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Karlsruhe Baustelle in der Tullastraße: Ersatzverkehr spaltet die Meinungen

Noch bis am frühen Montagmorgen werden die Bahnen im Karlsruher Osten durch Busse ersetzt. Auch Mitglieder der ka-news Redaktion nutzen für den Weg zur Arbeit diesen Service - mit gemischten Erfahrungen.

Florian Kaute, Redakteur

"Ich wohne in einer Entfernung zu meinem Arbeitsplatz, dass sich das Autofahren kaum lohnt. Daher bin ich täglich mit der Bahn oder mit dem Rad unterwegs - und so auch in den Faschingsferien. Natürlich sind Baustellen und Sperrungen immer mit Unannehmlichkeiten verbunden: Die Zeit für meinen Arbeitsweg hat sich verdoppelt! Aber ich wusste vorab Bescheid und konnte es somit einplanen.

Aber, das sollte man den Verkehrsbetrieben zugute halten: Der ausgeknobelte Schienenersatzverkehr hat funktioniert! Dank einer Vielzahl an Bussen, keine Ahnung wo diese zusätzlichen Busse samt Fahrer alle herkommen, wurde ich immer mitgenommen. Ab und an war es zwar etwas kuschelig im Bus, aber keineswegs überfüllt. Keiner wurde an der Haltestelle zurückgelassen. Und das auch bei unterschiedlichen Verbindungen und auf unterschiedlichen Linien: In dieser Woche war ich zwar zu den Pendler-Stoßzeiten, aber nie mit genau der gleichen Verbindung unterwegs.

Einige Fahrer hielten sogar abseits der eingerichteten Haltepunkte zusätzlich an, um herumirrende Fahrgäste aufzunehmen. Nur vereinzelt waren meine Verbindungen ein paar Minuten außerhalb des Fahrplans. Und das in einer Situation, wenn bestimmt nicht wenige Pendler aufs Auto umsteigen und die vollen Straßen sogar noch mehr verstopfen.

Im Vergleich zu manch anderen SEV-Aktionen scheinen die Verantwortlichen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. In meinen Augen geht das Konzept in diesem Fall auf. Ein Lob dafür!"

Schienenersatzverkehr in Karlsruhe
Schienenersatzverkehr in Karlsruhe | Bild: Florian Kaute

Julia Wessinger, Volontärin

"Als Berufspendlerin bin ich tagtäglich entweder auf mein Auto oder eben auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Meine Intention am vergangenen Montag: Heute fahre ich mit der Bahn - der Schienenersatzverkehr wird während der Faschingsferien schon klappen.

Leider wurde ich eines Besseren belehrt: Um kurz vor 10 Uhr standen in Durlach so viele Menschen an der Ersatz-Haltestelle, dass mir und den anderen Reisenden ziemlich schnell bewusst wurde, dass wir nicht alle in den nächsten Bus passen werden. Und das sollte auch genau so geschehen, denn der nächste Bus, der dort ankam, fuhr einfach an der Haltestelle vorbei.

Naja gut, dachte ich mir, das kann an einem Montagmorgen schon einmal passieren. Ich wartete auf den nächsten Bus, der dann rund sieben Minuten später kam und nach dem Einstieg natürlich so voll war, dass mit mir einige andere Personen eng aneinander gepresst im Bus stehen mussten. Immer noch dachte ich mir: Alles halb so wild, denn es scheint ja endlich mal wieder die Sonne.

Aber: Der Busfahrer, der wohl sehr schnell von A nach B kommen wollte, legte auf seiner Fahrt an der Durlacher Allee auf Höhe des Weinwegs eine Vollbremsung hin, um wohl nicht mit geschätzten 65 Kilometer pro Stunde geblitzt zu werden. Ich fiel in der Folge auf eine sitzende Frau und durfte mir zum krönenden Abschluss auch noch ihr genervtes Meckern zu meinem Sturz anhören. Klar, denn ich war ja selbst schuld, dass ich auf sie fiel.

Und das sollte es für diesen Tag noch nicht gewesen sein: Auf meinem Nachhauseweg (für welchen ich nach den Erlebnissen am Morgen mit Absicht einige Minuten mehr eingeplant hatte) musste ich an der Tullastraße die nächsten Wartezeiten in Kauf nehmen. Obwohl ich mich zunächst freute, dass mir dort einige Busse zur Verfügung standen, um an den Durlacher Bahnhof zu gelangen, musste ich trotzdem Angst haben, meinen Zug in Richtung Heimat nicht zu erreichen: Denn alle Busse, die an der Tullastraße standen, fuhren erst zirka fünf Minuten nach der angekündigten Abfahrtzeit los. Ich stieg also um zirka 18.55 Uhr in einen Bus meiner Wahl ein, um dann erst um 19.21 Uhr in Durlach wieder aussteigen zu können.

Hatte ich wohl einfach nur Pech und saß an diesem Tag in zwei "Ausnahme-Ersatzbussen"? Ich weiß es nicht und freue mich deshalb einfach darüber, dass mein Kollege so viel bessere Erfahrungen mit dem SEV-Verkehr machen konnte als ich. Ich bin auf jeden Fall für die restliche Woche aufs Auto umgestiegen."

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  •   dipfele
    (4958 Beiträge)

    18.02.2018 19:12 Uhr
    Die VBK täten gut daran......
    ..... den Baustellenablauf insofern zu optimieren, dass ausschliesslich nachts und am Wochenede, dann rund um die Uhr- gearbeitet wird. Solche Totalsperrungen vergraulen die Fahrgäste. Das gilt auch für die DB. Früher wurde unter dem "rollenden Rad" die Gleise erneuert. Da haben die Fahrgäste nur in den Nachtstunden von den Baustellen was mitbekommen.
    In Durlach hätten die VBK ruhig die Bahnen bis zur Auer Str. laufen lassen und mit dem 2E verknüpfen können, quasi als Linie 8. Die lauten, Abgase verströmenden Busse durch die enge Altstadt waren eine Zumutung.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10712 Beiträge)

    17.02.2018 06:45 Uhr
    "diese zusätzlichen Busse samt Fahrer"
    die vielen Gelenkbusse kommen teilweise von den regulären Linien, wie z.B. der 47/55, auf denen wegen der Schulferien mit den kürzeren "kastrierten" Bussen gefahren wird.
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  •   dipfele
    (4958 Beiträge)

    18.02.2018 18:54 Uhr
    kamen auch von.....
    ..... Fremdfirmen, wie aus Pforzheim, Mannheim oder von diversen Busunternehmen aus dem Grossraum KA.
    Lediglich die SEV Linie 11 war mit VBK Bussen bestückt.
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  •   vordprefect
    (88 Beiträge)

    16.02.2018 14:54 Uhr
    Abends über eine Stunde gebraucht..
    ..von einem Ende Karlsruhes zum anderen (Neureuter Str - Durlach Auer Str), normalerweise geht das 20-30 Minuten kürzer. Es war nicht unbedingt der SEV, sondern der dermaßen schlecht abgestimmte Schienenverkehr in die Richtung.
    Außerdem sind viele Leute an der Tullastr. über die Fahrbahn gespurtet um Bahn/Bus noch zu kriegen, ohne über den Autoverkehr nachzudenken - ein Dank an die umsichtigen Autofahrer sonst hätte es hier einige erwischt.
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  •   dipfele
    (4958 Beiträge)

    18.02.2018 18:57 Uhr
    Das Überqueren der Fahrbahnen....
    ..... hätte durch Sipos gesichert werden müssen oder durch LZA. Am ersten Tag waren da auch "Info"-Leute da, die dann aber in den nächsten Tagen verschwunden waren.
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  •   Winston_Smith
    (445 Beiträge)

    16.02.2018 13:17 Uhr
    26 Min mit dem SEV von der Ersatz HS Tullastr. bis zum Durlacher Bahnhof?
    Das glaubt selbst der KVV Kritiker kaum zwinkern

    Ich hab aber was Feines: 4 Versuche diese Woche... 4x mit dem Bus an der Auer Str. ankommend (Tageslicht, jeweils großer Gelenkbus, also gut sichtbar). 4x ausgestiegen, und versucht, die an der HS wenige Meter entfernt wartende Bahn zu erreichen.
    4x gescheitert, da die Strombüx bei meiner Annäherung (und der anderer) sich wie von Geisterhand gesteuert in Bewegung setzte. Quasi verlässlich pünktlich auf die Sekunde.
    Sicher aber nur Zufall. Und sicher muss bei der kurzen Pendelstrecke die Abfahrtszeit pünktlichst auf die Sekunde eingehalten werden.
    grinsen

    Meine normal 10 min dauernde Fahrt mit der 2 verdoppelt sich durch 10 min Warten auf die nächste Strombüx - Ausnahme hin oder her. Die Bahn soll Alternative zum Auto sein. Das sind die Aktionen, die einen wieder aufs Auto umsteigen lassen.
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  •   fpfka
    (39 Beiträge)

    16.02.2018 13:02 Uhr
    " Ich fiel in der Folge auf eine sitzende Frau"
    Also ganz ehrlich: Wer in einem fahrenden Fahrzeug steht und sich nicht kräftig festhält, dem ist nicht mehr zu helfen. Völlig egal, ob das Fahrzeug auf Schienen oder auf Asphalt fährt.
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  •   dipfele
    (4958 Beiträge)

    18.02.2018 19:03 Uhr
    Aber es ist nicht zu leugnen....
    ..... das diese modernen VBK Busse eine Zumutung sind und die vielen Podeste auf den Radkästen allein schon bei Stillstand zum Fussverknaxen neigen. Das Gerüttel und der Motorenlärm tun ein übriges. Mit solchen Fahrzeugen werden sicherlich keine zusätzlichen Fahrgäste gewonnen. Selbst wenn die Schaukelei
    nix kosten würde.
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  •   andip
    (9224 Beiträge)

    16.02.2018 15:20 Uhr
    Kommt darauf an
    An den Haltegriffen an den Sitzen kann man sich noch so sehr festklammern, bei einer Vollbremsung kann man trotzdem ins Schleudern kommen. Liegt an den ungünstigen Hebelverhältnissen.
    Nur an den Haltestangen hat man einen halbwegs festen Halt. Aber die sind in den modernen Bahnen Mangelware.
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