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Abriss contra Sanierung: Durlacher Online-Petition will historisches Torwächterhaus erhalten

Derzeit liegt ein Bauantrag zum Abriss des alten Durlacher Zoll- und Wachhauses beim ehemaligen Ochsentor in der Ochsentorstraße 32 in Durlach vor. Ein etwa doppelt so großes Gebäude soll hier entstehen, es baut das "Zentrum für individuelle Erziehungshilfen" (Zefie), das bisher in der Ochsentorstraße 19 seinen Sitz hat und sich nun vergrößern will.

Nicht nur der Freundeskreis Pfinzgaumuseum – Historischer Verein Durlach hat sich jedoch vehement gegen einen Abriss des historischen Gebäudes ausgesprochen, auch die Karlsruher Liste (KAL) setzt sich mittlerweile auf städtischer Ebene für den Erhalt der historischen Bausubstanz und des Gesamtensembles mit dem alten Gasthaus "Ochsen" und der ehemaligen Fayence ein. Und auch der Durlacher Ortschaftsrat nahm sich in seiner Maisitzung schon des geplanten Bauvorhabens an. Vertreter von "Zefie" und der ausführende Architekt Andreas Adler, das auch schon in der Pfinztalstraße 26 marode Altstadt-Bausubstanz gegen einen ansprechenden, historisierenden Neubau ersetzt hat, waren anwesend. Adler versprach, sich beim Neubau des Torwächterhauses an die Gestaltungssatzung für die Durlacher Altstadt zu halten. Die hat zwar noch keine rechtliche Geltung, liege den Bauherren aber bereits vor.

Neu-Eigentümer will Abriss und größeren Neubau

Der Abriss - und damit auch ein Neubau - werde aber kommen, erklärte er. "Das Gebäude wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege geprüft", erklärte der Architekt. "Dabei wurde festgestellt, dass es darin kaum noch originale Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert gibt." Die sei größtenteils einer umfangreichen Sanierung in den 70er Jahren zum Opfer gefallen. Deshalb sei das Gebäude mittlerweile auch aus der Denkmalschutzliste entfernt worden und könne abgerissen werden.

"Wir wollen aber mit dem Neubau Gestalt und Geist des Ochsentorgebäudes aufnehmen und erhalten", versprach Adler. Entstehen sollen dort auf etwa 150 Quadratmetern Büro- und Verwaltungsräume für "Zefie" so wie eine Wohngruppe für Jugendliche im ersten Obergeschoss.  Der Neubau würde aber wesentlich größer und sich in einer Art "Doppelhaus" auch über das Nachbargrundstück erstrecken.

Durlacher Torwächterhaus in der Ochsentorstraße 32
Durlacher Torwächterhaus in der Ochsentorstraße 32 | Bild: Schwitalla

Gegen den Abriss und den geplanten Neubau hat sich nun in Durlach weiterer Widerstand formiert: Seit Mitte Juni sammelt der neu gegründete Arbeitskreis "Stadtbild Durlach" im Rahmen einer Online-Petition Unterschriften für die Rettung des historischen Baudenkmals. Für das Quorum - gerichtet an Oberbürgermeister Frank Mentrup und den Gemeinderat - werden 2.300 Stimmen benötigt. Rund 300 sind bereits zusammengekommen, davon allerdings nur 170 aus Karlsruhe selbst.

"Das Torwächterhaus hat einen historischen, städtebaulichen Wert als ein die Stadteingangssituation von Norden am ehemaligen Ochsentor prägendes Gebäude. Zusammen mit den Kulturdenkmälern Fayence und dem Hotel 'Zum Ochsen' dokumentiert es einen wichtigen, historischen Zustand im Norden der Altstadt und gehört zudem zur Gesamtanlage", so Robin Cordier, Initiator der Online-Petition, mit der nicht nur der Abriss des Hauses verhindert werden soll. "Wir wollen Politik und Stadtverwaltung zum Nachdenken bringen und die historische Situation am ehemaligen Ochsentor/Steckgraben für die Nachwelt erhalten", beschreibt Cordier die Motivation des neuen Arbeitskreises gegenüber ka-news.

Petition will Abriss des Torwächsterhauses unbedingt verhindern

Auf die Frage, was genau man mit der Petition bewirken möchte, sagt er: "Dass die Abrissgenehmigung nicht erteilt oder wieder zurückgezogen wird und dass die Stadt dazu Stellung nimmt, warum der Abriss jetzt durchgeführt werden soll, obwohl ein ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes noch in den 90er Jahren öffentlich den Erhalt des Torwächterhauses als wichtiges Gebäude für die Altstadt gefordert und zur Chefsache erklärt hat. Übrigens obwohl es schon damals kein Kulturdenkmal, sondern lediglich 'erhaltenswert' war."

Außerdem fordert der Arbeitskreis eine kulturgeschichtliche und touristische Neubewertung: "Das Objekt beim ehemaligen Ochsentor ist ein wichtiger Punkt im beliebten Nachtwächterrundgang, hier wird sogar die Geschichte dazu erzählt", merkt er an.

Durlach Altstadt
Bild: Peter Eich

Seiner Meinung nach müsse der neue Eigentümer das Torwächterhaus gar nicht unbedingt an die Stadt verkaufen. "Das ist nicht unser vorrangiges Ziel. Unser Ziel ist lediglich der Erhalt des Gebäudes. Wir erwarten von dem Eigentümer, dass er bei Nichtverkauf alternativ zur jetzigen Abrissplanung einen schonenden Umgang im Bestand prüft und durchführt", sagt Robin Cordier im Gespräch mit ka-news. "Eine Planung zur Umnutzung oder zum sanften Umbau des historischen Gebäudes hat bereits eine bekannte Durlacher Architektin entworfen. Unsere Devise für die Altstadt lautet hier ganz klar: Umbau geht vor Abriss!" Falls der Eigentümer das nicht leisten könne, sei man innerhalb des Arbeitskreises auch bereit, einen Käufer zu vermitteln, der dort dann nach den Ideen der Historiker bauen würde.

Torwächterhaus nicht die einzige kritische Stelle

Und das sei natürlich nicht nur im Falle des Durlacher Torwächterhauses so: "Die Petition zum Torwächterhaus ist nur der nach außen sichtbare Beginn unserer aktiven Arbeit. Hierbei waren die zeitkritische Situation und die große, wahrnehmbare Fassungslosigkeit in der Durlacher Bevölkerung bei diesem Abrissvorhaben ausschlaggebend. Wir sehen sehr wohl auch die weiteren Problemfälle in der Durlacher Altstadt", gibt Robin Cordier zu bedenken. Dazu gehöre unter anderem der ins Stadtbild völlig unpassende Schlossschulneubau vor der Karlsburg, "der den Bürger vermutlich noch viel teurer zustehen kommen wird, als bislang öffentlich bekannt", sagt er weiter. Abrissbedroht seien auch bislang geschützte Gebäude in der Kelterstraße und in der Spitalstraße. Die Situationen seien dort teilweise noch undurchschaubarer als beim Torwächterhaus.

Durlacher Altstadt
Durlacher Altstadt (Symbolbild). | Bild: Schwitalla

"Auch der Festhalle will man offenbar mit einer möglichen Verlegung an den Bahnhof Durlach in der Folge an den Kragen gehen. So gibt es viele Aufreger-Themen. Wir können hier jedoch nur den Finger punktuell in die Wunde legen. Die eigentlichen Aufgaben der gewählten Durlacher Politiker oder die des Stadtamtes können wir nicht übernehmen. Jeder muss an sein Gewissen appellieren", sagt Cordier, die Belange des Arbeitskreises beschreibend.

Mit der Resonanz zufrieden

Mit dem bisherigen Verlauf der Petition ist Cordier absolut zufrieden. Die Resonanz sei "überwältigend" gewesen - schon bevor man mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit ging. Auch von der Wirkungskraft seiner Petition ist der Arbeitskreis überzeugt - sofern man die notwendigen 2.300 Unterschriften erreicht: "Was eine Petition in Karlsruhe alles bewirken kann, sieht man im Falle des Franz-Rohde-Hauses in der Weststadt. Durch den Aufschrei in der Bevölkerung wird sich der Druck auf den Investor und auch auf die Stadtverwaltung zunehmend verstärken. Unseres Wissens sind beim Torwächterhaus die endgültigen Genehmigungen noch nicht erteilt oder noch nicht rechtskräftig. Und es ist nie zu spät, eine möglicherweise unabsichtlich fehlerhafte Entscheidung zu revidieren", sind sich die geschichtsbewussten Durlacher sicher.

Hier geht es zu Online-Petition zum Erhalt des Durlacher Torwächterhauses.

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Kommentare (16)
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  •   BW-Biker
    (7 Beiträge)

    08.07.2018 23:36 Uhr
    Macht die Hütte platt,
    denn wer hat denn eigentlich schon vor Beginn der Diskussionen gewusst was das mal war. Vom Urzustand ist doch eigentlich so gut wie nichts mehr zu sehen. Wir jammern immer, dass wir Wohnraum benötigen und jetzt sind wir mitten drin das zu verhindern - unverständlich. Aber wenn ich im Geigersberg wohne, dann kann mir das ja auch egal sein, ich habe ja meine Bude mit Granitbad etc., welche nicht unter den Denkmalschutz fällt. Ich könnte mich ja noch mit den Erhaltungsmaßnahmen anfreunden, wenn der Besitzer aus der Schatulle der Denkmalschützer entsprechend entschädigt wird, aber da herrscht ja mal wieder das "Schweigen der Lämmer".
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  •   dipfele
    (4837 Beiträge)

    12.07.2018 13:46 Uhr
    Das Torwärterhaus....
    … macht zwar einen unscheinbaren Eindruck, hat aber mindestens seine 300 Jahre auf dem Buckel und ist eine der Wenigen Zeitzeugen der einstmaligen Durlacher Stadtbefestigung. Der Denkmalschutz hat dieses Gebäude aus einer "Prüfliste" der denkmalwürdigen Gebäude gestrichen, weil im Innern stark verändert. Gleichzeitig schreiben die Denkmalschützer auf eine Anfrage der Durlacher FDP das die "Gestaltung im Innern den Eigentümern überlassen bleibt." Hier sieht man, wie widersprüchlich die Karlsruher Ämter reagieren. Viel schlimmer wird es mit dem Neubau und Sanierung der Schlossschule. Hier soll ein quittegelber Bau mitten in der historischen Altstadt hingeklotzt werden ! Aber das interessiert nicht mal die Ortschaftsräte der etablierten Parteien.
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  •   Malerdoerfler
    (4457 Beiträge)

    08.07.2018 22:15 Uhr
    Was könnte Karlsruhe lebenswerter machen?
    Der Erhalt historischer Bausubstanz.
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  •   stm-ka
    (89 Beiträge)

    08.07.2018 18:58 Uhr
    Gibt es einen Plan,
    was mit dem Haus geschehen soll, wenn es erhalten wird? Warum sollte ein Eigentümer Interesse an einem teuren (?) "sanften" Umbau haben, wenn er keinen Nutzen davon hat?
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  •   kritiker_2014
    (316 Beiträge)

    08.08.2018 01:18 Uhr
    Man will dort
    Flüchtlinge unterbringen.Dafür opfert man gerne den Denkmalschutz.
    HISTORISCHES TORWÄCHTERHAUS SOLL KINDER- UND JUGENDWOHNUNG WEICHEN
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  •   dipfele
    (4837 Beiträge)

    12.07.2018 13:49 Uhr
    Demnach wurde das Haus.....
    … nur gekauft um Profit zu machen. Die neuen Eigentümer haben keinerlei Verständnis für Historie. Somit stirbt Stück für Stück die Durlacher Altstadt.
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  •   de.schwule.sascha
    (161 Beiträge)

    08.07.2018 16:31 Uhr
    Booah
    Beim Anblick dieses Gebäude bekomme ich Depris'.
    Aber bitteschön, ich hab kein Problem mit der Erhaltung.
    Ich hoffe es wird etwas verschönert oder Originalzustand aus der Antike???
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  •   de.schwule.sascha
    (161 Beiträge)

    08.07.2018 16:32 Uhr
    ...
    *Gebäudes.
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  •   Kanzler
    (178 Beiträge)

    08.07.2018 13:25 Uhr
    Geschichte bewahren !
    Historische Gebäude müssen erhalten bleiben! Profitgier darf nicht die Oberhand über geschichtlich bedeutende Bauwerke gewinnen. Auch dieses Haus erzählt die Entwicklung der ehemaligen Stadt Durlach. Sehr viele Leben und Ereignisse haben über Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte zu "Erlebnis-Speichern" werden lassen. Hier wird Geschichte greifbar. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, für unsere Kinder, nicht nur zu wissen wie welche Smartphones zu bedienen sind, sondern durch Monumente der Geschichte zu lernen. Denkmale schützen heißt, unsere kulturelle Identität zu schützen und zu bewahren. Denkmale zu schützen bedeutet auch, Geschichte, Geschichten und Zeitgeist an authentischen Orten der Erinnerung lebendig zu halten.
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  •   Chris23
    (115 Beiträge)

    08.07.2018 13:53 Uhr
    Kultur bedeutet auch Wandel
    Wäre es aber nicht auch schön, dem kommenden Generationen die Entwicklung zu zeigen die unsere Kultur genommen hat. Vielleicht sogar in nähe und nicht in etlichen Zeitblasen? Das halte ich für glaubwürdiger, als eine Kopie der Vergangenheit neuzubauen. Denn das häuschen hat nicht mehr viel mit der Geschichte zu tun, durch dem Rückbau zerstörst du auch die geschichte der letzten 40-50 Jahre. Durch nichtstun, hast du vermutlich bald ein Monument welches andere evtl. als Ruine bezeichnen würden.
    Zudem etwas mehr nutzraum schadet auch der Stadt nicht, das Zefie macht sicher auch wichtige Arbeit die zur Kultur der Stadt beiträgt diese wird aber auch durch die Räumlichkeiten beschränkt - und so leicht neue Räumlichkeiten sind auch nicht zu bekommen.
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