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Karlsruhe Alle Scheine in einer Richtung: Karlsruher macht sich für Umrüstung der Geldautomaten stark

Einfach mal zum Bankautomaten gehen und Geld abheben, hört sich simpel an. Doch so einfach wie es klingt, ist es nicht. Ein Karlsruher möchte die Bankautomaten modernisiert haben, um vor allem für mehr Behindertenfreundlichkeit zu sorgen. Dafür hat er sogar eine Petition im Bundestag eingereicht. ka-news hat mit ihm über seine Vorschläge gesprochen.

Mit einer ungewöhnlichen Petition hat sich Raymund Haller an den Deutschen Bundestag gewendet. Er fordert eine Modernisierung der Geldautomaten und Terminals in den Bankfilialen. Hintergrund sind bessere, vor allem kundenfreundliche Bedingungen für Sehbehinderte, von denen aber auch alle andere Menschen profitieren sollen.

"Meine konkrete Forderung ist die Verbesserung der Geldautomaten, vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen", beschreibt Haller die Ziele seiner Petition kurz und knapp. Konkret fordert er eine "gleichgerichtete, vorderseitige und richtungssortierte Ausgabe" der Geldscheine aus den Automaten. Sprich: Alle Scheine sollen in eine Richtung sortiert aus dem Automaten kommen. Hierzu sollen die Banken die Automaten umrüsten. Nicht immer sind die Scheine geordnet, oft sogar noch seitenverkehrt, was es vor allem für Sehbehinderte schwer macht.

Markierungen für Sehbehinderte

Diese können anhand von Riffelungen auf der Vorderseite eines Scheins, sowohl am linken wie auch rechten Rand, die einzelnen Geldscheine ertasten und so unterscheiden. Zusätzlich zu den Riffelungen an den Rändern befindet sich "auf den Vorderseiten der Banknoten bei der großen Wertzahl, dem Hauptmotiv und der Schrift ein spürbares Relief für Sehbehinderte", erklärt Haller.

Geld II
Am linken und rechten Rand einer jeden Euro-Note befinden sich Riffelungen, an welchen Sehbehinderte die Geldscheine erkennen können. | Bild: Felix Haberkorn

Eine Umrüstung trägt zugleich zu mehr Sicherheit bei: "Die Verweildauer am Automaten wird minimiert. Der Kunde hat weniger Angst, dass ihm die Scheine bemerkt oder unbemerkt auf den Boden fallen könnten, weil er sie nicht mehr drehen und wenden bräuchte", meint Haller. Wenn der Kunde das Geld unmittelbar verstauen kann, ist es Hallers Einschätzung nach Verbrechern nicht mehr so leicht möglich, zu beobachten, ob ein hoher Betrag abgehoben wurde. "Vom verbesserten vorderseitigen, gleichgerichteten Auswurf profitieren alle Bankkunden", erklärt der 55-jährige gegenüber ka-news.

Petition legt einen langen Weg zurück

Das Thema Behindertenfreundlichkeit ist Kernpunkt seiner Forderungen. "Der Zugang zu den Geldautomaten sollte barrierefrei sein", meint Haller. Auf die Idee der Petition kam er durch seine 96-jährige Mutter, die fast blind ist und so ihre Geldgeschäfte nicht mehr selbst so gut erledigen kann. Ähnlich geht es auch vielen anderen, vor allem älteren Menschen. "Diesem Personenkreis möchte ich helfen", ergänzt Haller.

 "Zuerst habe ich mich an die Banken und Hersteller der Bankautomaten gewendet. Danach an Blinden- und Sehbehindertenverbände sowie an Landesseniorenvertretungen und Sicherheitsbehörden. Zum Schluss ging dann die Forderung an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages raus", beschreibt Haller den Weg seiner Petition, die im Frühjahr 2016 in Berlin eingereicht wurde.

Die Petition und den dazugehörigen Prioritätenkatalog hat Haller zusammen mit einer Vertreterin eines Landessehbehindertenverbandes ausgearbeitet. Er hat nach eigenen Aussagen zahlreiche Unterstützer gefunden. Nicht nur aus dem Bürgertum, auch Vertreter von Behinderten- und Seniorenverbänden sowie führende Politiker haben unterschrieben- darunter auch Stadträte aus Karlsruhe. Sogar aus Österreich und der Schweiz gibt es Befürworter, wie Haller stolz erklärt.

"Es führt kein Weg daran vorbei"

Eine Antwort aus Berlin habe er auch schon erhalten, genauer gesagt aus dem Bundesfinanzministerium. "Dort sagten sie, dass es technische Hürden gibt, dass es vor allem zu teuer wird", so Haller. Dennoch bleibt er optimistisch: "Ich sehe eine große Chance, dass sich was tun wird. Es führt kein Weg daran vorbei, unser Leben für die Zukunft zu organisieren, weil Sehbehinderungen zunehmen werden und wir das selbstständige Leben für die Betroffenen ermöglichen müssen."

Inzwischen wurde über die Landesseniorenvertretungen in Kassel auch die Bundesverbraucherzentrale in Berlin ins Boot geholt. "Der Hebel ist umgelegt worden. Die Verbraucherschutzzentrale ist informiert", gibt sich Haller zuversichtlich.

Geld III
Bei Geldautomaten kann noch einiges verbessert werden. | Bild: pixabay.com

Kritikern, die sich vor allem auf zu hohe Kosten für eine Umrüstung stützen, entgegnet der engagierte Bürger: "Auch die Verantwortlichen sollten sich das vor Augen halten, dass auch sie betroffen sind und die Sehkraft im Alter nachlässt. Es ist eine Maßnahme, von der alle profitieren." Zumal es an technischen Möglichkeiten nicht fehlt: "Die Hersteller der Bankautomaten versicherten mir, dass es technisch möglich ist, die Geldscheine vorderseitig auszuwerfen. Die Banken müssten nur den Auftrag erteilen, haben das aber bis heute nicht", betont Haller.

Für mehr Umweltfreundlichkeit

Bei solch einer Umrüstung könnten dann noch weitere Anpassungen vorgenommen werden. Denn Haller hat noch mehr Vorschläge. So soll die Bedienungsfreundlichkeit der Automaten verbessert werden, indem statt Touchscreens mehr Tastaturen benutzt werden. So komme es zu weniger Fehleingaben, heißt es in der Petition. Außerdem weist der 55-jährige auf die Papierverschwendung bei Kontoauszugsdruckern hin, die in einigen Bankfilialen immer noch papierhafte Saldenmitteilungen auswerfen, die aber keine Kontoveränderungen beinhalten:

"Das ist schädlich für die Umwelt und erschwerend für die Kundschaft. Ein Saldo sollte aber nur bei einer tatsächlichen Kontoveränderung ausgeworfen werden", mahnt Haller. Es gibt durchaus auch schon modern ausgestatte Banken, wie Haller betont, die in Displays die Aussage erscheinen lassen: "Es sind keine neuen Auszüge vorhanden." "Das ist empfehlenswert für die Banken, die das noch nicht realisiert haben", so Haller.

Geldscheine
Euro-Banknoten liegen ausgebreitet auf einem Tisch. | Bild: Jens Kalaene/Archiv

Die Zukunft des Bargeldes

Eine Umrüstung und die damit einhergehende Kundenfreundlichkeit würde Hallers Empfinden nach auch zum Erhalt des Bargeldes beitragen: "Bargeld bedeutet Freiheit und Sicherheit. Ich finde es traurig, dass in der Welt über die Abschaffung des Bargeldes diskutiert wird", sagt Haller.

Dass das Bargeld gänzlich verschwindet hält der Initiator der Petition für unrealistisch: "Wenn das Bargeld abgeschafft wird, wäre es so als wenn man im telekommunikativen Bereich das Telefon abschaffen würde", vergleicht Haller die Situation. Mit der Umsetzung seiner Forderungen und der Modernisierung der Automaten und Selbstbedienungsterminals würden die Banken zudem "einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Bargeldes als Zahlungsmittel leisten", so Haller weiter.

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Kommentare (21)
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  •   calamar
    (90 Beiträge)

    18.06.2018 13:26 Uhr
    Früher hatten wir das Problem,
    ...dass das eine oder andere Girokonto keine Deckung aufwies, heute scheint die Ausrichtung der Geldscheine wichtiger zu sein. Haben wir ein Luxusproblem? Die Anschaffung und der Unterhalt der Bankomaten ist schon teuer genug, wenn jetzt jeder noch Sonderwünsche für sich beansprucht... Na, ich weiß nicht. Der Trend geht zur Abschaffung des Bargeldes, es gibt schon Länder in Europa wo das Alltag ist, und wir sollen jetzt die Automaten umrüsten etc... Bei allem Respekt vor der Problematik und den betroffenen Menschen, aber ich glaube das wird nichts.
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  •   ka-lex
    (1626 Beiträge)

    18.06.2018 12:04 Uhr
    Ich halte das Ganze für übertrieben
    Es mag zwar alles stimmen was er sagt, aber man kann nicht erwarten, dass man im täglichen Umgang mit dem Bargeld immer alles "mundgerecht" serviert bekommt. Die Zeit hat kein Kassierer im Laden. Beim Handling von Bargeld ist der Auszahlungsvorgang am Automaten ja nur ein Randaspekt.
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  •   silberahorn
    (9752 Beiträge)

    18.06.2018 10:08 Uhr
    Ich habe gerade getestet
    wie das bei meiner Nak herauskommmt und beim Abheben angegeben Scheinart wählen. Danach wollte ich mehrere 50er, 20er und 10er. Die 50 Euro-Scheine waren in einer Richtung, mit der Blindenmarkierung nach hinten. Bei den 20 Euro-Scheinen war ein Schein mit Blindenriffelung vor und ein Schein mit Blindenriffelung hinten und dann noch auf dem Kopf, also die 20 nur mit Kopfstand lesbar. Und die 10 Euro-Scheine waren wieder anders.
    Die angebrachte Kritik scheint also auch im Namen aller Leute berechtigt zu sein, die zwar nicht blind sind, aber im Geldbeutel Ordnung haben wollen.
    Ich habe auch schon im Verkauf gearbeitet und es war üblich, dass man Geldscheine in einer Richtung in die Kasse legte, damit sie später gebündelt an die Bank gegeben werden konnten.
    Jeder normale Kassenangestellte einer Bank macht das auch so. Also verstehe ich tatsächlich gar nicht, wie überhaupt ein Durcheinander in Bankautomaten entstehen kann.
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  •   ALFPFIN
    (6582 Beiträge)

    18.06.2018 12:55 Uhr
    Für sehbehinderte Menschen
    ist diese Forderung bzw. der Wunsch einer Umrüstung der Automaten durchaus verständlich.
    Für nicht sehbehinderte Menschen ist es unerheblich. Aber für alle gilt meines Erachtens, die meistens von uns heben ja im überschaubaren Umfang Bargeld ab, also es sind immer nur ein paar Scheine. Ich denke da ist es auch für alle zu bewältigen, den Überblick in der Sortierung zu behalten.

    Völliger bargeldloser Verkehr halte ich nicht für gut. Zum einen werden wir dann mit Werbung noch mehr überflutet, da unser Kaufverhalten dann total registriert wird. Zum anderen wird dann auch der Datenklau in den Supermärkten durch das organisierte Verbrechen wohl auch noch steigen bzw. zur "Industrie". Man hätte ja dann ganze Nationen (noch mehr) unter Kontrolle.
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  •   silberahorn
    (9752 Beiträge)

    18.06.2018 10:14 Uhr
    Hallo?
    Ich weiß auch nicht, warum der erste Satz hier so unverständlich erscheint.
    1. Statt Nak sollte es Bank heißen.
    2. Herauskommt ohne drei MMMM. grinsen
    3. Und noch ein Doppelpunkt nach "angegeben".

    Spukt es jetzt in meinem Rechner oder in der Übertragung?
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  •   suedoschtkarle
    (187 Beiträge)

    18.06.2018 10:08 Uhr
    Daß das Bargeld...
    ...sortiert und mit der für Blinde und Sehbehinderte richtigen Vorderseite aus dem Automat
    kommt, sollte eigentlich selbstverständlich sein und technisch lösbar allemal.

    Was das Bargeld allgemein betrifft, kann ich zwar die Bedenken der Bargeldgegner nachvollziehen,
    was Sicherheit, Kosten, Hygiene und Vereinfachung der Bezahlung betrifft, aber die Probleme
    des Datenschutzes und der schnelleren Verschuldung sind damit nicht gelöst.

    Ganz zu Schweigen davon, daß Bargelkd auch noch bei Stromausfall funktioniert (Jedenfalls, wenn
    noch stromlos abgerechnet werden kann)
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  •   Skudder
    (366 Beiträge)

    18.06.2018 10:44 Uhr
    Sehe ich auch so
    Das ist sicherlich technisch lösbar und für Sehbehinderte auch sinnvoll und notwendig.

    Generell bin ich auch sehr dafür, das Bargeld zu erhalten. Es ist die einzige anonyme Bezahlmethode. Ich lege keinen Wert darauf, dass jeder Supermarkt mein Einkaufsverhalten aufzeichnen und mir zuordnen kann. Schließlich weiß ich nicht, ob und wem diese Daten weiterverkauft werden. Am Ende werden vielleicht meine Krankenversicherungsbeiträge erhöht, weil ich zu viele Pommes kaufe. Schöne neue Welt...
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  •   cc91
    (273 Beiträge)

    17.06.2018 11:31 Uhr
    Aus welchem Grund
    sollte es eine Rolle spielen, in welcher Orientierung ein Geldschein in meinem Geldbeutel liegt? Hört sich doch eher nach Zwangsstörung an.
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  •   Route66
    (1732 Beiträge)

    17.06.2018 12:14 Uhr
    Es geht nicht immer nur
    um Sie. Es geht hier um Sehbehinderte.
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  •   magambo
    (49 Beiträge)

    17.06.2018 11:45 Uhr
    Bitte erst lesen, dann kommentieren
    Vermutlich spielt die Orientierung der Scheine für Sie keine Rolle, da Sie den Wert sofort von jeder Seite "sehen" können. Und genau um das "Sehen" geht es hier. Deswegen einem Aktivisten für mehr Barrierefreiheit öffentlich eine Zwangsstörung zu unterstellen, halte ich für absolut unangebracht.
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