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Karlsruhe 1,4 Millionen Euro: Europahallen-Ausfall kommt Stadt teuer zu stehen

Im Juni wurde die Europahalle aufgrund mangelnden Brandschutzes geschlossen - nun hat die Stadt konkrete Zahlen vorgelegt: Rund 1,4 Millionen Euro muss die Stadt in die Hand nehmen. Von diesem Geld soll zum einen der Verlust der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK) ausgeglichen werden. Weiterhin will die Stadt zwei Hallen der Messe Karlsruhe mit einer Rundbahn sowie einem Infield zur Sportarena umrüsten. Auch eine Tribünenanlage für rund 4.500 Zuschauer soll angeschafft werden.

Die Schließung der Europahalle sieht man bei der Stadt als Chance, das Gesamtkonzept "Großveranstaltungen in Karlsruhe" zu überdenken: "Die aktuelle Situation der Europahalle kann dazu geeignet sein, über die generelle Situation und Strategie im Hinblick der städtischen Veranstaltungsstätten, weiterführende Gedanken zu entwickeln", heißt es in der Beschlussvorlage, welche am kommenden Dienstag dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt wird.

828.000 Euro für "Sportarena" in der Messe Karlsruhe

In einem gemeinderätlichen Hauptausschuss wurde in nichtöffentlicher Sitzung am vergangenen Dienstag über die Konsequenzen der Europahallen-Schließung beraten: Ein zentraler Vorschlag der Verwaltung sieht vor, die KMK zu beauftragen, die vorhandenen Hallen und Einrichtungen am Festplatz und auf dem Messegelände temporär so zu ertüchtigen, dass Veranstaltungen aus der Europahalle dorthin verlagert werden können.

Die Mehrkosten werden mit rund 600.000 Euro kalkuliert - insgesamt müssen zirka vierzig Veranstaltungen verlegt werden. Gleichzeitig soll die KMK den Kauf einer Tribünenanlage für die Messe zur Senkung der Infrastrukturkosten überprüfen. Die Karlsruher Event GmbH erhält zudem zur temporären Ertüchtigung einer Messehalle als Sportarena einen Zuschuss von 828.000 Euro. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit soll zudem der Kauf von Rundbahn und Infield geprüft werden. Bei einer Kaufentscheidung erhöht sich der Zuschuss für 2015 um 130.000 Euro und würde sich in den Folgejahren entsprechend reduzieren.

Karlsruhe hat neues Konzept bitter nötig

Im Falle auszusprechender Absagen gegenüber Veranstaltern ist mit Regressforderungen in sechsstelliger Höhe zu rechnen. Parallel soll die Verwaltung beauftragt werden, mit allen Beteiligten ein zukunftsfähiges Veranstaltungsstättenkonzept zu entwickeln.

Das ist in Karlsruhe dringend nötig, denn: "Die im Istzustand im städtischem Besitz befindlichen Gebäude für Veranstaltungen weisen vielfach Mängel auf", ist in der Beschlussvorlage zu lesen. Aufgeführt werden technische Mängel wie der Brandschutz in der Stadt- und Europahalle und eine unzureichende Infrastruktur wie mangelnder Parkraum bei der Europahalle oder der ÖPNV-Anschluss an die Messe. Weiterhin hindern "gestalterische Unzulänglichkeiten" - beispielsweise in der Stadt-, Schwarz- und Europahalle - eine "zielgerichtete Vermarktung und Belegung der Veranstaltungsstätten" in Hinblick auf eine "imagebildende Positionierung" Karlsruhes.

Stadt: "Imageschaden muss abgewendet werden"

"Für das Profil der Kultur- und Sportstadt Karlsruhe sowie der gesamten Region sind attraktive Veranstaltungsstätten und zukunftsfähige Nutzungskonzepte grundlegende Voraussetzungen", äußert sich Oberbürgermeister Frank Mentrup.

"Mit den jetzt zur Abstimmung stehenden Vorschlägen können wir einen gravierenden Imageschaden vermeiden, uns als verlässlicher Partner auch in schwierigen Situationen präsentieren und das Vertrauen der Veranstalter von national wie international beachteten Sport- und Musik-Events stärken", zeigt sich das Stadtoberhaupt überzeugt.

Kommen die Rhein-Neckar-Löwen nach Karlsruhe?

Für die Sportveranstaltungen 2015, wie das Indoor-Meeting und weitere Leichtathletik-Wettkämpfe, ist eine kontinuierliche Belegung in der Halle 2 des Messegeländes geplant. Die dm-arena ist aufgrund anderer vertraglich finanzierter Belegungen für den langen Zeitraum nicht verfügbar.

Parallel zu den Einzelverlegungen soll die Messehalle laut Beschlussvorlage so ertüchtigt werden, dass 2015 neben den Leichtathletikveranstaltungen auch die BTB-Turngala sowie die Deutsche Meisterschaft im Judo stattfinden können. Vorstellbar wäre vonseiten der Stadt dann auch "aktuell vorliegende Anfragen der Rhein-Neckar-Löwen für Ende Februar zu realisieren".

Konzept soll auf dm-Arena übertragbar sein

Ursprünglich vorgesehen war für solche Großveranstaltungen die dm-Arena der Messe - hier fehlte bislang jedoch oftmals eine Tribünenanlage. Sie wurde damals aus Kostengründen in den Neubau der dm-Arena nicht berücksichtigt, bestätigt KMK-Chefin Britta Wirtz auf ka-news-Nachfrage. Besser spät als nie: jetzt soll auch die Tribüne angeschafft werden - auf ihr sollen mehr als 4.500 Zuschauer Platz finden. Die Umrüstung der Halle 2 soll nach Plänen der Stadt problemlos in die dm-arena übertragen werden können.

Die vollständige Vorlage für die öffentliche Sitzung des Gemeinderats am kommenden Dienstag, 22. Juli, gibt es hier.

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  •   karlsruher1955
    (1170 Beiträge)

    21.07.2014 23:04 Uhr
    Europahallen-Ausfall kommt Stadt teuer zu stehen
    Karlsruhe - wir können alles, aber nichts richtig -
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  •   ralf
    (3655 Beiträge)

    21.07.2014 16:43 Uhr
    Europahalle alleine für Sportunterricht nicht rentabel
    Kann man die Halle nicht zur kombinierten Schulsport- und Skatehalle umbauen?
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  •   likeka
    (471 Beiträge)

    21.07.2014 14:46 Uhr
    Das wird dm sicher freuen...
    dm bezahlt seit Jahren Geld dafür, dass eine Messehalle dm-Arena heißt, und jetzt, wo einige überregionale Veranstaltungen in die Messe kommen, legt man diese in Halle 2 und nicht in die dm-Arena. Als Sponsor würde mich das nicht gerade freuen!
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  •   andip
    (9750 Beiträge)

    21.07.2014 15:52 Uhr
    Das
    steht doch im Artikel.
    Die DM-Halle ist bereits ausgebucht,da kann man wohl keine zusätzlichen Veranstaltungen dazwischen schieben.
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  • unbekannt
    (335 Beiträge)

    21.07.2014 14:43 Uhr
    Vor 1-2 Jahren erst Saniert/Repariert etc.
    Sind die Betreiber mit dem Berlinder Flughafen verwandt oder wie schafft man sowas ? Sie haben einen Job. Sich um die Halle zu kümmern x Angestellte und schaffen es nicht. Ihr Seid Europahalle! grinsen
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  • unbekannt
    (335 Beiträge)

    21.07.2014 14:47 Uhr
    Achso
    Fremdes Geld gibt sich immer leichter aus. Wenn man es dazu auch gar nicht zu Gesichtbekommt hört sich eine Million gar nicht viel an und eine Milliarde hört sich so ähnlich an.
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    21.07.2014 13:44 Uhr
    Spannende Fragen an die Betreiber und das Management
    Da gibt schon einige spannende Fragen an den Betreiber der Europahalle:
    - Besitzt die Europahalle lediglich eine Zulassung für Sportveranstaltungen? Durften Konzerte und sonstige Veranstaltungen, bei denen die Besucher nicht nur auf den vorgesehenen Sitzplätzen sondern sich auch im Innenbereich der Halle aufhielten überhaupt jemals dort durchgeführt werden? Die Problematik Fluchtwege aus dem Innenbereich stellt sich ja bereits seit mehreren Jahren.
    - Gab es für die Gastronomiezeile jemals eine Zulassung? War diese in den ursprünglichen Hallenplänen vorgesehen?
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  • unbekannt
    (64 Beiträge)

    21.07.2014 12:30 Uhr
    Typisch Karlsruhe
    Die Schnarchsäcke im Rathaus sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, Scheiß drauf was mit der Bevölkerung passiert!
    Würde man sich kümmern, wäre viel Geld einzusparen, aber das kommt ja vom blöden Steuerzahler da muss man ja nicht drauf achten.
    Es ist eine Schande, wenn man sich dafür schämen muss, zu sagen dass man in Karlsruhe geboren ist und da auch noch lebt.
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  •   Esslinger
    (333 Beiträge)

    21.07.2014 22:07 Uhr
    Hallo!
    Ich kann es verstehen, wenn sich manche Karlsruher schämen welche zu sein. Das ist schonmal eine gute Selbsterkenntnis. Allerdings wäre es ratsam sich um die Probleme zu kümmern. Das wäre der nächste Schritt.

    Du bist schonmal auf einem guten Weg! Wie der Alkoholiker, der das erste mal ausspricht, das er zu viel trinkt. Nun geht es um Lösungsansätze. Ich kann dabei gerne behilflich sein.
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    21.07.2014 11:30 Uhr
    Mal wieder 100 Millionen mehr für den Tunnel sind Peanuts, und 1,4 Mio ein Problem?
    Da stimmt doch was nicht zwinkern
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