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Karlsruhe City Park: Wie aus einer Bahn-Werkstatt ein Wohnquartier wurde

Im östlichen Teil der Südstadt gelegen befindet sich das Quartier City Park mit Wohn- und Geschäftsräumen, Grünflächen und Spielplätzen. Das Angebot soll am heutigen Freitag nochmal erweitert werden: Um 15 Uhr wird der neue Stadtpark eröffnet. Dabei war hier nicht immer der Bau eines neuen Viertels vorgesehen.

Bis 1997 befand sich auf dem Gelände das Karlsruher Ausbesserungswerk der Deutschen Reichsbahn, später der Deutschen Bundesbahn und bis zuletzt der Deutschen Bahn (DB). Knapp 150 Jahre lang wurden dort Lokomotiven und Wagen instand gesetzt und technische Neuheiten entwickelt.

1849: "Großherzogliche Hauptwerkstätte" 

Die Geschichte der Bahn - und somit auch des Geländes - beginnt in Karlsruhe nur knapp acht Jahre, nachdem die erste Zugstrecke in den deutschsprachigen Königreichen in Betrieb genommen wurde: Nach den Angaben der Stadt wird 1843 östlich des Ettlinger Tores der erste Durchgangsbahnhof eröffnet. Durch die wachsende Bedeutung des Bahnverkehrs und die dadurch steigende Bahnnutzung werden nach fünf Jahren erste Reparatur-Arbeiten notwendig. 

Als Folge daraus wird 1849 die "Großherzogliche Hauptwerkstätte" - das Bahnausbesserungswerk - südöstlich des Rüppurrer Tores und späteren Mendelssohnplatzes eingerichtet. In der Hochphase des 26 Hektar großen Werks nach dem Ersten Weltkrieg sind dort mehr als 5.200 Personen beschäftigt. Der Zweite Weltkrieg unterbricht diese Erfolgsserie: Nachdem das Werk zu fast 95 Prozent durch Bomben zerstört wird, muss es mithilfe bereitgestellter "Aufbauspenden" mühevoll wieder errichtet werden.

Ausbesserungswerk Karlsruhe 1979
Ausbesserungswerk Karlsruhe 1979 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1979:A37_200_1_32

1997: Die Geschichte des Bahn-Werks endet 

Mehrere Jahrzehnte und Erholungsphasen später feiert die DB in der östlichen Südstadt wieder eine Blütephase: Denn Anfang der 1970er Jahre arbeiten immerhin zwischen 2.500 und 3.000 Menschen auf dem Gelände.

Kurz vor der Jahrhundertwende - im Jahr 1997 - muss das Werk allerdings geschlossen werden. Gründe hierfür sind nach Angaben der Stadt unter anderem der technische Fortschritt, welcher dazu führte, dass die Bahn immer weniger Fläche benötigt. Zudem soll auch die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn eine Rolle gespielt haben.

2000: Bebauungsplan "Karlsruhe-Südost" beschlossen

Bereits vor der Schließung des Ausbesserungswerks gibt es allerdings Überlegungen zur späteren Nutzung des Areals. Ab 1994 führt die Stadt Gespräche mit dem Eigentümer, der Deutschen Bahn. In diesem Zuge überlegt die Stadt sogar den möglichen Kauf des Areals. Dies wird jedoch schnell wieder vergessen, da finanzielle Möglichkeiten und personelle Ressourcen nicht gegeben sind.

Das Ergebnis der Gespräche: Sowohl ein städtebaulicher Rahmenvertrag als auch der Bebauungsplan "Karlsruhe-Südost" werden für das Gelände entschieden. Der Bebauungsplan, der endgültig am 21. März 2000 grünes Licht bekommt, sieht vor allem die Schaffung von innenstadtnahen Wohnungen und Arbeitsplätzen sowie die "Deckung des Bedarfs an übergeordneten Grünflächen" vor. Zu diesem Zeitpunkt war lediglich eine der leerstehenden Werkhallen und Gebäude auf dem Areal teilweise zurück gebaut.

2003: Erster Bauabschnitt ist eingeweiht

Vor ungefähr 14 Jahren nimmt die Entwicklung des Areals dann wirklich Fahrt auf: Da die DB sich damals entschließt, einen Teil ihrer "nicht betriebsnotwendigen Immobilien" zu verkaufen, findet das Gelände ihren neuen Besitzer im Immobilienunternehmen Aurelis. Fortan kümmert sich dieses um die Entwicklung des neuen Quartiers. 

Nach und nach entsteht der City Park in der Südstadt-Ost: In insgesamt vier Erschliessungsabschnitten kann das Großprojekt mit 25 Baufeldern umgesetzt werden. So kann schon im April 2003 der erste Bauabschnitt mit den Häusern entlang der Henriette-Obermüller-Straße eingeweiht werden.

2007: Zwei Abschnitte verlaufen planmäßig

Auch der zweite Abschnitt, in dem der Neubau der Landesbank Baden-Württemberg 2007 eingeweiht wird, und Abschnitt Drei verlaufen nach Aussage der Stadt planmäßig. 

 

2015: Fertigstellung nach rund zwölf Jahren

Vor zwei Jahren kann die gesamte Wohnbebauung abgeschlossen werden. Nach Angaben der Stadt wohnen heute rund 6.000 Menschen im neuen Viertel. Weitere ansehnliche Ergebnisse des City Parks sind seitdem auch das Park Plaza, die Park Arkaden, das Park Office und zuletzt auch der Park Tower am östlichen Ende der Ludwig-Erhard-Allee.

2017: Fertigstellung des Stadt-Parks im City Park

Für manch schlechte Gemüter sorgt jedoch die letzte Bau-Etappe: Die Fertigstellung der Grünanlage im City Park. Neben der Günther-Klotz-Anlage und dem Zoologischen Stadtgarten ist die neue Anlage gemeinsam mit dem Otto-Dullenkopf-Park der dritte "grüne Finger" für den Südosten der Stadt und wird dementsprechend von den Karlsruhern erwartet.

Gründe für die lange Bebauung sieht Bürgermeister Michael Obert im Frühjahr 2016 vor allem in aufeinander aufbauenden Maßnahmen. So konnten bestimmte Maßnahmen erst in Angriff genommen werden, wenn andere abgeschlossen waren.

Doch nun ist es endlich soweit: Mit einer Fläche von knapp neun Hektar umschließt die Anlage, die von OB Mentrup heute offiziell eingeweiht wird, einen wichtigen Teil des City Parks und der Stadt Karlsruhe. Denn begehbare Wiesenflächen, Blicke auf die letzten Ausläufer des Schwarzwaldes, zwei Wasserbereiche von insgesamt knapp 3.000 Quadratmetern und ein Spielplatz locken nicht nur die dortigen Anwohner in den neuen Stadtpark.

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  •   karlsruher1955
    (1331 Beiträge)

    26.05.2017 11:22 Uhr
    City Park
    Ein Ghetto aus Beton und Stahl
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  •   Cityparker
    (147 Beiträge)

    27.05.2017 12:27 Uhr
    Also
    Sehr Lachhaft,wohl neidisch.
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  •   Cityparker
    (147 Beiträge)

    26.05.2017 20:19 Uhr
    Ghetto!
    Welch ein geistreiches Geplapper,hoffentlich wohnen Sie weit genug weg von diesem Ghetto,sind wohl ein bisschen neidisch,gell.
    Gruß vom Cityparker
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  •   maehdrescher
    (1727 Beiträge)

    26.05.2017 10:08 Uhr
    Eines verstehe ich nicht
    Einerseits wird ständig über zu wenig Wohnraum genörgelt. Wenn aber mal ein Quartier so bebaut wird, dass auf dem vorhandenen Raum wirklich viele Wohnungen entstehen, wird auch wieder gemotzt. Wem's nicht gefällt, der kann ja ins freistehende Einfamilienhaus nach Stupferich ausweichen. Man braucht nur ein wenig Kleingeld.
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  •   ALFPFIN
    (7902 Beiträge)

    26.05.2017 11:13 Uhr
    @ Maehdrescher
    Es wird vor allen Dingen über zu wenig Wohnraum genörgelt, in Bezug auf bezahlbare Wohnungen, zum Beispiel für junge Familien, für Wohnungssuchende mit geringerem Einkommen überhaupt. Wenn in der neuen "City" vom Familienheim, einer Genossenschaft, die von der katholischen Kirche gegründet wurde, Wohnungen in der Südost-City angeboten werden, mit Parkplatz und separatem Aufzug, damit man sein Auto vor dem Küchenfenster parken kann, Eigentum selbstverständlich, für 450 000 Euro aufwärts angeboten werden, trifft das ja nicht unbedingt den Wohnungssuchenden mit normalem Einkommen. Die Wohnungen, die nicht verkauft werden konnten, kosten heute 1800 Euro kalt pro Monat Miete aufwärts. Und so gibt es noch einige (vielleicht nicht so krasse) Beispiele. Es fehlen Wohnungen für Normalverdiener mit bezahlbaren Mieten.
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  •   karlsruher1955
    (1331 Beiträge)

    26.05.2017 13:39 Uhr
    Bezahlbare Wohnungen
    Richtig. Wer kann das bezahlen?
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  •   Graf_von_Felsenstein
    (186 Beiträge)

    26.05.2017 17:20 Uhr
    Ich nehme dort EUR 9,55/m²
    und denke, dass das ein fairer und bezahlbarer Preis ist.

    agvf
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13039 Beiträge)

    26.05.2017 09:35 Uhr
    ich möchte da
    nicht hinziehen müssen...
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  •   maehdrescher
    (1727 Beiträge)

    26.05.2017 10:06 Uhr
    "Müssen"
    tut keiner, denn wir leben ja nicht im Stalismus, wo man Menschen zwangsumgesiedelt hat. Wir haben den Vorteil, dass wir selbst entscheiden können. Jedenfalls so lange, bis irgendwelche linken Spinner wieder den Sozialismus einführen.
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  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    28.05.2017 22:51 Uhr
    im Kapitalismus.....
    ..... werden die Leute durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, sprich mangelndes Einkommen, ganz elegant umgesiedelt. Da spielt die Gesinnung keine Rolle.
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