Karlsruhe Areal am Hauptbahnhof: Künstler-Ateliers sind draußen, Umbau beginnt

Das Areal "Hinterm Hauptbahnhof" - auch "Filetstück" genannt - hat eine lange Geschichte. Über Jahre wurde gestritten, wie sich das Gelände aufwerten lässt. 2015 wurde dann beschlossen, dass die seit 1993 ansässigen Künstler das Areal verlassen müssen, ein Workshop wurde ins Leben gerufen. Was hat sich seither getan?

Es war ein Donnerschlag für die Künstler hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof: Im Juli 2015 entschied der Gemeinderat, dass die Tage für die Ateliers nach rund 20 Jahren endgültig gezählt waren. Damals wurde die Ateliersnutzung auf dem Areal wegen "schwerwiegender baulicher Mängel aus Sicherheitsgründen" beendet. Für die Künstler bedeutete die Entscheidung, dass sie das Areal verlassen mussten. 

Künstler ziehen gegen Entscheidung vor Gericht 

Heute - rund zwei Jahre nach dem Beschluss der Räumung - liegt dem städtischen Hauptausschuss der Schlussbericht zur Beendigung der Ateliersnutzung vor. Daraus geht hervor, dass nach und nach immer mehr dort ansässige Kunstschaffende das Bahnhofsgelände verließen. So hatten im März 2016 fünf Künstler ihre Räume der Stadt zurückgegeben, heißt es im Bericht.

Beim Großteil der übrigen Künstler war zu diesem Zeitpunkt die Räumung ebenfalls schon in Gange. Zur Unterstützung stellte die Stadt nach eigener Aussage auf dem Areal Container zur Verfügung, um die Entsorgung von nicht mehr benötigtem Inventar zu erleichtern.

Insgesamt verlief die Räumung der Künstlerateliers hinter dem Hauptbahnhof nach Einschätzung der Stadt recht friedlich. Zu größeren Zwischenfällen sei es nicht gekommen. "Lediglich bei einem Künstler musste die Räumung mit Hilfe des Gerichtsvollziehers durchgeführt werden, wobei diese dann auch in einer guten Art und Weise erfolgte," so die Stadt im Schlussbericht. Außerdem hatten zwei Künstler die Räumungsaufforderung gerichtlich prüfen lassen. Das Ergebnis: Das Landgericht Karlsruhe bestätigte laut Abschlussbericht den Beschluss der Stadt, beide Künstler mussten daher ihre Ateliers räumen. 

Workshop führt zu ersten Ideen für das Areal

In ihrem Abschlussbericht zieht die Stadt darüber hinaus ein Resümee zum Workshop "Rund ums Heizkraftwerk". Im Juli 2015 hatte der Gemeinderat nicht nur den Auszug der Künstler beschlossen, sondern auch entschieden, die Karlsruher Fächer GmbH mit einer Konzeption für die mögliche weitere Nutzung der Bestandsgebäude "rund ums Heizkraftwerk" zu beauftragen.

Beim einem Workshop arbeiteten Mitarbeiter der Verwaltung, Stadträte, ansässige Künstler, Architekten und Bürgervereine zusammen. Weiterhin war der Workshop offen für interessierte Bürger. Der Workshop war als zweizügige Veranstaltung angelegt: Nach einem ersten Rundgang wurde eine Ideenwerkstatt auf dem Gelände veranstaltet.

Dabei wurden beispielsweise für die sogenannte "Halle 4" (Kesselhaus) Nutzungsideen entwickelt. So werden in der Beschlussvorlage unter anderem ein Bürgerzentrum, Veranstaltungs- und Experimentierräume und auch Arbeitsräume für Künstler und Kreative genannt. Einige dieser Ideen - so wie etwa das Kunsthandwerkerzentrum - wurden nach Aussage der Stadt auch schon umgesetzt. "Es ist also möglich und absolut sinnvoll, einige Ergebnisse des Workshops in die Überlegungen für die zukünftige Entwicklungsflächen zu integrieren", resümiert die Stadt.

Investorensuche und erste Baumaßnahmen 

Wie die Stadt weiter mitteilt, waren zum Zeitpunkt des Workshops die Gespräche mit Investoren über den östlichen Grundstücksteil in vollem Gange. Inzwischen ist hier einiges klarer. "Seit Ende 2016 gibt es intensive Gespräche mit einem Investor, der großes Interesse an einer Bebauung von zirka 80 Prozent des gesamten Entwicklungsquartiers Süd hat, inklusive des Heizkraftwerkes", so die Stadt in ihrem Bericht.

Im April dieses Jahres wurde dann öffentlich verkündet, dass der Weg für ein IT-Bürogebäude der United Internet AG frei ist. "Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung setzt sich der Investor auch mit den städtebaulichen Fragestellungen rund um das Areal auseinander. Hier gibt es Berührungspunkte zu den Denkanstößen aus der Ideenwerkstatt", heißt es im Bericht.

Und es ist nicht das einzige, was sich sonst in Sachen Nutzung getan hat: Am Freitag, 7. Juli, genehmigte der Bauausschuss eine weitere Beschlussvorlage der Stadt, in der diese die Vergabe von Arbeiten zur "Erschließung Hauptbahnhof-Süd" beantragte. Konkret geht es hier um erste Baumaßnahmen im Bereich der Kreuzung Ettlinger Straße und Fautenbruchstraße. Diese soll für den aufkommenden Baustellenverkehr aufgerüstet werden. Zudem sollen provisorische Parkplätze hergestellt werden.

Dateiname : Ergebnisse der Ideenwerkstatt "Rund ums Heizkraftwerk"
Dateigröße : 145.37 KBytes.
Datum : 10.07.2017 15:11
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ka-news Hintergrund:

Seit 1993 befanden sich die Ateliers auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof. Der Umzug der Kreativschaffenden auf das alte Bahnhofsgelände vor 22 Jahren war ursprünglich eine Übergangslösung. Sie hatten ihre Ateliers auf dem Gelände des heutigen ZKM, welche sie für die Entstehung des Zentrum für Kunst- und Medientechnologie aufgeben mussten. Nun sollen sie wieder umziehen - das steht bereits seit September 2002 fest. Damals kündigte ihnen die Stadt Karlsruhe das Mietverhältnis.

Lange Zeit gab es eine"schwebende Räumungsvereinbarung". Für die Künstler bedeutete das: Sie konnten nur so lange auf dem Areal bleiben, bis der Gemeinderat die Räumung beschließt. Dieser Fall trat am 24. Mai 2015 ein. Grund waren Neubau-Pläne rund um das Bahnhofareal.

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