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Karlsruhe Angst vor Verbrechern: Viele Karlsruher fühlen sich unsicher

Die Karlsruher fühlen sich in ihrer Stadt immer unsicherer. Das ist das Ergebnis der aktuellen Sicherheitsumfrage 2014 vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). Die Teilnehmer wurden unter anderem nach Plätzen in Karlsruhe befragt, die sie aus Sorge meiden. Wo fühlen sich die Karlsruher am unsichersten und warum? Und wie hat sich die Kriminalität in der Stadt seit der letzten Umfrage tatsächlich entwickelt?

Die Sicherheitsumfrage 2014 des Kommunalen Ordnungsdienst dokumentiert, wie die Karlsruher Bürger derzeit ihre subjektive Sicherheit einschätzen. So soll die Wahrnehmung von Straftaten und Ordnungsverstößen im Alltag untersucht werden.

Europaplatz - ein gefühlter Brennpunkt

Die neuesten Zahlen regen zum Nachdenken an: Es zeigt sich, dass das 2009 festgestellte hohe Sicherheitsempfinden in Karlsruhe so nicht fortbesteht und sich das wahrgenommene Sicherheitsniveau in vielerlei Hinsicht auf die Verhältnisse von 1999 zurückbewegt hat. Das geht aus der Bilanz für das Jahr 2014 hervor. Diese soll im nächsten Schritt dem Karlsruher Hauptausschuss zur Diskussion vorgelegt werden.

Wie aus dem Umfrageergebnis hervorgeht, fühlen sich 68,5 Prozent der Befragten in der Karlsruher Innenstadt bei Tag sicher. Nur 2,9 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Nachts fühle man sich in der City deutlich unsicherer: 37,2 Prozent geben an, dass ihnen der nächtliche Gang durch die Innenstadt nicht behagt - 47,5 Prozent fühlen sich "einigermaßen sicher", nur 15,3 Prozent sicher. Besonders gemieden werde, so die Bilanz, der Europaplatz - er gilt unter den Umfrageteilnehmern als besonders unsicher.

Karlsruher genervt von aggressivem Betteln

"Ich erlebe Ordnungsverstöße eigentlich immer, wenn ich in der Stadt unterwegs bin" - so die Aussage von 29 Prozent der Befragten. Ebenso viele Karlsruher erleben derartige Störungen alle paar Wochen einmal. Damit habe sich der Eindruck in Sachen Ordnungswidrigkeiten in der Karlsruher City gegenüber der letzten Umfrage vor rund fünf Jahren verschlechtert. Als besonders nervig nennen die Leute aggressives Betteln als Störung (56,3 Prozent).

In der eigenen Wohngegend fühle man sich zwar tagsüber zum Großteil (83,9 Prozent) sicher, in der Dunkelheit hingegen verspüren 20,4 Prozent der Menschen Unbehagen. Bei der Betrachtung des empfundenen Wandels im Sicherheitsempfinden fallen laut Umfrageergebnis die Stadtteile Oberreut und Südstadt auf, wo überdurchschnittlich viele Befragte eine Verbesserung der Sicherheit empfinden.

Angst entlang der Alb

Verschlechtert hat sich der Eindruck vor allem in Weiherfeld-Dammerstock - hier fühlen sich 52,9 Prozent der Menschen eigenen Angaben nach unsicher. Am häufigsten werden bei Dunkelheit Straßenbahnhaltestellen und schwach beleuchtete Wege entlang der Straßenbahnlinien als Grund dafür genannt. Auch auf Grünflächen, in Parks und angrenzenden Wäldern halte man sich hier nachts besonders ungern auf. Ob dies direkt mit der Erinnerung an den grausamen Mord an einer Mutter an der Alb im Dezember 2013 zusammenhängt, kann nicht dargelegt werden - eine Analyse liegt derzeit nicht vor.

Die letzte Sicherheitsumfrage wurde vor sechs Jahren in Auftrag gegeben. Damals fühlte man sich in Karlsruhe größtenteils sicher. Heute fühlen sich in Karlsruhe so unsicher wie zuletzt vor 16 Jahren. Womit hängt das zusammen? Genaue Auskünfte zur Ursache der negativen Entwicklung könne der KOD derzeit noch nicht geben, die Auswertung dauere an, heißt es auf Nachfrage von ka-news.

Kriminalitätsentwicklung: Das sagen die Zahlen

Vergleicht man jedoch die jährlichen Kriminalitätsbilanzen der Karlsruher Polizei mit den Ergebnissen der Sicherheitsumfrage, wird deutlich, dass die Zahl der Straftaten im Stadtgebiet in den vergangenen sechs Jahren gestiegen ist. 2009 zählte man insgesamt 62.939 Delikte - 2014 waren es 69.427 an der Zahl (2013: 68.147, +1,9 Prozent). "2009 hatten wir die geringste Kriminalitätsbelastung seit 1990", betonte Rudolf Kühner, der damalige Regierungspräsident.

Das beweisen auch die Zahlen: Während 2009 "nur" 401 Fälle von Raub und räuberischer Erpressung verzeichnet wurden, waren es im vergangenen Jahr 426. Besonders verschlechtert hat sich die Situation beim Diebstahl - hier ist die Zahl der Delikte in den letzten sechs Jahren von 23.803 auf 28.717 gestiegen. In Sachen Auto-Diebstahl geht die Kurve nach oben: Während 2009 1.528 Fälle untersucht wurden, waren es 2014 2.197. Leicht verbessert hat sich die Quote der Körperverletzungsdelikte. Vor sechs Jahren schlugen hier 5.462 Fälle zu Buche, 2014 waren es 5.358.

Das Ergebnis der Sicherheitsumfrage 2014 wird am Dienstag, 14. Juli, dem Karlsruher Hauptausschuss als Beschlussvorlage zur Diskussion vorgelegt. Die Sitzung ist öffentlich.

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