiträge)

    16.03.2020 20:31 Uhr
    Möbelgeschäft
    Möbelgeschäft voll mit Kindern und Erwachsene ,also viel Spass beim Möbel essen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10823 Beiträge)

    16.03.2020 16:13 Uhr
    Was ist mit
    Baumärkten oder Märkten für Gartenbedarf, wenn nur noch Lebensmittelmärkte geöffnet sein dürfen? Da kann man doch auch Futter für Tiere kaufen.
    Die Schließung von Geschäften ist schon beschlossen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.