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Karlsruhe Auf den Spuren der Scheinanlagen aus dem Weltkrieg: Was wurde aus den Attrappen, die die Fächerstadt retten sollten?

Im Zweiten Weltkrieg wurden um Karlsruhe drei Scheinanlagen installiert, die Luftangriffe aus der Fächerstadt fernhalten sollten. Ziel war es, die Bomben so an unbewohnte Stellen im Wald zu lenken. Das hat zum Teil auch funktioniert. Heute sind die Scheinanlagen nur schwer nachweisbar. ka-news hat sich auf Spurensuche gemacht.

Anfang Oktober letztes Jahr berichtete ka-news über die Scheinanlagen der Luftwaffe im Hardtwald, die bei den Luftangriffen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg die Fächerstadt und andere wichtige Bombardierungsziele in der Umgebung vortäuschen sollten. Jetzt forscht ka-news weiter, um Näheres über die drei mit südamerikanischen Decknamen benannten Anlagen zu erfahren.

Norbert Prothmann von der "Forschungsgruppe Untertage" aus Stuttgart recherchiert bereits seit mehreren Jahren in Karlsruhe. Die Gruppe dokumentiert unter anderem Luftschutzanlagen und Bunker in der Region. Im vergangenen Monat hat er Standorte besichtigt, um nach Resten und Nachweisen von "Columbia", "Venezuela" und "Panama" zu suchen.

Übrig sind nur noch Reste und Ruinen

Im Hardtwald zwischen Ettlingen und Forchheim-Silberstreifen befinden sich mehrere Reste und Ruinen von Luftwaffenbunkern. Die einst imposanten Bauten sind verfallen, mit Draht versperrt und teilweise mit Moos bewachsen. Das Betreten ist verboten. Prothmann hat den Verdacht, dass zwischen diesen Bauten die Scheinanlage "Panama", die eine Industrieanlage vortäuschen sollte, hätte liegen können. "Auf jeden Fall wurde im Kriegstagebuch des Luftgaukommandos (LGK) VII eingetragen, dass 'Panama' bei Ettlingen liegt", sagt Prothmann.

Bunkeranlagen in Karlsruhe am 03.02.2019 in Karlsruhe {locationtaken, lctk}, Germany,GER, Europe
Norbert Prothmann | Bild: Tim Carmele

Im Wald bei Silberstreifen fand er einen gesprengten Mannschaftsbunker, der nicht zur Hardtwaldbatterie gehörte und auch sonst nicht dem Westwall zugeordnet werden konnte. Nach mündlichen Berichten hatte die Luftwaffe hier zumindest während des Krieges eine Radarstation betrieben. "Ob der Bunker zuvor für die Scheinanlage 'Panama' genutzt wurde, kann bis heute nicht abschließend beantwortet werden", so Prothmann.

Scheinanlage “Panama“
Gesprengter Mannschaftsbunker im Wald bei Silberstreifen. Der Bunker wurde möglicherweise für die Scheinanlage “Panama“ benutzt. Er gehört nicht zur Hardtwaldbatterie oder Westwall. | Bild: Norbert Prothmann

Spuren im Wald lassen auf Scheinanlage schließen

Auf der Spur der Scheinanlage "Venezuela", die durch Rodungen und eine Anlage von ferngesteuerten Lämpchen die Fächerstadt bei Nacht abgebildet hat, fuhr der Hobby-Historiker zum Campus-Nord, wo diese Anlage aufgebaut war. Der Campus ist umgeben vom Wald, durch den mehrere schnurgerade Schneisen durchlaufen. "Ich habe keine belastbaren Hinweise darauf, dass von der Anlage 'Venezuela' noch etwas erhalten ist, außer diese Schneisen im Wald", so Prothmann. Diese erkennt man zum Teil noch, auch wenn sie nur 1 bis 1,5 Meter breit sind und immer mehr zuwachsen.

Scheinanlage “Venezuela“
Schneisen im Wald bei Campus Nord, wo die Scheinanlage “Venezuela“ lag | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

In einer Aufstellung des Bundesvermögensamts aus der Nachkriegszeit sind Gebäude in der Nähe des Friedhofs von Friedrichstal gelistet, die keinen militärischen Anlagen in Karlsruhe zugeordnet werden können (Westwall, Luftverteidigungszone West oder Flak). "Es könnte daher sein", sagt Prothmann, "dass diese Gebäude zur Scheinanlage Venezuela gehörten. Die Gebäude wurden jedoch schon in der Nachkriegszeit entfernt und mit Wohnhäusern überbaut".

Heute Entlastungskanal, früher Panzerhindernis

Prothmann besuchte mit einem ortskundigen Bekannten zudem noch ein Gebäude an der Bahnlinie Durlach-Weingarten in der Nähe der Brücke über den Pfinz-Entlastungskanal. Der Kanal wurde in den 1930er Jahren gebaut und hatte neben der Vermeidung von Hochwassern auch eine militärische Funktion als Panzerhindernis. Es war aber leider nicht möglich, dieses Bauwerk neben der Bahnlinie einzuordnen, und ein potentieller Zusammenhang mit den Karlsruher Scheinanlagen wurde ausgeschlossen.

In der Waldstadt stand vor zirka 20 Jahren noch ein Bauwerk am Traugott-Bender-Sportpark, das der dortige Sportverein damals noch nutzte, das inzwischen aber entfernt wurde. Ein älterer Herr vom Verein hatte erzählt, dass das Bauwerk einmal zu einer Scheinanlage gehört hätte. "Für mich passt der Standort aber zu keiner der drei Karlsruher Scheinanlagen", erklärt Prothmann. "Vielleicht war an dieser Stelle eine Scheinwerferstellung der Karlsruher Flak gewesen. Wir haben keine Gebäudereste, keine Belege oder weitere Erkenntnisse, so dass ich diesen Fall zurückstellen muss, bis wir vielleicht eines Tages doch noch mehr dazu erfahren".

Aus einem Baggersee wurde vielleicht ein Hafen

Die Anlage "Columbia" sollte den Karlsruhe Rheinhafen simulieren und Prothmann vermutet, dass sie am Weingartener Baggersee gelegen hat, da es auch im Kriegstagebuch des LGK VII heißt, Columbia läge "zwischen Weingarten und Untergrombach, 9 km südwestlich Bruchsal, Ausrodung im Hardtwald und Hafenattrappe".

Scheinanlage “Columbia“
Der Weingartener Baggersee. Es wird vermutet, dass hier die Scheinanlage “Columbia“ war. | Bild: Norbert Prothmann

Mit ka-news zusammen fuhr Prothmann zum Baggersee bei Weingarten. Auf der Seite von Weingarten kommend befindet sich der Baggersee und ein Kiesstrand. Auf der anderen Seite des Sees liegt ein kleines Stück Wald – von hier aus hätte die Scheinanlage, falls sie tatsächlich hier lag – betrieben werden können. So würde sich die Lage dieses Baggersees dafür eignen, ein Hafengebiet zu simulieren.

Um eventuell eine genauere Lokalisierung der Scheinanlagen in und um Karlsruhe festzustellen, müsste man in Archiven recherchieren, ob Grundstücke in den in Frage kommenden Gegenden in der ersten Hälfte des Jahres 1940 vom Militär gekauft oder enteignet wurden.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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Kommentare (15)
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  •   NorbertP
    (2 Beiträge)

    08.02.2019 10:03 Uhr
    Viel heisse Luft?
    Man kann natürlich sagen, in diesem Artikel steht nicht viel drin. Die Idee war, den augenblicklichen Stand der Erkenntnisse zu den drei Anlagen zusammenzufassen, und auch eine kleine Reportage zu liefern, wenn ich Orte besuche, wo etwas von diesen Anlagen war oder gewesen sein soll. Die Forschung zu den ehemaligen Scheinanlagen, insbesondere den Nachtscheinanlagen, die sehr viel mit Lichttäuschung arbeiteten, liefert eben häufig auch das Ergebnis, dass davon nichts mehr zu sehen ist. Von vielen dieser Anlagen haben wir nicht einmal genaue Ortsangaben. Da sind die Schneisen im Wald und die Brücke über den Hirschkanal als Landmarken schon relativ greifbare Relikte. Bei etlichen anderen Standorten solcher Anlagen ist heute nur Wiese oder Ackerland zu sehen. "Zum Anfassen" gibt es bei diesem Thema sehr wenig. Der historische Hintergrund wurde im Artikel im Oktober beschrieben, der wurde natürlich nicht wiederholt.
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  •   redaktion
    (1062 Beiträge)

    08.02.2019 07:39 Uhr
    Danke für die Hinweise!
    Es war natürlich der Zweite Weltkrieg gemeint. Trotz größtmöglicher Sorgfalt entgeht uns leider manchmal ein Fehler, wir sind schließlich auch nur Menschen. Dennoch sollte es natürlich nicht passieren. Wir entschuldigen uns dafür und haben den Fehler natürlich inzwischen korrigiert.

    Grüße aus der Redaktion!
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  •   melotronix
    (2723 Beiträge)

    08.02.2019 07:36 Uhr
    viel Wind um nichts...
    grosser Artikel ...wenig Inhalt.
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  •   NorbertP
    (2 Beiträge)

    08.02.2019 10:30 Uhr
    Auf der Suche nach dem Nichts
    Die historischen Eckdaten hatte ja der Artikel im Oktober enthalten. Die Idee dieses Artikels war eine kleine Reportage mit Ortsterminen, die zeigt, dass man bei diesem Thema in vielen Fällen eben tatsächlich keine Relikte mehr findet. Da sind die Schneisen im Wald schon überdurchschnittlich konkret. Bei vielen anderen einstigen Standorten solcher Anlagen ist heute nur Acker oder Wiese zu sehen. Das mag für viele enttäuschend sein, auch bei uns im Verein finden einige Leute das Thema "Scheinanlagen" daher stinklangweilig. Aber auch das ist historische Forschung: Auf der Suche nach einer Illusion (die wurde ja produziert) vielleicht noch den Ort des Geschehens zu finden, sonst aber nichts. Von vielen damaligen Scheinanlagen kennen wir nicht einmal den genauen Standort.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10911 Beiträge)

    08.02.2019 07:33 Uhr
    @ka-news: was jetzt?
    "Aus einem Baggersee wurde vielleicht ein Baggersee"

    abends wird es dunkel und morgens hell.
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  •   redaktion
    (1062 Beiträge)

    08.02.2019 08:09 Uhr
    Tausche "Baggersee" gegen "Hafen"
    @Rundbau-Gespenst, @Stoffel, danke für die Hinweise, wir haben die Überschrift angepasst!

    Grüße aus der Redaktion!
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  •   KlausKalle
    (350 Beiträge)

    08.02.2019 07:25 Uhr
    Peinlich KA-News
    Es geht hier um den zweiten Weltkrieg. Im Artikel erwähnt ihr ja sogar das Jahr 1940...
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    07.02.2019 23:36 Uhr
    Jaja,
    die Bombennächte des ersten Weltkriegs, legendär...
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  •   Skudder
    (322 Beiträge)

    08.02.2019 07:01 Uhr
    Genau
    Die legendären Flächenbombardements, bei denen aus Unmassen von Doppel- und Dreideckern per Hand Bomben runtergeschmissen wurden...

    Übler Schnitzer.
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  •   felino
    (330 Beiträge)

    07.02.2019 23:31 Uhr
    sorry
    aber wir reden hier doch vom 2 WK
    aus dem Landesarchiv

    das sollte nicht passieren
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