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Karlsruhe "Bitte recht freundlich": Was steckt hinter den Smiley-Stickern in Karlsruhe?

Sie sind seit einigen Monaten an vielen Karlsruher Ecken in unmittelbarer Straßennähe zu finden: Breit grinsende Smileys als Aufkleber an Laternenpfosten und Straßenschildern oder Hinweise, angebracht mit Sprayfarbe an Verteilerkästen. Einige Leser haben uns auf die gelben Lacher aufmerksam gemacht. ka-Reporter Thomas Steg meint, dem Geheimnis der "Grinsefratzen" auf die Spur gekommen zu sein.

Smileys sind seit Jahrzehnten das Symbol, um Emotionen bildlich darzustellen. Durch Textnachrichten via Whats-App oder Facebook sind die runden Gesichter zum Alltagsbegleiter geworden. In Karlsruhe sind sie das seit einigen Wochen noch auf etwas andere Art und Weise. Dort kleben die runden Lacher als Sticker an Ampel- oder Laternenmasten, Briefkästen, Litfasssäulen oder Bushaltestellen. Auch Graffiti mit Hinweisen sind ganz in der Nähe der Smileys zu finden. Was hat es damit auf sich? 

Stadt weiß nicht, wer hinter der Aktion steckt

Eine Leserin hat Anfang August die ka-news-Redaktion auf die neuen Stadtgesichter aufmerksam gemacht. Sie hat die Smiley-Sticker an der Südtangente und an einem Ampelmasten und vielen anderen Stellen in der Fächerstadt entdeckt. Wer der Schöpfer der gelben Grinsebacken ist, ist nicht bekannt. Auf Nachfrage sagt auch die Stadtverwaltung, dass ihr nicht bekannt ist, wer hinter der Aktion steckt oder was sie bedeutet.

"Wir haben keine Erkenntnisse darüber, wer bei den Smileys Verursacher ist und welche Bedeutung die Smileys haben", so eine Sprecherin der Stadt auf ka-news-Nachfrage. Wäre der Verursacher der Smiley-Aktion bekannt, würde die Stadt angesichts der Vielzahl der Aufkleber Strafantrag wegen Sachbeschädigung stellen, erklärt sie auf Anfrage von ka-news weiter. 

Smileys in Karlsruhe
Viele Teile in der Nordweststadt sind Tempo 30-Zonen, an vielen Stellen sind dort die gelben Smileyes zu finden. | Bild: Lukas Hiegle

Aufkleber mit Nazi-Symbolen beispielsweise, werden sofort entfernt, sobald die Stadt Kenntnis davon bekommt. Wer beim Anbringen von Klebern oder ähnlichem erwischt wird, dem drohen übrigens hohe Bußgelder. Wer auch immer hinter den Smiley-Aufklebern steckt, sollte sich also besser nicht erwischen lassen.

Auf Spurensuche in der Nordweststadt

Der Karlsruher Thomas Steg hat die ka-news-Redaktion ebenfalls auf die gelben Lachgesichter aufmerksam gemacht. Er hat auf der Suche nach den Smileys eine Schnitzeljagd gemacht und ist dabei auf über ein Dutzend Exemplare gestoßen. Nach einiger Zeit machte Steg dabei eine interessante Entdeckung und glaubt den Hintergrund der lachenden Gesichter erkannt zu haben. Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen den Smileys und signifikanten Verkehrspunkten in Karlsruhe.

Smileys in Karlsruhe
Bild: Lukas Hiegle

Auch ka-news hat sich auf Spurensuche begeben und nach den gelben Lachgesichtern Ausschau gehalten. Beide Leser berichten von Smileys im Bereich der Landauer Straße. Also geht es für uns in die Nordweststadt, wo tatsächlich die gelben Smileys auf vergleichsweise kurzer Distanz auf einem Mülleimer, einem Briefkasten, einer Litfasssäule, an Straßenschildern und einer Bushaltestelle angebracht sind.

Aufkleber an markanten Verkehrspunkten im Stadtgebiet

In einer Seitenstraße, inmitten einem Wohngebiet und einer Tempo 30-Zone, ist ein Schaltkasten mit der Aufschrift "Öffne Deine Augen" zu sehen. Gibt es einen Zusammenhang? Auffällig ist, dass die Sticker in hoher Dichte angebracht sind. Die meisten Straßen rund um die Landauer Straße sind Tempo 30-Zonen und damit signifikante Verkehrszonen. Auch die stark befahrene Kreuzung zur Neureuter Straße ist nicht weit.

Smileys in Karlsruhe
An der Ecke Madenburgstraße in der Nordweststadt ist ein Stromkasten mit der Botschaft "Öffne Deine Augen" beschriftet. Die Wohnsiedlung ist eine Tempo 30 Zone. | Bild: Lukas Hiegle

Auf dem Rückweg fallen rund 200 Meter vor der Ecke Adenauering/ Willy-Brandt-Allee ebenfalls gelbe Smiley-Aufkleber am Fahrbahnrand auf. An der Kreuzung steht schließlich eine fest installierte Blitzersäule. Auch die Stellen, an denen die beiden ka-Reporter die freundlichen Smileys entdeckt haben, sind Stellen in der Nähe von Blitzanlagen oder beliebten Punkten für stationäre Geschwindigkeitskontrollen. Damit bestätigt sich bei Rundfahrt der Redaktion der Eindruck, den Thomas Steg gewonnen hat.

Die gelben Lacher sollen Autofahrer vor Radarkontrollen warnen. | Bild: Lukas Hiegle

Ein Vergleich der Stellen, an der die Symbole zu sehen sind, mit einer Karte eingezeichneter Verkehrsmessanlagen brachte ihn darauf, dass die Emoijs mit dem Ziel angebracht wurden, vor temporären und fest installierten Radaranlagen zu warnen - getreu dem Motto: "Bitte recht freundlich", hier werden Autofahrer fotografiert.

Steg, der betont nichts mit der Verbreitung der Aufkleber zu tun zu haben oder den Verursacher zu kennen, hat eine Übersicht erstellt, wo Blitzer stehen und die Smileys zu finden sind. Oft liegen nur ein paar Meter dazwischen. 

 

Blitzerwarnungen aus dem Radio oder per App sind nichts Neues, versteckte Symbole in Form von Smileys allerdings schon. Was die tatsächliche Intention der Person hinter den mutmaßlichen Warnhinweisen ist, bleibt - wie der Verursacher selbst - unbekannt. Allen Autofahrern, denen bei ihrer Fahrt durch die Fächerstadt ein Smiley entgegen lächelt, sollten jedoch sicherheitshalber nochmal einen Blick auf die Tachoanzeige werfen und den rechten Fuß ein wenig entspannen.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet!

Mehr zum Thema: 

Akt der Freundlichkeit? Frage nach dem Hintergrund der Smiley-Aufkleber in Karlsruhe treibt die Diskussion an

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Kommentare (25)
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  •   Dude88
    (2 Beiträge)

    23.08.2018 15:16 Uhr
    Denkt hier einer positiv?
    Schon mal darüber nachgedacht dass es schlicht und einfach nur ums lächeln geht?
    Nachvollziehbar, wenn man die Verschwörungstheorien hier liest...
    https://www.instagram.com/stylee_mmi/
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  •   Waterman
    (6148 Beiträge)

    23.08.2018 14:59 Uhr
    Zur Entspannung: Die Broken-Window-Theorie
    2008 ein Versuch in den Niederlanden:

    In einem der Versuche hängte er Werbeflyer an die Lenker von Fahrrädern, die in einer Gasse in der Nähe einer Groninger Einkaufsstraße geparkt waren. Anschließend beobachtete er, wie viele der Zettel von den Besitzern auf den Boden geworfen wurden. Einen Abfalleimer gab es in der Gasse nicht. An der Wand machte zudem ein Schild darauf aufmerksam, dass Graffiti verboten seien.

    Im ersten Teil des Versuchs waren die Wände in der Gasse sauber. Im zweiten Teil des Versuchs hatte er die Wände mit Graffiti besprühen lassen – das Graffiti-Verbotsschild immer noch deutlich sichtbar. Waren die Wände sauber, warf nur jeder dritte Radfahrer den Zettel auf die Straße. Waren Graffiti auf den Wänden, waren es mit 69 Prozent mehr als doppelt so viele.


    Ganzer Artikel hier: Broken-Window-Theorie für Entspannte...
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  •   Der_dunkle_Turm
    (362 Beiträge)

    01.09.2018 21:15 Uhr
    je assiger ein Viertel,
    desto mehr Assis zieht es an. Insofern stimmt die broken window Theorie. Allerdings sehe ich im Stadtgebiet lediglich die Südstadt und Teile der Oststadt - leider - als Brennpunkte.
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  •   peddersenn
    (980 Beiträge)

    23.08.2018 15:47 Uhr
    nur....
    Nur ist eben ein Smilie-Aufkleber kein "broken window".
    Wer das als "Verwahrlosung" wahrnimmt, hat DEN Eindruck wohl auch bei ner rostigen Fahrradkette.

    Das mag bei Graffiti (und auch nicht jeder) der Fall sein. Oder bei KSC-Bäppern überall. Oder bei mit von Werbezetteln überfüllten Briefkästen. Oder an Straßenschilder getackerte Reklametafeln. Oder oder oder. Es gibt im Erscheinungsbild einer Stadt unzählige Faktoren (auch erlaubte) , die man als Verwahrlosungsanzeiger interpretieren könnte.
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  •   Waterman
    (6148 Beiträge)

    23.08.2018 16:20 Uhr
    Eben...
    die Dosis macht das Gift; oder hier die Menge.
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  •   betablocker
    (3498 Beiträge)

    23.08.2018 19:55 Uhr
    Ist ja
    bei wirklich allem so das inflationäres Aufkommen hat. Dafür sind die Menschen eben anfällig. Leben für Individualisten, das machen hier alle. zwinkern
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  •   DonHasi
    (912 Beiträge)

    23.08.2018 14:09 Uhr
    Ist das Kunst oder kann das weg?
    Natürlich, originelle Warnungen vor "Abzock-Automaten" der Stadt an die arbeitende Bevoelkerung sind "Sachbeschädigung". Verkotzte, vermüllte und von Hundekot verschissene Grünanlagen gehen so grad noch als Kunst durch und müssen deshalb nicht weiter beachtet werden. Wer so kleinkariert ist und sich an den biologischen "Trettminen" stört, möge doch bitte selbst Hand anlegen um die Störung im öffentlichen Raum auf eigene Kosten zu beseitigen.
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  •   Dude88
    (2 Beiträge)

    23.08.2018 13:19 Uhr
    Keep smilinG
    https://www.instagram.com/stylee_mmi/
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  •   peddersenn
    (980 Beiträge)

    23.08.2018 11:28 Uhr
    Also ich finds lustig.....
    Man kann sich natürlich über alles aufregen. Auch über Smilies. *
    Aber warum nimmt man die nicht als Anlass, mal wieder entspannter und fröhlicher durch den Tag zu gehen ? Und falls die Bäpper tatsächlich einen Zusammenhang haben mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen und da ihren Zweck erreichen (Verkehrsberuhigung) - was ist dagegen zu sagen? Mission erfolgreich abgeschlossen.

    Wäre das eine Aktion des Stadtmarketings, hätte das zigtausende gekostet und wäre nicht halb so lustig.

    Und nein, das ist m.E. NICHT vergleichbar mit ACAB, 1312 und anderem Schmierereien und der Vorwurf der Sachbeschädigung ist da völlig overdosed und spitzfindigst.

    *Wir hatten hier auch schon mal Damenbinden an den Straßenlaternen.
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  •   Jojoelgrande
    (6 Beiträge)

    23.08.2018 11:47 Uhr
    Eben!
    Ich finde auch, dass man das ein bißchen entspannt sehen sollte. Ich mache da mit meinem Sohn immer ein Suchspiel, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind.
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