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Karlsruhe Atommüll in Karlsruhe: Sind die rostigen Fässer auf dem KIT-Gelände gefährlich?

Auf dem Campus Nord des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) lagern mindestens 1.692 beschädigte Fässer mit Atommüll. Bisher wurden rund 20.000 der insgesamt etwa 65.000 Fässer auf dem Gelände kontrolliert. Knapp jedes zehnte wies dabei sogenannte "Korrosionserscheinungen" auf. Baden-Württembergs Umweltminister Untersteller zeigt sich davon jedoch wenig überrascht - den Schlüssel zur Lösung sieht er ohnehin in der Hand der Bundesregierung.

Recherchen der NDR-Produktion "Panorama" hatten zuletzt ergeben, dass auf dem Gelände der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe 1.692 beschädigte Fässer mit radioaktiven Stoffen lagern. Für den Betrieb dieses Zwischenlagers ist die "Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe Rückbau- und Entsorgung" (WAK) verantwortlich. Das Unternehmen hat die Zahl mittlerweile bestätigt.

Rückbau in Karlsruhe bereits seit über 30 Jahren

Die radioaktiven Abfallstoffe stammen aus dem Rückbau der Forschungseinrichtungen des früheren Kernforschungszentrums. Im Gespräch mit ka-news erklärt ein Sprecher der WAK: "In Karlsruhe werden ausschließlich schwach- bis mittelradioaktive Stoffe gelagert." Mit rund 65.000 Fässern sei das Karlsruher Lager das größte Zwischenlager dieser Art in Deutschland.

Mitverantwortlich dafür ist offenbar die deutlich nach hinten verschobene Inbetriebnahme des Endlagers "Konrad" in einem ehemaligen Erz-Bergwerk in Niedersachsen. Zuletzt war diese für 2022 geplant - doch dieser Termin gilt als ungewiss. Unterdessen läuft der Rückbau in Karlsruhe jedoch ungebremst weiter, ein Abtransport ins Endlager ist aber trotzdem nicht möglich. Der WAK-Sprecher erklärt gegenüber ka-news: "Der Rückbau ist bis Ende der 2020er Jahre geplant." Begonnen wurde er bereits in den frühen 80er Jahren.

Die WAK hatte bereits am Dienstag in einer Pressemitteilung erklärt: "Bei solch langen Lagerzeiten sind Korrosionsprozesse nicht auszuschließen." Unabhängig von den jüngsten Entwicklungen würden die Fässer laut WAK aber schon seit Jahren kontrolliert. Das Unternehmens erläutert weiter: "Mehr als 20.000 Fässer wurden - beginnend mit den ältesten - bisher kontrolliert. Weniger als zehn Prozent wiesen Korrosionserscheinungen auf." Diese Fässer werden, so die WAK weiter, "unverzüglich in größere Behälter gestellt, behandelt und bei Bedarf umgepackt." Bei den Kontrollen wird eine Gefährdung von Personal und Umgebung ausgeschlossen, heißt es weiter.

"Schacht Konrad zeitnah fertigstellen"

Für Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kommt die Entdeckung der beschädigten Fässer wenig überraschend. Er sagte laut Pressemitteilung: "Korrosionserscheinungen an alten Fässern haben wir erwartet, deshalb suchen wir gezielt danach." Entscheidend sei für ihn, dass von diesen keine Gefahr ausgeht: "Und das ist hier gewährleistet", stellt der Minister klar.

Tatsächlich spricht auch die WAK lediglich von Korrosionserscheinungen bei den beschädigten Fässern. Eine Kontamination nach außen sei dagegen nicht entdeckt worden. Dies sei eine entscheidende Feststellung, so der Minister: "Das heißt, dass keine Radioaktivität ausgetreten ist." Auch betont Untersteller, dass es sich bei den bisher als beschädigt geltenden Fässern ausschließlich um ältere Modelle handele. Seit 2004 werden die Behälter zusätzlich von innen beschichtet - diese "neuen" Fässer zeigten, so der Grünen-Politiker, bislang keine Auffälligkeiten.

Trotzdem drängt Untersteller auf das neue Endlager in Niedersachsen. Er sagt: "Die Suche und Behandlung von auffälligen Fässern ist sehr aufwendig. Der Bund muss dafür Sorge tragen, dass das längst überfällige Endlager Schacht Konrad zeitnah fertig gestellt wird."

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  •   Berndabcdef
    (743 Beiträge)

    21.11.2014 09:39 Uhr
    Es ist nicht mehr möglich Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
    Wenn etwas wirklich heikel und wichtig ist, kommt diese Meldung. Ich fühle mich verarscht.
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  •   guglhupf
    (311 Beiträge)

    19.11.2014 17:53 Uhr
    Macht auf die Tor
    Vielleicht hat Herr Marth noch ein Plätzchen in seinem Keller oder in der Garage um wenigstens einige aktive Fässer zu lagern.
    Dr. Willy Marth, Karlsruhe,
    war Executive Director MGRD/EFR, Kernforschungszentrum Karlsruhe GmbH und später Leiter der Stabsabteilung Finanzen/Controlling, Geschäftsbereich Stillegung nuklearer Anlagen im Forschungszentrum Karlsruhe GmbH.
    Und wird bis heute nicht müde die Kernkraft zu bejubeln und die Erfolge der "erneuerbaren" Techniken mies zu machen. Die BNN ist voll davon.
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  •   andi-b7
    (2964 Beiträge)

    19.11.2014 20:29 Uhr
    ach was ? die sind doch nicht gefährlich !
    die Erde ist eine Scheibe ,
    niemand will hier eine Mauer bauen ,
    Zitronenfalter falten Zitronen.......
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  •   sticker
    (47 Beiträge)

    20.11.2014 01:44 Uhr
    Zitronenfalter
    und Bananenbieger fressen krumme Bananen
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  •   Consigliere
    (342 Beiträge)

    19.11.2014 17:45 Uhr
    Unglaublich
    aber wahr, ich bin nicht gerade ängstlich aber bei solchen Tatsachen kann einem nur das Gruseln kommen.
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  •   mrwazoo
    (7 Beiträge)

    19.11.2014 15:52 Uhr
    im institut für transurane (ITU) in eggenstein-l "lagert" aber noch mehr...
    Trifft es zu, dass das ITU nach den bestehenden Genehmigungen u. a. mit
    180 kg Plutonium und 50 kg Uran-235 mit einer Anreicherung von bis zu
    93 % experimentieren darf und im neu geplanten Flügel „M“ zusätzlich
    der Umgang mit 80 kg hoch angereichertem Uran, 300 kg schwach ange-
    reichertem Uran und anderen toxischen und radiologisch gefährlichen
    Stoffen genehmigt werden soll?
    Es trifft zu, dass das ITU nach den bestehenden Genehmigungen mit 180 kg
    Plutonium und 50 kg Uran-235 umgehen darf.
    Nach Inbetriebnahme des Neubaus, der von seiner Auslegung her dem ak-
    tuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen wird, sollen radio-
    aktive Stoffe aus den älteren Bereichen des ITU in den Neubau verlagert wer-
    den. Danach ist vorgesehen, die zum Umgang genehmigten Mengen an Kern-
    brennstoffen und radioaktiven Stoffen im ITU insgesamt zu reduzieren und
    mittelfristig ältere Gebäude des ITU abzubauen. Es ist insbesondere nicht
    vorgesehen, eine Erhöhung der Kernbrennstoffmengen im ITU zu geneh
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  •   Brownie
    (922 Beiträge)

    19.11.2014 22:08 Uhr
    so langsam geht mir
    die unwissenschaftliche Panikmache, die unsachliche Argumentation und die generelle Anlehnung von Hochtechnologie ganz gewaltig auf die Nerven.

    Dem ITU sollte man das Budget verdoppeln und das Lager vervierfachen.
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  • unbekannt
    (266 Beiträge)

    19.11.2014 16:43 Uhr
    5 kg Plutonium reichen um 1 Atombombe zu bauen
    ein unvorstellbarer Skandal ist das was uns die CDU mit diesem Teufelszeug eingebrockt hat, damit kann man vermutlich mehrere Atombomben bauen, wenn man möchte...
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  •   sticker
    (47 Beiträge)

    19.11.2014 16:54 Uhr
    wir brauchen keine Atombomben
    wir kippen das Zeugs einfach in den Rhein...
    dann ist es irgendwann weg!!!
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  • unbekannt
    (266 Beiträge)

    19.11.2014 17:05 Uhr
    sticker
    darf ich fragen ob sie mehr zu der katholisch-konservativen Endlösung neigen? zwinkern
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