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Karlsruhe AVG erklärt Personalnotstand für beendet: "Die ausgefallenen Fahrten haben uns viel Geld gekostet"

"Personalbedingt kommt es zu Zugausfällen." Dieser Satz soll in Zukunft nicht mehr zu hören sein für die Pendler, die mit den Bahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) unterwegs sind. In den letzten Jahren hat die AVG gegen den Personalmangel entgegengewirkt. Mit Erfolg. Doch mehr Fahrzeugführer sind nur ein kleiner Teil der neuen großangelegten Qualitätsoffensive.

"Es gibt nichts, was einen emotional mehr auf die Palme bringt, als ein Zug, der ohne Info ausfällt", sagt Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. Er weiß, dass in der Vergangenheit allzu oft die Fahrgäste der AVG in den letzten Jahren an der Haltestelle standen und einfach nicht abgeholt wurden. Mittlerweile hat die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft das Problem in den Griff bekommen.

Haltestelle Anzeige Fahrtausfall
"Wegen Personalunterbestandes fallen Züge aus" - das soll der Vergangenheit angehören. (Archivbild) | Bild: Florian Kaute

"Wir sind auf Kurs", freut sich Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer der AVG. Vor allem die Ausfälle auf der Linie S5, in immer wieder in die Kritik geraten ist, habe die AVG in den Griff bekommen. 

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Die Zugausfälle der S5 waren immer wieder in die Kritik geraten. | Bild: Thomas Riedel

"Wenn wir uns die Zahlen für die ersten vier Monate 2019 anschauen, dann sind wir hier fast ohne Ausfälle gefahren. Wir haben im Prinzip unsere Leistungen wieder voll erbracht", sagt Pischon gegenüber ka-news.

"Vereinzelt hatten wir Ausfälle, aber wir haben ab Mitte des Jahres die Anzahl der Fahrzeugführer im Soll-Bestand!" Damit erklärt Alexander Pischon den Fahrermangel bei der AVG für gelöst. 

AVG will Bestand weiter erhöhen

140 neue Triebfahrzeugführer wurden in den letzten vier Jahren ausgebildet und eingestellt. Allein 2018 kamen auf 96 Ausbildungsplätze über 1.000 Bewerber. "Wir bilden das ganze Jahr über aus und schon jetzt sind bis Mai 2020 alle Kurse voll belegt", erklärt Pischon.

Tamara Weschler AVG
Triebfahrzeugführerin bei der Arbeit. (Symbolbild) | Bild: AVG

Auf dem erreichten Bestand von 370 Fahrern will sich die AVG nicht ausruhen. "Es gibt immer wieder Kollegen, die in Rente gehen oder den Job wechseln. Daher bauen wir jetzt einen Puffer auf!" Auch, damit Überstunden Stück für Stück abgebaut werden können - ohne, dass es wieder zu Fahrtausfällen kommt. 

"Zugausfälle kosten uns viel Geld"

Durch ausgefallene Fahrten leidet nicht nur das Image der AVG, Kunden verlieren das Vertrauen in die Verkehrsgesellschaft. Auch finanziell wirkt sich das aus. "Eine ausgefallene Fahrt kostet uns dreifach", so Alexander Pischon gegenüber ka-news. "Wir zahlen die Trasse, ob wir fahren oder nicht, denn die haben wir schon ein Jahr im Voraus bestellt. Dann bekommen wir für die Fahrt selbst kein Geld und wir müssen eine Strafzahlung leisten!" 

Alexander Pischon, Geschäftsführer AVG
Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer bei der AVG, ist seit Sommer 2014 im Amt. | Bild: ka-news

Laut Pischon ging der Schaden in die Millionen. "Das reißt uns eine Lücke in die Bilanz", so Pischon weiter. "Es lohnt sich also nicht, Fahrten ausfallen zu lassen - es kam ja öfters der Verdacht auf, dass wir uns so gesundstoßen wollen. Das ist es nicht, denn es kostet uns Geld. Ein fahrender Zug, das ist das, womit sich die AVG finanziert!" 

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Kommentare (18)
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  •   teflon
    (2636 Beiträge)

    18.05.2019 09:19 Uhr
    Wer diese Aussage glaubt, muss reichlich
    naiv sein. Die AVG wird die nächsten 5 Jahre einige Strecken verlieren, weil ihre gezeigte Preis-Leistungsstatistik einfach nur unterirdisch ist. Das Einzige , was bei dem totgesparten Chaos immer pünklichst kommt , ist die allfällige Preiserhöhung. Und die wird mit kommenden Umlage der betriebskostenabhängigen Tunnelschwachsinnsgebühr ab 2021 äusserst heftig ausfallen. Die Kunden laufen seit 2013 scharenweise weg und somit wird sehr bald ein schlauer BWLer wieder einen Sparplan aufsetzen müssen . Der kommt dann ganz sicher zu dem Schluss, dass man zu viel teures Personal hat- und das ganze Dilemma geht von vorne los.Zudem ist die aktuelle Doppelspitze an Planlosig- und Erfolglosigkeit kaum zu übertreffen - da sollte man schnellstens was ändern.
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  •   BMWFahrer
    (199 Beiträge)

    18.05.2019 11:09 Uhr
    Beeindruckend
    Sie haben den vollen Einblick in die internen Strukturen und haben alle Mängel klar analysiert. Warum nur hat man nicht Sie als Geschäftsführer bestimmt?
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  •   Ein_Wanderer
    (323 Beiträge)

    17.05.2019 13:20 Uhr
    Ich sach ma:
    Mindestens so glaubwürdig wie Herr Seehofer. grinsen
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  •   ALFPFIN
    (6585 Beiträge)

    17.05.2019 10:54 Uhr
    Einen Puffer an Personal aufbauen?
    Gut, es wird im Winter wieder Ausfälle wegen der Wintergrippe, im Sommer wegen der Sommergrippe geben und dann gibt es noch die Urlaubsansprüche. Da ist es schon gut, wenn zusätzliches Personal da ist. Wie wird aber dann das Reservepersonal beschäftigt, wenn keine zusätzlichen Fahrer*innen erforderlich sind? Aber wahrscheinlich wird es das sowieso nicht geben.

    Ich bedauere ja zutiefst, das die Geschäftsführung der AVG so viel Ärger und auch Kosten wegen der Zugausfälle hatte.
    Also ich bin immer fröhlich 😒 an der Haltestelle gestanden, wenn die Bahn mal wieder nicht kam ( soll ja jetzt mit wenigen Ausnahmen nicht wieder vorkommen) und noch fröhlicher stimmte mich dann der Gedanke, dass mich die Jahreskarte 552 Euro kostet. Bei diesen Kunden kann der Herr Geschäftsführer richtig lachen, denn das Geld hat die AVG ja schon auf dem Konto. Und ohne regelmäßige Fahrpreiserhöhung würde uns was fehlen und was folgt daraus, richtig, das schlägt uns aufs Gemüt. traurig
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  •   Neureuter
    (39 Beiträge)

    17.05.2019 10:25 Uhr
    Nachtrag...
    "Die ausgefallenen Fahrten haben uns viel Geld gekostet"
    Die Überschrift sagt ja schon alles!!!
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  •   Neureuter
    (39 Beiträge)

    17.05.2019 10:22 Uhr
    Null Problemo...
    ... das ist doch DIE[/i] beste Ausrede für die nächste Fahrpreiserhöhung.
    Der Fahrgast darf die Bilanzlücke füllen.
    Vielleicht nicht sofort - würde ja auffallen.
    Aber über einen gut getimten Zeitplan - [i]NULL PROBLEMO!!!
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  •   myopinions
    (945 Beiträge)

    17.05.2019 09:15 Uhr
    .................wenn ein Geschäftsführer
    seinen Laden nicht im Griff hat, ist er fehlbesetzt. Dann sollte man sich nach einem Ersatz umsehen.
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  •   mueck
    (10442 Beiträge)

    17.05.2019 11:11 Uhr
    Hat man doch
    Dieses Ei hat uns Casazza ins Nest gelegt. Der hat die Personalstände reduziert.
    Die beiden neuen haben dann diesen alten Kurs mit verstärkter Ausbildung repariert, aber das geht nun mal nicht von heute auf morgen angesichts des bundesweiten Personalnotstands in diesem Bereich.
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  •   maehdrescher
    (1105 Beiträge)

    17.05.2019 08:56 Uhr
    Pischon erklärt Personalnotstand für beendet.
    Soso. Kanzlerin Merkel erklärte auch schon 2016 die Flüchtlingskrise für beendet. Nur: das Thema beschäftigt uns auch heute, drei Jahre später, noch immer.

    Hat sich Herr Pischon von der Kanzlerin inspirieren lassen oder sollen wir seine Worte ernst nehmen?
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  •   albern
    (226 Beiträge)

    17.05.2019 14:04 Uhr
    Wenn ein Mähdrescher leeres Stroh drischt…
    …kommt dabei auch kein Korn raus.

    Und wenn der Mähdrescher mal in Rente geht nimmt er Auszahlungen aus den Sozialbeiträgen der Deutschen mit Migrationshintergrung gern entgegen, und lässt sich von den Zügen der AVG (mit DmM als Fahrer?) zum Zoo fahren (mit DmM als Tierpfleger?), um ein Eis (vom DmM) zu kaufen und abends dann im Restaurant (Inhaber: DmM) etwas exotisches zu essen und schließlich im Theater einem echten Othello (auch DmM) zuzuhören. Das Bier zum Abschluss ist wahrscheinlich auch von einem DmM gebraut (vieleicht nur aus Bayern oder Franken).

    Wer mal über den Moment hinaus denkt sieht, dass die Kurskorrektur der AVG weniger Zeit braucht, und dass auch das Integrieren von "Merkels" Flüchtlingen schneller zum Vorteil wird als z.B. die Vereinigung der beiden deutschen Staaten.
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