23  

Karlsruhe Ausschreitungen bei Pokal-Derby: Böller und Raketen waren "gezielt vorbereitet und organisiert"

Böller auf Beamte und Leuchtsignalrakete gegen einen Polizei-Hubschrauber - am vergangenen Mittwoch kam es beim Pokal-Derby des Karlsruher SC gegen den SV Waldhof Mannheim vor dem Spiel zu Ausschreitungen rund um das Stadion und in der Innenstadt. Das sei eine neue Form der Fan-Gewalt gegen die Polizei, heißt es im Gespräch mit ka-news.

Knapp 14.000 Fans waren am Mittwoch im Wildparkstadion, rund 1.000 Polizisten deswegen im Einsatz. Schon frühzeitig haben die Beamten verstärkt für Sicherheit gesorgt. Das Derby wurde zum Hochrisikospiel erklärt, da beide Fanlager als verfeindet gelten. Zudem hat sich die Polizei im Vorfeld an die Anhänger gewandt, um Provokationen und Konfrontationen vorzubeugen. Daher wurden auch rund um das Stadion Absperrungen aufgebaut, um Heim- und Auswärtsfans voneinander zu trennen. 

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, schon bei der Anreise kam es zu den ersten Zwischenfällen, nicht nur durch Gästefans. Während laut Bundespolizei die Fahrt in den teilweise eingesetzten Sonderzügen ruhig verlief, flogen bei Ankunft am Bahnhof die ersten Böller. 

Leuchtrakete und Böller gezielt auf Beamte geworfen

Gleichzeitig war es auch beim Aufmarsch der Karlsruher Fans vor dem Wildpark unruhig: "Aus dem Fanmarsch wurden gezielt Böller auf die Beamten geworfen", sagt Frank Otruba, Pressesprecher der Polizei Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news. Aus dieser Menge heraus wurde dann auch auf den Polizei-Helikopter, der über dem Wildpark kreiste, geschossen.

Bild: Thomas Riedel

"Eine Leuchtsignalrakete wurde abgefeuert. Sie ist nicht mit einer normalen Silvesterrakete zu vergleichen", so Ortuba. Denn: Je nach Munitionsart steigt eine Signalrakete bis zu 300 Meter hoch, um so auf eventuelle Seenot oder einen militärischen Angriff aufmerksam zu machen. "Die Rakete war auf der Höhe des Hubschraubers. Er wurde glücklicherweise nicht getroffen, aber es ging in die Richtung des Helikopters!" 

Der Einsatz von Böller und Signalrakete waren zeitlich abgestimmt  - "Da sieht man, dass sie teilweise gezielt vorbereitet und organisiert waren." Eine solche Attacke auf die Beamten war auch für Otruba neu.

Gezielter Einsatz von Böller und Rakete

Leuchtsignalraketen, wenn sie abgefeuert wurden, sinken langsam ab, vernebeln die Sicht mit Leuchtfeuer - logisch, denn in ihrem ursprünglichen Zweck sie soll so lange wie möglich sichtbar sein und aufmerksam machen. Signalpistolen zählen waffenrechtlich zu Schusswaffen und unterliegen daher dem Waffengesetz. Daher ist sowohl für den Besitz eine Waffenkarte notwendig, für das Führen einer solchen Pistole ein Waffenschein. Meist werden die Signalpistolen auch für Sport- oder Berufsschiffer genehmigt.

Mit Sprengstoffhunden Stadion abgesucht

Um solche Aktionen wie Böllerwürfe auf Beamte im Stadion zu verhindern, oder das Bengalos gezündet werden, laufen Polizisten vor dem Spiel die Umgebung des Stadions ab - mithilfe tierischer Spürnasen. "Mit Sprengstoffhunden sind wir am Mittwoch gegen 13 Uhr das Stadion abgelaufen und haben im Vorfeld des Spiels eine große Plastiktüte mit Pyrotechnik gefunden - im Bereich des KSC-Fanblocks", so Otruba weiter.

Vor jedem Spiel, und vor allem vor den Risikospielen, wird die nähere Umgebung des Stadions auf Pyrotechnik kontrolliert. Trotzdem ging im Fanblock des KSC ein Böller hoch, ein zweiter folgte kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit bei den Waldhof-Fans.

Drei Karlsruhe-Fans wurden noch vor dem Stadion festgenommen. "Bei ihnen wurde Pyrotechnik gefunden. Ob sie aber etwas damit zu tun haben, wird derzeit noch ermittelt", sagt Frank Otruba gegenüber ka-news. ka-news hat die Supporters des KSC, dem Dachverband der Karlsruhe-Fans, zu den Vorfällen am Mittwochabend angefragt: Bisher steht eine Antwort aus. Generell distanziert sich die Fanvereinigung von Gewalt.

Bild: Tim Carmele

Trotzdem zog die Karlsruher Polizei ein recht positives Fazit des Großeinsatzes beim KSC-Spiel: "Ich bin froh, dass die betroffenen Polizeibeamten nur leicht verletzt wurden und ihren Dienst zunächst fortführen konnten. Auch gelang es unseren Anti-Konflikt-Teams deeskalierend auf die Fangruppen einzuwirken. Unser Ziel der strikten Fantrennung ist erreicht worden", sagt Einsatzleiter Lutz Schönthal im Pressebericht der Polizei kurz nach dem Pokalspiel.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (23)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    22.04.2018 00:51 Uhr
    Man sieht
    eben gleich wer gedient hat und wer nicht. grinsen

    Jede fünfte im Gurt wars glaub.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Beiertheimer
    (1018 Beiträge)

    21.04.2018 10:50 Uhr
    Klarstellung
    Die Fallschirmsinalrakete der Klasse T2(Erwerb mit z.B. Sachkundenachweis im Sportbootführerschein See) hat eine Steighöhe von 300m. Diese Rakete kann von jedem genannten Inhaber gekauft werden wenn er eine Bedürftigkeit nachweisen kann z.B. mit dem Sportboot in der Adria unterwegs.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5596 Beiträge)

    21.04.2018 08:49 Uhr
    Idioten gibt es wohl immer.....
    .....aber warum lässt man die einfach so lange gewähren und greift nicht härter durch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   teflon
    (2675 Beiträge)

    21.04.2018 09:07 Uhr
    Weil man gar nicht die rechtlichen Mittel dazu
    hat - das ist wohl die traurige Wahrheit. In Polen zB hat man dafür eigene, härter zugreifende Gesetze geschaffen und nur so kann man das Ganze etwas eindämmen. Ist wie Doping im Leistungssport - bekommt man ebenfalls nicht in den Griff -entweder das Ganze reinigt sich von selbst (was utopisch ist) oder es bleibt so wie es ist. Allerdings wäre der Staat gut beraten, die Einsatzkosten den Vereinen / der DFL zu belasten (wie in Bremen) - nur so zwingt man diesen Sport in die richtige Richtung . Vereine müssten dann ihr Hausrecht in den Stadien selber durchsetzen - das wird so teuer, dass es hier ganz schnell Lösungen geben wird. Ich bin mir zudem sicher, dass das auffällige Ges***el bei den jeweiligen Vereinen sehr wohl bekannt ist - nur wird das zB beim KSC durch die Supporters ganz offiziell gedeckt . Solange der Verein diese Sümpfe nicht selbst austrocknet, wird nichts passieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gast68
    (854 Beiträge)

    21.04.2018 07:13 Uhr
    Das ist dann
    wohl der "Mehrwert" des KSC .....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Lars01
    (115 Beiträge)

    20.04.2018 16:13 Uhr
    Was für ein Sport
    Was ist das für ein Sport, bei dem regelmäßig Tumulte entstehen und Menschen verletzt werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (1758 Beiträge)

    20.04.2018 16:24 Uhr
    Im Prinzip
    kann der Sportnjchts dafür. Das sind einfach nur gewaltbereite Verbrecher, die hier einen Freibrief sehen, um ihre aufgestauten Aggressionen und Minderwertigkeitskomplexe loszuwerden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Der_Sprayer
    (291 Beiträge)

    20.04.2018 17:46 Uhr
    Also doch
    konzentrierte Dummheit in großer Menge im Stadion.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi79
    (2767 Beiträge)

    21.04.2018 09:40 Uhr
    blödsinn
    der Anteil ist im Vergleich mit den meisten Straßen- und Volksfesten geringst. Verbietet endlich das Höpfner Burgfest, das Fest, Fasching und alles andere.... da ist es im Vergleich zum Fußball zu unsicher. Solche Feste müssen verboten werden, oder dem Veranstalter müssen die Kosten auferlegt werden. Ach ja... Alkoholverbot auf dem Höpfner Burgfest... grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   santana
    (1128 Beiträge)

    21.04.2018 11:41 Uhr
    Mir ist nicht bekannt,
    dass bei den von Ihnen genannten Festen ein Polizeiaufgebot von 1000 Beamten erforderlich gewesen wäre.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.