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Karlsruhe Aufklärung statt Bestrafung: Verkehrsbetriebe wollen jugendliche Schwarzfahrer mit neuem Projekt überzeugen, Fahrscheine zu kaufen

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) wollen mit dem Projekt "back2red" Jugendliche und Heranwachsende, die mehrfach als Schwarzfahrer aufgefallen sind, die Folgen ihres Handels aufzeigen. Hierzu gewähren die VBK einen Einblick in den Betriebsablauf. So sollen die Schwarzfahrer überzeugt werden, dass es besser ist eine Fahrkarte zu kaufen.

Rund 145,4 Millionen Euro hat der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) als verantwortliches Unternehmen für die Tarifstruktur des Karlsruher Nahverkehrs im vergangenen Jahr mit Fahrscheinen eingenommen. Zu wenig, um die gesamten Kosten für den Bus- und Bahnbetrieb, samt der nötigen Infrastruktur, zu bezahlen. Und dann kommt noch hinzu, dass rund zwei Prozent der über 170 Millionen Fahrgäste nicht für die Fahrt zahlen - sogenannte Schwarzfahrer.

Einem Teil der jugendlichen Schwarzfahrer will die VBK nun mit dem Projekt "back2red" erreichen. Der Name ist an eine entsprechende Kampagne des Unternehmens angelehnt, in der sich eine symbolische schwarze Spielfigur als Schwarzfahrer von der großen Gruppe der zahlenden, roten, Figuren entfernt.

"Jugendlichen und Heranwachsenden, die aufgrund von mehrmaligem Fahren ohne gültigen Fahrschein auffällig geworden sind, soll es im Rahmen von 'back2red' ermöglicht werden, einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise eines kommunalen Verkehrsunternehmens zu erhalten", formuliert das Unternehmen das Ziel.

Rollenspiel als Kontrolleur soll auf das Fehlverhalten hinweisen

Sechs Jugendliche haben sich Ende Oktober für das Projekt entschieden. Ihnen sollte nun vermittelt werden, dass es bei dem Fahrkarten-Preise auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen geht. Nachdem die Teilnehmer Einblicke in die Arbeit am Betriebshof West in der Wikingerstraße erhalten hatten, ging es in die Karlsruher Oststadt. Dort stand nach der Besichtigung des VBK-Fahrsimulators ein längeres Rollenspiel in einer Bahn auf der Agenda. In dessen Rahmen konnten die Jugendlichen einmal selbst in einer abgestellten Bahn in die Rolle eines Fahrschein-Kontrolleurs schlüpfen. Sie habe laut VBK dazu beigetragen, dass die Jugendlichen über das eigene Fehlverhalten nachgedacht haben.

"Die Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe ist eine sinnvolle Alternative zu den klassischen Arbeitsstunden, die die Jugendlichen sonst abzuleisten haben. Aus unserer Sicht ist es besonders nützlich, dass die Jugendlichen ein Bewusstsein dafür entwickeln können, wie ein Verkehrsunternehmen funktioniert und in welchem Rahmen ihr Vergehen steht", betont Dipl. Sozialarbeiterin Barbara Birg, die bei der Jugendgerichtshilfe der Stadt Karlsruhe arbeitet und die Jugendlichen bei dem Pilotprojekt vor Ort pädagogisch begleitete.

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Kommentare (39)
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  •   lynx1984
    (3053 Beiträge)

    12.11.2018 17:18 Uhr
    Im Ernst?
    Da denken sich studierte Sozialpädagogen aus, dass ein Bewusstsein bei straffälligen Jugendlichen für „die Sicherung von Arbeitsplätzen“ und in welchem Rahmen ihr Vergehen steht“ existiert. Ernsthaft?
    Wir haben es hier nicht mit ungezogenen Vorstadtkindern zu tun die ihren Spießereltern mal eines auswischen wollen, sondern sehr sehr häufig mit einem Personenkreis in dem die Eltern einen geregelten Tagesablauf nicht vorleben können und schon gar nicht einen Arbeitsplatz. Über gute Schulbildung brauchen wir erst gar nicht reden. Diese ganzen 6 Personen widmet man nun das Projekt und eine Pressemitteilung. Großartig.

    Wenn Arbeitsstunden vom Gericht angeordnet werden, dann sind diese auch abzuleisten! Sowas hier unterwandert den Charakter einer Strafe. Wenn es mit / beim KVV sein soll, dann Bahnen putzen!
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  •   kritiker_2014
    (322 Beiträge)

    12.11.2018 16:57 Uhr
    Jugendlichen und Heranwachsenden, die aufgrund von mehrmaligem Fahren ohne gültigen Fahrschein...
    sind Wiederholungstäter und gehören vor Gericht gestellt.
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  •   melotronix
    (2658 Beiträge)

    12.11.2018 08:04 Uhr
    wenn ich mir manche
    Youngsters in der Bahn anschaue...dann habe ich nicht viel Hoffnung, das der Geist ausreicht um Empathie zu entwickeln. Da glaube ich hilft bei diesem Klientel wirklich nur die harte Linie.
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  •   Kojak
    (135 Beiträge)

    11.11.2018 20:51 Uhr
    Ja, weiter so...
    Strafen sind doch absolut rechts und nazi. Viel besser sind Belohnungen. Fürs Schwarzfahren einen Tag bei den VBK, für Raub eine Jahreskarte Europapark, für Körperverletzung vier Wochen Karibik und für Mord eine Weltreise auf dem Kreuzfarhtschiff.

    Schönes modernes Deutschland...
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  •   melotronix
    (2658 Beiträge)

    12.11.2018 08:02 Uhr
    immer schön polemik
    und schwarz und weiss. Übertreiben und hetzen. Ja so seid ihr. Vorschläge...konstruktiv? Fehlanzeige. Da fehlts.
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  •   Karsten2010
    (148 Beiträge)

    12.11.2018 17:42 Uhr
    Was ist hier ...
    ... übertrieben und gehetzt ?! Mit Straftätern im Guten umzugehen, versuchen wir doch seit Jahrzehnten und das Gesindel tanzt der Gesellschaft immer mehr auf der Nase rum und lacht sich eins. Zum diesem speziellen Fall: Entweder die Leute können die Fahrkarte nicht bezahlen, dann fühlen sie sich ohnehin im Recht wenn sie sich etwas "erschleichen", was andere bezahlen können oder sie tun es aus reiner Ignoranz heraus. In beiden Fällen hilft Aufklärung gar nichts, der Mensch lernt nur durch Bestrafung. Wissen tut es jeder, dass der ÖPNV nicht umsonst ist.
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  •   motzki
    (703 Beiträge)

    12.11.2018 08:01 Uhr
    gerüchteweise...
    ...sollen vergewaltiger mit kondomen ausgestattet werden und einen strafbesuch im puff bekommen... (ironie off)
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  •   KFZfreak
    (131 Beiträge)

    11.11.2018 20:46 Uhr
    So etwas kann es nur
    in der links-grüne Traumoase namens Deutschland geben. Eine Aufklärung für Intensivtäter? Das kannte man bisher nur von Vergewaltigungen und Raubdelikten, dass der Staat und der Unternehmen mittlerweile nicht einmal mehr in der Lage sind, einfachste Straftatbestände zu ahnden ist eine Bankrotterklärung.
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  •   Malerdoerfler
    (4761 Beiträge)

    11.11.2018 20:40 Uhr
    Hat man schon mit einbezogen, dass
    die Jugendlichen ein Trauma bekommen könnten, wenn sie eine Fahrkarte ziehen?
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  •   ProKA
    (708 Beiträge)

    11.11.2018 21:15 Uhr
    Das Trauma
    bekommen diese Jugendlichen, wenn sie mal mit Arbeit in Kontakt kommen.
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