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Karlsruhe Abschied Heinz Fenrich: "Heute werde ich die letzte Erdnuss essen"

Am Ende nur noch Bürger - nicht mehr Oberbürgermeister - Heinz Fenrich, so die Buchstaben auf der großen Leinwand in der Karlsruher Stadthalle unmissverständlich. Mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus wurde der Stadtchef am Donnerstagabend hier in den Ruhestand verabschiedet.

Als der scheidende Oberbürgermeister von Karlsruhe, Heinz Fenrich, an das Rednerpult trat, dachten viele der Anwesenden wohl, sie hätten sich verhört. "Erdnüsse", so Fenrich erstes Wort - und nein, niemand hatte sich verhört. "Mit der Politik ist es sei es wie mit Erdnüssen", zitierte Fenrich nach einer Kunstpause den ehemaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau. "Man denkt, man will eine. Und dann hört man nicht mehr auf, bis die Schale leer ist." 

"Wenn er Sie anbrüllt, gehören Sie dazu"

1980 war Heinz Fenrich in den Karlsruher Gemeinderat gewählt worden, amtierte seit 1991 als Bürgermeister und wurde 1998 zum Oberbürgermeister von Karlsruhe gewählt. "Das Schöne an der Kommunalpolitik ist, dass sie so bodenständig ist", so Fenrich im beinahe komplett gefüllten Johannes-Brahms-Saal der Stadthalle. Erfolg könne man aber nur haben, wenn die Mannschaft zusammen spiele, das habe er ins einer Zeit als aktiver Handballer gelernt. "Tore fallen nur, wenn der Pass auch ankommt", so Fenrich. In seiner Zeit als Politiker habe er immer die richtigen Mitspieler gehabt.

Leicht dürften die es freilich nicht immer mit ihm gehabt haben - zumimdest wenn man dem glaubt, was Fenrich in seiner Abschiedsrede erzählt. Eine Zeit lang habe im Rathaus bei seinen engsten Mitarbeitern sogar der aus dem Kabinett von Gerhard Schröder entliehene Spruch gehangen, "wenn er Sie anbrüllt, gehören Sie dazu". Allerdings hätten seine Mitarbeiter es immer verstanden, auch dies richtig einzuordnen und nicht persönlich zu nehmen. "Auch ein Chef kann nur so gut sein, wie seine Mitarbeiter ihn lassen", so Fenrich schmunzelnd.

Fenrich: "Kräne sind Zukunft!"

Immer wieder greift Fenrich in seiner Rede das Motto des Abends auf: Das Miteinander. Das Fest habe nur gerettet werden können, "weil so viele an einem Strang gezogen haben und in eine Richtung". Projekte wie der Flughafen Baden oder die Karlsruher Neue Messe seien nur umsetzbar gewesen, weil die Region zusammen gearbeitet hätte - eben: miteinander. Fenrich erinnert außerdem an Entscheidungen wie die für das Europabad und das Einkaufszentrum am Ettlinger Tor - "auch eine große Baustelle". Eben solche Baustellen seien aber essentiell für eine Stadt, so Fenrich in Hinblick auf sein wohl umstrittenstes Projekt, die Kombilösung: "Kräne sind Zukunft!"

Lob bekommt Fenrich an seinem Abschiedsabend unter anderem von der Ersten Bürgermeisterin Margret Mergen. Fenrich habe einen erheblichen Anteil an der guten Entwicklung Karlsruhes gehabt, so Mergen in Ihrer Rede. Dank Fenrich als Oberbürgermeister habe Karlsruhe nicht nur mithalten können, sondern habe sich im Wettbewerb der Städte auch immer wieder hervorgetan. Fenrich habe Bürgerbeteiligung bereits praktiziert, als diese in anderen Städten noch kein Thema gewesen sei. "Sie waren und wollten immer ein Bürgermeister zum Anfassen sein" Vor allem aber habe Fenrich zu seinen Überzeugungen gestanden, "auch wenn der Wind von vorne wehte. Ich glaube sogar, manchmal gerade dann."

Kretschmann: "Sie hinterlassen Ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Feld."

"Wenn mich der Eindruck nicht trübt, hätten Sie nichts dagegen gehabt, länger Oberbürgermeister zu bleiben", so Mergen weiter. Aufhören heiße nun, Gelassenheit zu entwickeln, sich über das Erreichte zu freuen "und das noch nicht Geschaffte dem Nachfolger zu überlassen, zum Beispiel das Wildparkstadion".

Lob für Fenrich gab es auch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "Die Landesregierung weiß um die Bedeutung Karlsruhes als Lokomotive für die Region." Wenn eine Stadt international ein so großes Ansehen genieße, wie Karlsruhe, dann habe das eben handfeste Gründe. "Sie haben immer leidenschaftlich für Ihre Anliegen gekämpft", so Kretschmann an Fenrich gewandt. Als OB habe er Karlsruhe nicht nur durch die Gestaltungsmöglichkeiten des Amtes, sondern auch durch seinen Stil und seine persönliche Art geprägt. "Sie hinterlassen Ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Feld."

"Mensch Heinz, gut gemacht!"

CDU-Stadtrat Klaus Heilgeist, der im Namen des Gemeinderates sprach, erinnerte an den Amtsantritt Heinz Fenrichs. Damals habe Fenrich die Trends richtig erkannt und mit Zielen wir der Stärkung von Bildung und Witschaft, Zentralisierung, Aufwertung der Innenstädte, Verkehr und Bürgernähe auf die richtigen Themen gesetzt. Als Vorsitzender des Gemeinderates sei Fenrich ein OB gewesen, der auch die anderen Sitze in dem Gremium gekannt habe - eben weil er selbst einmal auf ihnen gesessen habe. Zwar gelte im Badischen, das nicht getadelt genug gelobt sei, dennoch müsse er sagen: "Mensch Heinz, gut gemacht!".

Fenrich selbst war sichtlich gerührt von so viel Zuspruch. "Wenn ich dazu beitragen konnte, dass Karlsruher noch ein klein wenig erfolgreicher, schöner, lebenswerter geworden ist, dann bin ich glücklich", bekannte er zum Ende seiner Rede hin. Dann kommt er wieder auf das Thema Erdnüsse zu sprechen: "Heute Abend werde ich die letzte Erdnuss essen", so Fenrich. Erst kürzlich habe er allerdings im Supermarkt eine Entdeckung gemacht: Da stünden noch andere Erdnussdosen im Regal. "Ich werde sie öffnen, werde sie probieren - und darauf freue ich mich wahnsinnig."

Am Freitag, 1. März, wird Heinz Fenrichs Nachfolger, Frank Mentrup, um 15:30 Uhr im Rahmen einer Gemeinderatssitzung im Bürgersaal des Rathauses in das Amt des Oberbürgermeisters eingeführt und verpflichtet. ka-news berichtet wie gewohnt aus dem Rathaus.

Mehr zum Thema Abschied von Heinz Fenrich:

Bilder von der Abschiedsfeier und den Showeinlagen in der Stadthalle

Heinz Fenrich im ka-news-Interview: "Das Parteibuch zählt weniger als Charakterstärke"

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Kommentare (33)
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  •   Bruno
    (391 Beiträge)

    01.03.2013 09:48 Uhr
    Es
    gab Rouladen zum Abschied..... bäääääh
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  •   Karlsrator
    (2747 Beiträge)

    01.03.2013 10:36 Uhr
    Das beantwortet ...
    ... die Fage von KSC195 nicht wirklich.
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  • unbekannt
    (271 Beiträge)

    01.03.2013 09:31 Uhr
    an Bruno
    du magst ja teilweise Recht haben, aber der IW ist der Vertreter des KSC nach aussen...da muss man dem Teufel auf den Schwanz treten. Ich find´s auch nicht gut, weil er ja von der Stadt ein Neues Stadion will.
    Wer hat denn noch die Einladung mit "Nein Dank" zurückgeschickt ?? Ich habe als kleiner Kenner der Materie davon nix gehört.
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  •   Bruno
    (391 Beiträge)

    01.03.2013 08:17 Uhr
    Unerträglich !!
    Der Mappus war ja auch da LOOOOOOOOOOOOOL

    Also alles was Rang und Namen hat
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  •   Malefiz
    (4616 Beiträge)

    01.03.2013 09:22 Uhr
    Tatsächlich ??
    ha do hoißts au widder:
    Isch de Ruf erscht ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert.
    Ha den grausts vor gar nix.
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  •   vonderVogelweide
    (2791 Beiträge)

    01.03.2013 07:43 Uhr
    das war eine unerträgliche Selbstbeweihräucherung
    ein abgehobenes Schauspiel im Stil des 19. Jahrhunderts und da gehen auch noch Bürger hin...
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  •   silberahorn
    (10540 Beiträge)

    01.03.2013 06:42 Uhr
    Nichts gesagt, ist gelobt genug
    grinsen Ich bedanke mich dann mal für die vielen "Löber" (Lobe), die ich aus seinem Verantwortungsbereich bekam. grinsen
    Es hat mich Jahre gekostet, bis ich zufällig die notwendigen Informationen an anderer Stelle bekam.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    01.03.2013 03:48 Uhr
    Das ist doch eher schwäbisch
    Zwar gelte im [i]Badischen, das nicht getadelt genug gelobt sei,[/i]

    Diese blöde Saubande.
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  •   KaBU
    (931 Beiträge)

    01.03.2013 03:51 Uhr
    niemals !!!!
    schwäbisch (wenn doch ) scheiße bin Badisch Sorry . Nur der KSC
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  • unbekannt
    (5089 Beiträge)

    28.02.2013 22:48 Uhr
    Ab jetzt Stadtverbot
    für dieses ******* ******** (leider Selbstzensur)
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