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Karlsruhe Areal hinter dem Hauptbahnhof: Rohbau nähert sich der Zielgeraden, Teile der ehemaligen Künstlerateliers werden saniert

Das "Filetstück" ist in Karlsruhe nicht ein Stück Fleisch von der Lende eines Tieres - so die Definition - sondern ein besonders begehrtes Grundstück. In diesem Fall ist es das Areal hinter dem Hauptbahnhof. Seit April 2018 wird hier kräftig gebaut, unter anderem soll das Internetunternehmen 1&1 hier ein neues Zuhause finden. Ein Wasserstandsbericht.

Lange wusste man bei der Stadt nicht, was mit dem sogenannten "Filetstück" hinter dem Hauptbahnhof passieren wird. Erst 2017 hat sich mit Ralph Dommermuth ein Investor gefunden, der das Areal südlich des Bahnhofs gekauft hat. Dann ging es schnell: Die Baustelle war schon Anfang 2018 eingerichtet und erste Vorarbeiten wurden geleistet. Mitte April wurde dann der Grundstein für die zwei neuen Gebäude gelegt.

Grundsteinlegung Hauptbahnhof Süd
Oberbürgermeister Frank Mentrup und die übrigen Projektbeteiligten beginnen die Arbeiten für ein zweiteiligen Bürokomplex | Bild: Felix Haberkorn

Auf einer Fläche von etwa 15.000 Quadratmetern werden unter der Leitung der SKET-Gesellschaft für Immobilienmanagement zwei zwölfgeschossige Bürokomplexe sowie eine Tiefgarage realisiert. Mieter der Gewerberäume sollen insbesondere Dienstleister aus der IT-Branche sein, allen voran der Internetanbieter 1&1. Nach Angaben der Immobiliengesellschaft sind bereits jetzt alle Büroräume vermietet.

Seit diesem "großartigen Anlass" im April, wie Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Grundsteinlegung sagte, hat sich rund um den Hauptbahnhof viel verändert.

Aufmerksame Beobachter werden festgestellt haben, wie schnell die beiden Türme in die Höhe gewachsen sind.

"Unsere Baustelle kommt gut voran und wir liegen voll im Zeit- und im Kostenplan", so eine Sprecherin des Bauunternehmens Diringer & Scheidel auf Anfrage von ka-news. "Die Rohbauarbeiten nähern sich dem Ende und die vorbereitenden Maßnahmen für die Fassade laufen!"

Rohbau 2019 fertig, Einzug 2020

Schon Ende Februar soll das östliche Gebäude im Rohbau fertiggestellt sein, das Gebäude West ist für etwa Ende April geplant. "Ab Ende Februar beginnen wir auch mit der Rohinstallation der Technik", heißt es vonseiten des Bauunternehmers weiter. Parallel zu den Arbeiten an den Bürogebäuden wird die Baugrube für die Erweiterung der Tiefgarage vorbereitet, ebenso für das Seminargebäude, in das die Deutsche Bahn einziehen wird. 

Entwurf Bürokomplex am Hauptbahnhof-Süd
Bild: Architekten Graf&Graf

Bis die Gebäude an die United Internet AG, also unter anderem 1&1, übergeben werden, dauert es noch. "Die Übergabe ist für Juni 2020 geplant und für die Flächen der Deutschen Bahn für Oktober 2020", so das Bauunternehmen Diringer & Scheidel gegenüber ka-news. Das ebenfalls neu errichtete Seminargebäude ist dann für Anfang 2021 geplant. 

Entwicklungsquartier Hauptbahnhof Süd
Die geplante Bebauung im Modell. | Bild: Graf

Verkehrsnetz muss angepasst werden

Dann wird auch etwas mehr Ruhe hinter dem Hauptbahnhof einkehren. "An die Fertigstellung der Gebäude Mitte 2020 angelehnt schließt sich auch die finale Gestaltung des Bahnhofsplatzes an", sagt die Stadt Karlsruhe gegenüber ka-news. Dann sind auch die Verkehrswege rund um den hinteren Teil des Hauptbahnhofs dran. "Die Maßnahmen im umliegenden Straßennetz und auf den übrigen Grundstücken in aktuell noch in der Planungsphase", so die Stadt weiter. Der Grund: Diese Arbeiten sind von den Bauarbeiten der beiden Bürogebäude abhängig. 

Erst im April 2018 wurde der Grundstein gelegt, nun ist der Rohbau fast abgeschlossen. | Bild: Thomas Riedel

Dann werden der südliche Bahnhofsvorplatz und die Parkplätze unmittelbar davor neu strukturiert. "Dazu läuft derzeit ein Planungswettbewerb für die Freiraum- und Verkehrsplanung", so die Stadt. Die Parkplätze sollen laut den Plänen der Stadt neu arrangiert werden. "Auf der Nordseite der Straße Hinterm Hauptbahnhof werden künftig westlich und östlich des Bahnhofsplatzes durchgehend Senkrechtparkplätze entstehen." 

Heizkraftwerk wird neue Kantine

Was Ralph Dommermuth als Investor ebenfalls gekauft hat, ist das alte Heizkraftwerk hinter dem Bahnhof.  "Das steht unter Denkmalschutz und wird von ihm saniert", erklärt die Stadt Karlsruhe. Ersten Planungen zufolge soll in diesem Gebäude eine Betriebskantine untergebracht werden. Zuvor war dort ein Teil der Künstlerateliers untergebracht, die im Zuge des Umbaus weichen mussten.

Im alten Heizkraftwerk soll eine Kantine entstehen. | Bild: Thomas Riedel

Dass sich nach Jahren des Wartens nun so viel tut hinter dem Hauptbahnhof lasst die Herzen bei der Stadt höher schlagen. "Wir freuen uns, dass im Laufe der Jahre an dieser prominenten Stelle repräsentative Gebäude entstehen, die den Stadteingang beziehungsweise das ganze Stadtbild aufwerten", heißt es aus der Stadtverwaltung gegenüber ka-news. Dabei seien es nicht nur ästhetische Aspekte, die hier im Fokus stehen. "Auch die ökonomischen Vorteile und ganz besonders der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen im Vordergrund!"

Mehr zum Thema: 

Entwicklung im Bahnhofsquartier: Muss sich (auch) das Verkehrsnetz verändern?

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Kommentare (47)
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  •   likeka
    (447 Beiträge)

    15.01.2019 15:04 Uhr
    Sparkassen-Informatik
    Die ehemalige Sparkassen-Informatik wird vom Regierungspräsidium Karlsruhe genutzt, meines Wissens als Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete bzw. für die zugehörige Verwaltung (Abteilung 9).
    Quelle

    Was ja wohl auch klar sein sollte ist, dass dm seine Standorte zusammenlegen möchte. Dann werden eben andere Flächen frei, anders geht das ja gar nicht. Was damit passiert wird man sehen, ich kenne nicht alle der (5-7?) Standorte, evtl. wird da ja auch was abgerissen und macht Platz für neues Gewerbe oder (je nach Standort) sogar Wohnen. Mir ist das übrigens ziemlich recht, dass dm vom Mieter zum Eigentümer wird (Standortsicherung)

    Warum sollte 1&1 weiterhin Mieter sein, wenn man in Zukunft das Geld "in der Familie" lassen kann? Immerhin ist das als Standortsicherung zu verstehen, wenn der Chef persönlich einen dreistelligen Millionenbetrag investiert.
    Was mit den alten Gebäuden passiert, ist allerdings spannend.
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  •   kommentar4711
    (2242 Beiträge)

    15.01.2019 15:16 Uhr
    Antwort auf "Sparkassen-Informatik"
    Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob die SI immer noch als Erstaufnahme genutzt wird, zum anderen war das ja auch aus der Not geboren und weil das Gebäude jahrelang leer stand. Und nur ein Beispiel.

    Ja, das dm das zusammen zieht sehe ich auch positiv, aber es wird dann eben einige Bestandsflächen geben die leer stehen. Und die Umwidmung zu Wohnraum macht aufgrund der Lage keinen Sinn.

    Der Auszug von 1&1 aus den Bestandsgebäuden wird für den Eigentümer sicher hart, in der Größenordnung wird es schwer Nachmieter zu finden. BTW: Auch das dort benachbarte Gebäude das von den Stadtwerken als Ausweichquartier genutzt wird könnte in absehbarer Zeit wieder leer stehen. Oder sind die Stadtwerke sogar schon wieder raus? Der SWR wird es ja nicht regelmäßig für Filmdrehs mieten.

    In Knielingen hat Siemens das Gelände 2 verkauft und will innerhalb von 10 Jahren alle eigenen Büros auf Gelände 2 umziehen, Eizo baut gerade in Rülzheim und zieht aus, auch hier droht mittelfristig viel Leerstand.
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  •   elisuS
    (180 Beiträge)

    16.01.2019 20:06 Uhr
    Am Hauptbahnhof steht
    auch das Gebäude der Aachene & Münchener Versicherung leer. Genauso das ehemalige A&O Hotel.
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  •   likeka
    (447 Beiträge)

    15.01.2019 16:29 Uhr
    Zustimmung
    Laut Internetseite des RP KA, ist dort die Abteilung 9 untergebracht. Da gab es lange Leerstand, jetzt aber wohl nicht mehr.

    Zur Umwidmung zu Wohnraum bei dm schrieb ich ja, dass ich nicht alle Standorte von dm kenne. Ich meine, da war mal von 5 Standorten die Rede. Klar, das meiste dürfte in Gewerbegebieten liegen. Die eigenwillige Konzernzentrale in der Carl-Metz-Straße wird man vermutlich auch nicht so einfach vermietet bekommen, ich würde da ja fast auf Abriss wetten.

    Bei 1&1 wird's echt hart. Den neuren Bau (von 2008?) östlich des "Hochauses" dürfte man wahrscheinlich etagenweise vermietet bekommen (wenn auch mit Leerstand). Ich kenne den Grundriss des Hochhauses nicht, aber ist das evtl. irgendwie in Wohnraum wandelbar (auch keine Ahnung ob baurechtlich möglich)?

    Das Stadtwerke-Ausweichquartier dürfte leerstehen. M.W. sind die SW fertig mit ihrer Sanierung, zumal der Nachbar KVBW in seinen Neubau (Ludwig-Erhard-Allee) gezogen ist. Inwieweit das alte KVBW-Gebäude genutzt wird?
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  •   kommentar4711
    (2242 Beiträge)

    15.01.2019 18:19 Uhr
    Antwort auf "Zustimmung"
    Eine Umwidmung zu Wohnraum sehe ich weder bei den dm noch bei den 1&1 Gebäuden. Schon alleine aufgrund der Lage. Aber auch der Zuschnitt dürfte nicht im Ansatz passen.
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  •   karlsruher1955
    (1166 Beiträge)

    15.01.2019 06:47 Uhr
    Genau
    Wer mietet denn Büroräume die es noch gar nicht gibt? Baron Münchhausen läßt grüßen
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    15.01.2019 07:10 Uhr
    Heutzutage
    sind Eigentumswohnungen verkauft, bevor auf dem Baugrundstück auch nur ein Grashalm angerührt wurde.
    Das ist bei der Vermietung von Büroräumen ebenfalls denkbar.
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  •   Weichei
    (289 Beiträge)

    15.01.2019 12:04 Uhr
    Die Grashalme
    nicht stoeren. Auf einer Wiese lebt es sich besser. Am Tag Sonnenschein bei Nacht der Sternenhimmel. Ich werde eventuelle Antworten die Worte wie Regen und Schnee enthalten nicht beachten.
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  •   MeisterProper
    (31 Beiträge)

    14.01.2019 22:02 Uhr
    Häßlich ...
    Ich finde, dass man dieser Stelle nicht hässlicher hätte bauen können. Gesichtslose und mit dem Lineal gezogene Büroarchitektur, die ich als abgrundtief unästhetisch empfinde (hässlich trifft es besser). Ist mir egal, da ich nur alle paar Wochen in KA bin, aber diese sinnentleerte Architektur hätte nun wirklich nicht sein müssen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    14.01.2019 22:50 Uhr
    Hinsichtlich
    maßloser Übertreibung in punkto Energieeffizienz in Folge von hektischem Ökoaktionismus sowie sich täglich ändernder Brandschutzvorschriften bleibt kein Geld mehr um ein Gebäude auch noch architektonisch ansprechend zu gestalten. Ausserdem gilt bei einem privaten Investor immer noch zunächst die Funktionalität und der frühestmögliche Punkt ab dems nix mehr koscht.
    Die leisten sich nicht den Luxus mit dem Geld so zu asen wie die öffentliche Hand.
    Für Hotelbauten gilt das gleiche. Einmalige Übernachtungsgäste oder Geschäftskunden brauchen Funktionalität, Sauberkeit und wenn möglich eine gescheite Hotelbar, wie der Kasten von aussen aussieht ist völlig wurscht.
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