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Karlsruhe Karlsruher Kurbel wird geschlossen

Eine Filmvorführung für einen Kindergeburtstag war der letzte Akt, danach schloss sich der Vorhang für immer. Am vergangenen Mittwoch, 28. Juli, teilte der Insolvenzverwalter den Betreibern der Kurbel mit, dass sie am Donnerstag, 29. Juli, schließen müssen. Am heutigen Freitag ist die Schlüsselübergabe.

Aktualisierung 21. Oktober 2010: Die Kurbel unter neuem Gesellschafter wieder eröffnet.

Zentral, günstig, gemütlich - so beschrieb sich das Traditionskino Kurbel in der Kaiserpassage. Der Duft von Popcorn, das Rascheln der Tüten, das Rattern der Kinofilme: All das wird die Kurbel zukünftig nicht mehr anbieten können.

Bis Ende 2009 waren sich alle einig

"Wir sind sehr traurig darüber, dass wir unser Kino verlieren", sagte Mitgesellschafter Christoph Stappert. Dem Aus, das für die Betreiber doch sehr plötzlich kam, gingen monatelange Streitigkeiten mit dem Vermieter voraus.

Vor einiger Zeit entstand die Idee einer Kooperation von Kurbel und Kinemathek. Beide sollten von der Idee profitieren. Die Kurbel bot dem kommunalen Kino an, einen ihrer vier Säle unterzuvermieten. Bis Ende 2009 waren sich beide Seiten einig, der Vermieter hatte den geplanten Umbaumaßnahmen zugestimmt.

Heute werden die Schlüssel übergeben

Im Januar 2010 sollte mit dem Umbau begonnen werden, damit das Gebäude im März für die Kinemathek einzugsbereit sei. Da dies aber bedeutet hätte, dass während der acht- bis zehnwöchigen Umbauphase auch Die Kurbel teilweise ihren Kinobetrieb auf Eis legen müsste, platzte die Vertragsunterzeichnung. "Wir können uns einfach keine Umsatzeinbuße leisten", sagte Kurbel-Geschäftsführer Theo Herbstrith damals gegenüber ka-news.

Jetzt hat der Vermieter dem Insolvenzverwalter die Pistole auf die Brust gesetzt, sagte Stappert. Wahrscheinlich habe der Vermieter es vorgezogen an einen Verein zu vermieten, der von der Stadt unterstützt wird. Heute werden die Schlüssel übergeben.

"Das ist ein Skandal"

"Wir haben vor fünf Jahren dieses Gebäude gerettet. Und das ist jetzt der Dank dafür. Der Verdacht liegt nahe, dass wir bei der vermeintlichen Kooperation eigentlich nie eine wirkliche Chance hatten", so Stappert. Die Kinemathek werde als städtischer Verein mit hundertausenden Euro unterstützt, da könne ein kleines Kino wie die Kurbel nicht mithalten.

"Es ist ein Skandal, wie auf der einen Seite - nämlich bei der Kinemathek - das städtische Geld zum Fenster herausgeschmissen und auf der anderen Seite an kulturellen und sozialen Einrichtungen der Rotstift angesetzt wird", empört sich Stappert.

Die Kurbel ist am Ende

"Der Umstand, dass die Kurbel schließt, geht auf eine privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Vermieter und dem Betreiber der Kurbel zurück. Diese möchte die Stadt Karlsruhe nicht kommentieren", teilte die Stadt auf Anfrage von ka-news mit.

Bereits im letzten Sommer wurde der Mietvertrag vom Vermieter gekündigt. Bis Ende Juni 2010 sollte entschieden werden, wie es mit der Kurbel weitergeht. Heute ist klar: Die Kurbel ist am Ende - nach mehr als 50 Jahren.

Aktualisierung 21. Oktober 2010: Die Kurbel unter neuem Gesellschafter wieder eröffnet.



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  • unbekannt
    (557 Beiträge)

    01.08.2010 10:51 Uhr
    Wenn schon Satire
    ...dann aber bitte richtig: Also nackig, im für die geplanten Notausgänge zu breiten Rollstuhl sitzend während eines Notfalls und dabei brüllend: "ich trete nicht zurück, ich habe nichts unterschrieben"
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  • unbekannt
    (475 Beiträge)

    31.07.2010 16:08 Uhr
    Jetzt...
    ...geht es los.
    Zoo-Ausbau, Call-a-Bike, Kurbel, Staatstheater, ZKM...
    hätte da ein Vorschlag für eine Karikatur der BNN.
    Unseren Bürgermeister, nackich, wie er die Stadtbahn in den Tunnel drückt zwinkern
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  • unbekannt
    (4 Beiträge)

    31.07.2010 13:02 Uhr
    Zahlt,
    aber dafür gute Miete.
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  •   Insider
    (744 Beiträge)

    31.07.2010 13:10 Uhr
    Wem?
    Der Stadt oder dem Vermiete?. Selbst wenn, Milchmädchenrechnung!
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  • unbekannt
    (4 Beiträge)

    31.07.2010 12:39 Uhr
    Weiter kommerzielle Filme, in der Kurbel.
    Die Kurbel-Genossenschaft bekommt natürlich keinen städtischen Zuschuss.
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    31.07.2010 21:44 Uhr
    Kurbel Genossenschaft - FAKE
    Dass die neu gegründete Kurbel-Genossenschaft nicht von dem Zuschuss der Stadt profitiert ist schon deshalb ein Witz, weil die Kinemathek-Betreiber höchst selbst GENOSSEN sind! Hier sind Betrug und Verschwendung öffentlicher Gelder Tür und Tor geöffnet! Wer soll das schon kontrollieren können! Beruhigend nur, dass ALLE MITARBEITER DER KURBEL ÜBERNOMMEN WERDEN MÜSSEN, da es sich um einen Betriebsübergang handelt. Ob die "Neuen" das schon wissen?
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  •   Insider
    (744 Beiträge)

    31.07.2010 12:53 Uhr
    Baukostenzuschuss ist...
    ... also kein Zuschuss! Interessant! Die Genossenschaft profitiert doch auch davon!
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  •   Insider
    (744 Beiträge)

    31.07.2010 12:33 Uhr
    Ein Beispiel von mehreren!
    Wenn das so stimmt, wie es oben beschrieben ist, dann ist das nur ein Beispiel von vielen in KA, wo durch insitutionell bezuschusste Kultur es den privatgeführten Unternehmen sehr schwierig gemacht wird oder sie sogar pleite gehen. Die einzigen, die das bisher erkannt haben, sind FDP und teilweise CDU. Man muss Kultur auch bezuschussen, die Frage ist aber was und wie!
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  •   abakus
    (1066 Beiträge)

    31.07.2010 14:30 Uhr
    Link zum Zitat
    Stadt zur Kurbel und Kinemathek

    Hier kann man es auf der Seite der Stadt nachlesen
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  • unbekannt
    (4 Beiträge)

    31.07.2010 12:20 Uhr
    der Beginn einer großen Freundschaft,
    die Kurbel-Genossenschaft wird nach einem Umbau die Kurbel zusammen mit der Kinematek weiter führen, d.h. die Pächter wechseln, die Kurbel lebt weiter.
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