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Karlsruhe Ansprengung Marineschiff Karlsruhe: Was hat das mit der Stadt zu tun?

Vor mehr als 30 Jahren wurde ein Kriegsschiff der Marine auf den Namen Karlsruhe getauft. Im Herbst soll das Schiff angesprengt und mit Kanonen beschossen werden - und das zu Forschungszwecken. Politiker aus der Fächerstadt sehen da aber Probleme - vor allem in Hinblick auf den Namen und die dadurch entstandene Beziehung zur Stadt Karlsruhe.

1982 lief sie vom Stapel, von 1984 bis 2017 war das Marineschiff auf den Weltmeeren unterwegs. Im Einsatz war die 130 Meter lange Fregatte im Kalten Krieg. Letzten Sommer wurde sie dann aus dem Dienst genommen und liegt seither im Marinearsenal Wilhelmshaven.

Die Rede ist von der Fregatte Karlsruhe. An ihr sollen in diesem Herbst Ansprengungstests im Sperrgebiet Schönhagen vor der Ostsee-Küste durchgeführt werden. Der Grund: Die Bundeswehr will erproben, wie sich Sprengungen im Umfeld einer Fregatte auswirken. Und das, damit Schiff und Besatzung im Ernstfall besser für mögliche Angriffe oder Anschläge gewappnet sind. Insgesamt heißt es, dass dadurch die Sicherheit der Marinesoldaten verbessert werden könne.

Forschungsprojekt Thema im Karlsruher Gemeinderat

Das Forschungsprojekt beschäftigt aber nicht nur die zuständigen Behörden - sondern nun auch die Karlsruher Stadträte der Linken-Fraktion Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos. Die Fregatte war deshalb zuletzt Thema im Karlsruher Gemeinderat. In der entsprechenden Anfrage fordern die Stadträte einige Antworten auf Fragen. Fragen, die die Fregatte aufgrund ihres Namens in Beziehung zur Stadt Karlsruhe stellen.

Um genau zu sein, wollten die Karlsruher Linken zunächst wissen, ob die Stadt Karlsruhe die Auffassung, dass die geplanten Sprengexperimente den Namen der Stadt in einen Zusammenhang mit Rüstungsproduktion und Rüstungsgeschäft bringen. Die Verwaltung antwortete kurz und knapp: "Die Ansprengversuche dienen dem künftigen Schutz von deutschen Soldaten sowie dem Schutz deutscher Schiffe, nicht der Entwicklung von Waffen."

Eine ähnliche Antwort gab es in Bezug auf die Frage, ob die Fregatte durch das Projekt zum "Labor für Kriegseinsätze" werde: "Die Ansprengversuche dienen dem künftigen Schutz von deutschen Soldaten sowie dem Schutz deutscher Schiffe. Ein Labor für Kriegseinsätze kann hier nicht gesehen werden", heißt es in der Stellungnahme.

Schäden an der Meeresumwelt

Außerdem weisen die Linken in ihrer Anfrage auch auf die Befürchtungen des Naturschutzbundes Deutschland (NAB) Schleswig-Holstein hin, dass durch die Sprengexperimente an der Fregatte Karlsruhe schwere Schäden an der Meeresumwelt in diesem Gebiet entstünden. Die konkrete Frage: Hat die Stadtverwaltung dafür Verständnis?

Die Antwort: "Der Schutz der Umwelt ist ein wichtiges Gut." Die Karlsruher Stadtverwaltung habe in dieser Sache aber keinerlei Einfluss auf die Abläufe und vertraue deshalb auf das Verteidigungsministerium, das alle erforderlichen Maßnahmen getroffen habe. Darunter falle zum Beispiel die Einhaltung von Schon- und Schutzzeiten sowie die Beobachtung des Seegebiets. Außerdem werde das Gebiet nach der Sprengung abgesucht. "Sollte ein totes Meeressäugetier gefunden werden, wird das zuständige Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum informiert", heißt es abschließend.

Patenschaften in Zukunft noch denkbar?

Auf die von der Linken-Fraktion geforderte Distanzierung vom Projekt sowie von jeglichen Patenschaften mit Kriegsschiffen ist die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme nicht eingegangen. Sollte sich in Zukunft eine Möglichkeit ergeben, werde die Entscheidung über die Fortführung der Patenschaft durch den Gemeinderat getroffen.

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Kommentare (19)
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  •   myopinions
    (946 Beiträge)

    11.05.2018 10:04 Uhr
    ................hieße das Schiff
    allerdings "Hintergugelhapfing", würde kein Mensch hier daran Anstoss nehmen, dass damit zu Forschungszwecken experimentiert wird.
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  •   karlsruher1955
    (1162 Beiträge)

    11.05.2018 07:58 Uhr
    Ansprengung
    Was für ein Begriff. Die wollen Schiffe versenken spielen, sonst gar nichts. Aber wahrscheinlich hat die Bundeswehr noch nicht mal mehr Munition dafür diese Gurkentruppe von Flinten Uschi.
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  •   Waterman
    (6294 Beiträge)

    11.05.2018 05:24 Uhr
    Traditionen
    Die über 100-jährige Tradition der Verbindung der Fregatte und der Stadt Karlsruhe ist auch verbunden mit einer langen Zuneigung der Linken mit dem Fregattenthema.

    Interessant auch die Kommentare. Auch hier viel Tradition - nur einige Paten haben ihre Namen geändert.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (566 Beiträge)

    11.05.2018 01:05 Uhr
    Besser wäre es,
    die Karlsruhe bei uns in den Rheinhafen zu verlegen und in ein Museum umzubauen. Ist doch schade wenn das schöne Schiff beschädigt wird.

    Und zu den besorgten Linken, die sich mal wieder mehr um Ideologie denn um Nützliches kümmern: plustert euch doch nicht immer so auf.
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  •   ralf
    (3646 Beiträge)

    11.05.2018 02:37 Uhr
    Wie willst du das hier hin bekommen?
    Ein Tiefsee-Schiff wird man nicht einfach den Rhein raufschleppen können. Würde zumindest Kosten verursachen, welche nicht zu rechtfertigen sind. Also besser in der Ostsee versenken. Warum sich Die Linke über die Zerstörung von Kriegsgerät aufregt, verstehe ich gerade auch nicht.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (566 Beiträge)

    11.05.2018 16:54 Uhr
    Nach Speyer hat es sogar ein U-Boot bis ans Land geschafft.
    Gehen würde das schon, wenn man wollte.

    Aber das ist natürlich schon sehr aufwändig und war auch nicht so 100% ernst gemeint.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    11.05.2018 07:46 Uhr
    Da hast
    du recht. Man kann jetzt natürlich das eine oder andere Schiff zu Museumszwecken erhalten, aber eben nicht jedes.

    Allerdings wäre es gescheiter das Geld für solche Versuche ins Heer und die Luftwaffe zu stecken und dafür zu sorgen, dass das vorhandene und nicht gerade billige Gerät in einen brauchbaren Zustand zu versetzt wird. Die Marine ist jetzt nicht gerade die Waffengattung die zur Landesverteidigung benötigt wird.
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  •   Hollandkaese
    (88 Beiträge)

    10.05.2018 21:34 Uhr
    Ist das...
    ...lächerlich, so Anfragen zu stellen ist ja total peinlich für die Stadt Karlsruhe. Wie kann man als Stadtrat seine Stadt nur so blamieren?
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  •   Beiertheimer
    (1014 Beiträge)

    11.05.2018 11:46 Uhr
    Ist der Ruf erst einmal ruiniert
    beanfragt man ganz ungeniert.
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  •   malerdoerfler
    (5264 Beiträge)

    10.05.2018 20:33 Uhr
    'Unglaublich
    Es geht immer noch tiefer!

    Unglaublich!
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