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Karlsruhe Badisches Staatstheater: 10 Jahre Bauzeit, bis zu 325 Millionen Euro Kosten

Soll das Badische Staatstheater über den Zeitraum von zehn Jahren und für bis zu 325 Millionen Euro saniert werden? Der Karlsruher Gemeinderat wird am Dienstag, 26. September, über diese Fragen entscheiden.

270 bis 325 Millionen Euro sollen die Sanierung und der Teilneubau des Badischen Staatstheaters kosten - bis die neuen Zahlen im Mai diesen Jahres an die Öffentlichkeit gelangten, lagen erste Kostenrahmen bei 125 Millionen Euro. Die Kosten sollen je zur Hälfte durch Stadt und Land getragen werden.

Sanierung belastet Haushalt mit bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr

"Nach der aktuellen Mittelabflussplanung würde der städtische Haushalt zwischen 2020 und 2026 jährlich mit acht bis zehn Millionen Euro belastet, zwischen 2027 und 2030 mit durchschnittlich 15 bis 20 Millionen Euro pro Jahr", heißt es in der entsprechenden Beschlussvorlage der Stadtverwaltung.

Und weiter: "Im Rahmen einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land wäre zu überlegen, ob eine gleichmäßigere Verteilung der städtischen Raten möglich ist." Die Mittel müssten dann gemäß dem Mittelabflussplan in den entsprechenden Haushalten bereitgestellt werden. 2,05 Millionen Euro seien bereits im Doppelhaushalt 2017/18 für die Sanierung eingestellt.

Die Gründe für die Kostensteigerung sind laut Stadt Karlsruhe und Ministerium die Baupreissteigerung, zusätzliche  Baumaßnahmen, die Gestaltung des Theatervorplatzes sowie "nutzerspezifische Kosten". Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst - als Vertreter des Landes Baden-Württembergs zweiter Träger des Badischen Staatstheaters - hat sich die Verlässlichkeit der Kalkulation sowie der neuen Planung durch ein externes Gutachten im Mai bestätigen lassen. Der Verwaltungsrat des Ministeriums hat sich bereits im Juli für die neue Planung ausgesprochen.

Bauzeit: 10 Jahre

Nach aktueller Planung sollen die Baumaßnahmen in drei Modulen und im Zeitraum von zehn Jahren erfolgen. Die Stadt möchte jedoch noch mögliche Zeiteinsparungen bei den einzelnen Modulen überprüfen. Der Theaterbetrieb soll bis zur Sanierung des Großen Hauses - bislang für 2027 angesetzt - gewährleistet sein.

 

Mit Sanierung und Umbau sollen die unterschiedlichen Sparten des Badischen Staatstheaters räumlich zusammengelegt werden: Die Probebühne für die Oper (aktuell Nancyhalle) und das Junge Staatstheater (aktuell Insel) sollen an den Hauptstandort verlegt werden. Weiterhin benötigt das im Jahr 1975 eröffnete Gebäude Modernisierung bei Akustik, Bühnentechnik, Brandschutz, Gebäudehülle und Technik. Der Entwurf stammt von den Wiener Architekten Delugan Meissl Wien mit Wenzel+Wenzel Karlsruhe.

Jetzt muss die neue Planung am Dienstag durch den Karlsruher Gemeinderat. Durch die Sanierung rechnet das Theater mit zusätzlichen Einnahmen von zwei Millionen Euro pro Jahr. Weiterhin sollen durch die klimagerechte Sanierung 570 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

FDP: Was spart die Stadt langfristig durch Sanierung?

Die FDP unterstützt eine Sanierung und Teilneubau des Theaters. Sie erkundigt sich in einem entsprechenden Anfrage nach den Gesamtkosten, welche die Stadt Karlsruher derzeit durch die Zusatzgebäude des Badischen Staatstheaters verursacht werden sowie nach den jährlichen Einsparungen, welche durch den Wegfall der Gebäude nach der fertig gestellten Sanierung eintreten.

Die Summe der Einsparungen würde weniger als 303.500 Euro jährlich betragen, geht aus der Stellungnahme der Stadt hervor, die Gesamtsumme ist flexibel, da noch einige der Flächen nach Auszug des Staatstheaters vom Gartenbauamt benötigt werden.

Grüne, GfK und CDU stellen Änderungsanträge

Die Grünen wollen weitere Kosten einsparen: Für das Sekundärdach soll die Option einer kostengünstigeren Lösung geprüft werden, weiterhin wollen sie den geplanten VIP-Bereich sowie die LED-Wand und die Monitore im Foyer streichen. Eine Verkürzung der Gesamtbauzeit - diese soll 10 Jahre betragen - befürworten sie nur, wenn dies ohne höhere Kosten möglich ist. Die CDU möchte in ihrem Antrag einen Kostendeckel von 300 Millionen Euro.

Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Karlsruhe (GfK) spricht sich gegen die Verwaltungsvorlage der Stadt Karlsruhe aus. Sie wünscht sich die Erstellung eines Worst-Case und eines Best-Case-Szenarios für die Finanzierung, die konkrete Höhe der Umplanungskosten im Falle der Umsetzung der Einsparungsliste sowie eine Vorschlagsliste für die Einsparungen beziehungsweise Streichung bei anderen städtischen Projekten. Darüber hinaus möchte die GfK erst eine Entscheidung in Sachen Badisches Staatstheater, wenn ihre Punkte erfüllt und ein Bürgerbeteiligungsprozess durchgeführt worden sind.

Die Stadt Karlsruhe will die Bürger mit "geeigneten Maßnahmen" umfänglich und fortlaufend informieren. Geplant sind Vorträge, Führungen durch das Haus sowie Informationen auf der Homepage http://sanierung.staatstheater.karlsruhe.de/. Zusammen mit dem Land will man zudem einen Bürgerforum durchgeführt werden. Ende Oktober sollen die Maßnahmen kommuniziert werden.

Aktualisierung, Mittwoch: Gemeinderat stimmt Sanierung zu

Die Debatte im Gemeinderat ging rund zwei Stunden, das Ergebnis war am Ende dann doch recht eindeutig: Das Badische Staatstheater in Karlsruhe wird umgebaut. Mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde dem Beschluss zugestimmt. Die Reaktionen der Stadträte reichten von der Kritik an fehlender Bürgerbeteiligung über Schock-Starre bis hin zum Raumsonden-Vergleich. Die Stimmen aus dem Rathaus gibt es im Artikel: Karlsruher Stadträte: Staatstheater-Umbau "ganz oder gar nicht"

 

Das ist geplant

Dateiname : Präsentation: Sanierung und Erweiterung Badisches Staatstheater
Dateigröße : 1.70 MBytes.
Datum : 25.09.2017 16:47
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (960 Beiträge)

    26.09.2017 17:39 Uhr
    Boahhh!
    " ...also 30 Mio € Belastung pro Jahr für die Stadt (und das gleiche dann nochmal fürs Land)."

    Das wäre ja mehr als die jährliche Instandhaltung der U-Strab. Und bei der haben sie ja schon zu knabbern.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (960 Beiträge)

    26.09.2017 17:40 Uhr
    Der U-Strab Haltestellen
    sollte es heißen.
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  •   lynx1984
    (3354 Beiträge)

    26.09.2017 08:53 Uhr
    Abriss und Neubau
    Neubau auf der grünen Wiese.
    Danach Abriss des bestehenden Theaters. Gibt eine super grüne Lunge Karlsruhes an der Stelle. Ersatzweise einige wenige gute Immobilen + kleinen Park. Die Immobilien wären dort hochlukrativ. Die Stadt könnte auf gute Geschäfte hoffen.
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    26.09.2017 13:28 Uhr
    wie willst du diesen Betonbunker
    abeisen, das kommt warscheinlich noch teurer
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    unbekannt
    (960 Beiträge)

    26.09.2017 17:36 Uhr
    "Abeisen" wohl weniger
    zwinkern
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  •   NeoTiger
    (725 Beiträge)

    26.09.2017 16:16 Uhr
    Nicht so schwierig
    Ist zwar größtenteils Stahlbeton, so dass man die Wände nicht einfach umstoßen kann, aber mit der Abbruchzange und etwas Geduld kriegt man das Ding schon klein. Als bombensicherer Bunker wurde das Ding nicht gebaut.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    26.09.2017 08:43 Uhr
    10 Jahre Bauzeit,
    da kann man nur noch lachen. Oder heulen. Wo werden wir wohl rauskommen? 15 Jahre und 500 Millionen?

    Wenn sie schlau sind stellen sie noch ein paar Blitzer mehr auf, die scheinen als Einziges in der Stadt gewinnbringend zu arbeiten.
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  •   Mondgesicht
    (2435 Beiträge)

    26.09.2017 08:23 Uhr
    Und was sagt die Linke?
    Hier wird eine kulturelle Einrichtung subventioniert, die eher von wohlhabenden Schichten genutzt wird und nur sehr wenig mit dem Wählerklientel der Linken zu tun hat. Eigentlich müsste ja nun von Linksaußen der Vorschlag kommen, wohlhabende Theaterbesucher stärker zur Kasse zu bitten, damit die Allgemeinheit nicht aus Steuergeldern die ganzen Sanierungskosten aufbringen muss.

    Wo bleibt denn der Aufschrei unserer Linken-Fraktion? Schweigen... Hat das mit einem künftigen Bundestagsabgeordneten zu tun? Da wäre ich doch mal auf eine Erklärung gespannt.
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  •   NeoTiger
    (725 Beiträge)

    26.09.2017 16:24 Uhr
    Preise
    Sitzkarten für eine Aufführung gibt es werktags ab 11 Euro (hintere Plätze). Da ist das Kino am ZKM deutlich teuer und du musst dich vorher noch durch eine halbe Stunde Werbung quälen.

    Alle Opern werden außerdem standardmäßig in hochauflösendem 3D aufgeführt und der Soundtrack ist absolute Hi-Fi Qualität.
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  •   andip
    (10706 Beiträge)

    26.09.2017 11:58 Uhr
    Die Behauptung
    dass nur Reiche und Konservative das Theater besuchen ist genauso unsinnig wie die, das weniger reiche und gar irgendwie Linke es nicht tun.
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