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Karlsruhe Blaue Tonne erhitzt Karlsruher Gemüter: "Keine ideologische Frage"

Ab 2015 kommt die Tonne für Altpapier in die Fächerstadt und sorgt weiterhin für Unbehagen bei zahlreichen Bürgern. Auch die Stadt räumt mittlerweile ein, dass sie nicht mit einem solchen Widerstand gerechnet hatte. Die Menschen fürchten vor allem höhere Gebühren und schlechteren Service. Bei einer Info-Veranstaltung im Rathaus versuchten die Verantwortlichen am Montag mit allerlei Zahlen und Argumenten die Zweifler von ihrer Maßnahme zu überzeugen.

Der Bürgersaal des Karlsruher Rathauses machte seinem Namen an diesem Montagabend alle Ehre - kaum ein Platz war mehr frei. Zahlreiche Bürger waren gekommen, um mehr über die Blaue Tonne zu erfahren, vor allem aber, um Bedenken und Kritik zu äußern. Die Vertreter der Stadt befanden sich von Anfang an im Verteidigungsmodus. "Ich bin kein Kreuzritter der Blauen Tonne", so der zuständige Bürgermeister Klaus Stapf.

Grund für die zukünftige Trennung von Altpapier und anderen Wertstoffen sei das neue "Kreislaufwirtschaftsgesetz" der letzten, schwarz-gelben Bundesregierung. "Immerhin wurde das auch von der damaligen Opposition unterstützt - bei so einer breiten Zustimmung scheint es keine ideologische Frage zu sein", meinte Stapf. Die Stadt habe Juristen zur neuen Gesetzeslage befragt und die eindeutige Antwort lautete: Ab 2015 dürfe kein Papier oder Karton mehr in die Wertstofftonne.

Blaue Tonne, Verein oder Wertstoffstation

In Zukunft soll es drei Wege geben, um sein Altpapier loszuwerden: In einer Blauen Tonne, bei Wertstoffstationen oder bei gemeinnützigen Vereinen, die das Papier zur Finanzierung ihrer Tätigkeiten verkaufen. "Ehrenamtliche Sammlungen sollen erhalten bleiben, wie sie sind", versichert Stapf. Man sei diesbezüglich in einem guten Dialog mit den Vereinen. "Wer sein Altpapier dort abgibt, kann sich von der Papiertonne befreien lassen", so der Bürgermeister. Wer keinen Platz für eine weitere Tonne habe, könne auch zu Wertstoffstationen gehen oder sich mit Nachbarn arrangieren, um sich deren Tonne zu teilen - zwei Vorschläge, die beim Publikum merklich nur auf wenig Verständnis stießen. "Eine Altpapiertonne ist nichts Ungewöhnliches. Von 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg haben bereits 39 eine und dort klappt es auch", argumentiert Stapf.

Jetzt gebe es in Karlsruhe dafür "irgendwo auch einen Auftrag der Bevölkerung": Bei einer Umfrage mit dem Wortlaut "Würden Sie eine Papiertonne präferieren, wenn dies der Gebührenstabilität dient?" hätten 49 Prozent mit "Ja" und 43 Prozent mit "Nein" geantwortet. Die Blaue Tonne sei wie andere auch "kostenfrei" - nach wie vor zahlten die Haushalte nur für ihren Restmüll.

"Tatsächlich werden die Gebühren durch die Blaue Tonne nicht steigen, sondern eher stabiler: Es fallen weniger Kosten zum Sortieren des Altpapiers an, das man dadurch gewinnbringender verkaufen kann", so Stefan Kaufmann, Leiter des Amts für Abfallwirtschaft in Karlsruhe. Insgesamt erwarte man so Kosteneinsparungen von 2,75 Millionen Euro. Gleichwohl betont Kaufmann, dass die Stadt in keiner Weise von diesen Einsparungen profitiere: "Aus den Abfallgebühren erzielen wir keine Gewinne für andere Aufgaben der Stadt. Wir berechnen die Gebühren so, dass es Null auf Null mit den Kosten aufgeht."

Gebührenerhöhung durch die Hintertür?

Doch die Skepsis gerade zur Gebührenfrage bleibt. Bei der Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung äußerten mehrere Bürger ihr Misstrauen. Dass die alte Wertstofftonne alternierend mit der neuen Blauen künftig nur noch alle vier Wochen abgeholt wird, bezeichnete eine Wortmeldung als "Gebührenerhöhung durch die Hintertür" und erntete dafür großen Applaus unter den Zuhörern.

Derzeit besteht der Müll in Karlsruher Wertstofftonnen zu etwa 50 Prozent aus Altpapier. "Deshalb rechnen wir damit, dass bei der Aufteilung auf zwei Tonnen auch der doppelte Zeitraum zum Leeren jeder einzelnen ausreicht", meinte Kaufmann, worauf Kopfschütteln und ungläubiges Raunen durch den Saal gingen. Da die Stadt die Wertstoffmenge nach Gewicht kalkuliert, argumentierten viele mit den unterschiedlichen Volumen von Papier und anderen Materialien - sie fürchten, dass ihre seltener geleerten Wertstofftonnen zu schnell voll sein werden.

Ein weiterer Kritikpunkt aus dem Publikum: Warum erst jetzt eine Anhörung der Bürger, nachdem die Blaue Tonne schon beschlossene Sache war? "Unsere Informationspolitik hätte sicher besser sein können", räumt Stapf ein. Man habe gedacht, dass die Einführung einer Altpapiertonne wesentlich ruhiger ablaufen werde, wie in anderen Städten auch. "Aber da haben Sie uns ja eines Besseren belehrt", so der Bürgermeister.

Als nächstes sollen Daten erhoben werden, um den individuellen Bedarf an Altpapiertonnen zu ermitteln. "Wir brauchen die Info von Ihnen, wie es vor Ort aussieht - wer eine neue Tonne braucht und wer nicht. Die Blaue Tonne kommt nicht automatisch", sagt Stapf. Einer Probephase erteilten die Verantwortlichen eine Absage: "Das ist leider nicht möglich, weil wir unserem Dienstleister gegenüber vertraglich verpflichtet sind, das alte System noch bis Ende 2014 beizubehalten", so Kaufmann. Egal ob blaue Tonne, Verein oder Wertstoffstation - nur eines steht für Bürgermeister Stapf künftig fest: "Es darf kein Papier mehr in die Wertstofftonne."

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  • unbekannt
    (6808 Beiträge)

    31.01.2014 11:02 Uhr
    warum nur
    kann man Papier nicht zentral wie Flaschen sammeln. Also große, öffentliche Papiercontainer aufstellen
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  •   Fragensteller
    (730 Beiträge)

    31.01.2014 16:08 Uhr
    Prinzipiell gute Idee
    und zusätzlich weiterhin Sammlungen durch Vereine für Leute, die das Papier nicht zu den Sammelstellen bringen können oder wollen.
    Überzeugen sie einfach ihre Parteifreunde, wenn sie ihre Meinunge ändern wäre die Mehrheit für die "blaue Tonne" weg und das Thema wenigstens vom Tisch.
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  •   Beiertheimer
    (1109 Beiträge)

    31.01.2014 16:05 Uhr
    Papiercontainer
    findet man in den Wertstoffstationen. Und wer viel Papier hat kann die blaue Tonne schon heute haben.
    Was mich stört ist die 4-wöchige Leerung der roten Tonne. Die ist bei uns ohne Papier nach 14 Tagen voll und eine grössere passt nich in die Box.
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  • unbekannt
    (1401 Beiträge)

    31.01.2014 17:37 Uhr
    Müllvermeidung
    Tja, dann hilft wohl nur die Müllvermeidung.

    Das Thema Müllvermeidung müsste meiner Ansicht nach den Verbrauchern und auch so manchem Hersteller generell mal näher gebracht werden.
    .
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  •   todi01
    (1138 Beiträge)

    31.01.2014 15:21 Uhr
    Früher
    wurde das (zumindest in meiner Heimat) genau so gemacht. Da hat man sein Papier zum Altpapiercontainer gebracht, der neben dem Altglascontainer stand, und es hat hervorragend funktioniert.

    Allerdings riskiert man natürlich, dass lustige Mitbürger die Container anzünden, und dieser Vandalismus war wohl auch mit ein Grund für die Abschaffung der frei zugänglichen großen Papiercontainer.
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  •   andip
    (10281 Beiträge)

    31.01.2014 12:10 Uhr
    Das ist
    im Prinzip noch nicht einmal eine schlechte Idee.
    Nur,so ein Container müsste wesentlich grösser sein als einer für Glas und daher gäbe es Platzprobleme.Ausserdem müssten die an jeder zweiten Ecke stehen,es will ja keiner weit laufen.
    Des weiteren würden dann diese ehrenamtlichen Sammlungen entfallen.
    BTW,wenn jeder sein Papier in die Sammlung gibt,warum sind die Wertmülltonnen trozdem voll damit?
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  •   Makamabesi
    (3025 Beiträge)

    31.01.2014 15:30 Uhr
    In
    Niedersachsen funktionert das.
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  •   exsued
    (430 Beiträge)

    31.01.2014 09:18 Uhr
    Tonnenflut
    Die Herren Stapf und Kaufmann haben einfach keine Ahnung, wie es in unseren Wertstofftonnen aussieht. Die sind einfach nach 2 Wochen rappelvoll obwohl fast alle Haushalte ihr Papier zur Sammlung des Bürgervereins geben. Also behalten Sie doch einfach den 2-wöchigen Rythmus bei und reduzieren Sie dort die Wertstofftonnen, wo angeblich 50 Prozent Papier drin war. Das spart auch Kosten.

    Es ist übrigens auch gelogen, dass die Wertstofftonnen den Bürger nichts kosten. Zum einen werden die Kosten beim Restmüll mit umgelegt und zum anderen bezahlen wir Verbraucher über den Kaufpreis der Waren die Abgabe für den "Grünen Punkt" schon an der Kasse im Supermarkt mit.

    Gilt eigentlich im Landkreis Karlsruhe ein anderes Abfallgesetz?

    Aber Hauptsache den Bürger mit amtlichem Geschwafel an der Nase herumführen.
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  • unbekannt
    (507 Beiträge)

    31.01.2014 06:35 Uhr
    So ist
    das halt im Ökoland Deutschland!Ökofaschimus trifft es ganz gut. Unglaublich wie dieses Land sich selber Probleme macht....Energiewende,Mülltrennung...
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  • unbekannt
    (130 Beiträge)

    31.01.2014 06:13 Uhr
    Nach der Wahl ist vor der Wahl
    daran, wie so an vieles, hat Hr. Stapf nicht gedacht. Unterm Strich ist das Thema "Blaue Tonne" POLITIK pur. Irgendetwas im eigenen Kreis schnell gemacht ohne nachzudenken. Alleine diese Phase der Bekanntmachung kostet doch schon Geld oder arbeitet einer Abends kostenlos? Da werden Überstundenscheine geschrieben usw. usw.Dieses Thema Blaus Tonne kannst Du in die Tonne stapfen !!!!
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