14  

Karlsruhe "Autofahrer-Paradies" Deutschland: Achtung Urlauber, im Ausland sind die Strafen für Verstöße deutlich teurer

Sommer, Sonne, Ferienzeit - und da gibt es kaum etwas Schöneres, als Urlaub zu machen. Mittlerweile fahren viele gerne in den Urlaub, auch mit dem eigenen Auto. Im Ausland sind Strafen für zu schnelles Fahren, Alkohol oder Telefonieren deutlich teurer - und reichen sogar bis zur Haftstrafe!

Wer mit dem Auto im Ausland unterwegs ist, sollte allerdings die Verkehrsvorschriften des jeweiligen Landes gut kennen. Denn Deutschland ist im Vergleich zu seinen Nachbarländern was das Strafmaß auf den Straßen angeht ein wahres "Autofahrer-Paradies" – Verkehrsverstöße werden im Ausland deutlich schärfer geahndet.

Wo sind die Bußgelder am höchsten?

Urlauber werden oft mit hohen Bußgeldern bestraft, wenn sie sich nicht an die Verkehrsregeln des jeweiligen Landes halten. In einigen Fällen drohen laut ADAC sogar Haftstrafen. Für Autofahrer, die betrunken am Steuer sitzen, zu schnell fahren oder am Steuer telefonieren, wird es demnach besonders teuer. In einer Presseinformation hat der ADAC einen Überblick über die wichtigsten Bußgelder in europäischen Reiseländern gegeben.

Die höchsten Bußgelder bezahlen Verkehrssünder in Norwegen, Schweden, den Niederlanden, in der Schweiz und in Italien. Wer etwa das Tempolimit um 20 km/h überschreitet, muss in Norwegen mindestens 375 Euro bezahlen, in Schweden 250 Euro und in Italien 170 Euro. Das Verwarnungsgeld in Deutschland für einen vergleichbaren Verstoß fällt mit 35 Euro eher gering aus.

Geld
Im Ausland muss man tief in die Tasche greifen, wenn man sich nicht an die Verkehrsregeln hält. | Bild: Julia Wessinger

Die Promillegrenzen

Besonders streng wird das Fahren unter Alkoholeinfluss geahndet, vor allem in Italien: Bei 1,5 Promille im Blut kann die Polizei das Fahrzeug enteignen, wenn Fahrer und Halter identisch sind. Außerdem kann es dann zu einer Zwangsversteigerung des Fahrzeugs kommen. In Dänemark besteht eine ähnliche Regelung ab 2,0 Promille. In Spanien droht dem Fahrer ab 1,2 Promille eine Freiheitsstrafe, in Schweden sogar schon bei 1,0 Promille und dazu noch ein 24-monatiges Fahrverbot.

Alkohol am Steuer
Wer Alkohol am Steuer trinkt, den erwartet in vielen Ländern nicht nur eine Geldstrafe. | Bild: pixabay.com@Pexels

Telefonieren und Falschparken

Wer ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, bezahlt in den Niederlanden 140 Euro Bußgeld, in Italien 160 und in Dänemark 200 Euro. 

Auch Falschparken wird in mehreren Ländern mit relativ hohen Bußgeldern bestraft. In Spanien wird dies mit 200 Euro besonders kostspielig. In den Niederlanden kostet es mindestens 90 Euro und in Norwegen 80 Euro. In Deutschland geht es bei 10 Euro los.

Handy am Steuer
Wer sich auf sein Handy konzentriert statt auf den Verkehr, riskiert nicht nur sein eigenes Leben. | Bild: petto123@pixabay.com

Verstöße werden verfolgt

Ab einem Betrag von 70 Euro werden unbezahlte Strafen aus dem EU-Ausland hierzulande vollstreckt. Ausnahme ist Österreich: Hier beginnt die Grenze bereits bei 25 Euro. Für Verkehrsverstöße im Ausland gibt es laut ADAC keine Punkte in Flensburg. Ein von einer ausländischen Behörde ausgesprochenes Fahrverbot habe in Deutschland keine Auswirkung. Bei fehlerhaften Bußgeldbescheiden rät der ADAC, juristischen Beistand zu suchen und gegebenenfalls unverzüglich Einspruch einzulegen.

Wer Bußgelder sofort bezahlt, kann erhebliche Rabatte erhalten. Das sei vor allem in Spanien, Italien und Frankreich der Fall. 

Rettungsgasse bilden

Ebenfalls ist es wichtig, die Vorschriften zur Bildung einer Rettungsgasse zu kennen. Oft verstreicht wertvolle Zeit, bis Rettungskräfte nach Unfällen zum Einsatzort kommen. Laut ADAC wissen viele nicht, wie sie sich bei der Bildung einer Rettungsgasse zu verhalten haben und noch weniger bekannt dürften die Regelungen im Ausland sein.

In Deutschland muss bereits bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse gebildet werden, damit Rettungskräfte bei Unfällen schnell zum Einsatzort kommen. | Bild: ErS

In Deutschland muss bereits bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse gebildet werden. Auf Autobahnen und Straßen mit mehreren Fahrstreifen je Richtung weichen die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links aus. Fahrzeuge auf den übrigen Fahrstreifen orientieren sich nach rechts.

  • Österreich: Die Pflicht, eine Rettungsgasse zu bilden, besteht auf Autobahnen und Schnellstraßen mit mindestens zwei Fahrspuren je Richtung. Auf zwei- oder mehrspurigen Fahrbahnen müssen sich alle Verkehrsteilnehmer bereits bei stockendem Verkehr auf der linken Spur so weit links wie möglich einordnen. Alle Fahrzeuge auf den anderen Spuren orientieren sich so weit wie möglich nach rechts. Also analog zur deutschen Rettungsgasse.
  • Slowenien: Bei Stau muss für Rettungsfahrzeuge eine Fahrspur frei bleiben. Dabei gelten die gleichen Vorschriften wie in Österreich.
  • Schweiz: Die Bildung einer Rettungsgasse wird hier dringend empfohlen. Auf Autobahnen mit zwei Fahrstreifen sollte für Einsatzfahrzeuge eine Rettungsgasse in der Mitte der zwei Fahrstreifen frei bleiben. Bei drei- oder mehrspurigen Fahrbahnen sollte die Gasse zwischen dem linken und dem zweiten Fahrstreifen von links gebildet werden – analog zur deutschen Rettungsgasse.
  • Frankreich und Spanien: Eine vergleichbare Regelung wie in Deutschland gibt es nicht, allerdings muss Einsatzfahrzeugen eine Möglichkeit der Vorbeifahrt gegeben werden.
  • Tschechien: Auf Straßen mit zwei Fahrspuren verläuft die Rettungsgasse in der Mitte. Anders als in anderen Ländern muss bei mehrspurigen Richtungsfahrbahnen eine Gasse zwischen der mittleren und der rechten Fahrspur freibleiben.
  • Italien und Niederlande: Hier gibt es keine speziellen Vorschriften.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (14)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   AlterMann
    (78 Beiträge)

    12.08.2019 14:17 Uhr
    Mehr Kontrollen
    Höhere Strafen schaden aber dann meist denen die einmalig was tun.
    Denn die Dauer-Raser wissen wo kontrolliert wird und wo nicht bzw. tauschen untereinander aus wenn irgendwo eine Kontrolle stattfindet.
    Abhilfe wäre meiner Meinung nach eine deutlich erhöhte Zahl von Kontrollen. Und zwar auch an bisher unüblichen Orten und zu unüblichen Zeiten. Ich vermute dass es durchaus möglich ist den Bedarf an Personal und Ausrüstung durch die Bußgelder zu finanzieren.
    Ich denke da nur mal an "meinen" Kreisverkehr bei dem etwa jeder vierte beim Verlassen nicht blinkt. Bei 500 Nicht-Blinkern pro Stunde wären das 5000€, das reicht für ein paar Kameras und ein paar Angestellte die Aufgrund der Videos Bußgeldbescheide erstellen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Beobachter
    (92 Beiträge)

    12.08.2019 13:05 Uhr
    Keine Verhältnismäßigkeit
    Die strafen für Telefonieren etc. dürften ruhig das Doppelte betragen. Was im Vergleich zu anderen Ländern aber mer als hinkt:
    Die Strafen für das Fehlverhalten im schon fast kriminellen Bereich ähneln in ihrer Relation schon eher Belobigungen.
    Mit fünfzig mehr in der geschossenen Ortschaft und dafür 1 oder 2 Punkte und ein Fahrverbot von wenigen Wochen?
    Bei z.B. protzigem Posen, extremer Tempoüberschreitung, oder Promillezahlen im zweistelligen Bereich, zumal mit Unfallfolgen müsste
    der Einzug des Fahrzeugs obligatorisch sein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5776 Beiträge)

    12.08.2019 09:57 Uhr
    Darum
    lieber im schönen Deutschland Urlaub machen!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kritiker_2014
    (346 Beiträge)

    10.08.2019 17:09 Uhr
    Bußgelder
    sollten nach dem jeweiligen Einkommen berechnet werden.
    Jemand mit hohem Einkommen zahlt das aus der Portokasse.
    Bei Geringverdienern kann das schon weh tun.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (358 Beiträge)

    11.08.2019 17:26 Uhr
    Einkommen s abhängig ist aber viel extra Aufwand
    das lohnt sich bei so vielen Vergehen nicht, man könnte vielleicht die gnanz krassen Sachen mit rein nehmen aber sonst führt das eher dazu das nicht mehr kontrolliert wird. (die Strafverfolgung kommt auch nicht an die Steuerdaten ran, wobei das einkommen auch nicht immer das reale wiederspiegelt)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5776 Beiträge)

    12.08.2019 09:58 Uhr
    Und beim Brötchenkauf sollte auch
    das Einkommen eine Rolle spielen? So ein Quatsch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   barheine
    (150 Beiträge)

    10.08.2019 10:24 Uhr
    Dementsprechend...
    ...verhalten sich Autofahrer hierzulande auch. Haben ja nichts zu befürchten, geschweige, überhaupt erwischt zu werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nico1966
    (355 Beiträge)

    10.08.2019 15:19 Uhr
    Dementsprechend...
    ? Nur die Autofahrer ? Denen stehen andere „ Verkehrsteilnehmer ” in nichts nach ! Das ist ein Mentalitäts-Problem nach dem Motto : Hoppla , hier komme ich , die Anderen haben sich nach mir zu richten ....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5776 Beiträge)

    12.08.2019 10:00 Uhr
    Die Strafen in Deutschland könnten in einigen Punkten
    schon härter sein - aber ich glaube das ist ein Grundproblem in Deutschland.

    Wobei nicht alle Vergehen (rote Fußgängerampel in der Nacht ohne Verkehr) für alle Verkehrsteilnehmer verständlich sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   jagehtsnoch
    (48 Beiträge)

    10.08.2019 08:50 Uhr
    Deutschland will ja auch im Gegensatz zu den anderen Ländern nur abkassieren
    "Denn Deutschland ist im Vergleich zu seinen Nachbarländern was das Strafmaß auf den Straßen angeht ein wahres "Autofahrer-Paradies" – Verkehrsverstöße werden im Ausland deutlich schärfer geahndet."
    Ist ja auch logisch.
    Die anderen Länder wollen mit ihren Strafen ja auch verhindern, das zu schnell oder betrunken Auto gefahren wird, oder bei 180 telefoniert wird.

    In Deutschland will man die Vergehen nicht verhindern, sondern die Einnahmen maximieren, nach dem Motto "die Strafen dürfen nur so hoch sein, das genügend AutofahrerInnen sich das Risko leisten können"

    Die Einnahmen aus Verkehrsvergehen und Ordnungswidrigkeiten sind schließlich fester Bestandteil der jährlichen Budgetplanungen.
    Würde Telefonieren beim Autofahren zB 5.000€ kosten, was schätzen Sie, wer das noch riskieren würde?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.