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Karlsruhe An alle auf der Straße: "Bitte lasst uns wieder in Harmonie fahren!"

"Ich bin ein freier Bürger in einem freien Staat und ein freier Bürger braucht freie Fahrt! Und erst ab 180 auf der Autobahn fühl ich mich richtig individuell, denn da gibst Du mir, was mir sonst niemand geben kann: Das Gefühl, ich bin ein ganzer Mann!" Schon die Band "Dorfcombo" hat Mitte der 90er Jahre des Deutschen liebstes Kind besungen: das Auto! Doch warum nimmt diese Liebe so dermaßen überhand, dass der geneigte Fahrer denkt, er sei allein auf dieser (Straßen-)Welt? Ein Kommentar von Anya Barros.

Über 45 Millionen Autos gibt es in Deutschland, rechnet man Laster, Anhänger und Co. mit, summiert sich das auf über 62 Millionen Zulassungen. Und die teilen sich den mehr oder weniger begrenzten Platz auf den Straßen der Republik. Dabei wird jede noch so kleine Lücke ausgenutzt, um schneller von A nach B zu kommen – mit teilweise mehr als fragwürdigen Methoden.

Über ein Jahr habe ich mich täglich mit dem Auto von Karlsruhe nach Offenburg gekämpft. Das sind pro Strecke 75 Kilometer, 45 Minuten Lebenszeit gingen pro Weg drauf und noch mehr Nerven. Ich habe versucht, die Sache entspannt anzugehen. Doch da wird gerast, gedrängelt und die Lichthupe betätigt – nach dem Motto "Jetzt bin ich da und das ist mein Platz!" Zumindest ist so mein Empfinden.

Auf den Straßen wird Macht demonstriert

Aber warum müssen einige Fahrer - ob männlich oder weiblich sei dahingestellt - auf der Straße ihr dickes Ego ausleben? Die vermeintlich (Über-)Macht demonstrieren, nur weil sie ein teures oder schnelles oder schickes Auto ihr Eigen nennen?

Die linke Spur blockieren und zwar dauerhaft, denn ja, auch das ist mein persönlicher Eindruck, solche Fahrer haben offensichtlich eingebaute Vorfahrt und - noch wichtiger - das eingebaute Recht auf freie Fahrt auf der linken Spur. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das auch durchgedrückt. Da hängt man dem Vordermann dann im Kofferraum, weil der im Berufsverkehr nicht schneller fahren kann. Frechheit, werden diese Fahrer bestimmt denken, denn es gilt ja "weg da, das ist meine Straße!"

Drängler
Autofahrer sollten sich von Dränglern nicht aus der Ruhe bringen lassen. | Bild: Marcus Führer/dpa

In meinen Augen hat das aggressive Fahrverhalten auf den deutschen Straßen mehr als zugenommen. Kaum einer möchte Platz machen, kaum einer lässt seinen Vordermann in Ruhe und kaum einer seinen Nebenmann einfädeln lassen. Das macht mich einerseits wütend, andererseits herrscht bei diesem Egoismus völliges Unverständnis bei mir.

Denn ich fahre nach dem Motto "Lieber fünf Minuten später ankommen, als gar nicht"! Es bringt doch nichts, am Beginn einer Baustelle die linke Spur nicht einfädeln zu lassen. Wo sind die guten Sitten? Das ist wie einer Dame die Tür aufhalten, "Hier, bitteschön, nach Ihnen gnädiges Fräulein". 

Wo kommt die Neugier her?

Die guten Manieren mal außer Acht gelassen, was hat es mit dieser Neugier einiger Verkehrsteilnehmer auf sich? Da vorne passiert ein Unfall und schon muss abgebremst und geglotzt werden? Oder noch schlimmer: Vergessen, wie man eine Rettungsgasse bildet, weil die menschliche Neugier befriedigt werden muss und somit die halbe Autobahn blockiert wird.

Man stelle sich nur vor, man selbst oder ein Familienmitglied hatte gerade einen schrecklichen Unfall. Wer will schon auf den sozialen Netzwerken Fotos oder Videos davon sehen? Oder der Krankenwagen, der nicht bis zur Unfallstelle fahren könnte? Leider vergessen so manche, was sie einst in der Fahrschule gelernt haben. Schade drum. 

"Bitte lasst uns wieder in Harmonie fahren!"

Dabei gibt es durchaus Gesetze, die alles vorgeben: Die Straßenverkehrsordnung regelt das Miteinander auf den Straßen. Dass wir höflich miteinander umgehen, auch wenn jeder in seiner eigenen Blechschüssel sitzt. Sie gibt uns vor, wie wir uns in Notfällen und gefährlichen Situationen verhalten sollen.

Ohne, dass wir selbst in Gefahr geraten. Sie zeigt uns auf, wo die Grenzen sind. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, uns wieder daran zu erinnern. Dass wir nicht allein auf diesem Planeten, in diesem Land und vor allem nicht auf diesen Straßen sind. 

Liebe Mitfahrer auf "meiner" Straße, bitte lasst uns wieder in Harmonie fahren. Für ein liebevolles und rücksichtsvolles Zusammenleben auf den Straßen dieser Republik. Schließlich haben wir alle nur ein Ziel: Gesund wieder zu Hause ankommen!

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Kommentare (12)
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  •   teflon
    (2724 Beiträge)

    01.03.2018 14:02 Uhr
    Ich fahre seit
    gut 17 Jahren jährlich > 75Tkm - auch in diversen europäischen Ländern bin ich dabei unterwegs. Die dt Autobahn ist gar nicht so wild, wenn man mit ein Bisschen Abstand zum Vordermann unterwegs ist , die verschiedenen Geschwindigkeiten als Unterschied wahrnimmt und beim Spurwechsel Blinker & Spiegel verwendet . Idioten , die extrem fahren, gibts überall - aber deutlich schlimmer finde ich, wenn Leute beim Spurwechsel einfach rausziehen+ das 1km vor dem Hindernis tun - einen LKW auf der linken Spur einer freien 3spurigen Autobahn mit 95 km/h überholen oder das Rechtsfahrgebot ignorieren (speziell Opa mit Hut beim Sonntagsausflug , der mit dem Benz und gewaltigen 100km/h die linke Spur blockiert) . Dazu kommen noch die Spritsparmoralapostel, die immer versuchen, ihren kruden Fahrstil den anderen Teilnehmern aufzuzwingen. Und das Klientel ist in Deutschland viel ausgeprägter vorhanden als anderswo- egal, ob nun mit oder ohne Tempolimit
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  •   DonHasi
    (1003 Beiträge)

    01.03.2018 13:54 Uhr
    Warum mal wieder so kompliziert?
    Laut Aussage einer nicht näher bezeichneten Interessenvertretung (Verein) für Autofahrer bewegen sich geschätzt ca. 30 % der Autofahrer im Straßenverkehr ohne die dabei gesundheitlichen, charakterlichen und fachlichen Fähigkeiten für ein sicheres Bewegen eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr mitzubringen. Deshalb alle 2 Jahre sowohl praktische, theoretische als auch gesundheitliche Überprüfung (ohne Aufforderung durch Dritte). Wird der Nachweis mehrfach nich erbracht, Auto stilllegen, Lappen weg, 1 Jahr "Kaffee Viereck" - Ende der Diskussion.
    Und das Schadstoffproblem in den Städten wäre auch gleich mit erledigt.
    Das übrigens auch keines ist. Blaue Plakette für alle geeigneten Fahrzeuge sowie eine gesetzlich vorgeschriebene, Umrüstung für geeignete Fahrzeuge. (Vom Hersteller bezahlt). Der Rest muß leider zu Fuß gehen.
    Wer das Märchen vom schadstoffarmen und sparsamen Auto ohne Abgase jemals geglaubt hat ist i.m. Augen entweder ein "Realitätsverweigerer" oder ein kompletter "Vollidiot
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  •   Hüttenkäse
    (421 Beiträge)

    01.03.2018 14:22 Uhr
    Warum nicht gleich Städte abschaffen?
    Wer das Märchen von schadstoffarmen und umweltfreundlichen Städten jemals geglaubt hat ist i.m. Augen entweder ein "Realitätsverweigerer" oder ein kompletter "Vollidiot".

    Übrigens: Wenn Sie 30 % der Autofahrer den Lappen wegnehmen, erhöhen Sie nur unnötig den Anteil verkehrsunfähiger Fußgänger und Radfahrer. Alles nur eine Frage des Charakters.
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    01.03.2018 10:57 Uhr
    Die Besten sind die "Nachlinksrüberzieher"
    Kein Blinkerhebel oder kaputt - nach links rüberziehen - scheiss drauf was von hinten kommt (der kann doch bremsen?) - Du (ohne zu rasen) musst voll in die Eisen steigen und hängst Deinem 'neuen' Vordermann fast im Kofferraum - und der regt sich auf, dass Du so dicht hinter ihm her bist. Hatte ich letztens: Sie schert aus, ich hab das ganze Prozedere (s.o.) - und Sie vollführt einen Veitstanz vor mir und gibt mir mit Ihren Fingern Zeichen die unmissverständlich sind. Vielleicht liest Sie das hier so nebenbei. Nächstes Mal breche ich Ihnen den SUV-Autoschlüssel entzwei !
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  •   mikado46
    (183 Beiträge)

    01.03.2018 00:01 Uhr
    Die Lichthupe....
    .....war früher Sonderausstattung, und hat Geld gekostet.
    Da wurden in den 60er und 70er richtige Lichtorgien veranstaltet.
    Ich finde, die Lichthupe wird heute recht selten genutzt um sich Platz zu verschaffen.
    Bin etwa 30.000 km im Jahr unterwegs, also etwas mehr als der Durchschnitt.
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  •   ProKA
    (708 Beiträge)

    28.02.2018 21:57 Uhr
    Harmonie im Straßenverkehr
    wird es in naher Zukunft geben. Wenn man mit einem Autonom fahrenden Auto die Menschen von A nach B fährt hat sich der ganze Stress erübrigt. Und wenn jemand der Meinung ist, der„sportlichste“ Autofahrer sein zu müssen , wird mit den Konsequenzen leben müssen und gezwungen sein, kein Selbstfahrer mehr zu sein. Außerdem, in einigen Jahren darf man eh nicht mehr zum präsentieren des eigenen Autos in die Stadt.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    28.02.2018 19:09 Uhr
    45 Minuten
    von KA nach OG, von Tür zu Tür, ist ne ziemlich gute Zeit. zwinkern
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    01.03.2018 10:44 Uhr
    Lichthupe
    oder Kofferraum ? Hahaaa
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  •   Darth_Vader
    (779 Beiträge)

    28.02.2018 18:09 Uhr
    @ Frau Barros
    "Die linke Spur blockieren und zwar dauerhaft, denn ja, auch das ist mein persönlicher Eindruck, solche Fahrer haben offensichtlich eingebaute Vorfahrt und - noch wichtiger - das eingebaute Recht auf freie Fahrt auf der linken Spur. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das auch durchgedrückt."

    Ein Fahrer, der mit den von Ihnen genannten Methoden versucht, die Linksschleicher mal dazu zu bewegen, die Mittelspur zu verwenden, der blockiert die Spur nicht.
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  •   andip
    (9915 Beiträge)

    01.03.2018 08:41 Uhr
    Jaja
    Wer von Linksschleichern spricht, outet sich damit als Raser, der glaubt, das auf der linken Spur ein Mindesttempo von 160 km/h zu gelten hat.
    Solche halten nämlich schon die Richtgeschwindigkeit von 130 für Schleichen.
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