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Karlsruhe Karlsruher Künstler Markus Lüpertz über Maler, Genies und falsche Bescheidenheit

Künstler Markus Lüpertz (77) hält nichts von falscher Bescheidenheit. In Deutschland gelte derjenige als sympathisch, der sich demütig gebe. "Selbstbewusstsein wird übel genommen." Das ist aus seiner Sicht grundfalsch.

"Man kann sich doch bei dieser einmaligen Chance, die man mit dem Leben hat, nicht freiwillig bescheiden", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Lüpertz fragt sich: "Was soll das? Man hat mich ins Leben gesetzt. Also muss ich damit fertig werden. Vorher war ich ewig. Erst durch die Unbeherrschtheit meiner Eltern werde ich sterben müssen. Mir macht das Leben irre Spaß, doch irgendwann ist Schluss. Da soll ich demütig sein? Eher stocksauer!"

Der frühere Rektor der Düsseldorfer und Karlsruher Kunstakademie sieht sich selbst als Genie. Schließlich ist das für ihn unabdingbare Voraussetzung, um Künstler zu sein: "Malerei ist ein Handwerk, das es schon ewig gibt. Da gibt es nichts Neues. Es gibt nur neue Maler." Und um diesen kleinen Schritt vom Handwerk der Malerei in die Qualität der Kunst zu gehen, brauche man Genie.

Mit dem Begriff "Malerfürst", wie er oft betitelt wird, kann er allerdings nichts anfangen. Und das hat nichts mit Bescheidenheit zu tun: "Der Begriff ist völliger Blödsinn. Das müssen Sie sich mal vorstellen: Ein 77-jähriger hochintelligenter Kerl nennt sich Malerfürst - für wie blöd halten die mich?"

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Kommentare (19)
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  •   IchKA
    (653 Beiträge)

    19.12.2018 02:19 Uhr
    Latent ist gut CenaroBotti
    "Lüpertz scheint mir da latent überbewertet." Vortrefflich süffisant formuliert. Da capo.
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  •   dramutie
    (1518 Beiträge)

    18.12.2018 21:11 Uhr
    und das ist maximal unangemessen:
    "Man hat mich ins Leben gesetzt. Also muss ich damit fertig werden. Vorher war ich ewig. Erst durch die Unbeherrschtheit meiner Eltern werde ich sterben müssen."

    wer die schöpfungsgeschichte darstellen will, sollte sich auch mit den 10 geboten auskennen - genau gesagt, mit dem vierten gebot. wahrscheinlich hätte er für die zitierten sätze von seinen altvorderen eins hinter die löffel gekriegt. und das völlig zu recht.
    falls der künstlerfürst das nicht verstehen sollte, darf er sich gerne vom projekt distanzieren. meinen segen dazu hat er.
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  •   dramutie
    (1518 Beiträge)

    18.12.2018 20:46 Uhr
    dem sog. genie
    sollte man mal gnädigerweise den unterschied zwischen "selbstbewusstsein" und "selbstüberschätzung" erklären.
    falls seine aufmerksamkeitsspanne das überhaupt zulässt.
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  •   mcclaney
    (1411 Beiträge)

    18.12.2018 18:40 Uhr
    ...
    Genies schaffen Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle für die Ewigkeiten. Sie klatschen nicht Keramikfließen an die Wände irgendwelcher urinverdreckter U-Bahnhaltestellen.
    Reality Check für den Träumer.
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  •   betablocker
    (3948 Beiträge)

    18.12.2018 21:31 Uhr
    Wahrscheinlich
    hält er sich für einen zweiten Leonardo. Einzig am Werk mangelts. grinsen
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  •   teflon
    (2578 Beiträge)

    17.12.2018 17:46 Uhr
    Man kann von seiner Definition von
    Kunst halten was man will, aber von seinem selbstbewussten Selbstmarketing kann der OB und sein Gefolge noch viel lernen. Diese Mischung aus fachlichem Selbstbewusstsein und realer Egozentrik findet man nicht so häufig in der Form bei Kunstschaffenden , dass die ihre Kunst auch gewinnbringend vermarktet bekommen. Allerdings hat er die Stadt sauber & clever über den Tisch gezogen und das zeigt nur, wie dicht der ganze Filz in Karlsruhe wirklich ist.
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  •   IchKA
    (653 Beiträge)

    18.12.2018 14:29 Uhr
    Ein großes Genie
    ist der Meister in einer Beziehung schon. Es sucht seinesgleichen in der Kunstszene mit welch überbordenem Selbstwußtsein sich der Meister selbst inszeniert und sich hochstilisiert zum Kunstmessias. Muss er auch, Inszenierungen kosten nun mal. Es ist zweifelsohne beachtlich, egal welch Unsinn der Fürst manchmal verlautbart, muss er auch, denn kunstgeschichtlich fällt Lüpertz dramatisch ab im Hinblick auf die meisten seiner arrivierten Weggefährten. Er fokussiert sich aufs lautstarke Polarisieren, was bleibt ihm auch sonst? Manche himmeln den Meister an, die meisten finden seinen Kunst schlichweg gräßlich. In der bedeutungshungrigen Karlsruher Rathaus-Provinz zieht die Nummer immer noch. Der Showman der Kunstszene lebt gut von der Naivität der Leute, aber es braucht die anbiedernde, oft peinliche Selbstinszenierung. Die wirklich Großen nicht. Ein Baselitz, Richter, Kiefer bestechen durch ihre Kunst und wahre Genies brauchen eben keine schambefreite laute Selbstinszenierung.
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  •   IchKA
    (653 Beiträge)

    17.12.2018 14:24 Uhr
    Das selbsternannte Malergenie
    hat wieder einmal Probleme mit seiner Selbstwahrnehmung: "Ich hatte mit keinem Wort gesagt, was ich machen würde - und gleich gab es die Diskussion, ob man das überhaupt machen dürfe." Von Anfang an war klar, dass nach der eigenen Angabe des "von Gott gesandten" Lüpertz die Stadt mit Genesis beglücken wollte. Beglücken wollte er auch Augsburg, Salzburg, Bonn etc.pp, aber die Bürger fühlten sich alles andere als beglückt vom Lüpertz Werk. Seine "Kunst" musste nach Protesten aus dem öffentlichen Raum entfernt werden. Auch in KA scheinen die meisten Bürger nicht beglückt über die beiden Stelen vor dem Staatstheater, für die er von der Stadt sein Nobelanwesen in der Südl. Hildapromenade erhalten hat. Sein Impressario A. Goll, gescheiterter Ex-Majolika-Manager, lässt verlauten, dass das Projekt die Bürger nichts koste, tut es doch, weil es steuermindernde Spendenbescheinigungen gibt. Zugleich verliert die KVV über eine halbe Mill. durch Wegfall der Werbeflächen. Ein Amigoprojekt also.
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  •   Gegengerade1975
    (120 Beiträge)

    18.12.2018 07:11 Uhr
    Aha
    Danke für die Hintergrundinfo, die das Ganze in besonderem Licht erstrahlen lässt, warum liest man so etwas nicht in den hiesigen Medien? Unkenntnis oder ebenfalls Amigos?
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  •   Nachteule
    (560 Beiträge)

    17.12.2018 12:56 Uhr
    Auch mit 77 immer noch der Alte
    Seine Kunst ist Geschmacksache - aber seine Selbstdarstellung ist perfekt.
    Um aufzufallen und bekannt zu werden, muss man es genauso machen wie er.
    Nicht nur seine Werke, auch der Künstler selbst muss einen besonderen Unterhaltungswert haben.
    Und den hat Lüpertz zweifelsfrei.
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