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Karlsruhe 30 Jahre warten: Wann bekommt Knielingen-Nord Bahn-Anbindung?

Im Nordwesten der Stadt soll ein neues, attraktives Quartier entstehen: "Knielingen 2.0.". Was allerdings noch fehlt: eine Anbindung des neuen Wohngebiets. Geplant ist diese schon seit Jahren. In der Vergangenheit kam es allerdings immer wieder zu Verzögerungen. Jetzt soll aber ein entscheidender Schritt getan werden.

Rund 10.000 Menschen leben in Knielingen, im zweitgrößten Stadtteil der Fächerstadt. Hier tut sich im Norden einiges: Nach Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem Kasernengelände an der Sudetenstraße nach Ende des Kalten Krieges stand die Frage im Raum, was mit dem ehemaligen Militärgelände passieren sollte. Rund 35 Hektar Fläche wurden frei - und die Stadt entschied, dass hier ein ganz neues Quartier entstehen sollte. 

Luftbild Knielingen
Zwischen der Eggensteiner-, Sudeten- und Pionierstraße planten die Verantwortlichen neue Wohneinheiten. | Bild: (Stadt Karlsruhe)

Dass Knielingen gut an den Schienenverkehr angebunden werden soll, wurde bereits in einem Grundsatzbeschluss 1987 - und damit vor Aufstellung des Bebauungsplans für Knielingen-Nord - festgelegt. Nach zwei Planungsstops im Jahr 1994 und 2004 geschah lange Zeit nichts. Erst im Jahr 2008 taucht im Bebauungsplan für "Knielingen 2.0" eine Verlängerung der Straßenbahnlinie zur Erschließung von Knielingen-Nord in der Planung wieder auf. Während bereits mit der Bebauung des Areals begonnen wurde, wurde 2010 ein Planfeststellungsverfahren durch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) eingereicht. 

"Nach Vorliegen der für 2015 zu erwartenden Planfeststellung könnte - sofern die Zuschüsse bewilligt sind - ab 2016 mit dem Bau begonnen werden", so das Fazit der Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 2014.  Auch im Nahverkehrsplan des Karlsruher Verkehrsverbunds für das Jahr 2014 taucht die Streckenerweitung in Knielingen-Nord auf. Die Tramverlängerung sei bereits Bestandteil des Nahverkehrsplans aus dem Jahr 2006 gewesen. "Nach der Zurückstellung ist die Umsetzung frühestens 2015 vorgesehen", heißt es im Nahverkehrsbericht.

Stadt gibt grünes Licht für 12 Millionen Euro teuren Ausbau

Es sollte tatsächlich bis 2016 dauern, bis das Thema überhaupt wieder im Karlsruher Gemeinderat landete. Das Signal der Karlsruher Stadträte war dann aber eindeutig: Den Plänen der VBK wurde einstimmig zugestimmt. Damit hatte der Karlsruher Gemeinderat grünes Licht für die vorgeschlagene Planfeststellung für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 2 in das Wohngebiet Karlsruhe-Nord gegeben. 

Konkret planen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) den Neubau und Betrieb einer Straßenbahnanlage auf einer Länge von 1,5 Kilometern im Karlsruher Stadtteil. Die Linie 2 soll dann vom heutigen Endpunkt an der Haltestelle Lassallestraße bis in das Wohngebiet Knielingen-Nord in die Egon-Eiermann-Alle verlängert werden.

Ausbau der Linie 2 nach Knielingen
Vier neue Haltestellen sollen im Karlsruher Stadtteil Knielingen entstehen. |

Entlang der Strecke sollen vier neue Haltestellen entstehen: die Haltestellen Sudetenstraße, die Haltestelle Pionierstraße, die Haltestelle Egon-Eimermann-Allee sowie die Haltestelle Knielingen-Nord. An der Kreuzung Siemensallee/Sudetenstraße soll zudem ein Kreisel gebaut werden. Kostenpunkt für das gesamte Bauvorhaben: 12 Millionen Euro. 

Verlängerung der Tram 2 nach Knielingen
Die zweigleisige Neubaustrecke beginnt in der Siemensallee in Höhe des heutigen Gleiswendedreiecks an der Lassallestraße, führt künftig in Mittellage noch weiter durch die Siemensallee, schwenkt dann an der Kreuzung mit der Sudetenstraße nach Nordosten und folgt dieser Straße rund 750 Meter bis zur Einmündung der Egon-Eiermann-Allee. | Bild: Stadt Karlsruhe

Aktuell ist das Wohngebiet im Knielinger Norden vor allem mit Bussen an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Ende des Jahres 2015 nahmen die VBK die Bus-Linie 76 in Betrieb. Die Linie startet an der Endhaltestelle der Tram 2, Lassallestraße, und bedient alle 20 Minuten die Haltestellen Sudetenstraße, Pionierstraße, Egon-Eiermann-Allee und Knielingen Nord. 

Auch ein Jahr nach dem Beschluss noch kein Baubeginn 

Nach dem positiven Beschluss aus dem Karlsruher Gemeinderat hieß es für die VBK allerdings: erstmal weiter warten. Der Grund: Bei einem Planfeststellungsverfahren obliegt die Betreuung des Verfahrens dem zuständigen Regierungspräsidium. Bevor die Bagger rollen können, brauchen die Verkehrsbetriebe daher noch die Genehmigung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Und genau diese ließ bislang noch auf sich warten. 

Das Warten sorgte nicht zuletzt bei der Karlsruher SPD für Unmut: Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe hätten darauf hingewiesen, dass der geplante Baubeginn Ende 2017/Anfang 2018 nur noch zu realisieren sei, wenn bis März 2017 die mit dem Land erforderlichen Planfeststellung- und Finanzierungsvereinbarung zum Abschluss gebracht werden könnten, teilten die Sozialdemokraten mit. Die Fraktion forderte zum schnellen Handeln auf. 

Wann können die VBK mit dem Bau beginnen?

Jetzt soll es nach vielen Jahren des Wartens aber soweit sein: Am heutigen Freitag will Regierungspräsidentin Nicolette Kressl den Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der Straßenbahnstrecke an Oberbürgermeister Frank Mentrup und die VBK-Geschäftsführer Alexander Pischon und Ascan Egerer übergeben. 

Mit dieser Übergabe können die VBK dann konkrete Pläne für die Verlängerung erarbeiten. Bis wann dann tatsächlich mit dem Bau begonnen werden kann und bis wann auch in "Knielingen 2.0.". Bahnen unterwegs sein werden, ist derzeit noch nicht bekannt. ka-news wird beim Termin vor Ort sein und über die weiteren Pläne berichten. 

Hintergrund bei ka-news:

"Knielingen 2.0" ist ein Projekt der Stadt Karlsruhe und der Volkswohnung. Es benennt den neuen Stadtteil im Nordwesten der Fächerstadt. Das Baugebiet liegt zwischen der Sudetenstraße, der Eggensteiner Straße und der Pionierstraße. Das Bauprojekt soll vor allem für Naturnähe und verdichtetes, gemeinschaftliches Wohnen stehen. 

Bauträger ist die Konversionsgesellschaft Karlsruhe mbH (KGK), ein Unternehmen im Konzern Volkswohnung. Die Immobilien-Vertriebsgesellschaft der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen hat den Exklusivvertrieb für das Projekt loswohnen übernommen. 

Allein von 2012 bis Ende 2016 hat das kommunale Immobilienunternehmen in Karlsruhe nach eigener Aussage 481 Mietwohnungen im fertiggestellt. Bis 2020 sollen in der Fächerstadt rund 1.500 neue Mietwohnungen errichtet werden, rund 60 Prozent davon öffentlich gefördert. 

Weitere Informationen zu "Knielingen 2.0." finden Sie auf der Seite der Volkswohnung (Link führt auf externe Seite). 

Mehr zum Thema: 

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  •   Salaud
    (245 Beiträge)

    29.07.2017 19:51 Uhr
    Träumt weiter ...
    Der KVV hat es trotz zahlloser Beschwerden bis heute nicht geschafft, die Züge der Linie 2 so zu verlängern, dass die zahlende, allmorgendlich zu den Stoßzeiten in den völlig überfüllten Zügen stehende und in den scharfen Kurven über den Mittelflur purzelnde Kundschaft sicher sein kann, unbeschadet in Knielingen anzukommen. Vor diesem Hintergrund den Versprechungen hinsichtlich einer Erweiterung der Strecke zu glauben, fällte äußerst schwer.
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  •   de.schwule.sascha
    (191 Beiträge)

    28.07.2017 13:38 Uhr
    Na
    das ging ja schnell seit 1987. Die Zeit fliegt.
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  •   zweiundvierzig
    (104 Beiträge)

    28.07.2017 13:12 Uhr
    Noch ein Kreuzel
    reichen die schlechten Erfahrungen mit der runden Kreuzung in der Oststadt nicht aus?
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  •   Eckfaehnchen
    (2681 Beiträge)

    28.07.2017 11:03 Uhr
    12 Millionen € für 1,5 km Straßenbahnschienen
    und einen Kreisel ? Man mag es kaum glauben. Und wenn es sich noch weiter hinaus zieht werden vielleicht
    ganz schnell 15 Millionen. Da wünscht man sich, dass Frau Kressl mit ihren Unterlagen heute pünktlich bei
    Herrn Mentrup eintrifft und die Arbeiten beginnen können.
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  •   timo
    (3088 Beiträge)

    28.07.2017 13:16 Uhr
    Straßenbahnschienen
    sind nicht das einzige was benötigt wird. Angefangen mit dem Tiefbau, Straßenbau, Entwässerung, Oberbau, Oberleitungsanlage, 50 Hz, Signaltechnik... Welches Projekt nehmen Sie als Vergleich, dass Ihnen 12 Mio. € hoch erscheinen?
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    28.07.2017 13:37 Uhr
    drum lieber Parkplätze auf dem
    Grünstreifen einreichten. ÖPNV in der heutigen Form hat eh keine Zukunft wenn bald überall autonom fahrende Sammeltaxis rumkurven die wesentlich konfortabler sind..
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    31.07.2017 01:43 Uhr
    wer sagt....
    ... dass die autonomen Sammeltaxis bequemer sind und für wen?
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  •   teflon
    (2676 Beiträge)

    28.07.2017 14:18 Uhr
    Es gibt ja einen
    Linienverkehr, der imo ausreicht- man kann ja die Takte anpassen und mit den Busgrössen variieren. Aber in Schlida muss immer alles bimmeln,auf Schienen rattern & quietschen und im Ergebnis sauteuer sein. Der Ludwig hat der Stadt eine Straba- Hirnwäsche verpasst, dass es einem schwindlig wird.
    Raus mit der Kohle..helau
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    31.07.2017 01:42 Uhr
    die Bahnen....
    ..... fahren fast in der ganzen Stadt auf besonderen Bahnkörpern. Jetzt die auf Bus umzurüsten wäre sauteuer und -siehe Hamburg- bringt nichts, weil der Bus eben doch sehr anfällig ist und geringe Kapazitäten hat.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    28.07.2017 10:06 Uhr
    Da gehts
    aber zweimal scharf um die Kurve und dazu die Wendeschleife. Die nicht bahnnutzenden Anwohner werden sich freuen.
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