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Karlsruhe Alkoholkonsumraum in Karlsruhe: "Wir möchten damit ein Wohnzimmer für einen Teil der Szene anbieten"

Nach zweijähriger Planung eröffnete die Diakonie Karlsruhe am Freitag den sogenannten Alkohol Akzeptierenden Aufenthaltsraum in der Südstadt. Hier können Suchtkranke selbst mitgebrachten Alkohol konsumieren. Ziel ist es, die seit Jahren angespannte Situation auf dem Werderplatz zu entschärfen.

In dem Alkohol Akzeptierenden Aufenthaltsraum, kurz "A hoch 3" genannt, sollen sich Betroffene an sechs Tagen pro Woche ungestört treffen und - mit Ausnahme von Schnaps - niedrigprozentigen Alkohol trinken können. Zudem bietet die Diakonie hier niedrigschwellige Hilfe an, wie etwa Sportaktivitäten oder die Möglichkeit zur Beratung durch Sozialarbeiter.

Eröffnung Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum
Begegnungsstätte: Hier sollen Suchtkranke künftig zusammenkommen und sich austauschen können. | Bild: Melissa Betsch

Dabei ist der Diakonie der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Besucher und Mitarbeiter besonders wichtig: "Gerade durch das akzeptierende Angebot sollen Menschen erreicht werden, die zu den bestehenden Regelangeboten kaum Zugang haben."

Die Einrichtung selbst ist die erste ihrer Art in Baden-Württemberg, jedoch hat Bochum bereits gute Erfahrungen mit einem ähnlichen Konzept gemacht. Mit dem Karlsruher "A hoch 3" will die Diakonie vor allem zur Entspannung der Situation auf dem Werderplatz beitragen.

Eröffnung Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum
Der "A hoch 3" ist die erste Einrichtung ihrer Art in Baden-Württemberg. | Bild: Melissa Betsch

Brennpunkt Werderplatz

Der ist seit vielen Jahren ein sozialer Brennpunkt in Karlsruhe. Bis zu 80 Süchtige treffen sich dort pro Tag und verunsichern durch ihre Anwesenheit und ihr Verhalten sowohl Anwohner als auch Gewerbetreibende, so Ordnungsamtleiter Björn Weiße am Freitag. "Seit fünf Jahrzehnten wird der Werderplatz etwa alle zehn Jahre von einer Problemwelle überspült", meint auch Bürgermeister Martin Lenz. "Aber so extrem war es noch nie!"

Vor allem das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger habe nach Aussage des Ordnungsamtleiters in der Vergangenheit gelitten. "Durch eine erhöhte Polizeipräsenz können wir das aber wieder in den Griff bekommen", zeigt er sich zuversichtlich. Sieben bis acht Mal täglich fährt deshalb eine Polizeistreife den Werderplatz an. "Zudem sollen Schwerpunktkontrollen folgen", so Weiße.

Bürgermeister Lenz sieht in dem neu eingerichteten Akoholkonsumraum eine gute Möglichkeit, zu der Verbesserung auf dem Platz beizutragen: Das Angebot soll die Alkoholkonsumenten von der Straße holen: "Wir möchten mit dem Raum ein Wohnzimmer für einen Teil der Szene anbieten."

Brennpunkt Werderplatz: Der Ort ist seit Jahren Treffpunkt für viele Drogen- und Alkoholkonsumenten. | Bild: Thomas Riedel

Drogenkonsumraum und Alkoholverbot

Doch der "A hoch 3" ist nur eine von mehreren Maßnahmen, die eine 2016 gegründete Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Lage auf dem Werderplatz durchsetzen will. So soll noch im Herbst im Gemeinderat die Entscheidung um ein mögliches Alkoholverbot auf dem Werderplatz fallen. "Das ist nur durchsetzbar, wenn andere polizeiliche Maßnahmen nicht ausreichen", sagt Björn Weiße, Leiter des Ordnungsamtes. "Diese Voraussetzung ist am Werderplatz definitiv gegeben!"

Eröffnung Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum
Björn Weiße und Cordula Sailer | Bild: Melissa Betsch

Ergänzend ist ebenfalls ein Drogenkonsumraum in Planung. Der soll die Menschen erreichen, die nicht abstinent werden wollen oder können. "Wir hoffen, Anfang nächstes Jahr entsprechende Räumlichkeiten zu finden", sagt Cordula Sailer, Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe.

"Es ist ein Versuchsballon"

Eröffnung Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum
Bürgermeister Martin Lenz und Diakonie-Direktor Wolfgang Stoll informieren über den Alkoholkonsumraum. | Bild: Melissa Betsch

Nun soll sich aber erst einmal der "A hoch 3" beweisen. Ob er tatsächlich zur Verbesserung der Problematik in der Südstadt, aber vor allem auf dem Werderplatz beitragen kann, bleibt laut Karslruher Diakonie-Direktor Wolfgang Stoll abzuwarten: "Es ist ein Versuchsballon." Doch er sieht die Lage auch realistisch: "Ich glaube nicht, dass mit dem Angebot alle Probleme der Südstadt gelöst werden können!"

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  •   Tirak
    (567 Beiträge)

    24.09.2018 11:58 Uhr
    Für solche Sprüche hätte man Sie..
    Lieber Herr Rupp,

    Für den Spruch "Wenn sie kein Geld für Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen", wurde Marie Antoinette geköpft.

    Für den Ihren, doch einfach auf den Geigersberg zu ziehen, wenn es einem am Werderplatz nicht passt, gehört Ihnen mal wieder ein shitstorm um die Ohren gehauen. Manchmal haben Sie sich einfach nicht im Griff, oder?
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    24.09.2018 19:09 Uhr
    also
    das mit Marie Antoinette ist Fakenews. Kann man wissen.

    Nochmal: wer gibt irgendwem das Recht, anderen Menschen den öffentlichen Raum zu verweigern? Die Diskussion hier erinnert mich an die Menschen, die neben eine Kirche ziehen und dann gegen das Glockengeläut klagen
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    24.09.2018 21:15 Uhr
    "also"
    die liebe Marie sprachs. Wurde geköpft. Nicht wegen diesem Spruch.
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  •   karlsunruhe
    (79 Beiträge)

    24.09.2018 10:43 Uhr
    Sie wohnen sicherlich nicht am Werderplatz.
    Warum ziehen diese "kranken" nicht an den Geigersberg? Da sind eben die noch reicheren, die sicherlich gerne für Charity-Projekte diesen "Kranken" helfen möchten. Sie können auch mal zupacken, Suppen kochen und verteilen, beispielsweise, statt Partei-Hopping zu machen.
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  •   Svantovit
    (92 Beiträge)

    23.09.2018 09:58 Uhr
    Bei ihren
    Kommentaren hat man eher das Gefühl, dass sie selbst zu oft an der Flasche nuckeln. Andersherum wird ein Schuh draus, statt sich ständig nur um die Wehwehchen von Randgruppen zu kümmern, sollte man ein Auge auf die Belange der Mehrheitsgesellschafft haben. Ihre kommunistsiche Weltanschauung können sie ja gern in den eigenen vier Wänden ausleben.
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  •   teflon
    (2722 Beiträge)

    23.09.2018 15:27 Uhr
    Eher nuckelt eher gerne an der
    Steuerflasche -[url= http://de.wikimannia.org/J%C3%B6rg_Rupp]Bei dem Lebenslauf ist jede Diskussion überflüssig[/url]
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    23.09.2018 13:32 Uhr
    zur Gesellschaft
    gehört nicht nur die Mehrheit. Minderheiten genießen ausrücklichen Schutz. Kranke erstrecht.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    23.09.2018 11:46 Uhr
    Bei Ihrem
    Kommentar vergessen Sie die christliche Tradition, da sind z. B. "Werke der Barmherzigkeit" zu tätigen, Stichworte: Caritas oder Diakonie, tätige Nächstenliebe, das hat alles mit Ihrem genannten Kommunismus nichts zu tun.
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  •   Route66
    (1890 Beiträge)

    22.09.2018 20:32 Uhr
    Und was ist schlimm daran?
    Was ist schlimm daran Menschen mit einem Alkoholproblem von der Strasse zu holen? Gönnen Sie diesen MENSCHEN keinen Raum, in dem sie trinken können?
    Übrigens zahlt der Steuerzahler weit mehr für Schwerkriminelle wie Banken, Steuerflüchtlinge, Polizeieinsätze bei Fussballspielen etc. Aber das ist in Ordnung, diese Kriminellen haben eine Lobby. Die paar Euro für die Alkoholiker dagegen werden den Steuerzahler ruinieren.
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  •   Mondgesicht
    (2159 Beiträge)

    23.09.2018 08:46 Uhr
    Sie dürfen
    Ihre Moralkeule wieder einpacken. Es ging mir in keiner Weise um eine Abwertung dieser Menschen. Es ist aber für mich als Steuerzahler inakzeptabel, dass die Stadt seit Mentrups Amtsantritt zwar überall soziale Wohltaten verteilt, aber sich beharrlich weigert, auch für Sicherheit und Ordnung Geld in die Hand zu nehmen. Kameras will man nicht, mehr KOD-Beamte auch nicht usw. - immer nur das unsägliche Gerede von "subjektivem Empfinden".

    Alleine durch eine warme Stube für Alkoholabhängige löst man die Probleme nicht. Man muss auch mit den Mitteln der Gesetze für Ordnung sorgen.
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