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Karlsruhe/Eggenstein Alternative zu E10: KIT produziert Benzin aus Stroh

Auf die Frage, wie man die Kohlenstoffdioxid-Emission effektiv reduzieren kann, liefert das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine neue Antwort. Mit dem am KIT entwickelten Bioliq-Verfahren lassen sich aus Stroh Kraftstoffe herstellen, die - anders als E10 - für alle Diesel- und Benzinmotoren geeignet sind. Am Mittwoch feierte das KIT Richtfest der weltweit ersten Bioliq-Anlage auf dem Campus-Nord in Eggenstein.

"Einen wichtigen Schritt zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe für die Mobilität" nennt KIT-Vizepräsident Peter Fritz die Einführung von Biokraftstoff. Besonders die Biokraftstoffe der zweiten Generation, zu denen neben Biomethan und Cellulose-Ethanol auch die "Biomass to Liquid"-Kraftstoffe aus Biomasse gehören, seien in der Lage, den CO2-Ausstoß deutlich zu senken.

Benzin aus Stroh und Holz

Mit dem Bioliq-Verfahren können aus Stroh oder Restholz unterschiedliche Kraftstoffsorten produziert werden: "Wir können Benzin, Diesel und auch Flugöl aus Biomasse herstellen", erläutert Nicolaus Dahmen, Bioliq-Projektleiter. Im Syntheseprozess lasse sich einstellen, wie die Grundstoffe für den jeweiligen Kraftstoff zusammengesetzt werden.



Vom Prinzip her entspreche das flüssige Endprodukt Bioliq dem Ethanol, das dem umstrittenen Kraftstoff E10 zugefügt ist, erklärt Dahmen. Allerdings sei es identisch mit dem fossilen Kraftstoff. "Der Motor merkt nichts von der Beimischung." Deshalb schade der Bioanteil im Kraftstoff dem Motor in keiner Weise.

Investitionskosten in Höhe von 60 Millionen Euro

Der Herstellungspreis von einem Liter Bioliq liegt derzeit bei einem Euro und ist damit doppelt so teuer wie ein Liter Kraftstoff aus Erdöl. Das ist in erster Linie dadurch bedingt, dass Erdöl als Ausgangsprodukt bereits einen sehr hohen Energiegehalt aufweist. Dagegen enthält Biomasse deutlich weniger Energie, die im ersten Prozessschritt in einem Zwischenprodukt verdichtet werden muss. Aus Kostengründen eigne sich Bioliq deshalb nur als Beimischung.

Bereits seit 2009 ist eine Pilotanlage auf dem Campus Nord in Betrieb, die diesen ersten Schritt erfolgreich realisiert. Das Zwischenprodukt habe den Vorteil, dass es ökonomisch über längere Strecken transportiert und auch aus anderen Ländern importiert werden könne, sagt Nicolaus Dahmen. Die Anlage, in der die drei restlichen Stufen ablaufen sollen, feierte am Mittwoch Richtfest. Ihre Errichtung wird rund 60 Millionen Euro kosten. Bund und Land fördern das Projekt mit 26 Millionen Euro. Partner aus der Industrie übernehmen etwa 20 Prozent der Kosten. Anfang 2013 soll die Pilotanlage den Betrieb aufnehmen.

"Mischungen mit Bioliq wären heute schon denkbar"

"In der Zukunft wird es neben dem Energiemix auch einen zunehmenden Kraftstoffmix geben", ist sich Dahmen sicher. Das Biokraftstoffgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass der Anteil von  Biokraftstoff am Gesamtkraftstoffmarkt ab 2010 6,75 Prozent umfasst. Bis 2015 soll dieser auf acht Prozent steigen.

"Mischungen mit Bioliq wären heute schon denkbar", gibt der Projektleiter zu bedenken. In Deutschland könnten biogene Reststoffe schon jetzt ein Sechstel des Kraftstoffbedarfs aus Biokraftstoff decken. Bis dahin werde es allerdings noch einige Jahre dauern, räumt der Wissenschaftler ein. "Zuerst muss die Anlage hier laufen und zeigen, was sie kann." Bis die Partnerfirmen des KIT die erste kommerzielle Anlage bauen können, werden nach Dahmens Ansicht weitere fünf Jahre vergehen.

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Kommentare (9)
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  •   richard
    (217 Beiträge)

    19.05.2011 23:46 Uhr
    vor allem
    vor allem ist wichtig

    das manche hier nicht nur einfach Unsinn schreiben.
    Mehr Sachlichkeit wäre doch das was die Leserbrief Qualität deutlich erhöhen würde.

    Ich hoffe das das das deutlich genug war !
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  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    19.05.2011 18:36 Uhr
    Deutschland hat den Kopf..
    Sowieso schon lange verloren.
    Biospriet ist anbetracht der Öl und Gas Reseserven die Heute bekannt sind der absolut unnötige Holzweg.
    Besonders dann wenn das auch noch Subvensioniert wird.

    Und das alles Begründet man auch noch mit einer mit einer nicht vorhandenen Klima beeinflussung.
    Dia klimaänderungen gab es schon immer.
    Die Ursache ist die Sonnenaktivität siehe dazu die Doku über den Dänichen Atmosphären physiker und Klimaforscher Hendrik Swensmark auf Youtube.
    http://tinyurl.com/3yuek59
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  •   DonHasi
    (978 Beiträge)

    19.05.2011 16:05 Uhr
    Gute Idee
    Stroh zu Benzin verarbeiten und die Viecher saufen dann das Benzin, das keiner mehr will....
    Mal Spaß ohne: Wer kommt denn auf so eine "bescheuerte Idee" aus Stroh, Sprit zu machen, der hat doch selbiges im Hirn.
    Anders sieht das aus wenn "sich die mit Steuergeldern frisierte Kaffemaschine" auch dazu eignet, echten Bioabfall zu Sprit zu verarbeiten. Es gab doch auch mal einen Versuch, aus Müll einfaches Glas zu machen...ich erinner mich Dunkel.
    Steht glaub ich am Rheinafen und dümpelt vor sich hin.
    Und bis wir uns nach langem hin und her mal für irgendwas entschieden haben, bauen andere Länder den Wasserstoff oder Elektroantrieb oder eben Hybridmotor in Großserie und Deutschland verliert den Kampf um seine letzte Schlüsselindustrie
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  •   DaSteff
    (90 Beiträge)

    19.05.2011 19:22 Uhr
    Uäääh?
    Was ist ein Hybridmotor? Wie wird der Strom für die Wasserstoffproduktion bzw. das Laden der Akkus produziert? Verwechselst du vielleicht Stroh und Heu? Stroh ist nicht so lecker.... !
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  •   DonHasi
    (978 Beiträge)

    19.05.2011 20:43 Uhr
    ....schäm :-(
    Da waren die Finger offenbar wieder schneller als das Hirn.
    Du hast RECHT:
    Stroh ist nicht so lecker:
    Ätsch..aber trotzdem.
    Natur in den Tank geht gar nicht.
    Abfall aus der Natur GERNE
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11179 Beiträge)

    19.05.2011 13:01 Uhr
    was auch für Diesel-Motoren?
    schönes Spielzeug, leider für'n A...llerwertesten, weil man in ganz Baden nicht so viele Beknackte zusammenbekäme, deren Stroh in der Birne man dann gewinnbringend verarbeiten könnte!

    Also wären wir wieder auf Anleihen aus Schwaben und aus dem übrigen Ausland diesbezüglich angewiesen!

    :-)

    grinsen
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  •   landei
    (6123 Beiträge)

    19.05.2011 14:54 Uhr
    wenn du dich
    da mal nicht täuschst ? Alleiene hier in den Foren gibts genug. Denk mal an WBB, mit dessen Stroh könnte ich mit meinem Auto 1 ganzes Jahr fahren. grinsen
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  •   GoldstadtTV
    (5 Beiträge)

    19.05.2011 12:43 Uhr
    Auf dem guten Wege
    Früher oder später wird man eh auf eine andere Herstellungsweise von Kraftstoff umsteigen müssen, denn das Erdöl ist irgendwann ja auch alle. Nachwachsende Rohstoffe sind hier eine gute Lösung, wenn man alles ordentlich umsetzt!
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  •   andip
    (9693 Beiträge)

    19.05.2011 15:11 Uhr
    Stimmt
    Vor allen Dingen braucht man Erdöl für wesentlich wichtigere Dinge als es nur zu verbrennen.
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