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Karlsruhe Baustelle am Konzerthaus: Ist der Gleiswechsel wirklich notwendig?

Seit zwei Wochen erneuern die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) die Gleise zwischen der Beiertheimer Allee und der Haltestelle Volkswohnung. Eine unnötige Maßnahme? Ein ka-Reporter ist sich sicher, dass es den Austausch (noch) nicht gebraucht hätte.

Derzeit ruht der Bahnverkehr auf dem Bypass der Kaiserstraße, der Trasse zwischen der Karlstraße und der Rüppurrer Straße. Statt Bahnen sind in diesem Bereich Bagger unterwegs, die das Schienenmaterial aus dem Boden reißen und Platz für neue Gleise machen. Erst am 6. Mai, pünktlich zum "Baden-Württemberg-Tag" im Rahmen der Heimattage in Karlsruhe, sollen hier die Bahnen wieder fahren. ka-Reporter Ullrich Müller hat für die Baustelle allerdings nur Kopfschütteln übrig. 

Hätten die Gleise noch viele Jahre gehalten?

Müller, der nach eigenen Angaben lange Zeit als Bauleiter für ein Ingenieurbüro im Bereich "Gleisbau" tätig war, nennt die Baumaßnahme am Konzerthaus "unverständlich". Er fragt sich: "Warum wird hier Geld für Bauarbeiten ausgegeben, die eigentlich gar nicht nötig sind?" 

Die Gleisanlagen mit Pflaster seien immerhin noch in einem guten Zustand. Das gelte auch für die Gleise im Bereich der Hilfsbrücke. "Diese sind erst im letzten November eingebaut worden", schildert der ka-Repoter. Auch eine Weiche, die in der Baumeisterstraße eingebaut wurde und die Bahnen in die Ettlinger Straße geleitete, würde nun nach nur sieben Monaten Zeit im Betrieb wieder ausgebaut. Aber auch an anderer Stelle seien die Gleise noch ein einem Zustand, der noch mehrere Jahre Betrieb zugelassen hätte, ist sich Müller sicher.

Zu diesem Schluss kommt der ka-Reporter, nachdem er die ausgebauten Gleise vor Ort vermessen hat. So sei die Rillentiefe, in welcher der Spurkranz der Bahn rollt, von ursprünglich 42 Millimetern auf 32 Millimeter durch den Verschleiß geschwächt worden. Bis der Spurkranz (22 Millimeter) am Rillenboden aufläuft, gebe es nach Müllers Berechnungen noch zehn Millimeter "Luft".

Gleisbaustelle in der Billing-Anlage
Bis der Radkranz am Rillenboden des Gleises fährt, dauert es noch einige Jahre, sagt der pensionierte Bauleiter im Gleisbau Ullrich Müller. | Bild: Florian Kaute

"Wie meine Nachforschung ergab, wurden die Gleise in der Billing-Anlage Mitte der 1960iger Jahre verlegt. Wenn das also noch die Originalschienen sein sollten, sind die in 50 Jahren zehn Millimeter abgenutzt. Geht man davon aus, dass die Gleise während der 50 Jahre einmal ausgewechselt wurden, dann sind eben in 25 Jahren die Schienen zehn Millimeter abgefahren worden, da noch zehn Millimeter Luft ist und die Spurkränze nicht auf dem Rillenboden laufen, dürften die Schienen noch eine Restlebensdauer von 25 Jahren haben", erklärt Müller im Gespräch mit ka-news.

"Das ist die absolute Grenze"

Hätte man sich diese Maßnahme nicht sparen können und das Geld in andere Schienen-Bauprojekte stecken können? Nein, lautet die Antwort der VBK. Denn anders als der ka-Reporter sehen diese die Baumaßnahme als dringend notwendig an.

"In der Hermann-Billing-Straße fahren wir mit den Straßenbahnrädern fast auf dem Rillenboden auf. Das ist die absolute Grenze und erfordert deshalb aus Instandhaltungsgründen eine Erneuerung", erklärt VBK-Pressesprecher Nicolas Lutterbach im Gespräch mit ka-news. Auch die Weichen im Bereich der Haltestelle Konzerthaus und die Bogengleise bis zur Kreuzung Beiertheimer Allee seien am Ende ihrer Lebenszeit angekommen.

"Echte Schäden haben wir nicht, aber wir sind nahezu an der Verschleißgrenze angelangt", so Lutterbach weiter. "In diesem Fall wird die Strecke für den kommenden Umleitungsbetrieb zum Bau der Kriegsstraße (Anm. d. Redakton: gemeint ist die Kombilösung) fit gemacht."

Bauarbeiten kosten 1,7 Millionen Euro

Im Bereich der Kreuzung Ettlinger Straße müsse man tätig werden und das, obwohl erst im Zuge des Ausbaus der Hilfsbrücke an dieser Stelle neue Schienen verlegt wurden. "Da sich die Höhenlage des Gleises infolge der neuen Straße ändern muss, wird ein komplett neues Gleis mit neuem Unterbau als Betonplatte gebaut. In diesem Streckenabschnitt werden auch die letzten Überreste des bisherigen Gleisvierecks ausgebaut und durch die endgültigen, weitgehend geraden Streckengleise ersetzt", so Lutterbach weiter.

Die noch jungen Schienen an dieser Stelle auszubauen und wieder einzusetzen wäre zwar möglich gewesen - aber teurer als einfach neue Schienen zu verlegen, erklärt der Pressesprecher. Insgesamt bezahlt die VBK 1,35 Millionen Euro für diese Baumaßnahme, weitere 350.000 Euro kommen aus den Kassen der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) zu deren Leistungsbereich die Baustelle an der Kreuzung Ettlinger Straße und die Haltestelle Volkswohnungen gehören. 

Für Müller sind die Erklärungen der VBK nur bedingt schlüssig: "Der Gleisumbau kommt zu früh. Erst nach Feststellung des geplanten endgültigen Liniennetzes hätte man gegebenenfalls Hand anlegen können." Eine Antwort der VBK, wie der Stand der Planungen des endgültigen Liniennetzes ist, steht derzeit noch aus.

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Kommentare (41)
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  •   Malerdoerfler
    (4234 Beiträge)

    28.03.2017 21:18 Uhr
    Die VBK werden doch wissen was sie tun,
    oder?
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  •   rave...
    (65 Beiträge)

    29.03.2017 10:18 Uhr
    Nee, das weiß nur dipfele
    Schließlich hat er's mit seiner Kritik an "unnötigen" Baumaßnahmen der VBK jetzt endlich auch zu einem eigenen Artikel auf ka-news gebracht. (Sogar mit Photo zwinkern )
    Nachdem ihm schon beim Umbau der Durlacher Allee damals keiner zuhören wollte (es waren dort zwar nicht die Schienen selbst, sondern der Unterbau reperaturbedürftig, aber: so what?!)
    Und den (im Nachhinein tatsächlich unnötigen) Aufbau der OL-Masten in der Ettlinger Straße hat er hier ja auch gebetsmühlenartig angemahnt...
    Ebenso stört er sich (auch in diesem Artikel) ja nicht zum ersten mal am (ehemaligen) Gleisviereck in der Ettlinger-/Baumeisterstraße, wenngleich dieses auch einige Zeit genutzt wurde (in diesem Fall halt nicht die längstmögliche Liegedauer, aber es war halt dennoch erforderlich...)

    Also einfach merken: Wenn dipfele sagt, dass eine Baumaßnahme der VBK unnötig ist, dann ist das so!!!!!1einself!
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  •   dipfele
    (4636 Beiträge)

    31.03.2017 10:14 Uhr
    also in der Ettlinger Strasse....
    sind ungefähr 2 Mio verbraten worden weil in der Planfeststellung zur Südostbahn auf eine Gleisverbindung
    von der Phillip-Reis-Str in die Rüppurer Str. Richtung Tivoli verzichtet wurde und die jetzt für eine Mio wohl doch gebraucht wird. Alles hängt mit der nicht- Inbetriebnahme der Gleise in der Ettlinger Str. zusammen.
    SEV Bus und Bahnumleitungen durch die Rüppurrer Str. kosten eine Mio p.a.
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  •   dipfele
    (4636 Beiträge)

    28.03.2017 20:27 Uhr
    Die VBK begründen...
    .... ihre Massnahme damit, dass die Räder fast auf dem Rillenboden laufen, was nicht sein kann, denn die die Radreifen bestehen aus der Lauffläche mit einer Spurkranzhöhe von 25,5 mm. Und wenn der Spurkranz auf dem Rillenboden läuft ist die Fahrschiene soweit abgenutzt, dass eine Instandhaltung oder Erneuerung notwendig ist. Dieser Zeitpunkt ist durch jährliche Beobachtung festzustellen. Ausserdem haben ja die VBK selbst bemerkt, "echte Schäden haben wir nicht.". Wenn es keine Schäden gibt, hätte ja wohl eine Reparatur ausgereicht. Also wenn an einem Haus der Putz bröckelt, reisst man das Haus ja auch nicht gleich ganz ab.
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  •   Greif
    (1444 Beiträge)

    29.03.2017 16:40 Uhr
    und
    "fast auf dem Rillenboden" ist der Zeitpunkt, an dem reagiert wird, schließlich heißt es im Regelwerk
    "Sofern es zum Auffahren auf den Rillenboden kommt, ist das verminderte Bremsvermögen der Fahrzeuge zu berücksichtigen. " (TR Sp)
    Und den Schuh zieht sich keiner an, der weiß, zu welchen Verkehrssituationen es an der Tiefgaragenausfahrt Festplatz und der Gleisquerung Hermann-Billing-Straße kommt (wenn auch nur gelegentlich - aber einmal ist dann einmal zu viel)...
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  •   dipfele
    (4636 Beiträge)

    31.03.2017 10:16 Uhr
    die Bahnen dort....
    ..... fahren ja auch planmässig 60 km/h. Du hast noch nie ein schlechtes, aber befahrbares Gleis gesehen.
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  •   Greif
    (1444 Beiträge)

    31.03.2017 12:08 Uhr
    Aber...
    ich habe schon mehr als eine Schnellbremsung auf dem Rillenboden gesehen - und auch manche nachfolgende Diskussion mit Beteiligung der "Funken grün-weiß"...
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  •   Greif
    (1444 Beiträge)

    29.03.2017 13:16 Uhr
    man kann...
    (um mal im Bild zu bleiben) den Putz erneuern wenn er rissig ist - und oder erst wenn er abfällt und das Mauerwerk schon Feuchtigkeitsschäden abbekommen hat.
    Ob letzteres besser und billiger ist?
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  •   dipfele
    (4636 Beiträge)

    31.03.2017 10:07 Uhr
    aber....
    .... dann repariert man den Putz und reisst nicht das ganze Haus ab. Ich hab mir die Sache mal angesehen. Die Gleise ruhen auf einer Betontragschicht mit einbetonierten Pflastersteinen. Das Pflaster war absolut in Ordnung und sofern noch rekonstruierbar, die Schienen 10 mm abgefahren.
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  •   Bahnnutzer100
    (162 Beiträge)

    28.03.2017 14:41 Uhr
    Liniennetz nach Fertigstellung der Kombilösung
    Wen es jemand interessiert, hier ist das Liniennetz:

    http://www.diekombiloesung.de/kombiloesung/liniennetz.html

    Wer Zweifel hat, dass dieses Netz realisiert wird, der kann sich ja jetzt schon an die Gemeinderäte oder sonstigen Entscheidungsträger wenden und nicht nur meckern!
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